Drei Gründe, warum The Digital Leaders Fund nun in Apple-Aktien Investiert

27. Oktober 2021

Apple Aktie

Seit Auflegung unseres Fonds haben wir kritisch, staunend und mit Bewunderung beobachtet, wie Apple die Konkurrenz in Grund und Boden performt hat. Bisher haben wir jedoch nicht in Apple Aktien investiert. Es gibt drei Gründe, warum wir unsere Meinung geändert haben.

Performance von von Apple vs. Nasdaq und MSCI World
Performance von von Apple vs. Nasdaq und MSCI World

Im vergangenen Quartal hat Apple über 50 Prozent Wachstum bei den iPhone-Umsätzen und 36 Prozent Wachstum bei Wearables verzeichnen können. Mit dem neuen iPhone 13 Pro, den neuen AirTags und den neuen Mac’s, ausgestattet mit den M1 Pro und Max, den leistungsstärksten Chips am Markt, ist der nächste Wachstumssuperzyklus angestoßen. Auch wir haben jetzt kapituliert und Apple in das Portfolio des The Digital Leaders Fonds aufgenommen. Den Anstoß gaben allerdings neue Einblicke in Apples Servicegeschäft.

“Success is not illegal”, Yvonne Gonzalez Rogers, US-Bundesrichterin

Am 10. September 2021 hat die Chef-Justiziarin von Apple, Katherine Adams, schon wieder mit einem großen Sieg ein Gerichtssaal verlassen. In neun von zehn Anklagepunkten hat die kalifornische Richterin Yvonne Gonzales Rogers zugunsten Apples und gegen Epic entschieden. Epic Games Chef Tim Sweeney wollte mit seiner Klage nicht weniger als die „Monopolstellung“ von Apple im App-Markt und bei Zahlungen für In-App-Transaktionen brechen. Damit ist er krachend gescheitert. In einer bewussten Provokation gegen Apples und Googles Nutzungsbedingungen bot Epic seinen Nutzern 2019 an, die Spielwährung V-Bucks für Fortnite direkt über die eigene Website zu kaufen und somit die Bezahlfunktion von Apple und Google zu umschiffen, um so 30 Prozent Gebühr (bei Abos 15 Prozent im zweiten Jahr) zu sparen.

Daraufhin kickten Google und Apple Fortnite aus dem App-Store bzw. Google Play raus. Es sollte ein perfekt orchestrierter Einstieg in eine Klage gegen Apple und Google werden. Es endete mit einer demütigenden und kostspieligen Niederlage für Epic. Wegen Vertragsbruchs muss Epic sogar einen Schadensersatzzahlung von 3,6 Millionen Dollar an Apple zahlen. Das sind allerdings Peanuts gegenüber den Umsätzen, die entfallen, weil Fortnite aus dem App Store verbannt wurde (Der große Gewinner dieser Entwicklung ist übrigens: Sea limited mit dem Ballerspiel Garena Free Fire).

Apple Aktie - Quelle: Sensortower
Quelle: Sensortower

Apple hat erneut Erfolg vor Gericht

Zwar entschied die Richterin, dass Apple App-Entwicklern die Möglichkeit geben muss, auf alternative Bezahlvarianten für Käufe in Apps hinzuweisen, doch Apple hat dagegen schon Berufung eingelegt. Selbst wenn Apple mit der Berufung scheitern sollte, wäre damit nicht das Ende der „Apple-Steuer“ eingeläutet. Die Richterin machte klar, dass es Apple zusteht, für die Nutzung ihres geistigen Eigentums eine Gebühr zu verlangen. Diese Gebühr über das Bezahlsystem abzurechnen sei nur die einfachste und direkteste Variante. Selbst wenn App-Entwickler das Bezahlsystem von Apple umschiffen können sollten, steht es Apple frei, eine Gebühr für die Nutzung des App Stores zu erheben. Rogers: “While the Court finds that Apple enjoys considerable market share of over 55% and extraordinarily high profit margins, these factors alone do not show antitrust conduct. Success is not illegal.”

Der vorläufige Sieg reiht sich ein in eine große Liste von Erfolgen vor Gericht. Die Kartellklage des Justizministeriums in den USA sollten in den nächsten Monaten konkretisiert werden. Auch die EU-Kommission bereitet eine neue Klage gegen Apple vor. Apple verwehrt Drittanbietern den Zugriff auf NFC-Schnittstellen seiner Produkte. Wer mit dem iPhone oder einer Apple Watch mobil bezahlen will, muss Apple Pay nutzen. Viele Banken und Sparkassen haben nach anfänglicher Kritik kapituliert. Nun sollen die Gerichte Apple wieder in die Schranken weisen. 

