Erstmals haben alle vier US-Hyperscaler zeitgleich Quartalszahlen vorgelegt. Die Botschaft von Microsoft, Alphabet, Meta und Amazon ist eindeutig. Die Capex-Ausgaben ziehen weiter massiv an. Das Cloudgeschäft wächst bei allen rasant: Google Cloud +63 Prozent, Azure +40 Prozent, AWS +28 Prozent, und das alles bei steigenden Margen. Google Cloud hat seine operative Marge nahezu verdoppelt, von 17,8 auf 32,9 Prozent. Microsoft Cloud wächst auf 54,5 Milliarden Dollar Quartalsumsatz. Amazon vermeldet das stärkste Cloud-Wachstum seit 15 Quartalen.
AI-Bubble, Peak-Capex, Margenverfall? Wir lassen wie schon in unserer Kolumne im Oktober diejenigen antworten, die die KI-Geschichte schreiben, statt sie zu kommentieren. Hier ein Ausschnitt der Statements aus den Earnings Calls.
Capex 2026: 725 Milliarden – und 2027 wird es mehr
Susan Li, CFO von Meta:
„We anticipate 2026 capital expenditures, including principal payments on finance leases, to be in the range of $125 to $145 billion, increased from our prior range of $120 to $135 billion.”
Anat Ashkenazi, CFO von Alphabet:
„We are updating our full year 2026 CapEx guidance range to $180 billion to $190 billion, up from our previous estimate of $175 billion to $185 billion … And as a result, we expect our 2027 CapEx to significantly increase…”
Amy Hood, CFO von Microsoft:
„For calendar year 2026, we expect to invest roughly $190 billion in capital expenditures, which includes approximately $25 billion from the impact of higher component pricing.”
Wenn wir das obere Ende der Guidance nehmen, kommen wir auf 725 Milliraden Dollar Capex allein bei den vier Hyperscalern. Vor den Zahlen lag der Konsens bei rund 670 Milliarden Dollar. Plus 70 Prozent gegenüber 2025 – das dritte Jahr in Folge mit über 60 Prozent Wachstum.
Compute bleibt das Nadelöhr
Sundar Pichai, CEO von Alphabet:
„We are compute constrained in the near term. And as an example, our cloud revenue would have been higher if we were able to meet the demand.”
Anat Ashkenazi:
„We are seeing unprecedented internal and external demand for AI compute resources.”
Amy Hood:
„We expect to remain constrained at least through 2026.”
Susan Li:
„Our experience so far has been that we have continued to underestimate our compute needs even as we have been ramping capacity significantly.”
Komponenten-Inflation – was den Capex zusätzlich treibt
Ein erheblicher Teil des Capex-Anstiegs ist nicht Volumen, sondern Preis. Insbesondere bei Memory-Chips. Schlecht für die Hyperscaler, gut für die Ausrüster.
Amy Hood:
“Allein 25 Mrd. $ der 190 Mrd. $ Capex-Guidance für 2026 stammen aus höheren Komponentenpreisen.”
Andy Jassy:
„The cost of components, particularly memory, has skyrocketed.”
Mark Zuckerberg:
„We are increasing our infrastructure CapEx forecast for this year. Most of that is due to higher component costs, particularly memory pricing.”
Monetarisierung intakt, Nachfrage wird deutlich breiter
Sundar Pichai:
Alphabets eigene Modelle verarbeiten heute 16 Milliarden Tokens pro Minute, vor einem Quartal waren es 10 Milliarden. 330 Cloud-Kunden haben in den letzten 12 Monaten je über 1 Billion Tokens verarbeitet.
Satya Nadella, CEO von Microsoft:
„Our AI business surpassed an annual revenue run rate of $37 billion, up 123% year-over-year.”
Andy Jassy:
„Three years after AWS launched, it had a $58 million revenue run rate. In the first three years of this AI wave, AWS’s AI revenue run rate is over $15 billion – nearly 260 times larger.”
WSJ-Story zu OpenAI – die Daten zeigen ein anderes Bild
Anfang der Woche meldete das WSJ, dass OpenAI die eigenen Ziele deutlich verfehle und seinen Computebedarf eventuell nicht finanzieren könne. Der Artikel war dünn recherchiert, löste aber dennoch eine kräftige Verkaufswelle bei AI-Titeln aus. Daran änderte auch das Dementi von Sam Altman wenig. Es stimmt, dass die Konkurrenz von Anthropic immer größer wird. Im B2B-Geschäft ist Claude deutlich an ChatGPT vorbeigezogen. Doch bei den Endkunden zeigen unsere Mobile-App-Daten weiterhin eine deutliche Dominanz von OpenAI.
Wer von der Capex-Welle profitiert
Die Zahlen der Hyperscaler untermauern: Die Nachfrage nach KI-Compute übersteigt das Angebot deutlich. Selbst wenn ein Anbieter hier mal straucheln sollte, wird die freigewordene Kapazität sofort weggekauft. Compute bleibt ein Knappheitsmarkt mindestens bis Ende 2026. Google hat bereits angekündigt, 2027 signifikant mehr zu investieren als 2026. Die wahren Gewinner der größten Investitionswelle der Wirtschaftsgeschichte bleiben die Ausrüster.
Hier einige Beispiele aus unseren Portfolios:
- SK Hynix, Samsung, Micron – die HBM-Memory-Triade. Microsoft allein plant 25 Mrd. Dollar zusätzlichen Capex für höhere Komponentenpreise ein.
- TSMC – produziert die Chips, die in alle Datacenter wandern.
- Bloom Energy – +27 Prozent an einem Tag nach den Q1-Zahlen diese Woche. Datacenter brauchen Strom, am besten autark vom Netz.
- Nokia – die Verkabelung der KI-Fabriken. Vorgestern Glanzzahlen: AI/Cloud +49 Prozent.
- Arista – das Rückgrat der Rechenzentren.
- Intel – Inferenz löst Boom für CPUs aus.
Und was bedeutet das alles für SaaS, Software und Aplications?
Andy Jassy:
„We do view this as truly a once-in-a-lifetime opportunity, where every application that we know of is going to be reinvented, and there are so many new applications that none of us have ever imagined or dreamed we could build that are starting to be built and will be built.”
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Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.



