Das Emerging Markets Portfolio im Stresstest

4. Februar 2022

Die Angst vor Inflation und steigenden Zinsen hat über den Jahreswechsel an den Märkten zu Kurskorrekturen geführt. Landläufig herrscht die Meinung vor, dass die Wachstumsunternehmen in Schwellenländern besonders gefährdet seien. da Emerging Markets bei Zinssteigerung besonders vulnerabel seien. Tatsächlich sehen wir seit Auflegung des EMDL im April 2021 eine deutliche Underperformance von Schwellenländern versus Developed Markets.

EM Index vs. World Index

Allerdings waren im letzten Jahr hier eher politische Faktoren verantwortlich: Die Regulierungswut der chinesischen Regierung, die Konzentration von russischen Truppen an der Grenze und die Unruhen in Kazakhstan haben die Märkte verschreckt. Politische Börsen sollen ja kurze Beine haben. Die Underperformance hat in jedem Fall zu einem deutlichen Bewertungsabschlag geführt, zumal sich die Unternehmensgewinne gleichzeitig durchaus gut entwickelt haben, aber dazu später mehr.

Emerging Markets

In Erwartung  steigender Zinsen hatten wir im Verlauf des Jahres 2021 bereits den Schwerpunkt des Portfolios in Finanzwerte umgeschichtet, als sich im letzten Jahr die Anzeichen für aufkommende Inflation mehrten. Banken, Finanzdienstleister und Versicherungen profitieren von steigenden Zinsen. Diese Sektoren machen mit rund 47% heute knapp die Hälfte des Portfolios aus. Dennoch halten wir weiterhin Positionen in dynamischen Wachstumssektoren wie Software, Medien und Konsumgüter. 

Ein guter Anlass für uns, das aktuelle Portfolio des EMDL für den Fall von steigenden Zinsen einem Stresstest zu unterziehen: Wer würde unter einer deutlichen Erhöhung der Finanzierungskosten leiden? Dazu schauen wir und die Verschuldung in der Bilanz, die Erlössituation in der G&V und das Ergebnis der Cashflow Kalkulation an.

Analyse der Gewinn und Verlustrechnungen im Emerging Markets Portfolio

Im nachfolgenden Schaubild sind alle Portfoliounternehmen nach dem Verhältnis vom diesjährigen Nettogewinn zur Marktkapitalisierung sortiert. Für das Ergebnis müssen wir uns nicht schämen. 34 der 41 Gesellschaften im Portfolio sind profitabel, gemäß den aktuellen Gewichtungen im Portfolio sind das 90,4 Prozent.

Im Durchschnitt beträgt das Verhältnis 6,8 Prozent. Invertiert erhalten wir ein KGV von durchschnittlich 14,8. Bei einem erwarteten Gewinnwachstum von durchschnittlich 18,9 Prozent im Portfolio kann man durchaus von growth at a reasonable price (GARP) sprechen.

Emerging Markets Portfolio profitabel

Spiegelt sich die Profitabilität bei den Cash Flows wieder?

Viele Wachstumsunternehmen verbrennen Cash. Gut ist es, wenn Geldgeber wie bei Tesla 16 Jahre lange bereit sind darauf zu warten (das 2003 gegründete Unternehmen wurde 2019 cash flow positive), aber so eine Langmütigkeit ist eben nicht immer garantiert.

Da ist es erfreulich, dass im EMDL im letzten Jahr bereits 25 der 30 Unternehmen außerhalb des Finanzsektors einen positiven Cash Flow erzielt haben, das sind 88,3 Prozent des gewichteten Portfolios.

Im Durchschnitt beträgt dieses Verhältnis 8,2 Prozent. Invertiert erhalten wir ein Verhältnis von Kurs zu Cash Flow von durchschnittlich 12,1, ein attraktiver Wert.

EM Holdings Cashflow

Und wie sieht es mit den Schulden aus?

In einer Krise könnten Profitabilität und Cash Flows leiden. Dann tritt die Bilanzsituation in den Vordergrund.

Da ist es beruhigend, dass im EMDL aktuell (zum letzten Berichtszeitpunkt) bereits 24 der 30 Unternehmen einen positiven Cash Saldo (also keine Schulden) verbuchen, das sind 84,7 Prozent des gewichteten Portfolios (ohne Finanzwerte).

Im Durchschnitt liegt der Saldo bei 15,9 Prozent der Marktkapitalisierung, ein komfortables Polster.

Emerging Markets Titel schuldenfrei

Ein Hauch Dividende in der Luft?

Puristen bewerten Aktien ausschließlich nach dem Wert der zukünftigen Dividenden. Die Prognose ist bei Wachstumsunternehmen oft nicht möglich oder sinnvoll, da Gewinne zu weit in der Zukunft liegen, um realistisch antizipiert werden zu können. Die Cash Situation vieler unserer Unternehmen Im Portfolio sollte theoretisch die zeitnahe Zahlung von Dividenden dagegen erlauben. Aber wie sieht es in der Praxis aus?

Tatsächlich haben wir eine ganze Reihe von Dividendentiteln im Portfolio hoch gewichtet. Nachfolgend eine Aufstellung der größten absoluten Zahler.

Emerging Markets Portfolio

Aber auch einige kleinere Werte treten bei Dividenden auf den Plan. So hat unser China Spezialist Mirko Wormuth jüngst den Portfoliowert QFIN vorgestellt, der es auf eine stattliche erwartete Dividendenrendite von 5,5 Prozent bringt.

Risiken

Investoren im EMDL profitieren von einem Portfolio, das insgesamt günstig bewertet und kaum verschuldete Unternehmen enthält. Obendrauf gibt es bei einigen Schwergewichten im Portfolio sogar noch eine satte Dividende obendrauf. 

Was wir jetzt noch brauchen, sind bessere politische Nachrichten sowie eine Beruhigung an der Inflationsfront und damit auch an den Börsen. Dann sollten Geduld und gute Fundamentals auch wieder belohnt werden.

Fazit

Investoren im EMDL profitieren von einem Portfolio, das insgesamt günstig bewertet und kaum verschuldete Unternehmen enthält. Obendrauf gibt es bei einigen Schwergewichten im Portfolio sogar noch eine satte Dividende obendrauf. 

Was wir jetzt noch brauchen, sind bessere politische Nachrichten sowie eine Beruhigung an der Inflationsfront und damit auch an den Börsen. Dann sollten Geduld und gute Fundamentals auch wieder belohnt werden.

DisclaimerDieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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