Capitec Aktie – Ist die hohe Bewertung gerechtfertigt?

6. Mai 2022

Capitec Aktie

Bei Capitec steht im Sommer ein Führungswechsel an. Mitgründer und CEO Gerrie Fourrie hat die Gelegenheit wahrgenommen, uns mit seinen Kollegen und frischen Jahreszahlen im Gepäck in Frankfurt zu besuchen. Viele Anleger schätzen die Capitec Aktie, klagen aber über die hohe Bewertung. Wir wollen untersuchen, wie die aktuellen Zahlen zum haussierenden Kurs passen.

Capitec Aktie Kurs Chart
Kurschart: Capitec Aktie und P/E Ratio

Capitec Top Management Roadshow

Die Pandemie hat das Zoom Meeting auch beim 1-on-1, dem persönlichen Gespräch zwischen Portfoliomanager und Unternehmen, hoffähig gemacht. Es bleibt aber nicht alles virtuell. Capitec hat der postpandemischen Lethargie getrotzt und sich jetzt als erstes Unternehmen auf Roadshow getraut, um Anlegern den neuen CFO persönlich vorzustellen.

Grand Hardy, seit 5 Jahren bei Capitec und mitverantwortlich beim Kauf des Firmenkundengeschäftes (Mercantile Bank), wird die Rolle von Mitgründer Andre du Plessis übernehmen, der sich nach 22 Jahren zur Ruhe setzt.

Das Management traf weltweit 70 Investoren. Diese aktive Kommunikation ist Ausdruck der guten Corporate Governance von Capitec.

Capitec Management Meeting Pyfore Capital
Bild links (Capitec): Fourrie, Hardy, du Plessis: Bild rechts (Pyfore): Steffen Gruschka, Baki Irmak

Starke aber nicht unerwartete Jahreszahlen

Das Geschäftsjahr 2022 endete bei Capitec im Februar 2022. Der Jahresumsatz wuchs um 17 Prozent auf 27 Milliarden Rand. Das Kreditgeschäft erlöste 56 Prozent der Umsätze und wuchs 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Fees brachten 39 Prozent der Erlöse ein und wuchsen um 21 Prozent. Die Anzahl der Kartenzahlungen stieg um 45 Prozent auf 1,4 Milliarden.

Der “Funeral Plan”, eine landesspezifische populäre Sterbeversicherung, wuchs mit 39 Prozent besonders stark und machte 3,4 Prozent der Umsätze aus. Trauerfeiern nehmen in der Black Community einen großen Stellenwert ein und verursachen dementsprechend hohe Kosten. Im Grunde geht es aber um eine Art Risikolebensversicherung.

Da die operativen Ausgaben um 33 Prozent anstiegen, erhöhte sich das Cost-to-Income Ratio um 6 Punkte auf 47 Prozent. Schuld ist der Kampf um gutes Personal im IT-Bereich. Der operative Gewinn wuchs entsprechend nur um 6 Prozent.

Da die Rückstellungen sich halbiert haben, explodierte der Reingewinn um 84 Prozent auf 8,4 Milliarden Rand. Das sind solide Zahlen, aber sie überraschten niemanden an der Börse in Johannesburg, denn die Zahlen entsprachen genau dem Analysten-Konsensus.

Die Einlagen stiegen um 12 Prozent auf 135 Milliarden und das Kreditvolumen um 11 Prozent auf 84 Milliarden Rand. Das niedrige Verhältnis begründet sich in der konservativen Kreditvergabe, von den 18 Millionen Kunden hat nicht einmal jeder Zehnte einen Kredit. Die relativ neue Access Facility, ein pay-as-you-go Überziehungsrahmen mit der Ausrichtung auf Kunden mit höherem Einkommen gewann mit 17 Prozent (Vorjahr 7 Prozent) Anteil an den ausstehenden Krediten und mit 38 Prozent aller neuen Kredite deutlich an Bedeutung. Im letzten Jahr wurden erstmals mehr als die Hälfte aller Kredite an Kunden mit Einkommen über 15 000 Rand vergeben. Das Top-Segment mit Einkommen über 25.000 stieg von 12 auf 19 Prozent am stärksten. Die Qualität des Geschäftes wird besser.

total gross loans and advances

Zur konservativen Kreditvergabe passt auch die dicke Eigenkapitaldecke mit einem Capital Adeqacy Ratio von 36 Prozent. Der Return on Equity ist mit 26 Prozent wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie.

Unterstützung für das laufende Jahr bekommt das Geschäft von der Makro Front. Zum einen profitiert die südafrikanische Wirtschaft von den hohen Rohstoffpreisen, die zwei Drittel der Exporte ausmachen. Außerdem gibt es Unterstützung von der Zentralbank, die die Zinsen gerade um 0,25 Prozent auf 4,25 Prozent erhöht hat. Bis zum Jahresende werden 7,5 Prozent erwartet. Das dürfte die Zinsmarge von Capitec noch deutlich ausweiten.

