Facebook Aktie: Sicherheit und Transparenz haben ihren Preis!

27. Juli 2018

Facebook Aktie News - Facebook als Wort geschrieben aus Bausteinen - Beitragsbild

Mit großen Erwartungen warteten Anleger auf die Zahlen von Facebook und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Faceboook Aktie.

Und als es dann am gestrigen Abend so weit war und die Quartalszahlen zum zweiten Quartal 2018 veröffentlicht wurden, sah auf den ersten Blick alles recht zuversichtlich aus.

Denn trotz anhaltender Unruhen um den Datenschutz bei Facebook, steigerte das Unternehmen im zweiten Quartal 2018 seinen Umsatz um 42 Prozent und den Gewinn um 31 Prozent.

Nur war das nicht gut genug. Jedenfalls aus Sicht der Investoren…

Nach der Kursrallye der vergangenen Monate – und vielen Anlegern, die unbedingt in die Facebook Aktie investieren wollten waren meine Erwartungen und die der Analysten deutlich höher. Die Facebook Aktie gab direkt nach den Zahlen um knapp 10 Prozent nach.

In der anschließenden Telefonkonferenz für Analysten schockte das Unternehmen schließlich mit der Aussage, dass die Umsatzzuwächse in den nächsten Quartalen merklich zurückgehen werden.

Daraufhin rauschte die Aktie nachbörslich zeitweise um 23 Prozent nach unten.

Facebook Aktie – Die wichtigsten Quartalszahlen auf einen Blick

Damit ihr nicht lange suchen müsst, haben wir euch die wichtigsten Q2 – Zahlen zusammengefasst (immer im Vergleich zu Q2 2017):

  • Umsatz +42 Prozent mit $13,23 Milliarden vs. $9,32 Milliarden und damit trotzdem $120 Millionen unter den Erwartungen
  • Operativer Gewinn +33 Prozent auf $5,86 Milliarden
  • Operative Marge 44 Prozent vs. 47 Prozent
  • Nettogewinn +31 Prozent auf $5,1 Milliarden
  • EPS $1,74 vs. $1,32 und somit +0,03 gegenüber den Erwartungen.
  • Täglich aktive Nutzer  +11 Prozent auf $1,47 Milliarden

Während also eine deutliche Gewinn – Überraschung ausblieb, enttäuschte Facebook bei den Werbeumsätzen und der „geringeren“ Aktivität der Nutzer auf ihrer Plattform.

Wie untenstehende Grafik zeigt, stieg die Zahl der täglich aktiven Nutzer weltweit um 11 Prozent. Die Märkte zeigten sich jedoch enttäuscht über stagnierende Aktivitäten der Nutzer in den USA und Europa:

Facebook Aktie News - Übersicht der täglichen aktiven Nutzer auf der sozialen Plattform von Facebook
Für den weiteren Verlauf der Facebook Aktie wichtig: Übersicht der täglich aktiven Nutzer auf Facebook. (Quelle: Facebook Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2018)

Weiterhin wachsen zwar die Nutzerzahlen außerhalb Europas und der USA, doch für den Werbemarkt sind natürlich die kaufkräftigen Nutzer in den USA und Europa wesentlich relevanter.

Denn während die durchschnittlichen Umsätze pro Nutzer in den USA bei $25,91 und in Europa bei $8,76 liegen, sind Kunden aus Asien beispielsweise nur für $2,52 gut.

Dennoch machen die Umsätze außerhalb der zwei Kernmärkte bereits über 27 Prozent der Gesamtumsätze aus, wie die folgende Grafik zeigt:

Facebook Aktie News - Einnahmen von Facebook auf Quartalssicht im internationalen Vergleich
Die Einnahmen von Facebook auf Quartalssicht im internationalen Vergleich. (Quelle: Facebook Quartalsbericht zum zweiten Quartal 2018)

Die Reaktion des Marktes hinsichtlich der Nutzerzahlen überrascht ein wenig, da diese in den USA und in Europa schon seit einigen Quartalen stagnieren.

Facebook Aktie – Sicherheit kostet Marge

Mit großer Neugier haben wir gestern den Analystencall verfolgt und waren neben den Interpretationen der Zahlen des Managements besonders auch auf die Prognosen für das Gesamtjahr gespannt.

Mark Zuckerberg ging auf die massiven Investitionen in neue Transparenz- und Sicherheitsstandards ein. Künftig wird beispielsweise auf Business – Seiten jegliche Werbung – ganz transparent für den Nutzer – kenntlich gemacht.

