Apple Aktie – Wie Apple trotz Inflation und Konsumflaute die Margen steigert

4. November 2022

Apple Aktie Quartalszahlen

Wir haben letzte Woche über die Götterdämmerung an der Wallstreet berichtet. Meta, Amazon, Alphabet und selbst Microsoft enttäuschten mit ihren Quartalszahlen. Einzig Apple präsentierte sich unter den Big Techs als “rock solid”. Warum das so ist.

Apple Aktie: Apple jetzt wertvoller als Meta, Alphabet und Amazon zusammen

Erwartungen erfüllt und Guidance beibehalten. Mitten im Bärenmarkt sind dies gute Nachrichten. Die Apple Aktie legte am Folgetag um 7 Prozent zu. Mittlerweile ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als Meta, Alphabet und Amazon zusammen.

Börsenwert Apple vs Summe der Börsenwerte von Meta, Alphabet und Amazon

Market Cap Vergleich nicht normalisiert
Quelle Pyfore Capital, Bloomberg

Das Umsatzwachstum lag bei plus 8 Prozent (+14 Prozent ohne Währungseffekte) und die Bruttomarge betrug 42,3 Prozent. Beide Zahlen waren damit leicht über den Konsensuserwartungen, womit sich die Muster der Vergangenheit erneut wiederholt haben. Überrascht hat dagegen der Zahlenmix. Umsätze mit iPhones und iPads und Services lagen trotz Rekordzahlen unter den Wallstreet-Erwartungen, die Umsätze mit Macs (+25 Prozent) dank des neuen M2-Chips dagegen deutlich darüber. Letzteres ist bemerkenswert im Kontext der desaströsen Zahlen anderer PC-Entwickler bisher in diesem Jahr.

Das Margenwunder – Inflation bei den Preisen, Deflation bei den Komponenten

Es gab vereinzelte Kommentare über vermeintlich schwache iPhone Umsätze. Das ist aus vielerlei Gründen Unsinn. Apple hat den Umsatz mit iPhones um 10 Prozent auf 42,6 Milliarden Dollar steigern können – dem starken Dollar zum Trotz. Angesichts der schwächsten Absatzzahlen im dritten Quartal weltweit bei Smartphones seit 2014 ist das beeindruckend. Im Earnings Call hat Tim Cook mehrmals auf die Lieferengpässe bei der neuen iPhone-14-Linie hingewiesen. Apple hat kein Nachfrageproblem. Die Zahl der Wechsler von anderen Smartphones zu Apple-Devices ist im abgelaufenen Quartal zweistellig gestiegen. In China liegt die Wachstumsrate bei iPhones nach diversen Berichten bei über 30 Prozent. Im Weihnachtsquartal wird der Verkaufsmix offensichtlich wieder stärker von den alten Geräten hin zu den neuen iPhones verlagert. Die Guidance für die Bruttomarge von 42,5 bis 43,5 Prozent ist ein Hinweis darauf. Was die hohe Bruttomarge in Zeiten galoppierender Inflation und starkem Dollar auch verrät: Apple scheint bereits jetzt massiv von der deflationären Entwicklung bei den Komponentenkosten zu profitieren. Das ist eine gute Nachricht für Investoren.

App Store nimmt Google Play Marktanteile ab

Ähnlich verhält es sich mit dem vermeintlich mageren Wachstum der Serviceumsätze, die “nur” um 5 Prozent gestiegen sind. Was bei Amazon, Alphabet und Microsoft die Cloudumsätze sind, ist bei Apple der App-Store-Umsatz. Hier ist Kontext nötig: Wenn es den Unternehmen schlechter geht, fragen sie weniger Rechen- und Serverkapazität bei den Cloudprovidern ab. Wenn die Gaming-, Streaming- und Digital-Ad-Unternehmen (insbesondere Google TAC) weniger Umsätze verbuchen, dann bekommt das auch Apple umgehend zu spüren. Die Sensor Tower Zahlen in der Graphik unten zeigen, dass die App-Umsätze in Q3 um 4,8 Prozent zurückgegangen sind. Allerdings sind die Umsätze bei Google Play deutlich stärker zurückgegangen. Der Marktanteil des App-Stores wächst, was die Downloadzahlen zeigen. Die Fähigkeit, auch in schlechten Zeiten Wettbewerbern Marktanteile abzunehmen, ist Ausdruck des beeindruckenden Moats von Apple.

App-Store Umsätze gehen zurück, Marktanteil wächst

Apple als Verteidiger der Menschenrechte?

Trotz des Gegenwinds hat Apple die Umsätze steigern können. Wie kann das sein? Meine Vermutung ist, dass Apple mittlerweile deutlich höhere Werbeumsätze generiert als Tim Cook zugibt, um bloß nicht die Regulierer zu alarmieren. Sein pathetischer Ton zum Thema App Tracking und zur Werbung wirkt mittlerweile auch ein wenig peinlich: „We feel that privacy is a basic fundamental human right, and so that’s sort of the lens that we look at it under. Our specific advertising business is not large and relative to others and so forth.” Zudem erhöht Apple inzwischen beliebig die Preise für Apps und In-App-Käufe weltweit, ohne dass App-Entwickler sich dagegen wehren könnten. So auch bei Ausweitung der App-Store-Gebühr auf Social Media „Boost“ Ads. Goldman Sachs schätzt, dass allein Meta 2023 dafür 445 Mio. Dollar zusätzlich an Apple wird abdrücken müssen. Um es mit Tim Cook zu sagen: Noch nie war die Verteidigung der Menschenrechte einträglicher. 

Apple geht mit einem beeindruckenden Produktportfolio in das Weihnachtsquartal. Sofern Foxconn die Produktion in China aufrechterhalten kann, wird Apple wieder Rekordumsätze und -Gewinne einfahren. Man kann einfach nur darüber staunen, wie es Apple sogar in Zeiten von Inflation und Konsumflaute gelingt, die Bruttomarge zu steigern. Es ist daher wenig verwunderlich, dass die Apple Aktie auch zunehmend ein Favorit von defensiven Investoren wird. Das KGV für das Gesamtjahr 2022 liegt nun bei 24, die Free-Cashflow-Rendite bei 4,7 Prozent. Für ein Ausnahmeunternehmen ist das weiterhin attraktiv. Die Hauptrisiken bleiben das China-Geschäft (Absatzmarkt und Produktionsstandort) und die Regulierung. Letzteres ist allerdings kein akutes Thema – bis auf weiteres gilt noch das Motto: “Success is not illegal”.

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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Apple. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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