Facebook Aktie – Robuste Zahlen und große Ankündigungen

3. Mai 2019

Facebook Aktie Q1 2019 – Robuste Zahlen und große Ankündigungen

Facebook ist gut ins Jahr gestartet und hat nun zwei Quartale in Folge bessere Zahlen präsentiert als von Investoren erwartet.

Die Aktie konnte daraufhin stark zulegen und nimmt nun wieder Fahrt auf in Richtung Allzeithoch.

Investoren fassen wieder Vertrauen in das Unternehmen.

Nach der großen Enttäuschung im Sommer 2018 hat die Facebook-Aktie deutlich mehr zulegen können als der Nasdaq Composite Index.

Facebook Aktie Q1 2019 – Aktueller Aktienkurs
Facebook Aktie über ein Jahr.
Facebook Aktie Q1 2019 – Aktueller Aktienkurs im Vergleich zum Nasdaq Composite über 6 Monate
Facebook Aktie gegenüber Nasdaq Composite über 6 Monate.

Hier zunächst die aggregierten Zahlen auf einem Blick:

  • Gewinn pro Aktie: $0,85 (niedriger aufgrund Einmaleffekte)
  • Umsätze: $15.08 Milliarden vs. $14.98 Milliarden erwartet
  • DAU (Daily Active Users): 1.56 Milliarden (wie erwartet)
  • MAU (Monthly Active Users): 2.38 Milliarden vs 2,37 Milliarden erwartet
  • ARPU (Average Revenue Per User): $6.42 vs. $6.39 erwartet

Die Gewinnzahlen sind verzerrt durch die Rückstellungen für erwartete Strafen für den Datenmissbrauch.

Facebook hat nun USD 3 Milliarden zurückgelegt.

Das Unternehmen erwartet nun eine Strafe von bis zu USD 5 Milliarden durch die US-Handelsaufsicht FTC (Federal Trade Commission).

Mit derzeit über 45 Milliarden Dollar Cash wird das schuldenfreie Unternehmen die Strafzahlung kaum merken.

Ohne die Rückstellung sind die operativen Kosten mit 34 Prozent deutlich geringer gestiegen als die angekündigten 45 Prozent für das Gesamtjahr.

Auch die operative Marge ist mit 42 Prozent deutlich höher ausgefallen als die angekündigten circa 35 Prozent für 2019.

Über die gesamte Facebook-Familie inklusive Apps sind mittlerweile 2,7 Milliarden Menschen monatlich auf der Plattform engagiert.

Diese Zahl hat sich zum Vorquartal nicht verändert.

Das Wachstum in Europa ist eher mager mit 1,4 Prozent mehr täglich aktive Kunden (DAU), in USA stagniert die Kundenzahl, während das stärkere Wachstum außerhalb dieser zwei Regionen nur wenig Umsatz bringt.

Wie gelingt es Facebook dennoch, den Umsatz um 26 Prozent zu steigern?

Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt (siehe hierzu auch unser letztes Update zum Q4 2018).

Wachstum dank Facebook und Instagram Stories

Während Facebook die Nutzerzahlen in Europa und Nordamerika stabil hält, kann es offensichtlich immer mehr Werbekunden von der Plattform überzeugen.

Während der Gesamtwerbeumsatz deutlich steigt, verteilen sich die Einnahmen auf immer mehr Kunden.

In Q1 machen die Werbeeinnahmen von den Top-100 Kunden weniger als 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus Werbung aus.

Noch bemerkenswerter ist die Adaption der Stories-Funktion.

Mittlerweile nutzen über 3 Millionen Marketer Facebook, Instagram und Messenger Stories, offensichtlich nicht statt, sondern zusätzlich zu Werbung über Newsfeed.

Ein Blick auf die zwei Grafiken unten verdeutlicht diese Entwicklung.

