Hortonworks und Cloudera schmieden neuen Big Data – Marktführer

4. Oktober 2018

Hortonworks und Cloudera Fusion Handschlag

Gestern – zufälligerweise am Tag der Einheit – haben in einem überraschenden Schritt die zwei “Big Data” Wettbewerber Hortonworks (mehr in unserem Beitrag zur Hortonworks Aktie) und Cloudera ihren geplanten Zusammenschluss bekanntgegeben.

Die Rede ist von einer “Fusion unter Gleichen” aber man kann das durchaus auch als freundliche Übernahme von Hortonworks durch Cloudera sehen.

Denn die Cloudera Aktionäre werden 60 Prozent des neuen Unternehmens besitzen, und der Unternehmensname Cloudera wird wohl beibehalten.

Der Cloudera CEO Tom Reilly wird das fusionierte Unternehmen weiterhin als CEO führen, während Hortonworks noch-CEO Rob Bearden aus der operativen Verantwortung ausscheidet und stattdessen “nur” noch im Board of Directors Platz nehmen wird.

Ist das nun eine gute oder eine schlechte Nachricht für Hortonworks Aktionäre?

Zunächst mal bejubeln der Markt und die Finanz-Analysten diesen Merger.

Sowohl Hortonwork als auch Cloudera Aktionäre dürfen sich über einen zweistelligen Kurssprung freuen.

Die Hortonworks-Aktionäre bekommen jeweils circa 1,3 Cloudera-Aktien im Rahmen eines Aktientausches.

Und tatsächlich lesen sich die Fakten zu den Vorteilen der kombinierten Company auf den ersten Blick großartig, wie folgende Grafik zeigt:

Hortonworks und Cloudera Fusion - Kennzahlen beider Unternehmen
Hortonworks und Cloudera: Auf den ersten Blick sieht die Kombination beider Unternehmen vielversprechend aus.

Gemeinsam wird man dank minimaler Überlappung in der Kundenbasis über 2.500 Kunden haben, davon sind über 120 Großkunden mit jeweils mehr als $1 Millionen jährlich wiederkehrenden Umsatz.

Von Beginn an wird man die führende Position einnehmen im schnell wachsenden Software-Segment der auf Apache Hadoop basierenden Datenverwaltung.

Die Vision der Enterprise Data Cloud

Doch die gemeinsame Vision ist viel größer:

Die zukünftige “Enterprise Data Cloud” des fusionierten Unternehmens soll in Partnerschaft mit allen führenden Public Cloud Providern (Amazon, Microsoft, Google) einen Industriestandard setzen für die moderne Datenhaltung im Cloud-Zeitalter. Und zwar über alle Deployment-Methoden und Anwendungsszenarien hinweg.

Durch die Kombination von Cloudera und Hortonworks entsteht bis 2020 ein Unternehmen mit voraussichtlich mehr als $1 Milliarde Umsatz, das nach dem Übergangs- und Integrationsjahr 2019 schon in 2020 auch unterm Strich mit zweistelligen Margen profitabel sein soll.

Hortonworks und Cloudera Fusion - Langfristige Strategie
Hortonworks und Cloudera: Geplant ist mit dem gemeinsamen Unternehmen bereits 2020 zweistellige Margen zu erzielen.

Profitabilität ist nun greifbar

Die kurzfristig erreichbare Profitabilität war wohl der größte Treiber des Zusammenschlusses zum jetzigen Zeitpunkt.

Denn beide Unternehmen hatten bisher getrennt voneinander große Schwierigkeiten, ihre Umsatzzuwächse unterm Strich in einen positiven Cashflow umzuwandeln.

Da kommt es natürlich gerade recht, dass sich mit der Übernahme in den verschiedensten Bereichen des Unternehmens über $125 Millionen sparen lassen.

Diese Summe ist wirklich ein “Game-Changer” angesichts eines kombinierten Umsatzes von aktuell $720 Millionen.

An den potentiellen Einsparungen zeigt sich aber auch, wie ähnlich die beiden Produktportfolios sind.

Auch wenn man nun erstmal betont, dass sich beide Produktangebote wunderbar ergänzen.

Fakt ist aber auch, dass der Kern des Softwareangebotes von Cloudera und Hortonworks vergleichbar ist und durchaus überlappt.

Vorteile und Risiken der Fusion

Vorteile:

    • Die neue Cloudera wird der klare Marktführer sein im Bereich der kommerziellen Nutzung von Apache Hadoop.
    • Der Ursprung und Kern beider Plattformen ist der gleiche OpenSource Code von Apache Hadoop. Dadurch wird es verhältnismäßig einfach sein, eine vereinte Plattform (“Unity Release”)  zu schaffen, welche die Funktionalität beider Plattformen miteinander “verheiratet”.
    • Das gemeinsame Unternehmen wird mehr Ressourcen verfügbar haben, um Innovationen voranzutreiben auf dem Weg zur Verwirklichung der gemeinsamen Vision der “Enterprise Data Platform”.
  • Die IT-Riesen Amazon, Google, Microsoft, IBM werden die neue Cloudera nun viel ernster nehmen müssen. Als Kooperationspartner aber auch als Wettbewerber.

