Die IBM durchschreitet das Tal der Tränen

27. Januar 2021

IBM Aktie Update Bild

Die IBM ist seit dem Amtsantritt des neuen CEO Arvind Krishna im April 2020 weit oben auf unserer Watchlist. Big Blue hat als eines der ersten Tech-Unternehmen Zahlen für 2020 berichtet. Gespannt warteten die Investoren auf ein Update zu der geplanten Aufspaltung der IBM in zwei unabhängige Unternehmen.

Im Oktober 2020 hatten wir hier erstmals über die schwere Wiedergeburt als Cloud-Company berichtet. Mit dem vorliegenden Beitrag gibt es ein Update zu den großen Veränderungen bei der IBM.

IBM Aktienkurs Chart
Quelle: Aktien.Guide

Beim Blick auf den IBM Aktienkurs sieht es so aus, als habe Arvind Krishna in seiner 9 monatigen Amtszeit noch nicht viel bewirken können. Der Kurs läuft trotz eines boomenden Gesamtmarktes bestenfalls seitwärts und nach der Veröffentlichung der Q4 Zahlen ist er gar um 10% eingebrochen.

Schwache Zahlen im Q4

Der Grund dafür waren u.a. schwächer als erwartet ausgefallene Geschäftszahlen im saisonal sonst so starken Schlussquartal. Der Umsatz betrug $20,4 Milliarden und war damit weiter deutlich (-6,5 Prozent) rückläufig. Im Gesamtjahr 2020 betrug der Umsatzrückgang 4,6 Prozent und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr sogar noch ausgeweitet, damals hatte das Minus ca. 3 Prozent betragen.

IBM hat in der Pandemie große Probleme, größere Software-Deals abzuschließen. Das IBM Business ist zu einem guten Teil People’s Business und das funktioniert in einer Zeit ohne persönliche Kundenkontakte einfach schlechter als in normalen Zeiten. Ein Lichtblick ist das Red Hat Business, das im Q4 um 17 Prozent gewachsen ist.

IBM Unternehmenszahlen Übersicht

Der positive Cashflow ist trotz Umsatzschwäche nach wie vor die große Stärke der IBM. Alleine im Q4 wurden $6,1 Milliarden Free Cashflow erwirtschaftet. In 2020 waren es insgesamt $10,8 Milliarden.

Dies ist die vielleicht wichtigste Nachricht für Investoren, denn dieser Cashflow ist die Voraussetzung, um die umfangreichen Investments in die Neuaufstellung der IBM in 2021 und den Folgejahren finanzieren zu können. Denn der Umbau und die Aufspaltung in zwei wettbewerbsfähige Unternehmen kosten viel Geld: alleine im Q4 2020 wurden $2 Milliarden für Umstrukturierungskosten verbucht.

Aus GTS wird NewCo

Insbesondere das Geschäft von GTS (Global Technology Services) als Outsourcing-Dienstleister leidet in der Pandemie, denn die sinkenden Volumina der durch IBM verarbeiteten Kundentransaktionen schlagen sich direkt nieder im GTS-Umsatz. Im Q4 betrug der Umsatzrückgang 8 Prozent. es bleibt abzuwarten, inwiefern diese Schwäche tatsächlich dem Corona-Virus zuzuschreiben ist oder ob sich auch Kunden aufgrund der bevorstehenden Abspaltung von GTS von IBM verabschieden.

Zumindest sind die Rahmenbedingungen und Ziele für IBM NewCo (ein neuer Name wird noch gesucht) jetzt etwas klarer abgesteckt. Der Zeitplan sieht eine Abspaltung von GTS und anderen Service-Einheiten bis Ende 2021 vor. Das neue Unternehmen soll mit 90.000 technisch ausgebildeten Mitarbeitern einen Umsatz von $19 Milliarden erwirtschaften und der mit Abstand größte Dienstleister für Managed Infrastructure sein.

Der neue CEO von NewCo heisst Martin Schroeter, der als ausgewiesener Finanzexperte schon u.a. als CFO bei IBM tätig war. In seinem Fokus steht nicht etwa Wachstum, sondern Marge, Profit und Free Cashflow aus dem eine ordentliche Dividende gezahlt werden soll.

Die Zukunft der IBM

Die dann ab 2022 entsprechend verkleinerte IBM soll mehr wie ein echtes Softwareunternehmen rund um den Red Hat Nukleus agieren. Arvind Krishna hat die neue IBM Strategie klar formuliert und einen Fokus auf die hybride Cloud und AI (Artificial Intelligence) kommuniziert.

Im Mittelpunkt der Hybrid Cloud Strategie steht die Red Hat OpenShift Plattform rund um Linux, Containerisierung und Kubernetes als defakto-Standard zur Orchestrierung von Container-Systemen. 2.800 Kunden nutzen die IBM Red Hat Plattform, das sind 40 Prozent mehr als vor einem Jahr. 1.000 Kunden wurden neu hinzugewonnen seit der Red Hat Akquisition durch IBM. Die Integration scheint in diesem Fall also recht gut zu funktionieren.

