Die Geldpolitik Chinas beachten

15. Juli 2021

Die Geldpolitik Chinas

Im Beitrag “EM Digital Leaders: Die ersten drei Monate” ging es um den Einfluss der Politik auf den chinesischen Aktienmarkt. Aber welchen Einfluss hat die Geldpolitik Chinas? Dazu ergänzend ein Gastbeitrag von Karl-Heinrich Mengel, Vorstand und CIO der Capitell AG.

In dem Blogbeitrag auf thedlf.de wurde in der vergangenen Woche richtigerweise festgestellt, dass die Aktienmärkte in China zuletzt besonders stark von der Politik geprägt wurden. In diesem Kontext muss auch die Geldpolitik Chinas angesprochen werden. Die chinesische Führung hat im ersten Quartal 2021 eine Kehrtwende vollzogen und die Geldpolitik deutlich gestrafft. Auch das ist eine wesentliche Ursache für den Einbruch des heimischen Aktienmarkts in diesem Jahr. Der CSI 300 verlor seit Ende Februar zeitweise etwa 15 Prozent.

Shanghai Shenzhen CSI 300
Shanghai Shenzhen CSI 300. Quelle: Definitiv Datastream

Welchen Einfluß haben heimische Privatunternehmen?

Dies ist eine bemerkenswerte Entwicklung angesichts des beachtlichen Konjunkturaufschwungs. Was war geschehen? Seitens der kommunistischen Führung fühlte man sich offenbar zunehmend unwohl über den wachsenden Einfluss heimischer Privatunternehmen auf die Wirtschaft, insbesondere im Finanzbereich. Es bahnte sich ein Konflikt mit der politischen Führung an, welche die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Wirtschaftsentwicklung des Landes kontrollieren will. Hier ist beispielsweise das sogenannte Graubankensystem zu nennen.

Diese unregulierten Finanzmarktakteure agierten unabhängig von staatlicher Einflussnahme und verursachten durch ihre Kreditvergabepraxis eine aus politischer Perspektive unkalkulierbare Geldmengenausweitung.

Zudem liegen auch die Ziele dieser Kreditvergaben nicht unbedingt auf der politisch gewünschten Linie. Wie man hört, ging die Ende Februar eingeleitete Initiative zur Eindämmung des Graubankensystems direkt vom stellvertretenden Ministerpräsidenten aus. Die Folge war ein abrupter Rückgang des Geldmengenwachstums von vorher circa 15 Prozent auf etwa sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wachstum Geldmenge M1 in China YoY
Wachstum Geldmenge M1 in China YoY. Quelle: Definitiv Datastream

In diesem Zusammenhang wird nicht nur in China gern von der Vermeidung einer Blasenbildung gesprochen, mit der bekannten negativen Konnotation. Tatsächlich steht die chinesische Politik der Idee eines frei agierenden Kapitalismus nach wie vor skeptisch gegenüber, wo Kapitalströme Angebot und Nachfrage unterliegen. Wagniskapital unterliegt dem Prinzip „Trial and Error“, eine Tatsache, mit der sich die kommunistische Partei Chinas schwer anfreunden kann.

Solange in China zur Durchsetzung des Primats der Politik Kollateralschäden für den eigenen Kapitalmarkt in Kauf genommen werden, wird er trotz des Wirtschaftsbooms mäßig attraktiv für Investoren bleiben. Offensichtlich haben die restriktiven geldpolitischen Maßnahmen auch Spuren in der Realwirtschaft Chinas hinterlassen. Dafür spricht die zuletzt schwächere Tendenz des Li Keqiang- Index.

Der Konjunkturindikator „Li Keqiang Index“

Geldpolitik China: Le Keqiang Index - Konjunkturindikator
Le Keqiang Index – Konjunkturindikator. Quelle: Definitiv Datastream

Dieser nach dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang benannte Konjunkturindikator umfasst drei Komponenten, nämlich jeweils das Wachstum des Güterschienentransports, des Stromverbrauchs und der Kreditvergabe. Der zuletzt schwächere Verlauf dieses Indikators ist vor dem Hintergrund der restriktiven geldpolitischen Maßnahmen nicht verwunderlich. Und hier liegt vermutlich auch der Grund für die kürzlich avisierte Lockerung der Geldpolitik. Der Mindestreservesatz für Geschäftsbanken soll ab Mitte dieses Monats um einen halben Prozentpunkt gesenkt werden. Dies entspricht in etwa einem Volumen von ca.  130 Milliarden Euro, das den Geschäftsbanken zusätzlich zur Kreditvergabe zur Verfügung steht. Gemessen an der Geldpolitik der US-Notenbank und der EZB ist das diesbezügliche Agieren der Chinesen dennoch sehr zurückhaltend. 

Fazit

Im Gegensatz zum monetären Umfeld in China wächst in Europa und in den USA die Geldmenge M1 seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 zweistellig, was kräftige Rückschläge an deren Aktienmärkten eher unwahrscheinlich macht.

Der Gastbeitrag wurde verfasst von Karl-Heinrich Mengel von der Capitell AG.

Disclaimer

Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung zur Geldpolitik Chinas und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Karl-Heinrich Mengel

Karl-Heinrich Mengel

Karl-Heinrich Mengel ist Vorstandsmitglied und Chief Investment Officer der Capitell AG mit über 30 Jahren Kapitalmarkterfahrung (vornehmlich im Bereich internationale Aktien). Zuständig für die Anlage- und Portfoliostrategie des Unternehmens.

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