Garmin Aktie: Irrationale Märkte machen GPS-Spezialisten zu schaffen

28. Oktober 2021

Zu Beginn dieses Jahres hatten wir den GPS-Spezialisten Garmin hier im Blog vorgestellt. Die Garmin Aktie hatte sich – wie auch die Lage im Unternehmen – daraufhin sehr positiv entwickelt;  der Garmin Aktienkurs hatte seit Jahresanfang bis August um fast 50 Prozent zugelegt. Dann setzte in den vergangenen beiden Monaten eine Konsolidierung ein, die Garmin Aktie hat seit Anfang September immerhin 18 Prozent verloren.

Garmin Aktie - Kurs (USD) YTD
Quelle: https://aktien.guide/aktien/Garmin-CH0114405324

Mit dem heutigen Beitrag will ich der Frage nachgehen, ob die Garmin Aktie zum aktuellen Preis von unter 150 Dollar eine erneute Einstiegschance bietet oder ob der jüngste Dip den Anfang vom Ende der Garmin Wachstumsstory bedeuten könnte.

Die Garmin Zahlen zum dritten Quartal 2021

Garmin erzielte im dritten Quartal 2021 einen Umsatz von 1,19 Milliarden Dollar. Das waren “nur” sieben Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Dieses einstellige Wachstum klingt zunächst enttäuschend, denn in den letzten drei Quartalen war Garmin noch deutlich mehr als 20 Prozent gegenüber Vorjahr gewachsen. 

Allerdings gilt es zu beachten, dass Garmin es im zweiten Halbjahr 2021 erstmals mit ungewöhnlich starken Vergleichszahlen aus dem Vorjahr zu tun hat, da Garmin damals pandemiebedingt in den Bereichen Fitness, Outdoor und Marine stark zulegen konnte. 

Dazu kommt, dass Garmin wie fast alle anderen Hardwarehersteller auch aktuell mit gestörten Lieferketten für seine Produkte kämpft, welche die Lieferfähigkeit einschränken.

Garmin Aktie - Bruttomarge
Quelle: https://www8.garmin.com/aboutGarmin/invRelations/reports/2021_Q3_Earnings_Release.pdf

Die Garmin Bruttomarge betrug im dritten Quartal trotz eines leichten Rückgangs (aufgrund gestiegener Fracht und Komponentenkosten) weiterhin über 58 Prozent. Das ist nach wie vor ein extrem guter Wert für ein Unternehmen, das hauptsächlich als Hardwarehersteller wahrgenommen wird. Zum Vergleich: Apple arbeitet mit einer Bruttomarge von gut 40 Prozent, bei Peloton liegt dieser Wert noch deutlicher darunter. 

Der operative Gewinn von 283 Millionen Dollar im dritten Quartal entspricht einer Marge von knapp 24 Prozent und bedeutet einen deutlichen Rückgang gegenüber dem überragenden Ergebnis des Vorjahres. Damals war eine Marge von über 28 Prozent erreicht worden.

Garmin erhöht Guidance und enttäuscht dennoch

Wie erwartet hat das Garmin Management konservativ geplant und konnte trotz des Gegenwindes im dritten Quartal seine Planzahlen für 2021 erneut anheben. Für den Umsatz werden im Gesamtjahr nun 4,95 Milliarden Dollar erwartet, das bedeutet ein Wachstum von 18 Prozent gegenüber elf Prozent im Vorjahr.

Garmin Aktie - erhöht Guidance

Für die Erhöhung der Guidance hat eine besser als erwartete Entwicklung der Segmente Marine und Luftfahrt gesorgt, die nun um 30 Prozent bzw. zwölf Prozent gegenüber 2020 wachsen sollen.

Trotz dieser Erhöhung der eigenen Erwartungen für das Gesamtjahr hat Garmin die Analysten zumindest geringfügig enttäuscht. Diese hatten für das laufende vierte Quartal einen um 20 Millionen Dollar höheren Umsatz von 1,38 Milliarden Dollar erwartet. Die nun vorgelegte Guidance für das viele Quartal liegt gerade mal 1,5 Prozent niedriger, aber das hat dennoch dafür gereicht, dass der Garmin Aktienkurs nach den Quartalszahlen kurzfristig um weitere acht Prozent nachgegeben hat. Börse kann manchmal irrational und brutal sein. 

Fakt ist: Die direkten Kosten werden derzeit auch bei Garmin belastet durch höhere Frachtkosten und Preiserhöhungen bei einigen Komponenten. Daher hat das Management die Guidance für die Bruttomarge um 0,3 Prozent auf 58,2 Prozent zurückgenommen. Die operative Marge wird nun für das Gesamtjahr mit 24 Prozent erwartet nach 25 Prozent in den beiden Vorjahren. Dennoch soll der Profit unterm Strich steigen: Das EPS soll um gut zehn Prozent auf  5,60 Dollar zulegen.

Garmin Aktie: Ein Ausblick auf 2022

Garmin ist aufgrund seiner breiten Diversifikation sehr gut durch die Corona-Krise gekommen. Die Schwäche der Auto- und Luftfahrt-Segmente konnte durch die Pandemie-bedingte Sonderkonjunktur der Segmente Fitness, Outdoor und Marine mehr als ausgeglichen werden. Unterm Strich gehörte Garmin sogar zu den Corona-Gewinnern. Dieser Rückenwind ist nun vorbei, die zwischenzeitliche Phase stürmischen Wachstums dürfte damit vorüber sein. 

