Das beste Produkt gewinnt – wie GenAI 50 Jahre Marktversagen korrigiert

20. February 2026

Editorial The DLF Aktien Blog

In den vergangenen zwei Wochen hat GenAI nicht nur die Aktien von SaaS-Unternehmen unter Druck gesetzt. Tools wie Claude Opus oder Claude Cowork haben auch die Aktien von Datenanbietern, Finanzdienstleister und Versicherern auf Talfahrt geschickt. Das mag auf dem ersten Blick übertrieben erscheinen. Aber schon bald könnte GenAI die Beratungs- und Produktlandschaft für Finanz- und Versicherungsprodukte fundamental ändern.

Google-Search: Viele Links, keine Meinung 

Wer früher googelte „UniGlobal gut oder schlecht”, landete auf unzähligen Seiten: Finanzforen, Vergleichsportale, Bankenwerbung. Manche sagten „solider Klassiker“, andere „teurer Indexschmuser“. Die Suchmaschine verlinkt, urteilt aber nicht. Sie hat keine Meinung. Sie verweist auf die Meinungen anderer. In der Zeit BC (Before ChatGPT/GenAI) waren Finanzthemen zu komplex, Informationsassymetrien zu hoch und Dialoge oft nur mit Bankberatern möglich. Die wiederum hatten selten einen Anreiz, den besten Fonds zu empfehlen, sondern den Hausfonds mit den höchsten Bestandsprovisionen.

Claude Opus: Klare Meinung, keine Links 

Dagegen können Claude Opus 4.6 und ChatGPT-5.3 nicht nur Bilanzen lesen, Fonds vergleichen und Renditen berechnen. Die Modelle sind urteilsfähig, sie haben eine Meinung.

Fragen Sie Claude, ob Zertifikate gute Anlageprodukte sind. Antwort: „Für die meisten Privatanleger nicht. Emittentenrisiko, versteckte Kosten, Auszahlungsprofile die sich günstiger mit Fonds/ETFs replizieren lassen.“

Oder noch konkreter. „Sind Expresszertifikate für Privatanleger geeignet? Bitte ein kurzes Urteil.“ Antwort: „Nein. Komplexes Auszahlungsprofil, versteckte Kosten, Emittentenrisiko – drei Eigenschaften, die unerfahrene Anleger nicht einschätzen können. Für sie gibt es bessere Instrumente.“

Natürlich habe ich Claude, Gemini und ChatGPT nach unseren eigenen Fonds befragt. Die Antworten haben mich nicht enttäuscht. Aber das sollten Sie selbst herausfinden. Genau darum geht es.

Die neuen Werkzeuge für Privatanleger kennen keine Provisionen, haben keinen Umsatzdruck und nehmen keine Rücksicht auf eine Hausbank. Sie lesen Fondsprospekte, vergleichen die Performance gegenüber Benchmarks, berechnen die Kosten und urteilen. Das alles ist nicht das Ende des aktiven Managements, sondern das mögliche Ende von mittelmäßigen Fonds und von Produkten, die kein Mensch braucht, wie etwa Zertifikate. Es könnte auch das Ende eines Systems einläuten, in dem captive Sales und eine Armada von Vertriebskräften entscheidend war für Produkterfolg.

Wer zudem Claude Cowork oder OpenAI Operator nutzt, kann seinen eigenen KI-Assistenten bauen, der autonom das Portfolio überwacht, Vergleichsprodukte analysiert und Anlageempfehlungen gibt. Teure Analysetools und Finanzportale lassen sich heute von GenAI-Angeboten wie Perplexity Finance einfach ersetzten.

Grenzen von GenAI: Garantierte Outperformance

Nur eins wird GenAI in absehbarer Zeit nicht liefern: Zuverlässige Aktienprognosen. Nicht weil die Modelle zu schwach wären, sondern aus einem grundlegenden wissenschaftstheoretischen Grund, den unser Beitrag „Warum KI keine Aktienprognosen kann” bereits 2021 herausarbeitet hat. AI erkennt Muster in historischen Daten. Aktienmärkte aber sind endogen – sie reagieren auf Erwartungen, die sich durch die Beobachtung selbst verändern. Eine KI, die ein stabiles Kursmuster findet und daraufhin eingesetzt wird, zerstört dieses Muster durch ihr eigenes Handeln. Hinzu kommt die Lucas-Kritik: Sobald Marktteilnehmer wissen, nach welchem Modell ein System agiert, passen sie ihr Verhalten an. Das große Versprechen der Alchemisten war, Blei in Gold verwandeln. Jede Generation hatte ihre Version davon. KI ist die neueste Variante.

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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