Ein China, eine Partei, ein Alibaba

24. August 2018

Alibaba investieren - Illustration eines Freizeitparks der Alibaba Group mit vielen verschiedenen Attraktionen

Chinesische Unternehmen können dieses Jahr auch positiv überraschen.

In Mitten des Handelskriegs zwischen USA und China hat Alibaba Zahlen für das zweite Quartal präsentiert, die eindrucksvoll belegen, dass der Internetriese derzeit eine Klasse für sich ist. Wenn Du das Unternehmen noch nicht kennst, lies jetzt die Vorstellung unseres Investment Cases für Alibaba.

Getragen von 61 Prozent Wachstum im Kerngeschäft E-Commerce ist auch der Gesamtumsatz im zweiten Quartal um 61 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen.

Damit scheinen die Grenzen der Schwerkraft für Alibaba derzeit nicht zu gelten.

In der Gruppe der FAANG- und BAT-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google, Baidu (Artikel zur Baidu Aktie), Alibaba, Tencent) setzt sich das Unternehmen an die Spitze beim Umsatzwachstum.

Alibaba investieren - Übersicht der Quartalsergebnisse zum zweiten Quartal 2018
Beeindruckend: Der Gesamtumsatz im zweiten Quartal ist gegenüber dem Vorjahresquartal um 61 Prozent gestiegen. (Quelle: Präsentation Q2 Zahlen Alibaba Group)

Das Unternehmen erwirtschaftet derzeit mehr als 80 Prozent der Umsätze und 100 Prozent der Gewinne im E-Commerce.

Als Highlight in Q2 präsentierte das Unternehmen den Anstieg bei monatlich aktiven Nutzern (MAU) um 17 Millionen auf nun 634 Millionen MAU auf ihrer mobilen Plattform Taobao.

Wobei hier allmählich eine Sättigung eintritt. Der größte Anteil am Wachstum kommt von Konsumenten aus ländlichen Regionen mit wahrscheinlich kleineren verfügbaren Budgets.

Bemerkenswert auch, dass das Unternehmen den Marktanteil im B2C Markt in China mit der Plattform Tmall weiter ausbauen konnte und somit noch attraktiver wird für internationale und nationale Konsumgüterhersteller, die es auf das Geld chinesischer Konsumenten abgesehen haben.

Umsatzwachstum außerhalb des Kerngeschäfts überrascht

Auch das Geschäft in den drei anderen Segmenten zieht an. Die Umsätze für Q2 lagen hier sogar jeweils über den Markterwartungen:

  • Im Cloud Computing (vergleichbar mit Amazon Web Services) stieg der Umsatz um 93 Prozent.
  • Digitale Medien und Unterhaltung konnte den Umsatz um 46 Prozent steigern. Bei Youku (eine Art Youtube und Netflix in einem Paket) konnte das Unternehmen in Q2 die durchschnittliche Abonnentenzahl pro Tag gegenüber dem Vorjahr um 200 Prozent steigern. Der große Fußball-Fan Jack Ma hatte die Lizenzrechte für die WM-Übertragung erworben. Das hat sich offensichtlich ausgezahlt.
  • Das Geschäftsfeld Innovative Initiativen und Rest konnte einen Umsatzwachstum von 64 Prozent verbuchen. Dazu gehört unter Anderem der Sprach-Assistent Tmall Genie (vergleichbar mit Amazon Alexa) von dem nur 12 Monate nach der Veröffentlichung bereits 5 Millionen Stück verkauft wurden.

Kosten für neue Umsätze steigen

So viel zu den guten Nachrichten. Ohne die Konsolidierung von Ele.me (Lieferdienst für Essen) und Cainiao (Logistik) wäre das Wachstum im E-Commerce „lediglich“ 49 Prozent gewesen.

Kritisch sehen wir auch, dass die Margen der Umsätze in „New Retail“, deutlich niedriger ausfallen, da Logistikkosten und Lagerkosten (insbesondere bei den physischen Hema-Läden) höher ausfallen.

Denn Alibaba ist längst nicht mehr nur eine reine Online-Plattform. Und auch die internationale Expansion durch Übernahmen gestaltet sich teuer.

Warum Alibaba Ele.me und den digitalen Restaurantdienst Koubei in eine separate Holding packt und andere Investoren wie Softbank daran beteiligt, konnte das Unternehmen im Analystencall nicht überzeugend beantworten.

Besser klappte das hinsichtlich des bilanziellen Gewinnrückgangs um 40 Prozent. Da das Unternehmen einige Mitarbeiter im größeren Rahmen mit Aktien kompensiert, musste es für die deutlich höhere Bewertung von Ant Financial buchhalterisch massive Ausgaben ausweisen

Ohne diesen Einmaleffekt, der nicht cash-relevant ist, wäre der Gewinn um 33 Prozent gestiegen.

Fazit

Der Handelskrieg scheint das Ergebnis von Alibaba nicht unmittelbar zu belasten.

Joe Tsai, Mitbegründer von Alibaba und Executive Vice Chairman, wies im Analystencall darauf hin, dass Alibaba weniger von Exporten chinesischer Waren abhängig ist, sondern umgekehrt internationale Güter chinesischen Konsumenten anbietet.