Als Verbraucher habe ich große Sympathie für die Kritik an Apple, doch bisher hat nahezu jeder Kläger eine demütigende Klatsche vor Gericht kassiert. So wie alle kritischen Investoren bisher, die in der Hoffnung auf Klagewellen gegen Apple auf fallende Kurse gesetzt haben.

„Apple app store fees are a de facto global tax on the Internet”, Elon Musk

Apple liefert keine Details zu den Umsätzen im Servicegeschäft. 2020 hat Apple 274,5 Mrd. Dollar Umsatz erwirtschaftet, davon entfielen auf Products 220,7 Mrd. und auf Services 53,7 Mrd. Während bei Products Umsatzzahlen zu iPhone, iPad, Mac und Wearables angegeben werden, konnte man bei Services bisher nur schätzen, woher die Umsätze kommen und wie profitabel tatsächlich die Serviceumsätze sind. Die Urteilsbegründung zur Epic-Apple-Klage gibt nun ganz neue Einblicke in die Geschäftszahlen von Apple.

Der von Epic Games eingesetzte Forensiker Ned Barnes hat auf Grundlage der von Apple zur Verfügung gestellten Dokumente eine operative Marge von 75 Prozent für die Jahre 2018 und 2019 berechnet. Die Richterin hält diese Zahl auf Basis der ihr vorliegenden Dokumente für glaubwürdig. 75 Prozent operative Marge, nicht Bruttomarge! Das ist eine unfassbar hohe Profitabilität. Demnach macht Apple zwar „nur“ 19,5 Prozent der Umsätze, aber über 61 Prozent des operativen Gewinns mit Services. 

Apple Gewinne im Gaming-Bereich höher als Microsoft, Nintendo, Activision Blizzard und Sony zusammen

Im App Store selbst dominiert die Kategorie Gaming: “In 2016 for instance, despite game apps only accounting for approximately 33% of all app downloads, game apps nonetheless accounted for 81% of all app store billings that year. Further, based on Apple’s internal records, 2017 gaming revenues overall accounted for 76% of Apple’s App Store revenues. …Specifically, game apps are disproportionately likely to use in-app purchases for monetization.” In der Kategorie Games schätzt Ned Barnes die operative Marge sogar auf knapp 80 Prozent. 

Auf Basis dieser neuen Einblicke beziffert das WSJ Apples Gewinn im Gaming auf 8,5 Mrd. Dollar in 2019. Das ist höher als der Gaming-Gewinn von Microsoft, Nintendo, Activision Blizzard und Sony zusammen. 

In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2021 hat Apple ca. 50 Mrd. Dollar Umsätze mit Services erwirtschaftet, knapp 30 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das entspräche einem operativen Gewinn von schätzungsweise 37,5 Mrd. Dollar. Nach Zahlen von Sensor Tower sind App Store Umsätze in den letzten drei Monaten nur noch 13 Prozent gewachsen. Das ist nicht weiter überraschend angesichts der Lockerungen bei den Lockdowns während der Sommermonate. In den anderen Servicekategorien sollte das Umsatzwachstum aber ungebremst sein. 

 

Global consumer Spending in Mobile Apps and games for Q3 2021

„We increasingly see Apple as one of our biggest competitors”, Mark Zuckerberg

Apple hat in den letzten Jahren das Angebot von Services deutlich ausgebaut. Dazu zählen Cloud Services, Musik, Video, Advertising, Payment Services, Apple TV+, Apple Arcade, Apple News+, Apple card, Apple Fitness+. Einige dieser Dienste bietet es als Apple One Bundle in Kombination an. Mit über 1,6 Mrd. Apple Devices im Einsatz kontrolliert Apple den Zugang zur digitalen Welt und verfügt über das mächtigste digitale Ecosystem. 

Die Angst vor Apple ist so groß, dass Google jedes Jahr Milliarden dafür zahlt, um als Standardsuche in Safari auf iPhone, iPad und Mac zu bleiben. Auf Basis der von Google veröffentlichten Traffic Aquisition Cost schätzt Goldman Sachs die Zahlungen an Apple dieses Jahr auf 15,4 Mrd. und in 2022 auf 17,8 Mrd. Dollar. Umsätze, die praktisch gänzlich operative Gewinne sind. 

