Der Memory-Schock

25. June 2026

Editorial The DLF Aktien Blog

mitten in die Korrektur bei AI-Hardware-Aktien hat Micron mit den Zahlen zum dritten Geschäftsquartal ein Ausrufezeichen gesetzt. „Running out of superlatives to describe performance”, kommentierte das Analystenhaus Raymond James und hob das Kursziel auf 1.500 Dollar. Der Tenor der anderen Häuser war ähnlich: ein Blowout-Quarter, der AI-Memory-Supercycle laufe weiter, und der Engpass liege beim Angebot, nicht bei der Nachfrage. Der Umsatz kletterte auf 41,5 Milliarden Dollar, mehr als eine Vervierfachung gegenüber dem Vorjahr und rund 6 Milliarden über dem Konsens. Die Bruttomarge sprang auf 84,6 Prozent! Für das vierte Quartal stellt Micron rund 50 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht, weit über dem Konsens von gut 43 Milliarden, bei einer Bruttomarge von 86 Prozent.

Wie Micron sich gegen den Zyklus absichert

„Aber das ist doch alles zyklisch, und der Capex wird schon versiegen“, werden die Zweifler jetzt rufen. Das Highlight waren daher die News zu den Strategic Customer Agreements. Die Zahl dieser Vereinbarungen stieg von einer einzigen im Vorquartal auf nun 16. Sie zurren rund 20 Prozent des DRAM- und ein Drittel des NAND-Volumens über fünf Jahre zu weitgehend fixierten Preisen fest. Das erklärte Ziel ist, mehr als die Hälfte des Umsatzes über solche Verträge mit strategischen Partnern abzusichern.

Unsere Gewichtung: die Koreaner vorn

Für unsere Anleger wichtig: In Micron sind wir investiert. Unsere Gewichtung in SK Hynix und Samsung ist aber deutlich höher. SK Hynix ist bei HBM der dominante Marktführer und fährt mit einer operativen Marge von 72 Prozent die höchste Profitabilität der Branche, über der von Nvidia und TSMCSamsung holt bei HBM auf und ist bei Server-DRAM, dem Arbeitsspeicher der CPUs in den Servern, der größte Player. Allerdings ist der koreanische Aktienmarkt extrem volatil, was sich auch in der Performance unserer Fonds bemerkbar macht.

Der Angebotsschock erreicht bald den Konsumenten

Es ist abzusehen, dass die Nachfrage nach Memory zu einem Angebotsschock führt. Die DRAM-Preise sind im ersten Quartal um bis zu 98 Prozent gestiegen, im laufenden Quartal sollen laut TrendForce weitere 58 bis 63 Prozent folgen. Selbst Großabnehmer wie Apple, die ihre Supply-Chain sonst im Griff haben, spüren das schmerzlich. Nahezu zeitgleich mit den Micron-Zahlen hat Apple deutliche Preiserhöhungen für Macs und iPads angekündigt, dazu für Vision Pro und die Home-Geräte. Beim iPhone, der wichtigsten Cashcow, dürfte es folgen. Bloomberg Intelligence hat ausgerechnet, dass Apples Marge ohne Preiserhöhungen um 500 bis 700 Basispunkte kollabieren könnte. Der Run auf AI-Infrastruktur wird so nahezu bei allen übrigen Produkten, von Smartphones über Smart-TVs und Spielkonsolen bis zu Autos, zu drastischen Preiserhöhungen und Umsatzeinbrüchen führen.

Der eigentliche Engpass bleibt Compute

Führt der Angebotsschock bei Memory nicht zwangsläufig zu Anpassungen bei den Capex-Plänen der großen Hyperscaler? Auf genau diese Frage bin ich in meinem Vortrag auf dem Baader Bank Partner Summit eingegangen, unter dem Titel OpenAI vs Anthropic vs Hyperscalers, Zwischenfazit im Rennen um die AI-Vorherrschaft.

Natürlich arbeiten alle Häuser mit Hochdruck daran, mit Custom Chips die Inferenzkosten zu senken. Gerade erst hat OpenAI mit Jalapeño den ersten Inferenz-Chip aus seiner Partnerschaft mit Broadcom vorgestellt. Aber der große Bottleneck bleibt Compute. Allein OpenAI und Anthropic brauchen jeweils 20 bis 30 Gigawatt Rechenkapazität. Und rund die Hälfte der Anthropic-Umsätze läuft heute über die Marktplätze der Hyperscaler, über Amazon Bedrock, Google Vertex und Microsoft Foundry. Auch die brauchen die Rechenkapazität.

THeDLF2026-06-25_original
Quelle: Epoch AI, Semit Analysis, Pyfore Capital

Selbst wenn sich die Nachfrage bei der Logik von GPU zu CPU verschieben sollte, verlagert sich die Nachfrage bei den Speicherchips einfach von HBM4 zu DDR5. Die großen Gewinner bleiben Micron, Samsung und SK Hynix.

Und lohnt sich das alles? Für die Entwickler der Rechenzentren, für die Abnehmer der Rechenkapazität und für die Frontier-Labs? Die kurze Antwort lautet: ja. Bei den Frontier-Modellen läuft es dabei auf einen Dreikampf hinaus. Aber für die Sieger könnte aus der Gigawatt-Ökonomie eine sagenhaft profitable Token-Ökonomie werden.

Disclaimer

Die vorstehenden Darstellungen der Pyfore Capital GmbH stellen rechtlich eine Werbemitteilung dar und dienen ausschließlich Informationszwecken. Sie stellen insbesondere weder ein Angebot oder eine Aufforderung zur Abgabe eines Angebotes noch einen Rat oder eine persönliche Empfehlung bezüglich des Haltens, des Erwerbs oder der Veräußerung eines Finanzinstruments dar. Die Pyfore Capital GmbH empfiehlt, sich vor Abschluss eines Geschäftes kunden- und produktgerecht und unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Vermögens- und Anlagesituation beraten zu lassen und Ihre Anlageentscheidung nicht allein auf diese Veröffentlichung zu stützen. Es wird empfohlen, sich von Angehörigen der steuerberatenden Berufe über die individuellen steuerlichen Folgen des Erwerbs, des Haltens oder der Veräußerung des in dieser Unterlage beschriebenen Finanzinstrumentes beraten zu lassen. Diese Marketingmitteilung unterliegt nicht den regulatorischen Anforderungen, welche die Unvoreingenommenheit von Anlageempfehlungen/Anlagestrategieempfehlungen sowie das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung der Anlageempfehlung/Anlagestrategieempfehlung vorschreiben.
Bitte beachte die
rechtlichen Hinweise.

Links zu Texten, die von einem Dritten erstellt wurden, dienen lediglich unverbindlichen Informationszwecken.

Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

    View all posts
Picture of Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

Aktuelle Beiträge

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *