Alteryx Aktie: Der holprige Weg in die Wolke

24. Februar 2021

Alteryx Aktie

Für die Alteryx Aktie gilt: Nicht immer ist es ein Grund zur Freude, wenn man als Investor richtig liegt. In unserem letzten Beitrag zu Alteryx hatten wir im Juli 2020 bei einem Kurs von über $170 analysiert:

“Für eine solch hohe Bewertung gibt es keine fundamental im Unternehmen nachvollziehbaren Gründe. Die Alteryx Aktie ist aktuell zu teuer… Gerne sind wir bereit, unsere Position zu gegebener Zeit wieder aufzustocken – dann aber nur zu einem fairen und damit aus heutiger Sicht deutlich reduzierten Preis.”

In den letzten 7 Monaten seit diesem Beitrag hat die Alteryx Aktie ca. 40 Prozent ihres Wertes verloren. Die Bewertung ist damit wesentlich attraktiver geworden.

Ist es nun an der Zeit, den Datenanalyse Spezialisten wieder höher zu gewichten?

Alteryx Aktie Kurs Chart
Quelle: aktien.guide

Die Geschäftszahlen aus 2020

Wir hatten in o.g. Beitrag erläutert, dass Alteryx aufgrund von Bilanzierungsregeln nur einen Teil seines Subskriptionsgeschäftes als wiederkehrende Umsätze darstellt. Das führt in Zeiten eines schwächelnden Neugeschäftes zu einem Einbruch beim ausgewiesenen Umsatzwachstum.

Genau das ist in 2020 passiert: nach einem Umsatzwachstum von 93 Prozent in 2018 und 65 Prozent in 2019 ist der Umsatz 2020 nur noch um weniger als 19 Prozent gestiegen. Im Q4 hat das Wachstum sogar nur noch magere 3 Prozent betragen.

Alteryx Aktie jährlich wiederkehrende Einnahmen Chart
Quelle: Alteryx Investor presentation

Die wichtigere Umsatzmetrik für Alteryx-Investoren ist allerdings der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR). Auf dieser weit weniger volatilen Basis ist Alteryx auch in 2020 gegenüber Vorjahr um 32 Prozent auf $493 Millionen gewachsen und auch im Q4 betrug das sequentielle Wachstum gegenüber Vorquartal fast 10 Prozent.

Beeindruckend gut ist nach wie vor die Bruttomarge von 93 Prozent in 2020, die gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht angestiegen ist. Das ist ein wichtiger Hinweise auf den hohen Wert des IP (Intellectual Property = geistiges Eigentum), das in der Alteryx Bilanz schlummert. Denn die Umsätze werden offenbar ohne wesentliche Fremdkomponenten (z.B. OEM) erzielt, die bei anderen Herstellern oft auf die Bruttomargen drücken.

Dennoch ist Alteryx unterm Strich 2020 längst nicht mehr so profitabel gewesen wie im Vorjahr.

Alteryx Aktie Gewinne Übersicht
Quelle: Alteryx Investor presentation

Der Grund sind überproportional erhöhte Ausgaben für Softwareentwicklung sowie Marketing und Vertrieb und jede Menge Aktienoptionen für Mitarbeiter und das neue Management (dazu später mehr).

Besonders deutlich wirkt sich das in den GAAP-Zahlen aus. Während Alteryx in den Vorjahren auch nach GAAP bereits profitabel war, weist man für 2020 einen deutlichen Verlust von -$24 Millionen aus.

Alteryx verfügt über eine starke Bilanz und kann sich diese Investitionen in die Zukunft leisten. Das Unternehmen hat 2020 eine Free Cashflow-Marge von ca. 10 Prozent erwirtschaftet und verfügte damit per Ende 2020 über Cashbestände von $1 Milliarde.

Entwicklung der Kundenbasis

Das Neugeschäft bei Alteryx ist in der Corona-Pandemie ins Stocken geraten. Im Q4 kamen netto (also abzüglich der verlorenen Kunden) gerade mal 128 Kunden hinzu, insgesamt betreut man derzeit ca. 7.100 Kunden. Etliche kleinere Kunden gingen verloren, dafür verantwortlich ist zum einen Corona, aber auch die bewusste Fokussierung der Alteryx Vertriebsmannschaft auf größere Unternehmen.

Mittlerweile ist die Alteryx-Software bei 38 Prozent der Global 2000 Unternehmen zur Datenanalyse im Einsatz. Das neue Management sieht in der stärkeren Durchdringung der Großunternehmen offenbar die größten Wachstumschancen. Untermauert wird diese Ansicht durch eine Net Retention Rate von 132 Prozent im Großkundensegment, d.h. diese Kunden zahlten im Durchschnitt mehr als 30 Prozent mehr als im Vorjahr für die Alteryx-Software.