Weiterhin wird politische Werbung in Zukunft auch als solche gelabelt, Budgetzahlen werden veröffentlicht und es wird transparent gemacht, wer dahintersteckt.

Man kann das als Investition in die Stabilität und die Sicherheit der Plattform interpretieren. Zunächst wird es jedoch nach Angaben des Unternehmens die Profitabilität drücken.

Den Rückgang der Kundenaktivität in Europa führt Zuckerberg auf die DSGVO zurück. Allerdings zeigte er sich zufrieden mit dem Kundenvertrauen insgesamt.

Der CFO hat die Auswirkungen auf Profitabilität und Umsatz anschließend genauer quantifiziert.

Er sieht die Umsätze der nächsten Quartale jeweils einen hohen einstelligen Prozentsatz niedriger.

Mittelfristig sieht er die operative Marge auf Mitte 30 Prozent – von derzeit 42 Prozent – fallen.

Neben den zwei besagten Gründen rechtfertigt Facebook den Rückgang auch mit Fremdwährungseffekten.

Das Unternehmen selbst hatte zwar vorher gewarnt, dass die Zahl der monatlich und täglich aktiven Nutzer in Europa im zweiten Quartal voraussichtlich stagnieren, oder leicht zurückgehen werde, die Aktionäre verfielen allerdings trotzdem in Panik.

Das wird besonders deutlich, wenn man sich das Chartbild der Facebook Aktie nach den gestrigen News anschaut:

Facebook Aktie News - Chartverlauf der Facebook Aktie über die letzten 6 Monate und nach den Quartals News
Die Kursverluste der Facebook Aktie nach Veröffentlichung der Quartalszahlen des zweiten Quartals sprechen Bände. (Graph: www.finanztreff.de)

In der Spitze fiel die Facebook Aktie nachbörslich um 23,7 Prozent.

Nach den News zur Facebook Aktie: Unsere Einschätzung

Facebook hat die extrem hohen Erwartungen der Märkte enttäuscht (ganz anders übrigens als iRobot – Nach deren Veröffentlichung der Quartalszahlen schoss die iRobot Aktie durch die Decke).

Auch ich hatte die Auswirkungen des Datenskandals und der DSGVO in dieser Wucht nicht kommen sehen.

Die Entwicklung der Kundenaktivität auf der Plattform halte ich für nicht besorgniserregend.

Mit den – nun über 1 Milliarde – Nutzern auf Instagram und den neuen Features zur Steigerung des Kunden – Engagements (wie Stories und Instagram TV) kann Facebook die abnehmende Nutzung auf der Kernplattform kompensieren.

Mit massiven Investition in künstliche Intelligenz, virtuelle Realität und dem Fokus auf  Steigerung des Return On Invest der Werbekunden wird Facebook der Champion der mobilen Werbeplattformen bleiben.

Die Monetarisierung der Messenger – Plattformen startet gerade. Erste konkrete Angabe hierzu machte Sheryl Sandberg (COO) in dem Call gestern.

Das Payment über WhatsApp wird gerade in Indien getestet. Außerdem zeigen Unternehmen, wie zum Beispiel Lego, große Erfolge mit neuen Werbeformen im Messenger (die sogenannten „Click – to – Messenger – Ads“).

Das Unternehmen hat sich gegen ein Wachstum um jeden Preis entschieden, um stattdessen massiv in Sicherheit und Transparenz der Plattform zu investieren.

Das kostet Profitabilität, während Innovationen und die gerade begonnene Monetarisierung der Messaging – Plattformen kurzfristig die Ergebnisse nicht nennenswert beeinflussen werden.

Facebook Aktie – Fazit

Wenn wir die Gewinnschätzungen für 2018 heranziehen, dann ist Facebook nach dem Kursverfall mit einem Kurs – Gewinn – Verhältnis (KGV) von etwa 22 bewertet.

Bei einem Gewinnwachstum von 25 bis 30 Prozent, ist das Unternehmen attraktiver als viele traditionelle Wachstumsunternehmen und innerhalb der FANG-Gruppe sowieso niedrig bewertet.

Wir sehen das Geschäftsmodell weiterhin intakt und schätzen den oft defensiven Ausblick des Managements.

Aus einem sehr attraktiven Unternehmen ist ein attraktives Unternehmen geworden. Ein bisschen mehr Normalität kehrt ein in die Welt von Facebook und den Kurs der Facebook Aktie. Wir werden das Unternehmen im Digital Leaders Fund weiterhin übergewichten.

Wenn auch Du von den Leadern des digitalen Zeitalters profitieren möchtest, dann erfährst Du hier mehr über das Investieren in den Digital Leaders Fund! 🙂

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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