Seit April haben wir an dieser Stelle Woche für Woche Jubelmeldungen verkündet. In der abgelaufenen Woche kam die Korrektur. Sie fiel heftig aus, und unsere Fonds gaben dabei sogar deutlich mehr nach als vergleichbare Indizes. Der Preis eines konzentrierten Portfolios. Doch jede Korrektur neigt zur Übertreibung und bietet Chancen, für Investoren, die vorbereitet sind.
Warum der Rücksetzer? Da kam einiges zusammen. Der PPI-Print lag mit 1,1 Prozent im Monat deutlich über den Erwartungen. Die Inflationsangst ist zurück, Zinssenkungen in diesem Jahr scheinen in den USA vom Tisch. Die EZB hat die Zinsen gestern sogar erhöht, erstmals seit September 2023. Ein fatales Timing, wie ich finde. Dazu fiel den Investoren plötzlich wieder ein, dass es da diesen Konflikt in Iran gibt. Und schließlich einige AI-Meldungen, die mit dieser Makro-Begleitmusik einen Selloff bei Halbleitern und AI-Titeln auslösten. Auf die AI-News möchte ich heute eingehen.
SemiAnalysis crasht Photonics
Am 9. Juni verschickte SemiAnalysis an institutionelle Kunden eine Notiz mit dem Titel „Powered Down, Lights Off”. Die Kernaussage: Co-Packaged Optics komme später als gedacht, der Scale-out werde bis 2027 nach unten revidiert, der Scale-up auf 2029 verschoben, dazu die 800VDC-Architektur erst 2028. Innerhalb von Stunden brachen die Kurse von Coherent, Lumentum, Nokia und von Substrateherstellern teils zweistellig ein.
Nvidias Networking-Chef Gilad Shainer widersprach am Rande der Computex 2026 unmittelbar: „CPO is the most exciting technology right now”, der Volumenhochlauf beginne in der zweiten Jahreshälfte. Nvidias Laser-Guidance an Coherent und Lumentum stieg laut Marktbeobachtern von rund 40 Millionen Einheiten im Januar auf etwa 100 Millionen im April und Mai. Erinnern Sie sich noch an unseren Beitrag „Wie Nvidia den Interconnect-Markt neu definiert“? Außerhalb von Nvidia mag im Scale-out der Einsatz von Optics länger dauern, aber der Siegeszug von Photonics hat gerade erst begonnen. Uns soll das recht sein. Unser Portfoliowert Credo hat mächtig zugelegt, und bei einigen Photonics- und Substrate-Werten haben wir zugreifen können.
Tokenomics: Zu viel Kasandra
Wenn der Markt auf Risk-Off schaltet, wird jede News mit negativem Bias gelesen. So geschehen dieser Tage mit dem Silicon Data Token Expenditure Index, der zuletzt sieben Tage in Folge fiel. Citadel Securities argumentiert in seiner Notiz „Tokenomics”, Unternehmen schauten stärker auf den Grenznutzen der AI-Nutzung und fragten zunehmend günstigere Modelle nach. Gleichzeitig zeigen OpenRouter-Daten, dass vor allem günstige chinesische Open-Source-Modelle immer stärker genutzt werden.
Doch die AI-Nutzung wächst so explosiv, dass durchschnittliche Preise je Million Token wenig darüber aussagen, wie die Premiummodelle von OpenAI und Anthropic bepreist werden. In den OpenRouter-Daten sind die Enterprise-Volumina der großen amerikanischen LLM-Anbieter ohnehin nicht enthalten. Und auch die WSJ-Spekulation, OpenAI werde die Preise deutlich senken, wurde meines Erachtens zu alarmistisch bewertet. Wahrscheinlich ist, dass das Preisgefälle zwischen aktuellen und älteren Modellen massiv zunehmen wird.
Huang: Second half will be bigger
Einer, der sich auch diese Woche gegen die AI-Permabären stemmt, ist Jensen Huang. In Seoul saß er vergangene Woche mit den Managern von SK Hynix, Samsung und Hyundai am Tisch. Den Memory-Engpass sieht er auf absehbare Zeit nicht enden, von Wafern über Packaging bis Silicon Photonics, und er appellierte an alle schlicht, man möge mehr produzieren. Schon bei seiner Ankunft in Seoul gab er die Richtung vor: „The second half is going to be much larger than the first half, and the next year is going to be very, very large.”
In diesem Kontext kann man nicht oft genug betonen: SK Hynix und Samsung gehören zu den profitabelsten Unternehmen der Welt. Die Umsätze sind aufgrund der Engpässe und der Langfristverträge auch für die nächsten zwei Jahre zementiert. Der Bewertungsabschlag gegenüber den US-Werten ist völlig überzogen.
Capex-Tsunami
Huang lag bisher immer richtig. Bei Micron und SK Hynix wies er schon vor zwei Jahren auf den Engpass hin, letztes Jahr bei Lumentum und Coherent auf Photonics. Keiner hat mehr Visibilität über die Capex-Entwicklung als er. Sein Bild deckt sich mit dem Goldman-Sachs-Update von gestern. Die Bank hält den Konsens für 2027 von 920 Milliarden Dollar Hyperscaler-Capex für zu konservativ und rechnet eher mit 1,1 Billionen, im Extremszenario mit 1,4 Billionen Dollar. Und das Rekord-IPO von SpaceX heute wird die Nachfrage nach Halbleitern und Photonics zusätzlich befeuern. Größter Gewinner des SpaceX-IPOs ist AI. Täglich kommen neue Capex-Ankündigungen dazu. Jeff Bezos’ Prometheus meldete gerade eine Finanzierungsrunde von 12 Milliarden Dollar, das deutsche Physical-AI-Phänomen Neura Robotics bis zu 1,4 Milliarden Dollar.
Korrektur, kein Crash
Der große Unterschied zur Dotcom-Euphorie der späten Neunziger liegt in der Bewertung von Nvidia, Samsung, SK Hynix und Co. Der Capex-Trend ist so stark, dass die Forward-Bewertungen für die nächsten Jahre weiterhin sehr attraktiv erscheinen. Börsen, die fundamental begründet steigen, korrigieren. Börsen, die der Realität enteilen, crashen. Was wir diese Woche gesehen haben, ist eine Korrektur. Und wer auf einen Rücksetzer gewartet hat, um in AI zu investieren, dem bieten unsere Fonds jetzt eine gute Gelegenheit.
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Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.



