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Alibaba Aktie – Welcher Handelskrieg?

23. August 2019

Alibaba Aktie Q1 FY20 - Asiatische Feierlichkeit

Als vor einem Jahr Joe Tsai, der Mitbegründer von Alibaba, die Gefahr des Handelskrieges für die Geschäfte seines Unternehmens herunterspielte, wurde er von den Investoren eher belächelt (siehe unser Alibaba-Porträt und das Update zum Juni-Quartal 2018).

Ein Jahr später hat nun Alibaba ein Umsatzwachstum von 42 Prozent für das Juni-Quartal 2019 präsentiert. Trumps Handelskrieg prallt ab an Chinas Konsumenten. Gegenüber 2018 hat die Plattform 121 Millionen neue Kunden dazugewonnen. Mittlerweile kauft jeder zweite Chinese bei Alibaba ein.

Alibaba Aktie Q1 FY20 - Überblick der Quartalsergebnisse

Zwei säkulare Trends spielen in die Karten von Alibaba:

  1. Noch nie in der Geschichte der Menschheit gelang so vielen Menschen innerhalb einer Generation der Sprung von der Armut in die Mittelschicht. Deng Xiaopings Öffnung des Landes passierte vor gerade mal 40 Jahren. Heute gehören 300 Millionen Menschen in China zur Mittelschicht, meint Joe Tsai. Das entspricht nicht nur fast der Bevölkerungszahl der USA. Auch die Kaufkraft dieser Schicht ist bald auf westlichem Niveau angelangt, mit dem Unterschied, dass die Kaufkraft viel mehr online ausgegeben wird.  Wer immer aus dem Ausland heraus diese Mittelschicht ansprechen möchte, der kommt an Alibabas Tmall-Plattform nicht vorbei.
  2. Die Landflucht in China treibt die Menschen nicht nur in die großen Metropolen, sondern auch in Städte der zweiten Reihe. In mehr als 150 Städten liegt die Einwohnerzahl über eine Million.  Wir hatten in unserem Update letztes Jahr ausgeführt, dass ein Großteil des Kundenwachstums bei Alibaba aus den neuen, aufstrebenden Regionen kommt. Dieser Trend hält an. 70 Prozent des Kundenwachstums in den letzten 12 Monaten geht auf diese Regionen zurück.

E-Commerce dominiert, Cloud-Geschäft zieht an

Alibaba bleibt in erster Linie ein E-Commerce-Unternehmen. Von den 16,7 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal entfallen knapp 87 Prozent auf das Thema Konsum, wenn man Logistik (Cainiao) und Lieferdienst (Ele.me) dazu zählt. Im Vorjahresquartal waren es 90 Prozent. Das Umsatzwachstum im Konsum war mit 44 Prozent noch stärker als beim Gesamtumsatz.

Alibaba Aktie Q1 FY20 - Grafik zeigt Umsätze im Überblick

Auffällig in der Umsatzverteilung oben ist das Wachstum von 134 Prozent in China Retail, Others. Hier sind neben den Umsätzen in den physischen Läden Hema auch die Umsätze von Tmall Supermarkets gebucht. Über die Tmall Supermarkets kann man in den großen chinesischen Städten Lebensmittel online bestellen und innerhalb einer Stunde erhalten. “Sofortness” und Logistik wird die kritische Größe im E-Commerce. In China bricht zwischen Restaurants und Lebensmittelläden ein Wettkampf darüber aus, wer die Kochmuffel ernährt. In einigen neuen Wohngebäuden in China wird schon gänzlich auf den Einbau von Küchen verzichtet.

Außerhalb von Konsum verlagern sich die Schwerpunkte bei Alibaba auf das Cloud-Geschäft. Das Geschäft ist im Vorjahresvergleich um 66 Prozent gewachsen. Im Segment Private Clouds für Unternehmen konnte Alibaba die Umsätze im gleichen Zeitraum sogar um 250 Prozent steigern.

Bei Digital Media zeigt sich Alibaba weniger euphorisch. Man ist offensichtlich nicht mehr bereit, massiv Geld in Inhalte beim Streamingservice Youku zu investieren. Nicht ausgeschlossen, dass Alibaba sich aus diesem Geschäft gänzlich verabschiedet.

Deutlicher Anstieg der Profitabilität

Der Nettogewinn ist im Berichtsquartal gegenüber dem Vorjahr um 150 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar gestiegen. Die operative Marge stieg von 10 auf 21 Prozent. Chinas Unternehmen können nicht nur wachsen, sondern die Kosten drastisch reduzieren, wenn es darauf ankommt.  Alibaba hatte beispielsweise Ende März massiv Mitarbeiter aus Digital Media abgebaut. Die EBITDA-Marge hat sich hier von -55 Prozent im Vorjahresquartal auf nun -35 Prozent verbessert. Nach der Verabschiedung aus dem Cloud-Geschäft in den USA hat dieses Segment nun fast den Break-Even erreicht.

Alibaba Q1 FY20 – Fazit

Die Alibaba-Aktie notiert in den USA etwa dort, wo sie auch vor einem Jahr stand, nämlich knapp über 170 Dollar. Seiher hat das Unternehmen die Umsätze um 40 Prozent gesteigert, ist noch profitabler geworden und hat eindrucksvoll belegt, wie robust das Geschäftsmodell ist.