Die Geschwindigkeit, mit der Apple manche dieser Dienstleistung erfolgreich global ausrollt, ist beängstigend. Im Oktober 2019 gab Apple bekannt, dass man mit Apple Pay mit über 3 Mrd. Transaktionen im Quartal PayPal eingeholt hat. Das Wachstum wäre damit sogar viermal höher als bei PayPal. Seit der Pandemie hat Apple weniger zu Payment Services verkündet. Bei E-Commerce sind Kreditkarten und PayPal noch deutlich dominanter, aber mit dem Abebben der Pandemie sollte Apple Pay und Apple Card mit mehr Transaktionen am POS wieder deutlich stärker zum Einsatz gekommen sein. 

 

Neue Datenschutzreglen – Werbeumsätze steigen

Apples neue Datenschutzregelungen, nach denen Handy-Kunden selbst entscheiden können, ob sie überwacht werden wollen, führen zudem zu einer Neuverteilung des digitalen Werbebudgets. Facebook COO Sheryl Sandberg sagte dazu im Earnings Call am Montag: „The biggest is the impact of Apple’s iOS 14 changes, which has created headwinds for others in the industry as well, major challenges for small businesses, and advantaged Apple’s own advertising business.“

Das sehen andere Marktbeobachter genauso. Mit Verweis auf Evercore ISI berichtete kürzlich die FT, dass Apples Werbeumsätze nahezu aus dem Stand dieses Jahr auf 5 Mrd. und in drei Jahren sogar auf 20 Mrd. Dollar steigen könnten. 

Besonders anschaulich sieht man das bei den Downloads im App Store. Der Anteil der Downloads, die über Apple Search Ads erfolgen ist in 2021 von unter 20 auf über 50 Prozent gestiegen – zu Lasten von Facebook, Snap, Google & Co.c

Apple Aktie - Share of weekly IOS App
Quelle: Branch: Chart: Kavya Beherai/Axios

Tim Cook liefert als CEO beeindruckende Perfomrance

Zur Überraschung vieler hat Tim Cook nach dem Tod von Steve Jobs 2011 einen beeindruckenden Track Record als CEO von Apple hingelegt. Mit über 1,6 Mrd. aktiven Endgeräten, der Dominanz im App Markt und zahlreichen Services, die jeweils mehrere Milliarden hochprofitable Umsätze generieren, ist Apple heute die wertvollste Technologieplattform der Welt.  „Tim Apple“  hat das Unternehmen ohne Blessuren durch die Präsidentschaft von Donald Trump geführt und es bisher unbeschadet durch die Handelsspannungen mit China navigiert. Bei der Anhörung im US-Kongress im Juli 2020 überzeugten nicht die Firmengründer Jeff Bezos oder Mark Zuckerberg die Abgeordneten und die Öffentlichkeit, sondern der souverän auftretende Angestellte Tim Cook. 

Im Streit mit Facebook zerstörte Mr. Nice Guy Cook Mark Zuckerberg mit einem einzigen Satz: „If a business is built on misleading users on data exploitation, on choices that are no choices at all, then it does not deserve our praise. It deserves reform.” Während Amazon und vor allem Facebook zunehmend gehasst werden, hat Apple trotz beängstigender Dominanz eine hohe Reputation und genießt Kultstatus. 

Trotz einer Marktkapitalisierung von 2,5 Billionen Euro ist die Apple Aktie mit einem EV/Free Cash Flow und Forward KGV von 26,5 nicht zu teuer. Der Rule of 40 Wert lag für die letzten Quartale bei über 50, Apple ist also auch eines der effizientesten Unternehmen der Welt.

Apple EV/Free Cash Flow und PE Ratio
Apple EV/Free Cash Flow und PE Ratio

Ausblick auf die Entwicklung der Apple Aktie

Die Innovationsfähigkeit bei Apple kommt nicht von ungefähr. Apples Budget für Forschung und Entwicklung ist in den letzten 10 Jahren sogar stärker gestiegen als die Marktkapitalisierung: 2010 machten die F&E Ausgaben 0,67 Prozent der Marktkapitalisierung aus, heute sind es über 1 Prozent. Das spricht auch künftig für eine große Innovationsfähigkeit.

Wir haben Apple Aktien mit über drei Prozent Gewichtung als Digital Business Leader in den The Digital Leaders Fund gekauft. Apple wird dabei vermutlich nicht Outperformance-Qualitäten eines Digital Enablers zeigen, aber, so erstaunlich das auch klingen mag, bin ich davon überzeugt, dass wir damit noch mehr Qualität und Stabilität in unseren Fonds hineinbringen. Gerade wenn es etwas rumpeliger wird an den Börsen, werden Investoren diese Eigenschaften schätzen.   

Wenn Du die weitere Entwicklung der Apple Aktie und anderen Digital Leaders gemeinsam mit uns verfolgen willst, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter bestellen.

Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Apple. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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