Der KI-Boom wird breiter

11. September 2026

Editorial The DLF Aktien Blog

Wir melden uns zurück aus einem ereignisreichen Sommer mit faszinierenden Entwicklungen in der AI-Welt und wilden Ausschlägen bei Technologieaktien. Ich möchte das anhand der Entwicklung unserer Portfoliounternehmen aufarbeiten, weil es so am anschaulichsten wird.

Nvidias Quartalsergebnisse sind immer ein guter Realitätscheck für den Zustand der AI-Ökonomie. Aus dem Earnings Call sind mir zwei Aussagen besonders aufgefallen. Erstmalig hat Nvidia eine Jahresprognose für das folgende Geschäftsjahr kommuniziert: Der Umsatz soll im Geschäftsjahr 2028 (Kalenderjahr 2027) um 70 Prozent zulegen, der Konsens lag bei rund 44 Prozent. Die Botschaft an die Märkte: Dieser Zyklus hat noch einen langen Atem.

Die andere Aussage, die in der Berichterstattung ein wenig untergegangen ist, zeigt, wie unfassbar profitabel Compute ist, wenn man den Luxus hat, es 2026 anzubieten. Huang: “I heard the other day, that return on invested capital is now less than a year. And we’re talking about $50 billion data centers.” Eine sehr gute Nachricht für alle Cloud-Provider und natürlich für Neoclouds wie unsere Portfoliotitel CoreWeave und Nebius. Nebius hat bestätigt, dass das Unternehmen aufgrund der Preisentwicklung nicht die gesamte Kapazität langfristig vermietet. Für mehrjährige Verträge erzielt Nebius 20 bis 25 Millionen Dollar pro Megawatt, für Verträge mit bis zu sechs Monaten Laufzeit werden 40 bis 50 Millionen Dollar pro Megawatt verhandelt, also rund das Doppelte.

Es gab einige Unternehmen, die diese Entwicklung frühzeitig kommen sahen. Oracle gehört dazu. Unser Portfolioschwergewicht hat gestern herausragende Zahlen berichet. OpenAI wurde sogar lange ob seiner Commitments für künftige Rechenleistung belächelt. Sam Altman hat aber recht behalten. Zudem hat das Unternehmen mit GPT-5.6 Sol und jetzt mit GPT-6 Astra bei einigen Benchmarks für Frontier-Modelle wieder die Spitze übernommen. Wir haben hier, hier, hier und hier darauf hingewiesen, dass der Abgesang auf OpenAI falsch ist. Mit dem starken Comeback von OpenAI sind plötzlich auch alle Auftragsbestände (RPOs), die auf OpenAI zurückgehen, bei Microsoft, Oracle und CoreWeave deutlich mehr wert.

Und auch OpenAI selbst wird mittlerweile von Marktteilnehmern höher bewertet. Auf der Handelsplattform Hyperliquid wird das Unternehmen aktuell mit rund 1,6 Billionen Dollar gehandelt; bei der letzten Finanzierungsrunde im März lag die Bewertung bei 850 Milliarden Dollar. Anthropic wird aktuell mit rund 2,2 Billionen Dollar gehandelt. Sollten die Unternehmen tatsächlich zu diesen Bewertungen an die Börse gehen, müssten Amazon, Microsoft und SoftBank ihre Beteiligungen deutlich höher bewerten als aktuell. Auch daher haben wir im Sommer eine hohe Gewichtung in SoftBank aufgebaut. Zu aktuellen Preisen sind die Beteiligungen an Arm und OpenAI abzüglich der Nettoschulden bereits weit mehr wert als der ganze Börsenwert von SoftBank; alle übrigen Beteiligungen gibt es quasi gratis dazu.

Apropos Hyperliquid. Das Unternehmen wurde vor drei Jahren von Jeffrey Yan, einem ehemaligen Hochfrequenzhändler bei Hudson River Trading, gegründet. Nachdem er festgestellt hatte, dass Ethereum für einen Börsenhandel viel zu langsam ist, baute er eine eigene Blockchain, um darauf eine Handelsplattform aufzubauen, die schneller und transparenter ist als bestehende Börsen und bei der die Nutzer ihre Vermögenswerte selbst verwahren. Angefangen hat Hyperliquid mit Perpetual Futures auf Kryptowährungen; seit Oktober 2025 können Dritte eigene Märkte auf beliebige Basiswerte auflegen, von Silber und Rohöl über den S&P 500 bis zu Pre-IPO-Kontrakten auf OpenAI und Anthropic, und behalten dafür die Hälfte der Handelsgebühren. Hyperliquid wird damit zu einer Art App-Plattform für derivative Finanzprodukte: Schon im Februar entfiel die Hälfte des Handelsvolumens auf Märkte externer Anbieter. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen mit gerade einmal elf Mitarbeitern einen Gewinn von über 900 Millionen Dollar, und 99 Prozent der Gebühren fließen in den Rückkauf des eigenen Tokens HYPE, sodass praktisch die Tokenhalter die Anteilseigner sind.

Auf die Plattform hat uns zuerst ein sehr geschätzter Investor aufmerksam gemacht. Wir haben in diesem Jahr sukzessive eine Position in dem HYPE-Treasury-Unternehmen Hyperliquid Strategies aufgebaut. Nachdem Präsident Trump im August erklärt hat, die Aufsichtsbehörde CFTC arbeite daran, Hyperliquid in die USA zu holen und die Plattform damit für den größten Kapitalmarkt der Welt zu öffnen, ist der Tokenpreis um rund 100 Prozent auf ein Rekordhoch gestiegen und mit ihm unsere Position. Mehr zum Unternehmen und zum Gründer bietet ein lesenswertes Porträt im Colossus.

Zuletzt zur Debatte Software vs. Hardware. Wir hatten vor dem Sommer schon vorgeschlagen: Warum nicht beides? Allmählich zeichnet sich ab, welche Softwareunternehmen im AI-Zeitalter zu den Gewinnern zählen werden. Snowflake hat zum zweiten Mal in Folge überragende Quartalszahlen berichtet. Offensichtlich hat Snowflake einen Weg gefunden, Unternehmen die Nutzung von AI in einem sicheren Umfeld anzubieten. Viele Großunternehmen haben ihre Daten längst bei Snowflake liegen, samt aller Zugriffsrechte und Sicherheitsregeln. Snowflake bringt die AI-Modelle und Agenten nun direkt zu diesen Daten, statt die Daten zur AI zu schicken: Unternehmen können AI so in einem geschützten Rahmen einsetzen, in dem jeder nur sieht, was er sehen darf, und jederzeit nachvollziehbar ist, was die AI tut und was sie kostet. Wir haben die Position in Snowflake ausgebaut. Zu unseren anderen Softwareunternehmen zählen Crowdstrike, Datadog, Elastic und Cybersecurity-Unternehmen wie Cloudflare.

Bleibt die Frage, warum Technologiewerte angesichts dieser Entwicklungen nicht deutlich höher stehen. Die Fundamentaldaten sind es nicht; es sind Inflation und Zinsen, die die Bewertungen deckeln. Dazu mehr in unseren nächsten Newslettern.

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  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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