Entsprechend sind die Bewertungskennzahlen noch attraktiver geworden. Das Unternehmen wurde historisch mit einem Preis/Umsatz-Faktor von circa 15 bewertet. Aktuell liegt dieser Wert bei circa 8. Das KGV auf der Basis der erwarteten Zahlen von 2019 liegt nun bei etwa 26.

Chinesische ADRs haben einen Preisabschlag zu vergleichbaren US-Aktien, und das ist auch gerechtfertigt. Sie Unternehmen sind komplexer, die Corporate Governance lässt zu wünschen übrig, China ist eine Diktatur, und die politischen Risiken sind ungleich höher. Gerade erst hat Alibaba das Listing der Aktie an der Börse in Honkong aufgrund der Proteste dort verschoben. Allerdings halten wir den aktuellen Bewertungsabschlag bei Alibaba für überzogen. Daher werden wir weiterhin die Anteilscheine von Alibaba im Portfolio des DLF halten.


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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien für BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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2 Antworten

  1. Ich finde es doch bedenklich dass ihr in keinem Alibaba posting darauf eingeht, dass es sich um eine VIE (varibale interest entity) Struktur handelt und man als Aktionär nur einen Vertrag mit dem eigentlichen Unternehmen besitzt.
    Zudem gibt es bei BABA viele Red Flags bzgl. Bilanzierung und Corporate Governance, die nicht von Euch diskutiert werden.
    Eigentlich bin ich tiefergehende Analysen von Euch gewohnt. Im letzten Post habt ihr den Kritiker “Deep Throat” versucht zu diskreditieren. Das kenne ich auch nur von Unternehmen die von Shortsellern attakiert werden. Schade.

    1. Hi Michael, das ist ein fairer Punkt. Wir hätten in unserem ersten Artikel zu Alibaba die VIE-Struktur näher diskutieren können und sollen. Bei den regelmäßigen Updates halte ich es aber für überzogen. Leider ist die VIE-Struktur die praktisch einzige Möglichkeit für manche chinesische Unternehmen ein Listing im Ausland vorzunehmen. Das gilt für alle Unternehmen, in die nach dem “Catalogue for the Guidance of Foreign Investment Industries” Ausländer nicht investieren dürfen. Die Internetunternehmen fallen alle darunter. Daher haben mehr als 130 chinesische Unternehmen, die in den USA gelistet sind, diese Struktur gewählt. Das gilt auch für Unternehmen, die z.B. in Hongkong gelistet sind. Alibaba ist hier also keine Ausnahme.

      Dennoch ist es richtig, dass wir lediglich in eine Holding Company nach Recht der Cayman Island investiert sind, die per Vertrag mit der VIE-Gesellschaft in China sicherstellt, dass sie über die wirtschaftlichen Erträge verfügen kann. Die Struktur birgt viele Risiken. Es ist unter Juristen noch nicht mal klar, ob diese Verträge final legal sind, oder ob China diese Verträge im Zweifel anerkennt. Aber in allen IPO-Prospekten sind diese Klauseln klar dargelegt und China hat sie bisher geduldet. China hat mehrmals angekündigt, dass sie ausländische Investitionen neu regeln wird, vielleicht ist das auch ein Thema in den Verhandlungen der Amerikaner mit den Chinesen. Allen Aktionären wäre damit geholfen und für Aktien chinesischer Unternehmen wäre das nur positiv. Im Falle Alibaba hatte zumindest Jack Ma angekündigt, dass er das Key-Person-Risk bei seinen VIEs reduzieren möchte, in dem die VIE bald deutlich mehr Gesellschafter haben.
      Jeglicher KP-Zweifel an der Rechtmäßigkeit dieser Strukturen ohne eine Lösung für die Aktionärsrechte ausländischer Investoren wäre schlimmer als die Lehman-Pleite. Denn dann hätten nicht nur Investoren von chinesischen Aktien ein Problem, sondern alle Aktionäre.

      Bei Deep Throat hatte ich mich über den Namen amüsiert. Offensichtlich hat dieser number cruncher aber ein Faible für Bilanzen und sein Kreuzzug gegen Alibaba ist mindestens amüsant. Allerdings halte ich viele Behauptungen für haltlos. Wenn Du auf die Verkaufszahlen von ausländischen Unternehmen auf Tmall schaust, auch am Single Day, dann sind diese Umsatzzahlen kein Fake, auch die GMV-Zahlen sind dann plausible. Du magst vielleicht nicht Alibaba glauben, vielleicht aber Adidas, L’Oréal und Nestle. Auch die Nutzerzahlen der Alibaba-Apps, die wir uns anschauen, zeigen weiterhin einen klaren Trend nach oben.

      Wir sind bei unserer Analyse chinesischer Unternehmen nicht naiv. Wir weisen in den Analysen auch darauf hin, dass aufgrund der vieler Risiken diese geringer bewertet sind, und das völlig zu Recht. Unser Gesamtengagement in chinesische Unternehmen ist unter 8 Prozent.

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