Alphabet Aktie: Werbegeschäft beschert Rekordumsätze

4. Februar 2021

Alphabet Aktie Google

Die Alphabet Aktie ist seit dem Start unseres Fonds im März 2018 eines unserer Kerninvestments. Vor 9 Monaten hatten wir hier im Blog zuletzt über Alphabet berichtet. Damals war die Alphabet Aktie für 1.350 Dollar zu haben. Es gab viele Befürchtungen, Alphabet würde aufgrund der Abhängigkeit vom zyklischen Werbemarkt ein Verlierer der Corona-Krise sein. Weniger als 1 Jahr später kostet die Alphabet Aktie aktuell 2.076 Dollar und hat sich damit seit unserem Erstinvestment 2018 im Wert fast verdoppelt.

Alphabet Aktie Kurs Chart

Wie lange kann das noch so weiter gehen? Ist die Alphabet Aktie immer noch ein Kauf?

Hier unser Update nach den Zahlen zum Q4 2020, die erstmals auch mehr Transparenz in den Erfolg der Google Cloud Plattform brachten.

Alphabet Quartalszahlen zum Q4 2020

Die wichtigste Botschaft: Die Alphabet Aktie ist nach einer Schwäche in der Corona-Krise mittlerweile wieder auf High-Growth-Kurs: im Q4 konnte der Umsatz um 23 Prozent auf $56,9 Milliarden gesteigert werden. Eine solche Wachstumsrate ist mehr als beachtlich für einen Konzern dieser Größenordnung.

Trotz des Einbruchs im 1 Halbjahr ist Alphabet damit im Gesamtjahr 2020 noch um 14 Prozent (nach Währungseffekten) auf $183 Milliarden gewachsen. Wer hätte das nach dem 1. Halbjahr für möglich gehalten?

Der operative Gewinn sprang im Q4 sogar um 69 Prozent auf $15,7 Milliarden, die operative Marge erhöhte sich damit auf 28 Prozent.

Auch bezüglich des Cashflows war das Q4 2020 ein Rekordquartal für Alphabet. Der operative Cashflow betrug $22,7 Milliarden, nach Investitionen verblieb ein Free Cashflow von $17,2 Milliarden in einem einzigen Quartal. Die Free Cashflow-Marge belief sich damit auf über 30 Prozent!

Alphabet Umsätze im vierten Quatal Übersicht
Quelle: Alphabet Investor Relations Report

Die zwei mit Abstand größten Wachstumstreiber sind YouTube und das Cloud-Geschäft. So wuchs das YouTube-Werbegeschäft gegenüber dem Vorjahresquartal um 46 Prozent auf $6,9 Milliarden Das Google Cloud Geschäft legte (allerdings begünstigt durch Akquisitionen) sogar um knapp 47 Prozent auf $3,8 Milliarden zu.

Alphabet Mitarbeiter Anzahl Übersicht
Quelle: Alphabet Investor Relations Report

Dennoch ist man nur wenig vorangekommen bei dem Ziel, die Abhängigkeit vom Werbemarkt zu reduzieren. Während im Q4 2019 das Advertising Business (inkl. YouTube)  für 82 Prozent des Konzernumsatzes stand, betrug dieser Anteil im Q4 2020 nochmals 81 Prozent.

Google Cloud jetzt (etwas) transparenter

Erstmals hat sich Google jetzt in die Karten schauen lassen hinsichtlich der Profitabilität des schnell wachsenden Cloud Geschäftes.

Dazu hat man eine neue Segmentberichterstattung gewählt, welche die Bereiche “Google Services”, “Google Cloud” sowie “Other Bets” separiert.

In Google Services ist nicht nur das Werbegeschäft enthalten, sondern auch die Umsätze rund um Android, Chrome, Maps, Playstore und YouTube Subskriptionen.

Alphabet Aktie Umsatzentwicklung Übersicht

Der Umsatz mit Google Cloud wurde – auch unterstützt von etlichen kleineren und mittelgroßen Akquisitionen –  innerhalb von nur zwei Jahren von $5,8 Milliarden in 2018 auf $13,1 Milliarden in 2020 mehr als verdoppelt.

In diesen Zahlen zum  Google Cloud Segment ist die Google Cloud Plattform (GCP) genauso enthalten wie Google Workspace. Dahinter verbergen sich i.w. die Google Collaboration Services rund um den MS Office Wettbewerber GSuite. Das GCP Wachstum ist dabei noch schneller als die 47 Prozent Growth für das gesamte Cloud Segment. Innerhalb von nur 3 Monaten hat sich das Backlog der noch nicht realisierten Umsätze um $11 Milliarden gesteigert.