Facebook Aktie Q1 2019 – Monatliche Aktive Nutzer MAU
Facebook Aktie Q1 2019: Monatlich Aktive Nutzer. (Quelle: Facebook Presse Center)
Facebook Aktie Q1 2019 – ARPU
Facebook Aktie Q1 2019: Durchschnittlicher Umsatz pro Nutzer.

In den USA haben Werbekunden bisher deutlich stärker auf ephemerische Kommunikation wie Stories gesetzt als in den anderen Regionen.

Das zeigt sich auch in der Entwicklung des Average Revenue per USER (ARPU).

Facebook nimmt in den USA über 30, in Europa 9,5 und in Asien keine 3 Dollar pro Nutzer ein.

Während der Umsatz pro Nutzer in den USA auf hohem Niveau in den letzten 12 Monaten um 27 Prozent gesteigert werden konnte, stieg dieser Wert in Europa um 17 Prozent und sonst weniger als 10 Prozent.

Da Facebook Stories sehr prominent positioniert, attraktiv bepreist und Maketer noch höhere Renditen pro eingesetztem Dollar erhalten, steigt die Nachfrage weiter an.

Das sollte sich auch in den folgenden stärkeren Quartalen in den Zahlen widerspiegeln.

Ausblick fällt etwas positiver aus

Selbst CFO Dave Wehner war für seine Verhältnisse im Call positiver gestimmt als sonst.

Während er bei den Einnahmen daran festhält, dass die Umsätze sequentiell niedriger ausfallen sollten, passt er die Ausgaben geringfügig an.

Die Ausgaben für das Gesamtjahr sieht er bei einem Plus von 47-57 Prozent, gegenüber der Ankündigung von + 40-50 Prozent noch vor drei Monaten.

Allerdings enthält die Zahl nun die Rückstellungen, die etwa 10 Prozent ausmachen.

Die Kosten steigen damit eher 37-47 Prozent.

Spannend wird sein, wie sich die neuen Ankündigungen auf der firmeneigenen Konferenz F8 auf die Zahlen auswirken werden.

Facebook F8: „Die Zukunft ist Privat“

Die Entwicklerkonferenz F8 nutzte Mark Zuckerberg in dieser Woche für eine Kampagne für mehr Schutz der Privatsphäre.

“Wir haben die letzten Jahre genutzt, um das digitale Äquivalent eines öffentlichen Marktplatzes zu bauen. Die Zukunft ist aber privat.“

Neben den öffentlichen Marktplätzen will Facebook zukünftig sichere, private Kommunikationsräume für kleinere Gruppen aufbauen mit zusätzlichen Instrumenten für private Zahlungen und Handel.

Offensichtlich will das Unternehmen auch eine einheitliche Infrastruktur für die drei „Silos“ Facebook, Instagram und WhatsApp aufbauen und somit eine plattformübergreifende Kommunikation ermöglichen.ermutlich auch, weil sich damit ein deutlich kompletteres Profilbild des Nutzers erreichen lässt, siehe hierzu auch den Blogbeitrag von OneZero.

Natürlich kann man die Ausführungen zur Privatsphäre belächeln und berechtigte Zweifel an den Absichten anmelden.

Allerdings braucht Zuckerberg den Glauben an den Schutz der Privatsphäre dringender denn je, denn Facebook steht vor der größten Transformation der letzten Jahre.

Die Facebook und Messenger App wurden völlig neu designt und um zahlreiche neue Funktionen erweitert (in Deutschland kommt die Einführung noch).

Es geht alles stärker in Richtung Gruppen, kleinen Interessengemeinschaften, Aufwertung von Messenger, mehr Shopping und Payment-Lösungen.

Für Marketer bedeuten kleine Gruppen deutlich schärferes Targeting. Bald können Käufe und Buchungen stärker über den Messenger vorgenommen werden.

Shoppingfunktionen im Instagram-Feed werden präsenter und Influencer können künftig Produkte von Marken für den Direktkauf beim Anbieter verlinken.