Der zweite große Hoffnungsträger der neuen IBM sollen Anwendungen rund um künstliche Intelligenz (AI) sein. Kunden würden nun zunehmend von der Experimentierphase zu großen produktiven AI-Deployments übergehen. IBM will hier gegenüber den großen Public Cloud Providern punkten, da sie ihren Kunden garantieren, deren Daten in keinster Weise selbst zu nutzen oder gar zu monetarisieren.

IBM Guidance für 2021 und 2022

Wer insgeheim erhofft hatte, die ab 2022 deutlich kleinere und agilere neue IBM könne schon bald wieder zweistellig wachsen, dessen Erwartungen wurden eine klare Absage erteilt: Das Ziel ist ein nachhaltiges Wachstum von ca. 5 Prozent p.a. – in diesen Planungen sind sogar schon kleinere Akquisitionen mit enthalten.

Diese Aussage dürfte einer der Gründe gewesen sein, warum die IBM Aktie nach Vorlage der Q4-Zahlen auf Tauchstation ging. Und diese Zielmarke ist tatsächlich etwas enttäuschend, wenn man das 18 Prozent Wachstum von Red Hat in 2020 bedenkt. Dennoch wäre eine Rückkehr auf den Wachstumspfad ein erster großer Erfolg für den neuen CEO nach den Jahren mit mehr oder weniger stetigen Umsatzrückgängen.

IBM wird also auch in Zukunft kein High-Growth-Wert sein. Die Stärke wird weiterhin im Cashflow liegen. Der “adjusted Free Cashflow” soll auch im Übergangsjahr 2021 bei $11-12 Milliarden liegen und in 2022 auf $12-13 Mrd. steigen. Das hört sich gut an, aber dieser Betrag versteht sich vor Einmalkosten für die Aufspaltung.

Deren Kosten werden auf $4 Milliarden in 2021/2022 geschätzt, wobei der Großteil in 2021 anfallen wird. Somit wird 2021 wenig überraschend ein kostspieliges Übergangsjahr werden, in dem man unterm Strich weniger Cash generieren wird als 2020.

ShoppingTour

Fast still und leise war die IBM in den vergangenen Monaten auf Einkaufstour. Seit dem Amtsantritt von Arvind Krishna wurden bereits 10 kleinere Akquisitionen in den letzten 9 Monaten bekannt. Dazu gehören Systemintegratoren genauso wie Softwarehäuser z.B. der Kubernetes Security Spezialist StackRox, den sich Red Hat gerade einverleibt.

Alleine GBS (Global Business Services) hat mit gleich 5 Übernahmen von Nordcloud, Taos, 7Summits, TruQua und Expertus seine Cloud-Kompetenzen gestärkt. Wir sind ja immer etwas skeptisch was die reibungslose Integration von Zukäufen angeht – andererseits ist die IBM so erfahren in der Integration von immer neuen zugekauften Firmen wie kaum ein anderer Technologiekonzern.

Mitarbeiterzufriedenheit steigt

Die vielleicht herausragendste Leistung des neuen Führungsteams der IBM war es, dass es Ihnen anscheinend gelungen ist, die Mitarbeiterzufriedenheit in den letzten Monaten doch deutlich zu steigern – zumindest wenn man den Rankings bei Glassdoor trauen kann.

IBM Glassdoor Ranking Entwicklung

Die Aufspaltung wird offenbar von der Mehrheit der Mitarbeiter mit getragen. Das ist eine wichtige Nachricht auch im Hinblick auf die laufenden Umstrukturierungen, die etliche Jobs kosten werden und leicht zu schlechter Stimmung in der Belegschaft führen könnten.

Fazit

Neben einigem Licht gibt es beim Blick auf die IBM nach wie vor auch viel Schatten. Der eingeschlagene Weg der Aufspaltung ist richtig. Aber wir sind noch nicht vollständig davon überzeugt, dass die IBM bzw. Red Hat Kunden diesen Weg auch mitgehen und für das angestrebte Umsatzwachstum sorgen werden.

Sollte sich Red Hat OpenShift als führende Hybrid Cloud Plattform etablieren und IBM eine wegweisende Rolle mit seinen AI-Services erringen können, so dürfte die neue kleinere IBM mit ca. $59 Milliarden Umsatz ab 2022 deutlich mehr wert sein als der heutige Enterprise Value, der aktuell $153 Milliarden für den gesamten Konzern beträgt. Die NewCo bekommen IBM Aktionäre dann noch quasi oben drauf.
Wir behalten IBM auch in den kommenden Wochen weiter auf unserer Watchlist. Wenn Du nicht verpassen willst, falls wir uns zu einer Aufnahme von IBM ins Portfolio entscheiden sollten, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter bestellen.

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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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3 Antworten

  1. “Big Blue’s” starker Cash Flow, wie ihr ihn beschreibt, ist eine Illusion.
    Ohne die Akquisitionen, die sie am laufenden Band machen, würde der Cash Flow stetig fallen. Ihr müsst die Auszahlungen für Unternehmenskäufe vom Cash Flow abziehen, denn diese sind die “wahren Capex”.

    1. Nutanix ist für tatsächlich mittelfristig ein Übernahmekandidat. Ob die IBM als Käufer sehr wahrscheinlich ist? Das müssen die M+A Strategen bei Big Blue entscheiden, wie gut Nutanix neben Red Hat ins Portfolio reinpassen würde. Damit bin ich überfragt. Sorry.

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