Bundeskanzler Friedrich Merz hat für Deutschland „Code Red“ ausgerufen. Die Bundesregierung sieht die Gefahr, dass Deutschland den Anschluss an das KI-Zeitalter verliert, mit dramatischen Folgen für Millionen Arbeitsplätze, für Steuereinnahmen, für die Finanzierung des Sozialstaats und für die Zukunft des Landes.
Für einen ganzen Tag wird das Kanzleramt daher zum Lagezentrum für Deutschlands wirtschaftliche Zukunft.
Keine Verbandsfunktionäre, keine Runde aus Ministerialbeamten. Stattdessen sitzen dort Menschen, die Technologien entwickeln, Unternehmen aufgebaut haben und Milliarden investieren.
Hasso Plattner, Mitgründer von SAP. Nicola Leibinger-Kammüller von TRUMPF. Christian Leicher von Rohde & Schwarz. Alexander Rinke, Mitgründer und Co-CEO von Celonis. David Reger, Gründer von NEURA Robotics. Ralph Dommermuth von United Internet. Gundbert Scherf von Helsing. Jan Oberhauser, Gründer von n8n. Christian Müller, CEO von Schwarz Digits.
Dazu die Chefs der großen deutschen Technologie- und Industriekonzerne: Roland Busch von Siemens, Timotheus Höttges von der Deutschen Telekom, Christian Klein von SAP und Jochen Hanebeck von Infineon.
Am Tisch sitzen auch Bernhard Schölkopf, einer der renommiertesten deutschen KI-Forscher, und Wolfgang Wahlster, eine prägende Figur der deutschen KI-Forschung. Zudem hat Merz einige Silicon-Valley-Deutsche eingeladen, die zu den Pionieren der KI-Ökonomie gehören: Andreas von Bechtolsheim, Mitgründer von Sun Microsystems, früher Google-Investor und Mitgründer von Arista Networks. Sebastian Thrun, Stanford-Professor, Gründer von Google X und Pionier des autonomen Fahrens. Und Peter Thiel.
Drei Fragen liegen auf dem Tisch:
Was muss Deutschland in den kommenden fünf Jahren tun, um bei künstlicher Intelligenz nicht dauerhaft von den USA und China abhängig zu bleiben? Wie bekommen wir genügend Energie, Chips und Cloud-Infrastruktur? Wie bringen wir KI in den deutschen Maschinenbau, die Chemieindustrie, den Mittelstand, die Logistik und die Automobilindustrie?
Schön wär’s. Nichts davon hat sich zugetragen. Das Ganze ist nur ein Gedankenspiel eines KI-Investors.
Superintelligenz im Weißen Haus
Was in Berlin wie eine ungewöhnliche Vorstellung klingt, passiert in Washington mit großer Regelmäßigkeit. Diese Woche saßen im Weißen Haus die führenden KI-Köpfe Amerikas mit Präsident Trump zusammen und diskutierten darüber, wie Amerika das Tempo bei KI beibehält und gleichzeitig Sicherheitsrisiken adressiert.
Das Ergebnis: Unter dem Titel „The White House Accord on Superintelligence“ verpflichteten sich die sechs Unternehmen Anthropic, OpenAI, Google, Meta, xAI und Nvidia zu internen Kontrollmechanismen, unabhängigen externen Auditoren und einem Komitee aus unabhängigen Vorständen, das die Entwicklung überwacht. Keine Pause, kein Freifahrtschein für die Frontier Labs, das Tempo zu koordinieren, keine kurzfristige staatliche Regulierung. Man muss Trumps KI-Politik nicht für richtig halten, um den institutionellen Unterschied interessant zu finden. In Amerika ist KI in der Politik und in den Vorstandsetagen das alles dominierende Thema. Amerika ist überzeugt: Whoever wins AI, wins. Und worüber diskutiert Deutschland?
Comeback von OpenAI
OpenAI hatte Anfang Dezember 2025 tatsächlich einen „Code Red“ ausgerufen, als Google mit Gemini in den Leaderboards an ChatGPT vorbeizuziehen drohte. Seither ist viel passiert. Axios hat diese Woche gemeldet, dass OpenAI im September eine annualisierte Umsatzrate von knapp 70 Milliarden US-Dollar erreicht hat. Nach Zahlen von Ramp ist OpenAIs Astra sogar an Anthropics Fable im Enterprise-Spending vorbeigezogen. Die Panik im Hause OpenAI hat sich ausgezahlt. Das sind auch gute Nachrichten für alle Partner von OpenAI, für Microsoft, SoftBank, Oracle und CoreWeave.
Micron: 2027 Compute ist verkauft,
jetzt wird 2028 verhandelt
Gute Nachrichten für den AI-Trade gab es auch von Micron. Das Unternehmen hat am Mittwoch Rekordzahlen gemeldet: 54,2 Milliarden Dollar Umsatz im vierten Quartal und eine Bruttomarge von 87 Prozent. CEO Sanjay Mehrotra: Mehr als 75 Prozent der Produktion für 2027 sind bereits vergeben, die Kundengespräche drehen sich längst um 2028, und in beiden Jahren bleibt das Angebot knapper als 2026.
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Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.