Guidance für 2021

Im Gegensatz zu etlichen anderen Softwareprovidern traut sich das Alteryx-Management eine Guidance für das Gesamtjahr 2021 zu.

Die Erwartung eines Umsatzanstieges von 13 Prozent auf $560 Millionen hat Investoren enttäuscht. Auf ARR-Basis stellt sich das erwartete Wachstum auf $625 Millionen positiver dar (+25 Prozent), aber auch das wäre eine deutliche Verlangsamung gegenüber 2020.

Die eigentliche Enttäuschung der Guidance waren wohl die bescheidenen Ambitionen bei der Profitabilität. Das operative Gewinn soll Non-GAAP gerade mal den Break-Even erreichen. Was das dann für das GAAP-Nettoergebnis bedeutet, das kann man sich leicht vorstellen: es sind in 2021 deutlich rote Zahlen zu erwarten.

Shuffle in der C-Suite

Diese zumindest bzgl. der Profitabilität enttäuschende Guidance erklärt sich durch den im vergangenen Oktober vollzogenen Wechsel an der Unternehmensspitze. Der Unternehmensgründer Dean Stoecker hat sich nach 23 Jahren vom Amt des CEOs und damit aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen, bleibt aber als Chairman of the Board für Alteryx aktiv.

Als Nachfolger berufen wurde Mark Anderson, der bis 2018 viele Jahre lang bei Palo Alto Networks für die Skalierung des Unternehmens verantwortlich war.

Alteryx vollzieht also gerade den schwierigen Schritt weg von einem eigentümer-geführten hin zu einem management-geführten Unternehmen. Das ist immer eine große Herausforderung. Naturgemäß verändert der neue CEO vieles und holt eine Reihe von Leuten aus seinem eigenen Netzwerk ins Unternehmen. Das ist auch in diesem Fall nicht anders.

Mark Anderson steht eher für den klassischen Enterprise Vertrieb an Großkunden als für das weniger kapitalintensive BottomUp-Land+Expand-Vertriebsmodell, das Dean Stoecker bevorzugte. Das bedeutet zunächst mal große Investments in den Aufbau einer Enterprise Vertriebsorganisation. Die sind aber wohl tatsächlich nötig, wenn man Data Analytics-Weltmarktführer in einem $50 Milliarden großen Markt werden und Multi-Millionen-Deals mit den Großkonzernen dieses Planeten abschließen möchte.

Alteryx geht in die Cloud

Zudem ist es die Aufgabe des neuen CEOs, das Alteryx Produktportfolio fit zu machen für das Cloud-Zeitalter. Alteryx hat in den vergangenen Jahren erstaunlich wenig Geld für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Die R+D-Kostenquote lag mit 15-16 Prozent in 2018/2019 weit unter dem Durchschnitt vergleichbarer Wachstumsunternehmen. Wenn man das negativ sehen möchte, dann könnte man da durchaus so etwas wie einen Investitionsstau hineininterpretieren.

In jedem Fall ist die nun anstehende konsequente Transition des erfolgreichen Produktportfolios in die Cloud eine Herkulesaufgabe an der schon etliche andere Hersteller gescheitert sind. Die große Frage ist, ob Alteryx diese Aufgabe erfolgreich bewältigen kann, bevor andere originär cloud basierte Datenanalyse-Wettbewerber sich etablieren können?

Es gibt durchaus Beispiele einer erfolgreichen Transition auch von noch viel größeren Unternehmen wie Microsoft oder Adobe – und es ist natürlich kein Zufall dass der kürzlich vorgestellte CPO (Chief Product Officer) Suresh Vittal ausgerechnet von dort kommt. CEO Anderson: “The hiring of Suresh was a targeted hire. We’ve looked for companies that had made the journey from on-prem multi-versions of their different solutions.”

In jedem Fall wird die Softwareentwicklung in den kommenden Jahren bei Alteryx viel mehr Geld verschlingen als 2018/2019. Gemeinsam mit dem geplanten Enterprise Vertrieb bedeutet das unweigerlich, dass die Profitabilität sinken wird. Konkret hat das Management seine Investoren schon mal auf ein relativ schwaches 1. Halbjahr 2021 eingestimmt.

Der Abgang des CRO

Zusätzlich zu diesen Herausforderungen ist in der vergangenen Woche noch ein handfester Skandal passiert, der den Alteryx Aktienkurs aktuell noch zusätzlich belastet: Fast still und heimlich musste der erst im Januar neu berufene CRO (Chief Revenue Officer) Dean Darwin seinen Posten nur wenige Wochen nach Amtsantritt wieder räumen.