90 Prozent des BSP-Wachstums in China resultiert aus dem Binnenkonsum und aus Investitionen. Solange der Handelskrieg sich auf diese zwei Determinanten nicht auswirkt, wird Alibaba sehr solide wachsen.

Im Unterschied zu Europa und USA setzen wir in China weiterhin auf die zwei Platzhirsche, nämlich auf die Tencent Aktie und Alibaba.

Abonniere unseren Newsletter (Klick), um auch weiterhin über die neuesten Updates der Digital Leaders in unserem Fonds informiert zu bleiben.

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

Ähnliche Artikel

2 Antworten

  1. Hallo Baki,

    vielen Dank für das Update. Alibaba wird ja regelmäßig für seine intransparenten Zahlen kritisiert. Was ist eure Meinung dazu?

    Anbei die Kernaussagen einer detaillierten Analyse zu den Q2 Zahlen:

    The Capital Structure
    1.) There are now 920 separate operating entities in the Alibaba ecosystem. 500 in the PRC and 420 scattered all over the rest of the planet. Alibaba has created 300 new “legal” entities a year for the last two years.
    2.) They’ve “Enhanced” their Capital Structure. The lawyers have been busy beavers.
    3.) Major Business Segments and Operating Entities appear and disappear from the 20-F’s. There is no explanation in the footnotes.

    So Who Actually Owns the Ordinary/ADS Shares?
    1.) ADS Shares at US Financial Institutions have ballooned from 196 million four years ago to 1.669 Billion now. Per the 20-F these shares are concentrated in 128 US Financial Institutions held in “street name”.
    2.) A significant number of the shares in US Institutions are held by Chinese insiders through Offshore Shell Companies. 450 Million shares are held by the largest 20 Institutions.
    3.) The Chinese Communist Party (CCP) is manipulating the bid/ask through myriad offshore entities on a relatively small population of “arms length” trades in order to create the illusion of a market made at a price that defies financial gravity. The risk of collapse grows larger by the day.

    Employees and their Office Space!
    1.) In the last year Alibaba has added roughly “Fifteen Pentagons” in office space with only 16,000 additional FTE’s, or roughly 3,400 new square feet per new employee. Real Estate is expensive, yet, overhead stayed about the same. Weird…..

    GMV!
    1.) Alibaba has a retail presence roughly 1.5 x Walmart now. GMV is US$ 768 Billion vs. Walmarts piddling US$ 500 Billion.
    2.) BABA has developed a huge new revenue stream, winding down the huge, and rapidly growing supply of China’s Non-Performing Loans (NPLS), yet, this business segment wasn’t mentioned in the 20-F at all.
    3.) Based on the value of “real” retail GMV the Market Cap of Alibaba should be about the same as Target (NYSE:TGT) (US$ 40 Billion) rather than US$ 470 Billion, the company’s current Market Cap.

    “Investees” (More Preseidigitation!)
    1.) We examine Footnote 4 of the 20-F where we see that Book Values (Cost Basis plus write-ups) of Investees have increased roughly US$22.3 Billion in the current year.
    2.) A number of former “Flagship” businesses (Auto Navi, UC Web, OneTouch, Singapore Post, Weibo, Meizu) are all missing in action. They’ve disappeared without a trace or mention in the 20-F.
    3.) Consolidating money-losing-dog-shit businesses using all sorts of valuation shenanigans to hide what’s happening, and/or bailing out friends with US Shareholder Money seems to have consumed much of management’s time and resources.
    4.) We examine the footnotes for Alibaba Pictures, Cainiao, Wanda, OFO, Alibaba Health and Wasu. These are AWESOME!!

    Conclusion
    1.) This financial cancer is everywhere. Western Markets are screwed. The outcome is certain and the party is over. At some point in the indeterminable future, the world will be tasked with cleaning up the mess.
    2.) Oddly enough….you can’t short Alibaba…..yet.

    Quelle:
    https://deep-throat-ipo.blogspot.com/2018/08/the-baba-20-ffinancial-comedy-gold.html?m=1
    date zu Alibaba. Alibaba wird ja regelmäßig für seine Intransparenz

    1. Lieber Aydin,
      ich frage mich gerade, wie ernst man einen Blog mit den Namen “Deep Throat” nehmen sollte, dessen Autor zudem lieber anonym bleiben möchte. Schön, dass wir nun die Anzahl der Legal Entities kennen. Aliexpress allein ist in 220 Ländern tätig. Das Unternehmen hat angekündigt, Milliarden in den Ausbau ihres Logistiknetzwerks Cainiao zu investieren, um die Lieferzeiten in jedem Land deutlich zu reduzieren. Und die Mehrheit der in USA gelisteten ausländischen Unternehmen sind ADS, so auch VW und Allianz.
      Und ja, das Unternehmen ist zunehmend komplexer und schwerer zu analysieren. Aber 80 Prozent des Umsatzes und den gesamte Gewinn erwirtschaftet das Unternehmen mit Konsum über die bekannten Marktplätze. Und trotz höherem Umsatz- und Gewinnwachstum ist Alibaba günstiger bewertet als Amazon. Aufgrund der politischen Komponente und des ungünstigeren Corporate-Governance-Umfeldes ist das auch gerechtfertigt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Neueste Beiträge

Tags

Neuste Kommentare

Twitter

Instagram