Das alles kann nur gelingen, wenn die Nutzer ihre Privatsphäre geschützt sehen.

COO Sheryl Sandberg hat zwar im Call die Auswirkungen der Shopping-Funktionen kurzfristig heruntergespielt.

Doch es ist klar, dass Facebook die große Abhängigkeit von Werbung reduzieren möchte und sein Heil stärker im E-Commerce sucht.

Messenger und WhatsApp sollen stärker nach dem Vorbild von Tencents Wechat umgebaut werden.

Facebook F8: Launch von Oculus Quest

Neben vielen anderen Ankündigungen auf der F8-Konferenz, siehe eine gute Zusammenfassung in VB, hatten vor allem Gamer mit Spannung auf den Launch der neuen Oculus-Headsets geschaut.

Facebook hatten den Anbieter für Virtual Reality-Lösungen (VR) vor einigen Jahren für USD 2 Milliarden gekauft und große Hoffnungen auf den Markt gesetzt.

Bisher hält sich der Erfolg in Grenzen.

Die Einnahmen aus Payment & Other Fees, worin auch Oculus-Verkäufe gebucht sind, betrugen in Q1 gerade mal 165 Millionen Dollar (gegenüber 175 im Vorjahresquartal und 234 Millionen Dollar in Q4 2018).

Mit dem Launch von Oculus Rift S und dem mobilen Oculus Quest könnte Facebook nach Einschätzung mancher Marktbeobachter den Einstieg in einen Massenmarkt schaffen.

Wir selber haben keine Urteilskraft zu diesem Markt und haben daher den CEO eines der führenden Spieleentwicklers dazu befragt.

Er sieht den VR-Markt mit einfach bedienbaren, mobilen Devices mit besseren Inhalten wie nun mit Oculus Quest deutlich vor dem Durchbruch und glaubt fest, dass die Headsets und das Thema Virtual Reality und Augmented Reality (dabei geht es um die Verschmelzung von realer und virtueller Welt) bald ein fester Bestandteil unseres Berufs- und Privatlebens werden.

Kurzfristig werden all die skizzierten Entwicklungen keinen nennenswerten Beitrag zum Umsatz leisten.

Vielmehr steigt das Risiko, dass Facebook seine Nutzer und Marketer mit dem Umfang der Änderungen überfordert.

Bisher hat Facebook es allerdings geschafft, die Nutzerbasis stabil zu halten und die Werbekunden von neuen Features zügig zu überzeugen.

Mit den aktuellen Zahlen hat das Unternehmen viele Investoren davon überzeugt, dass die Gewinn- und Umsatzentwicklung trotz Dauerkritik in der Öffentlichkeit, sehr robust ist.

Die Analysten müssen nun ihre Zahlen nach oben anpassen.

Mittlerweile erwarten die meisten Analysten einen Gewinn pro Aktie jenseits von 9 Dollar pro Aktie für 2020, so dass Facebook bei einem aktuellen Umsatzwachstum von über 25 Prozent, einer Gewinnmarge von über 40 Prozent mit einem KGV von knapp über 20 weiterhin sehr attraktiv erscheint.

Für uns bleibt Facebook unverändert ein Basisinvestment im Portfolio des DLF.


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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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2 Antworten

    1. Naja, eine Analyse zu Facebook würde ich das nicht gerade nennen, eher eine negative Meinung, die ja sehr vereinfachend auf einer einzigen Kennzahl beruht, nämlich dem Verhältnis von täglich aktiven (DAU) zu monatlich aktiven Usern (MAU). Und das ist ja erstaunlich konstant geblieben bei ca. 66% auch wenn das im Graph nicht so dargestellt wird. Mich persönlich überzeugt die Argumentation nicht. Kaum eine Aktie polarisiert so sehr wie Facebook. Ich habe da schon bessere Argumente der Facebook-Bären gehört.
      VG

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