Etsy Aktie: Investieren in die größte Manufaktur der Welt

18. Dezember 2019

Etsy Aktie - Schild mit Etsy Logo in Einkaufsstraße

Mit Etsy hat es nun auch die erste reinrassige E-Commerce-Aktie ins Portfolio von The Digital Leaders Fund geschafft. Das Unternehmen betreibt den größten Marktplatz für Kunsthandwerk mit 45 Millionen Kunden und 2,6 Millionen aktiven Verkäufern. Auf der Etsy-Plattform gibt es viele Dinge, die sonst nirgends verkauft werden und die oftmals individuell für den Kunden hergestellt beziehungsweise vom Anbieter personalisiert werden. Das trifft den Zeitgeist einer immer größer werdenden Zielgruppe, die mit Etsy der Industrialisierung ein Stück weit entgehen und sich individuellen Dingen widmen kann.

Viele Jahre lang war Etsy zwar sehr beliebt bei Käufern und Verkäufern und baute nach der Gründung in 2005 schnell eine starke Marke auf, aber das Unternehmen war kommerziell lange wenig erfolgreich. Das änderte sich, als im Mai 2017 der erfahrene CEO Josh Silverman an Bord kam. Josh war in verschiedenen Rollen für Ebay tätig und war danach u.a. CEO bei Skype.

Kursverlauf der Etsy Aktie seit IPO bis heute
Kursverlauf der Etsy Aktie seit IPO.

Josh Silverman ist maßgeblich verantwortlich dafür, dass sich die Etsy Aktie von 2017 bis Anfang 2019 im Wert verzehnfachte, nachdem das Unternehmen und die Aktie sich vorher seit dem IPO in 2015 zunächst enttäuschend entwickelt hatte.

In den vergangenen 9 Monaten hat die Aktie aber massiv korrigiert, über 40 Prozent ihres Wertes verloren und ist damit für uns wesentlich interessanter geworden.


Die Geschäftsentwicklung in den ersten 9 Monaten 2019

Das Bruttovolumen der verkauften Waren (GMS) auf Etsy stieg in den ersten 9 Monaten 2019 um knapp 24 Prozent auf $3,3 Milliarden. Der Umsatz ist im gleichen Zeitraum wesentlich stärker um 36 Prozent auf $548 Millionen angewachsen. Der Grund für den überproportionalen Umsatzanstieg ist eine Preiserhöhung für Verkäufer. Mittelfristig wird sich der Umsatzanstieg eher proportional zum Wachstum des GMS entwickeln.

Die EBITDA-Marge (non-GAAP) betrug von Jan-Sep 2019 circa 24 Prozent. Im Gegensatz zu vielen anderen schnell wachsenden Plattformunternehmen konnte Etsy auch unterm Strich einen Nettogewinn von $65 Millionen ausweisen. Das entspricht einer respektablen Netto-Gewinnmarge von knapp 12 Prozent.

Dabei erzielte Etsy einen operativen Cashflow von $128 Millionen.

Übersicht wichtiger Finanzkennzahlen von Etsy zum Q3 2019
Entwicklung Umsatzwachstum und Cashflow bei Etsy. (Quelle: Investor Presentation)

Die sehr positive Kombination von Umsatzwachstum und Cashflow zeigt sich deutlich an der Entwicklung des Rule-of-40-Scores. Die Summe aus Umsatzwachstum und Free Cashflow-Marge beträgt seit einigen Quartalen über 60 Prozent. Das ist ein erstklassiger Wert und weist auf ein sehr effizientes Wachstum hin.

Etsy Aktie - Statistik zum Rule of 40 Score
Etsy Aktie: Entwicklung des Rule-of-40-Scores. (Quelle: aktien.guide)

Etsy Aktie – Guidance für 2019

  • Das GMS soll um circa 26 Prozent auf $5 Milliarden steigen.
  • Der Umsatz steigt überproportional um circa 35 Prozent auf circa $815 Millionen.
  • Die EBITDA-Marge (non-GAAP) soll 22 Prozent – 23 Prozent betragen.

Neben der bereits genannten Preiserhöhung wirkt sich hier auch die im August 2019 erfolgte Übernahme des Marktplatzes für Musikinstrumente Reverb aus. Diese Akquisition trägt in 2019 circa 6 Prozent zum GMS und 3 Prozent zum Umsatz bei.

Intaktes Wachstum, beschränkte Pricing Power

Der Etsy-Marktplatz ist seit Jahren beidseitig d.h. sowohl was Käufer als auch Verkäufer angeht stetig gewachsen. Sowohl die Anzahl von Neukunden (4,2 Millionen alleine im Q3) als auch die Anzahl neuer Verkäufer (+30 Prozent gegenüber dem Vorjahr) bestätigen diesen Trend.

Der Umsatz von Etsy beträgt circa 17 Prozent (Take-Rate) des Wertes der auf der Plattform getätigten Transaktionen. Dabei wird über 70 Prozent des Umsatzes als „Marketplace Revenue“ vereinnahmt, das sind Gebühren für das Listing der Artikel, eine Provision beim erfolgreichen Verkauf und Gebühren für die Abwicklung von Versand und Zahlung. Die restlichen knapp 30 Prozent vom Umsatz werden durch andere für den Verkäufer optionale Services wie Werbung erzielt.

