China Aktien: Niemals geht man so ganz

16. Juni 2023

Liebe Leser und Investoren,

im heutigen Kommentar betreiben wir etwas Nabelschau. Aber nicht nur, denn dahinter steht eine der großen Investment-Fragen der heutigen Zeit: Ist China investierbar? Zunächst die für einige Investoren unangenehme Nachricht: Zwei Jahre, nachdem wir den Fonds China DL in unsere Fondsfamilie übernommen haben, müssen wir den Fonds schließen. Das lag nicht an der relativen Performance. Mein Fondsberater-Kollege Mirko Wormuth, von dessen Expertise auch unsere Blog-Leser profitiert haben, hat einen guten Job gemacht. Natürlich hat ein China-Tech-Fonds auch die Markttiefs mitgenommen, aber 2021 und auch seit Oktober 2022 hat der Fonds verhältnismäßig gut performt. Aber: Die ruinöse Wirtschaftspolitik von Präsident Xi hat ausländische Investoren vergrault, Chinas Digitalunternehmen verkrüppelt und die Konsumenten in China paralysiert.

Chinas Aktien hätten die großen Gewinner der letzten Jahre sein können, so wie während des Dotcom-Crashs 2000-2003, als sie über 100 Prozent zulegten. Stattdessen haben Meta, Nvidia, Microsoft, Amazon & Co ihre chinesischen Konkurrenten nach Marktkapitalisierung regelrecht gezwergt. Der zweite Grund für die Schließung: Wegen der miserablen absoluten Performance ist das Interesse an Chinas Aktien schlicht nicht vorhanden. Das Fondsvermögen pendelte zuletzt bei unter drei Millionen Euro. Das machte den Fonds unrentabel und für Anleger aufgrund der Fixkosten teuer. Anleger können den Fonds bis 4. Dezember verkaufen, ansonsten werden danach die Anteile verkauft und die Gelder an die Kunden ausgekehrt. 

Gibt es eine Moral der Geschichte? Die Frage ist schwierig zu beantworten. Anleger stehen vor der Frage, ob sie in Länder investieren möchten, die politisch mitunter unappetitlich sind. Ich kann jeden verstehen, der aus seinen Wertaxiomen heraus diese Länder meidet. Das ist eine moralische und keine kaufmännische Entscheidung. In Reinform ist die Umsetzung allerdings schwierig, da fast jede Investition, ob in BASF, Nike oder Apple “China embedded” ist. Die andere spannende Frage ist, ob China auch kaufmännisch dauerhaft ein schlechtes Investment ist. Viele ausländische Investoren haben kapituliert; die Industrie investiert lieber in Chinas Nachbarländer. Die Outperformance der US-Digitalunternehmen an den Börsen hat in China regelrechte Panikstimmung erzeugt. Die Zentralbank hat diese Woche die Zinsen wieder gesenkt. Bloomberg berichtet von einem anstehenden konzertierten Programm, die Wirtschaft zu stimulieren und das Konsumentenvertrauen wieder zu heben: “Senior Chinese officials are soliciting advice from business leaders and economists on how to revitalize the economy in a flurry of meetings.” Wenn der Markt in China wieder das Kommando übernimmt, sind Chinas Digitalunternehmen nicht nur investierbar, sondern aufgrund des großen Bewertungsabschlags heiße Kandidaten für Outperformance. Wer daran glaubt, der kann mit unseren zwei Hauptfonds an Chinas Turnaround partizipieren: TheDLF hat ein China-Exposure von 15 Prozent, der Emerging Markets DL eine China-Quote von etwa 30 Prozent.

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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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