Aber ich sehe das eher positiv: 2021 werden alle fünf Segmente zweistellig wachsen, das ist ein weiterer Hinweis auf die erstklassige Diversifikation des Konzerns. Das bisherige Sorgenkind Auto sollte dann in 2022 einen weiteren Wachstumsschub erleben, weil die bereits 2019 angekündigte OEM Kooperation mit BMW  dann erstmals zum Umsatz beitragen wird. Garmin hat in den vergangenen Jahren viel Geld in sein defizitäres Auto-Segment investiert, um sich als Zulieferer für Infotainment-Systeme mit mehreren über den Globus verteilten Produktionsstätten neu aufzustellen. In 2022 werden wohl erste Früchte daraus geerntet. Allerdings sind die Margen im OEM-Geschäft wesentlich geringer zu erwarten als im Direct-To-Consumer Business, das derzeit den Umsatzmix beherrscht.

 

Wichtig: Partnerschaften mit BMW, Dexcom und Malibu

Dennoch sind solche Industrie-Partnerschaften wie mit BMW wichtig für die mittelfristige Entwicklung von Garmin. Auch im abgelaufenen Quartal hat man neue wichtige Partnerschaften z.B. mit Dexcom und Malibu bekannt gegeben: 

Dexcom ermöglicht es schon heute circa eine Millionen Diabetes Patienten über einen am Körper getragenen Sensor ständig ihren Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Die von Dexcom gelieferten Daten können ab sofort während des Sports in Echtzeit in den Garmin Smartwatches und Fahrradcomputern visualisiert werden. Damit liefert Garmin Millionen von zuckerkranken Sportlern ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für seine Devices.

Malibu ist der US-Marktführer bei Sportbooten und wird seine AXIS Boote ab 2022 erstmals standardmäßig mit Garmin Devices ausstatten. Das Garmin Marine Segment wird schon 2021 am stärksten um mindestens 30 Prozent wachsen. Die Werften der Sportboothersteller sind teilweise schon bis 2023 ausgelastet. Ein perfektes Umfeld also für ein weiterhin boomendes Marine Geschäft auch bei Garmin. 

Fazit

Auch Garmin ist durch die weltweit gestörten Lieferketten in schwieriges Fahrwasser geraten. Aber das Unternehmen zeigt sich widerstandsfähig und wird 2021 deutlich schneller als in 2020 um mindestens 18 Prozent wachsen. 

Eine geringfügig sinkende Profitabilität kann man sich aufgrund der komfortablen Margen leisten. Das Management deutete im Analysten Call an, dass man die gestiegenen Kosten für Fracht und Elektronik-Komponenten wohl ab 2022 an die eigenen Kunden in Form von Preiserhöhungen weitergeben wird. 

Die Bäume wachsen auch bei Garmin nicht in den Himmel. Der Garmin Aktienkurs war 2021 zwischenzeitlich der Realität doch etwas vorausgelaufen. Nach der jüngsten Kurskorrektur wird das Unternehmen bei einem Kurs von knapp 150 Dollar mit gut 26 Milliarden Dollar bewertet. Das entspricht einem EV/Sales Verhältnis von gut fünf bzw. einem KGV von 26.

Das ist kein Schnäppchen, aber eine faire Bewertung für einen stabil aufgestellten und in seiner GPS-Nische hochprofitablen Weltmarktführer. Investoren müssen sich aber darauf einstellen, dass das Unternehmen ab 2022 wohl nur noch etwas langsamer als 2021 wachsen wird. 

Die Garmin Aktie ist deshalb noch keine Kaufgelegenheit, aber sie erscheint mir dennoch weiterhin als eine solide Halteposition, sofern man als Investor einen längerfristigen Anlagehorizont hat. In den kommenden Monaten könnten jedoch erstmal weitere Kursrückgänge drohen, denn der Gegenwind aus gestörten Lieferketten und schwierigen Vorjahresvergleichszahlen werden im vierten Quartal 2021 mindestens genauso heftig sein wie im dritten.

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Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Garmin. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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Eine Antwort

  1. Ich weiß nicht wie ihr auf die Idee kommt, das Garmin Weltmarktführer im GPS Bereich ist. Vielleicht unterhaltet ihr euch mal mit der Sportler-Community die Garmin Produkte nutzen. Ich kann schon mal so viel verraten, das Garmin Produkte seit Jahren durch extrem schlechte User-Experience, schlechten Kundenservice und wenig Innovationskraft bekannt sind. Disrupted wird so ungefähr jedes Produkt, von dem Garmin in den letzten Jahren gelebt hat. Seien es die GPS Uhren (Apple Watch), Fahrradcomputer (Wahoo, zig andere die hier auf den Markt drängen), Software zur Trainingsauswertung (Strava). Es mag sein, dass Garmin noch andere Segmente hat, aber aufgrund meiner Erfahrungen mit den Produkten kann ich jedem nur raten, sich damit auseinanderzusetzen bevor er in ein Unternehmen investiert, was alles andere als fortschrittlich ist.

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