Ich war diese Woche in München. Während die halbe Stadt im Dirndl unterwegs war, ging es bei meinen Terminen um nüchternere Fragen: Wer steht künftig zwischen dem Kunden und seinem Geld, und wo stehen die Unternehmen gerade im AI-Superzyklus.
Die Kundenschnittstelle wandert zum AI-Assistenten
Am Dienstag habe ich auf der 21. Jahrestagung des Münchner Finance Forum an der TU München gesprochen. Thema der Veranstaltung: Deeptech und die Finanzindustrie. Meine These: Wenn mittlerweile 1,4 Mrd. Menschen monatlich ChatGPT nutzen und ca. 2,5 Mrd. Menschen insgesamt AI-Assistenten, und wenn über 70 % der Gen Z und Millennials bei Finanzfragen die AI konsultieren, dann hat das bald gravierende Auswirkungen auf Banking, Insurance und Investment. Gen AI ist gerade dabei, aus dem Verkäufermarkt einen Käufermarkt zu machen, aus einem Push- einen Pull-Markt. Etwas, was die Challenger der Finanzindustrie seit Jahren herbeisehnen und die etablierten Anbieter am meisten befürchten.
Das Schaubild oben veranschaulicht diese Entwicklung. Die eigentliche Kraft entfalten die AI-Tools mit Zugang zu unseren Daten. Wenn ChatGPT & Co. Zugang erhalten zu unseren E-Mails und Verträgen und über Datenanbieter wie Plaid, Tink oder WealthAPI zu Konto und Karte, dann können sie eine umfassende Haushaltsbilanz erstellen, die heute kein Berater hat, und auf dieser Basis die Finanzen optimieren. Teure Stromverträge, Versicherungen, der Vermögensraub über Zertifikate, niedrige Einlagenzinsen oder chronisch minderperformende Fonds werden es schwer haben. Gute Berater werden diese Tools auch nutzen.
Metas Muse kann Termine buchen, einkaufen, Abos kündigen und Tarife optimieren. Seit Tagen führt “Muse from Meta” mit täglich über 300k Downloads die Downloadcharts in den USA an. Während die Meta-Aktie ordentlich zulegen konnte, haben die Aktien von Charles Schwab, Allstate, Progressive, aber auch Booking, Airbnb, Verizon und Planet Fitness deutlich abgegeben. Natürlich mag der Markt hier kurzfristig übertreiben. Aber das Signal ist eindeutig und die Gefahr vom Markt klar erkannt.
Bemerkenswert ist, wie schnell die Abwehr einsetzt. Amazon hat Muse den Zugang gesperrt, Meta antwortet mit einer Partnerschaft mit Shopify. Agentic eCom definiert heute schon die Spielregeln im E-Commerce neu. Die Agentic Welle wird auch den Finanzsektor erfassen, hier erst graduell, dann mit voller Wucht. Das Ende der Bequemlichkeitsmarge ist eingeläutet.
Baader Investment Conference
Von der TU ging es weiter zur 15. Ausgabe der Baader Investment Conference, die von Montag bis Donnerstag in München lief. Insgesamt präsentierten sich 230 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz den ca. 750 Investoren aus dem In- und Ausland. Seitdem nicht mehr Software, sondern Deeptech-Unternehmen stärker im Fokus stehen, sind diese Regionen auch für uns deutlich spannender geworden. Auf drei Unternehmen möchte ich kurz eingehen.
ams Osram: Narrative Shift
Das Kerngeschäft mit optischen Halbleitern läuft solide und rechtfertigt für sich genommen einen Großteil der heutigen Bewertung. Die Bilanz ist nach der Refinanzierung und dem Verkauf zweier Randbereiche entschärft, das Unternehmen finanziert sich heute deutlich günstiger. Für die Aufnahme in unseren Fonds würde das allein nicht reichen. Interessant sind die beiden Wachstumsoptionen, die man obendrauf bekommt.
Die erste sind Smart Glasses. Die winzigen Leuchtdioden-Arrays, die heute in Projektoren und Autoscheinwerfern stecken, werden zum Projektor für Datenbrillen. Serienreife ist nach Unternehmensangaben im nächsten Jahr in Sicht. Dass ams Osramdabei für Meta arbeitet, ist ein offenes Geheimnis. Der Markt könnte sehr groß werden, denn die Ray-Ban von Meta verkauft sich schon heute gut. Und jetzt kommt einiges zusammen: ein Projektor in der Größe eines Streichholzkopfes, der ein Display in die Brille projiziert, eine Smart-Brille, die bei Konsumenten sehr gut ankommt, und die extrem schnelle Adaption von Meta Muse. Das könnte Mark Zuckerberg endlich den neuen Formfaktor liefern, auf den er seit Jahren hinarbeitet, um seinem Erzfeind Apple das Gateway zur digitalen Welt streitig zu machen. Mittendrin ams Osram mit einer kritischen Technologie, die nach Angaben des CEOs aktuell kein anderer liefert.