Risiken:

    • In den kommenden 2 bis 3 Quartalen bis zum offiziellen Closing des Mergers dürfen beide Organisationen noch nicht wirklich zusammenarbeiten, da ein Zusammenschluss theoretisch immer noch platzen könnte zum Beispiel aufgrund von Auflagen der Wettbewerbsbehörden. Diese Unsicherheit lastet kurzfristig auf laufenden Geschäftsabschlüssen.
    • Das gesamte Jahr 2019 wird durch die Integration beider Organisationen erheblich belastet werden. Denn das neue Unternehmen wird erfahrungsgemäß in dieser Übergangsphase viel zu viel mit sich selbst beschäftigt sein als mit den Herausforderungen der Kunden.
    • Cloudera und Hortonworks haben trotz des gleichen Kerns ihrer Software unterschiedliche Firmenkulturen: Hortonworks pflegte das “Good Guy” Image und garantierte den eigenen Kunden ein 100% Open Source Softwareangebot. Damit wird es künftig vorbei sein.
  • Die Fusion wird zahlreiche Jobs kosten, da viele Rollen derzeit doppelt besetzt sind. Die entsprechende Unruhe in der Belegschaft kann man sich vorstellen.

Hortonworks und Cloudera: Fazit

Der Zusammenschluss von Cloudera und Hortonworks macht auf den ersten Blick viel Sinn. Entsprechend positiv werden wohl die Reaktionen vom Finanzmarkt ausfallen.

Ich sehe das ganze etwas kritischer:

Hier schließen sich zwei Unternehmen zusammen, die es bisher aus diversen Gründen nicht geschafft haben, ihr schnelles Umsatzwachstum in Profite umzuwandeln.

Cloudera hatte in der letzten Zeit einige Probleme bei der Gewinnung von Neukunden. Ich persönlich stand dem Unternehmen eher kritisch gegenüber und war bewusst auch nach dem Crash der Cloudera-Aktie hier niemals investiert.

Es würde mich nicht wundern, wenn auf die augenblickliche Euphorie in einigen Monaten Ernüchterung folgt.

Denn eine solche Fusion geschieht nie ohne Reibungsverluste.

Und in der Realität fühlt sich so ein Zusammenschluss dann ganz anders an, als das jetzt auf einer Powerpoint-Präsentation dargestellt und bejubelt wird.

Es bleibt abzuwarten ob tatsächlich auch alle Kunden von Hortonworks und Cloudera in diesen Jubel einstimmen werden.

Genaueres dazu können wir wohl erst in 2 Jahren an den Geschäftszahlen ablesen.

Die mittelfristigen Risiken eines Investments in Hortonworks sind bis dahin jedenfalls durch diese Fusion nicht kleiner geworden.

Wir werden unsere Position an Hortonworks im Portfolio des DLF in den kommenden Monaten wohl reduzieren.

Wenn es soweit ist, werden wir darüber in unserem Newsletter informieren. Diesen kannst Du jetzt hier ganz unverbindlich abonnieren.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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2 Antworten

  1. Hallo Stefan

    Im Zuge des aktuellen wash out an der US Börse, der sich noch eine Weile hinziehen dürfte könnte es auch sein, das die Cloudera Aktie wieder interessant wird. Ab welchem Kurs würdest Du sie wieder ins Depot legen bzw. ab welchem Preis, findes Du sie fair bewertet?? Ich spreche bewusst die Cloudera Aktie an, weil, wenn ich das richtig kombiniere, bekomme ich da einen besseren Umtausch Kurs.

    Grüße,

    Jörg

    1. Ich würde da jetzt erstmal abwarten bis sich der Staub legt und man etwas klarer sieht. In die “alte” Cloudera würde ich überhaupt nicht investieren, die hatte m.E. viele Probleme, die ja nicht über Nacht durch diese Fusion wie von Zauberhand verschwinden. Theoretisch könnte ja der geplante Merger sogar platzen, unzufriedene Hortonworks Aktionäre formieren sich jedenfalls bereits, da sie mit dem Umtauschverhältnis nicht einverstanden sind: https://www.businesswire.com/news/home/20181009006103/en/HORTONWORKS-SHAREHOLDER-ALERT-Rigrodsky-Long-P.A.-Announces
      Auch ich bin mit der Fusion nicht unbedingt glücklich, das hatte ich ja in dem obigen Beitrag schon ausgedrückt.
      VG Stefan

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