Meiner Meinung nach gibt es seitens Etsy keinen großen Spielraum mehr, diese Take Rate weiter zu erhöhen. Denn die Verkäufer sind zunehmend unzufrieden mit der erhöhten Kostenbelastung und die Pricing Power bei Etsy ist angesichts des Wettbewerbsdrucks sicherlich beschränkt.

Denn neben zahllosen kleineren Wettbewerbern hat auch Amazon das Geschäft mit Kunsthandwerkern für sich entdeckt. Die Amazon Handmade Plattform ist wohl der härteste direkte Wettbewerber von Etsy. Und dann gibt es noch das Ökosystem rund um Shopify, welches es Kunsthandwerkern so einfach wie nie zuvor macht, einen eigenen Online-Shop zu betreiben und verschiedene Vertriebskanäle miteinander zu verbinden.

Ein großer Nachteil der Etsy-Aktie ist, dass es hier im Gegensatz zu vielen anderen Plattformen kein Subskriptionsgeschäft mit wiederkehrenden Umsätzen gibt. Allerdings stellt die schiere Größe der Etsy-Plattform mit seinen Netzwerkeffekten einen wichtigen Burggraben dar.

Financial Engineering

Etsy wird spätestens seit dem Amtsantritt von Josh Silverman als CEO nicht mehr wie ein StartUp geführt und unterscheidet sich auch bezüglich der Bilanz und seiner Finanzierung deutlich von den meisten jüngeren High-Growth-Unternehmen in unserem Portfolio.

Der Verschuldungsgrad ist angesichts von Verbindlichkeiten in Höhe von $1,1 Milliarden bei einem Eigenkapital von circa $400 Millionen in den letzten beiden Jahren deutlich gestiegen.

Im September 2019 hat man eine bis 2016 laufende Wandelanleihe über $650 Millionen ausgegeben, die zu 0,125 Prozent p.a. verzinst wird. Das billige Geld will man teilweise dafür nutzen, um eigene Aktien zurückzukaufen. Auch in der Vergangenheit hat das Management den positiven Cashflow bereits dafür genutzt, um eigene Aktien zurückzukaufen. Nach dieser Finanzierungsrunde verfügte Etsy zum 30.09.2019 über Barmittel von über $850 Millionen.

Wir Aktionäre dürfen im Falle von Etsy wohl  damit rechnen, dass die Anzahl ausgegebener Aktien wie schon in den vergangenen zwei Jahren zumindest konstant oder gar rückläufig ist. Somit ist keine Verwässerung zu erwarten. Damit unterscheidet sich Etsy ganz wesentlich von vielen anderen Wachstumsunternehmen, die ständig neue Aktien an Mitarbeiter ausgeben und damit die bestehenden Anteilseigner oftmals nicht unerheblich verwässern.

Dennoch müssen wir bei Etsy die Entwicklung der Bilanzqualität genau beobachten. In der Vergangenheit hat das Unternehmen Entwicklungsleistungen aktiviert und auch dadurch jetzt erhebliche immaterielle Werte für die eigene Plattform in der Bilanz stehen. Eine konservative Bilanzierung sieht sicherlich anders aus.

Bewertung der Etsy Aktie

Nach ihrer Konsolidierung ist die Etsy-Aktie gemessen an ihrem EV/Sales Verhältnis (circa 6-7) aktuell so günstig zu haben wie schon seit Anfang 2018 nicht mehr. Die Aktie erscheint uns bei Kursen unter 45$ nun langfristig attraktiv bewertet auch wenn das KGV von circa 50 nach wie vor eher teuer erscheint.

Etsy Aktie - Entwicklung des Aktienkurses und des EV zu Sales Verhältnis
Etsy Aktie: Entwicklung des Aktienkurses und des EV/Sales Verhältnis.

Wir trauen dem Management-Team um Josh Silverman zu, dass er ein profitables Wachstum von circa 20 Prozent p.a. noch viele Jahre fortsetzen und damit unabhängig bleiben kann. Das organische Wachstum wird wohl auch in Zukunft durch den gezielten Zukauf von kleineren hochspezialisierten Marktplätzen wie Reverb ergänzt werden.

Sollte die Etsy Aktie ausgehend vom aktuellen Enterprise Value in Höhe von $5 Milliarden weiter an Wert verlieren, so könnte Etsy durchaus auch selbst zum Übernahmeziel werden.

Etsy Aktie – Fazit

Die Etsy Aktie dürfte ein solides Investment sein, die in den kommenden Jahren zwar nicht für den schnellen Verdoppler, wohl aber für eine überdurchschnittliche Rendite gut sein sollte. Wir haben für das Portfolio von The Digital Leaders Fund daher kürzlich eine Einstiegsposition erworben.

Wenn Du die Etsy Aktie zukünftig weiter gemeinsam mit uns beobachten willst, dann kannst Du Dich jetzt hier für unseren kostenlosen Newsletter registrieren.


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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2 Antworten

    1. Das konnte niemand wissen. Und hinterher ist man immer schlauer. Glücklicherweise muss man nicht immer richtig liegen, um mit seinen Investments überdurchschnittlich gut abzuschneiden. Und das ist uns bisher ja ganz gut gelungen.

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