Die zweite Option ist Photonik fürs Rechenzentrum. Diese Woche hat ams Osram auf der Branchenmesse ECOC winzige Laser vorgestellt, die Daten zwischen KI-Chips per Licht statt per Kupfer transportieren. Überraschend ist dabei der Ansatz. Die Branchenführer wie Coherent, Lumentum oder Win Semi setzen seit Jahren auf “fast and narrow”, also wenige, immer schnellere Kanäle. ams Osram setzt wie Avicena auf das Gegenteil: viele parallele langsame Kanäle, “wide and slow”, weil die gut zur internen Busstruktur von Chips passen. Tausende einzeln ansteuerbare Mini-Laser sitzen direkt auf dem Silizium und brauchen einen Bruchteil der Energie, die Kupfer innerhalb des Rechenwerks verbraucht. CEO Aldo Kamper spricht von Serienreife 2029. Der Entwicklungspartner, der mitfinanziert, dürfte erheblichen Druck machen, dass es früher wird.
AT&S: Bottleneck Substrate
AT&S hat am Dienstag die Kooperation mit Marvell Technology bekannt gegeben. Marvell ist der Kunde, der hinter dem angekündigten Ausbau in Malaysia steht: Fertigstellung von Werk 2 plus ein neues Werk für IC-Substratkerne und Advanced Packaging. CFO Gerrit Steen zeigte sich sehr optimistisch, dass in den nächsten Monaten weitere Partner dazukommen und der Nachfrageüberhang über LTAs zu einer Verstetigung der Umsätze führt. Wir sind bei AT&S nicht investiert, aber dafür bei den zwei Japanern Ibiden und Nitto Boseki.
Rein aus Branchenneugier habe ich mir die Präsentation von Elmos-CEO Arne Schneider angehört. Spannender Hinweis: Autos und humanoide Roboter sind in ihrer elektronischen Architektur nahezu identisch aufgebaut, eine zentrale Recheneinheit, drumherum Intelligenz an der Peripherie. Das Gehirn kommt von Nvidia. Alles andere, also Power- und Batteriemanagement, Motortreiber und Sensorik kommt von Zulieferern wie Elmos. Keine nennenswerten Umsätze aktuell, aber für das Research des Ecosystems von Physical AI ein interessanter Ansatz.
Nächste Woche geht es nach Berlin zum „Alles auf Aktien Summit“. In meinem Panel gemeinsam mit Hendrik Leber und Ha Duong geht es natürlich um KI. Ich bin sehr auf die Diskussion gespannt, die vermutlich kontrovers verlaufen wird. Vielleicht sehen wir uns dort.
Disclaimer
Die vorstehenden Darstellungen der Pyfore Capital GmbH stellen rechtlich eine Werbemitteilung dar und dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie stellen insbesondere weder ein Angebot oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes noch einen Rat oder eine persönliche Empfehlung bezüglich des Haltens, des Erwerbs oder der Veräußerung eines Finanzinstruments dar. Die Pyfore Capital GmbH empfiehlt, sich vor Abschluss eines Geschäftes kunden- und produktgerecht und unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Vermögens- und Anlagesituation beraten zu lassen und Ihre Anlageentscheidung nicht allein auf diese Veröffentlichung zu stützen. Es wird empfohlen, sich von Angehörigen der steuerberatenden Berufe über die individuellen steuerlichen Folgen des Erwerbs, des Haltens oder der Veräußerung des in dieser Unterlage beschriebenen Finanzinstrumentes beraten zu lassen. Diese Marketingmitteilung unterliegt nicht den regulatorischen Anforderungen, welche die Unvoreingenommenheit von Anlageempfehlungen/Anlagestrategieempfehlungen sowie das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung der Anlageempfehlung/Anlagestrategieempfehlung vorschreiben.
Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.
Links zu Texten, die von einem Dritten erstellt wurden, dienen lediglich unverbindlichen Informationszwecken.
Autor
-
View all posts
Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.