Google Cloud schreibt rote Zahlen

Für Brancheninsider wenig überraschend ist Google Cloud noch deutlich vom Break-Even entfernt. Hier nimmt Alphabet bewusst erhebliche Verluste in Kauf, um Marktanteile gegen AWS und Microsofts Azure zu gewinnen. 2020 sind die operativen Verluste bei Google Cloud auf $5,6 Milliarden angewachsen. Das bedeutete eine negative operative Marge von -43 Prozent.

Gegenüber der Marge von -52 Prozent im Vorjahr ist das zwar eine deutliche Verbesserung, aber es wird wohl noch einige Jahre dauern bis Google mit dem Cloud-Business Geld verdient. Dagegen hat Amazon im vierten Quartal 2020 mehr als 50 Prozent des operativen Gewinns im Cloud-Segment erwirtschaftet.

Strategische Partnerschaft mit Ford

Derzeit gewinnt GCP aber wichtige strategische Deals gegen die Cloud-Plattformen von Amazon und Microsoft. So zum Beispiel die umfangreiche Partnerschaft von Google mit Ford, welche sich über diverse Bereiche erstreckt:  Ford setzt ab 2023 auf Android als Betriebssystem für das Infotainment-System in einigen Modellreihen. Aber auch bei der Modernisierung der Produktentwicklung und der Verbesserung von Produktionsprozessen sollen die AI-Services von Google Cloud helfen. Sogar bei der Monetarisierung des Ford-eigenen Datenschatzes und dem Aufbau einer engeren Kundenbeziehung soll Google unterstützen.

Alphabet ist bekannt für seine langfristige Herangehensweise an seine Investments. Investoren dürfen getrost davon ausgehen, dass Google einen genügend langen Atem hat, um sich auch langfristig als dritter Public Cloud Provider in der westlichen Welt zu etablieren. Die enormen Markteintrittsbarrieren rechtfertigen ein solches Investment auch in dieser Höhe.

Bad News

Wachsen die Bäume bei Alphabet in den Himmel? Mitnichten: so musste Alphabet in den letzten Wochen gleich zwei wichtige Zukunftsprojekte für gescheitert erklären.

Stirbt die Stadia Gaming Plattform?

Zum einen beendet Google die Entwicklung eigener Videospiele für die Stadia Plattform. Nur zwei Jahre nachdem man ein eigenes Gaming Studio gegründet und via Akquisition gestärkt hatte, beendet man damit die Entwicklung von exklusivem Content für die mit großen Erwartung gestarteten Cloud-Gaming-Plattform.

Ob das bedeutet, dass man sich komplett aus dem boomenden Online Gaming-Markt zurückziehen wird? Derzeit wird das von den Verantwortlichen noch dementiert und man betont, dass man sich auf Stadia als Plattform für Spiele von Drittanbietern wie jüngst Cyberpunk 2077 konzentrieren will. Ob das glaubwürdig ist soll der kundige Leser selbst beurteilen.

Loon ist tot

Einen weiteren Tiefschlag musste Alphabet bei seinen Moonshot-Projekten einstecken. Der Versuch, durch das Loon Projekt das Internet auch in abgelegene Gebiete der Erde zu bringen ist gescheitert.

Nicht etwa an unüberwindbaren technologischen oder regulatorischen Hürden, sondern daran, dass es nicht gelungen ist, ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Der Blogbeitrag des Loon-CEO Alastair Westgarth zum Abschied von Loon ist lesenswert.

Alphabet Aktie Fazit

Alphabet hat überragende Zahlen für das Q4 2020 abgeliefert und all diejenigen Lügen gestraft, die im Corona-Crash den Glauben an das Unternehmen verloren hatten. Seit März 2020 hat sich die Alphabet Aktie im Wert verdoppelt und notiert zu historischen Höchstkursen.

Alphabet Aktie EV:Sales Verhältnis Chart

Die Aktie ist mit einem EV/Sales-Verhältnis von knapp 7 nun so teuer wie noch nie in den vergangenen 10 Jahren. Aber die hohen Margen, der verbesserte Umsatzmix (reduzierte Abhängigkeit vom Werbemarkt) und die stillen Reserven in den Other Bets (z.B. Waymo) rechtfertigen durchaus einen Aufpreis gegenüber früheren Jahren.

Die Alphabet Aktie ist daher für uns weiterhin eine gute Halteposition und ein Kerninvestment im Portfolio von The Digital Leaders Fund. Wir sind davon überzeugt, dass man mit der Alphabet Aktie auch einen kommenden Börsensturm gut überstehen kann.

Wenn Du Alphabet auch zukünftig gemeinsam mit uns beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter bestellen.

Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Alphabet. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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Eine Antwort

  1. Mhh, bei eurer Cash Flow Analyse habt ihr elegant die 3.2Mrd Aktienvergütung “vergessen”. Dann ist der Cash Flow “nur” noch 14Mrd und die Marge weniger als 25% und nicht 30%.

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