In einer Pflichtmitteilung an die SEC wird sein Rücktritt mit einem “nicht mit den Werten des Unternehmens zu vereinbarenden” Social Media Post begründet. Dahinter steckt ein rassistischer Tweet von Darwin, der sich abfällig über chinesische Forscher geäußert und deren Ausweisung aus den USA gefordert hatte.

Dean Darwin war eine der Schlüsselpersonen, die der neue CEO in den vergangenen Monaten ins Unternehmen geholt hatte. Die Frage ist nun, ob durch diesen Skandal auch Mark Anderson beschädigt ist. Denn Dean Darwin kam aus seinem Netzwerk, die beiden hatten bei Palo Alto erfolgreich zusammengearbeitet und Anderson hatte Darwin als Vertrauensperson zu Alteryx geholt.

Darwin war nicht nur Vertriebschef, sondern für alle Go2Market-Strategien verantwortlich und sollte den Plan für die nächste Wachstumsphase des Unternehmens entwerfen und verantworten. Dies umfasste neben dem direkten Vertrieb auch den Aufbau der indirekten Vertriebskanäle. Der plötzliche Abgang zum jetzigen Zeitpunkt ist ein schwerer Schlag für Alteryx und dürfte den Umbau des Unternehmens deutlich zurückwerfen.

Nichtsdestotrotz sind solche personellen Probleme gerade in der Vertriebsorganisation nicht ungewöhnlich und mittelfristig in jedem Fall lösbar. Die Wahrscheinlichkeit ist damit jedoch noch größer geworden, dass der Newsflow aus dem Unternehmen erst noch schlechter wird, bevor echte Erfolgsmeldungen einer Trendumkehr kommen.

Partnerschaft mit Snowflake

Aber es gibt auch gute Nachrichten zu vermelden: so ist Alteryx seit Januar in einer offiziellen Partnerschaft mit Snowflake verbunden und bietet seine APA-Plattform (Analytic Process Automation) damit auch im Verbund mit dem derzeit wohl am schnellsten wachsenden Data Warehouse an.

Es bleibt abzuwarten, wie sich diese Partnerschaft in der Zukunft entwickelt. Aber es ist gut vorstellbar, dass Alteryx im Windschatten von Snowflake erheblich von diesem Vertriebskanal profitieren kann. Sogar eine Übernahme von Alteryx durch Snowflake ist mittelfristig gut vorstellbar. Denn Snowflake ist aufgrund seiner abstrus hohen Bewertung von mehr als $75 Milliarden fast schon ”zum anorganischen Wachstum verdammt” und auch für Alteryx könnte eine mittelfrisitige Akquisition durchaus eine attraktive Option darstellen.

Was bedeutet all das für Alteryx-Aktionäre?

Aufgrund der nochmals gestiegenen Unsicherheiten hat die Alteryx Aktie einen Abschlag gegenüber anderen Software-Aktien verdient. Der Wert der Company ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt trotz des sehr guten Margenprofils deutlich niedriger anzusetzen als bei einer reinrassigen SaaS-Company gleicher Größenordnung. Man sollte sich daher nicht blenden lassen von dem deutlich auf 12 gesunkenen EV/Sales-Verhältnis (forward).

Falls der Umbau zur echten Cloud-Company und die Entwicklung zum Data Analytics Marktführer gelingt, dann werden geduldige Aktionäre in ein paar Jahren reich belohnt werden. Die Chancen dazu hat Alteryx mit einer begeisterten Kundenbasis allemal. Die derzeitige Bewertung zu einem Enterprise Value von  $7-8 Milliarden lässt in einem positiven Szenario jedenfalls genug Raum für künftige Wertsteigerungen.

Sollte der neue CEO Mark Anderson aber den Rückhalt seiner Mitarbeiter verlieren und scheitern, dann könnte das Unternehmen schweren Zeiten entgegensehen und vom Wettbewerb überholt werden. Auch in diesem Szenario könnte Alteryx – dann eher ungeplant und zu einem ungünstigen Zeitpunkt – zum Übernahmekandidat avancieren.

Die Alteryx Aktie ist definitiv nichts für einen Buy+Hold-Investor. Hier muss man als Aktionär am Ball bleiben und genau beobachten, wohin die weitere Reise des Unternehmens geht.

Wir bleiben mit The Digital Leaders Fund (vorerst) mit einer kleineren Position investiert, aber es ist für uns (noch) nicht an der Zeit, wieder eine größere Position aufzubauen.
Wenn Du die weitere Entwicklung von Alteryx gemeinsam mit uns und über 10.000 weiteren Lesern beobachten willst, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.

Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Alteryx. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Neueste Beiträge

Tags

Neuste Kommentare

Twitter

Instagram