Kundenengagement

Capitec hat gleichzeitig ein Update zu den Transaktionskanälen gegeben. Die Gesamtzahl der Kunden stieg um 14 Prozent auf 18 Millionen. Wichtiger noch schnellte die Zahl der aktiven digitalen Kunden um 25 Prozent auf 6,6 Millionen empor.

Die Anzahl der datengetriebenen und personalisierten Kontakte über SMS, Email, Telefon und Soziale Medien schwoll auf 275 Millionen an. Das Call Center erhielt 7,5 Millionen Anrufe.

Aber auch das Brick and Mortar Netzwerk bleibt relevant. Die 853 Filialen wurden 4,5 Millionen Mal besucht. Immer noch werden 80 Prozent der Funeral Insurance Policen trotz der deutlich höheren Abschlusskosten in der Filiale abgeschlossen. Die Selbstbedienungsterminals in den Filialen wurden 21 Millionen Mal genutzt (+21 Prozent).

Neben der Neukundengewinnung ist das Engagement die wichtigste Stellschraube um den Umsatz zu steigern. Hier setzt die Live Better Initiative an. Kunden mit aktivem Live Better Programm erhalten 1,5 Prozent Cashback bei Kreditkartenzahlungen und 0,5 Prozent beim Einsatz der Debit Karte. Das ist praktisch die gesamte Interbank Fee. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Discounts und Cash Backs sowie niedrigere Handelsgebühren bei Aktien.

Dazu muss der Kunde mindestens ein aktives Kredit-, Versicherungs- oder Sparprodukt und monatlich 3 Lastschriftaufträge bedienen sowie 5 Transaktionen durchführen. De facto müssen sie Capitec zur Hausbank machen. Die Aktivierung ist nur in der App möglich.

5,7 Millionen Kunden habe sich angemeldet und 2,1 Millionen Kunden sind im Sinne der Kriterien aktiv.

Relevanz des Firmenkundengeschäftes

Der entscheidende mittelfristige Kick für Capitec sollte die Entwicklung des kürzlich übernommenen Firmenkundengeschäftes werden. 2022 wurde die Anzahl der Kunden um 10 Prozent auf 125.000 gesteigert. Der operative Gewinn bezifferte sich auf 581 Millionen Rand. Das Segment der SME hat sich, wie die aktuellen Zahlen gezeigt haben, deutlich resilienter entwickelt als erwartet.

Capitec wertet bereits detaillierte Informationen zu Lohn- und Bonuszahlungen aus dem Privatkundengeschäft genauso wie den Input der in der Community aktiven Mitarbeiter aus. Die bereits schon jetzt gesammelten Informationen können also doppelt verwendet werden, um den Finanzstatus der Firmenkunden zu beurteilen und ermöglichen damit eine intelligentere Kreditvergabe.

Der Fokus soll dabei auf dem von der Konkurrenz vernachlässigten Segment der Klein- und Mittelständler liegen. Das passt sehr gut zum historischen Fokus der Bank.

Wir sehen hier nach dem Relaunch 2023 deutliches Potential für eine Umsatzsteigerung. Das Management wollte sich noch zu keiner konkreten Prognose hinreißen lassen.

Bewertung und Fazit zur Capitec Aktie

Capitec Aktie Bewertungsvergleich

Du Plessis hat in unserem Gespräch Humor bewiesen. Zum langjährigen Jammern über die hohe Bewertung witzelte er: „Ja Capitec ist teuer – aber exklusiv!“. Tatsächlich gibt es auch in unserer Peer Group nicht viele Banken mit einer Nettozinsmarge von 6,3 Prozent bei einer Kreditausfallquote von gerade einmal 3,2 Prozent. Das sind Indikatoren eines guten Risikomanagements.

Die starke Gewinnentwicklung des letzten Jahres hat der Aktienkurs allerdings schon eingepreist. Mit einem Konsensus KGV von 24 und einem P/B von 6,1 für das kommende Jahr bleibt die Capitec Aktie damit weiterhin die “teuerste” Bank in der Vergleichsgruppe. Das Geschäft profitiert allerdings von höheren Zinsen und Rohstoffpreisen, die Konsensus Erwartungen dürften damit übertroffen werden.

Die Live Better Initiative sollte die noch relativ niedrige Monetarisierung des Kundenstammes dank verstärktem Cross Selling verbessern und die Anzahl der Kunden erhöhen, für die Capitec als Hausbank fungiert (aktuell 4,6 Millionen).

Wie viel Luft drin ist lässt sich am ARPAC (Average Revenue per active Client) ablesen, der 2021 bei gerade einmal 8 US-Dollar liegt. Dieser Wert liegt bei Emerging Market Legacy Peers um ein vielfaches höher.

Die Geschäftsbank birgt außerdem erhebliches Potenzial, weil sich dank des Datenabgleichs mit der Retailbank deutliche Synergien heben lassen. Hier wünschen wir uns vom Management beim nächsten Besuch mehr Details.

Die Capitec Aktie bleibt weiter im EM Digital Leaders Portfolio, auch wenn sie jetzt wieder in die Bewertung hineinwachsen muss.

Disclaimer

EM Digital Leaders und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Capitec. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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