5 Gründe, warum wir trotz Auto-Krise in den VW Konzern investieren

19. Juli 2019

5 Gründe, warum wir trotz Auto-Krise in den VW Konzern investieren

Einer der auch mit unseren Anlegern immer wieder kontrovers diskutierten Werte im Portfolio von The Digital Leaders Fund (DLF) ist die Aktie der Porsche Holding.

Seit dem Start unseres Fonds haben wir damit in den VW-Konzern investiert.

Unseren Investment-Case um die VW Aktie hatten wir im August 2018 hier im Blog dargelegt.

Wir hatten damals erläutert, warum wir mit dem DLF nicht in den Disruptor Tesla, sondern stattdessen in den skandalgeschüttelten VW-Konzern beziehungsweise die Porsche Holding als Mehrheitseigentümer investieren.

Seitdem hat sich am Kurs der Porsche Aktie nicht viel geändert, sie hat in den vergangenen 12 Monaten wenige Prozentpunkte hinzugewonnen.

Die Tesla Aktie hingegen ist zwischenzeitlich stark unter Druck geraten und notiert 15 Prozent tiefer als vor einem Jahr.

Investieren in VW Konzern - Chartvergleich Porsche Aktie und Tesla Aktie
Vergleich: Porsche Aktie und Tesla Aktie. (Chart: Finanztreff)

Mittlerweile sind wir noch optimistischer geworden, was diesen Investment Case angeht.

Die Porsche Holding Aktie, über die wir indirekt in den VW Konzern investieren, gehört daher inzwischen zu unseren Top 10 Investments im Fonds.

Unsere 5 Gründe dafür:


1. Herbert Diess hat eine klare Strategie

Bei kaum einem anderen Automobilkonzern ist die Strategie so klar erkennbar wie bei VW.

Der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess hat seit seinem Amtsantritt in 2018 viel frischen Wind gebracht und arbeitet unermüdlich daran, intern die Bürokratie zu bekämpfen und verkrustete Strukturen aufzubrechen.

Er will den VW-Konzern innerhalb von wenigen Jahren zum Weltmarktführer für E-Autos machen.

Dabei stößt er auf Widerstände und überfordert mit dem Tempo des Umbaus sicherlich nicht nur Betriebsräte sondern auch Teile der langjährigen Belegschaft.

Diess ist tatsächlich eher der Disruptor als ein Bestandswahrer für den Konzern.

Aber das ist wohl auch nötig, um dem Automobilriesen das Überleben zu sichern und ihn nach Bewältigung des Diesel-Skandals in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Der Spiegel hat kürzlich einen sehr kritischen Bericht über die Situation gebracht.

Tatsächlich kann man lange Grundsatzdiskussionen darüber führen, ob dem Elektroantrieb wirklich die Zukunft der Mobilität gehört und ob VW nicht auch in andere alternative Zukunftsmodelle investieren sollte.

Aber erfolgreiche Unternehmen werden grundsätzlich dadurch gebaut, dass man klare Entscheidungen trifft, sich auf einige wenige Dinge zu 100 Prozent fokussiert und diese dann besser macht als alle Mitbewerber.

Das gilt im kleinen Startup genauso wie im riesigen Konzern.

Mir gefällt es, dass Diess diese unternehmerische Überzeugung im Gegensatz zu vielen anderen Konzern-Managern verinnerlicht hat.

Er hat eine klare Strategie gewählt und zieht die jetzt durch.

Ob es die richtige Strategie ist, das wissen wir alle erst in etlichen Jahren.

Aber hinterher ist man immer schlauer.

2. Die E-Auto-Produktoffensive läuft an

Mittlerweile ist erkennbar, dass gleich mehrere Marken des VW-Konzerns recht erfolgreich bei ihrer Aufholjagd gegenüber dem Technologieführer Tesla unterwegs sind.

So sind bei VW bereits über 20.000 (unverbindliche) Vorbestellungen inklusive je 1.000€ Reservierungsgebühr eingegangen für den Kompaktwagen VW ID.3, der als Rivale des Tesla Model 3 auf der IAA im September 2019 offiziell vorgestellt wird.

Er soll innerhalb der nächsten 12 Monate in größeren Stückzahlen ausgeliefert werden.

Schon im ersten vollen Produktionsjahr 2020 strebt VW einen Absatz von 100.000 ID.3 an.

VW verspricht, dass es “keine längeren Lieferzeiten” geben wird, was immer das auch heißen mag.

Die Testberichte der Fachpresse nach den ersten Probefahrten im ID.3 sind sehr positiv, die Süddeutsche Zeitung bescheinigte gerade “Der Elektro-Volkswagen hat das Zeug zum Massenstromer“.

Investieren in VW Konzern - VW ID.3
Hat der VW ID.3 das Zeug zum Massenstromer? (Bild: VW)

Ich persönlich jedenfalls habe meine seit 2016 bestehende Tesla Model 3 Reservierung aus diversen Gründen nicht ausgeübt und stattdessen einen ID.3 1st reserviert.

Alles was man bisher hört und liest deutet für mich daraufhin, dass es Volkswagen nach dem Käfer und dem Golf tatsächlich gelingen könnte, ein weiteres – diesmal komplett elektrifiziertes – Volks-Auto zu schaffen.

Der Porsche Taycan feiert ebenfalls in wenigen Monaten auf der IAA sein Debüt und soll noch Ende 2019 in nennenswerter Stückzahl ausgeliefert werden.

Bereits mehr als 20.000 Menschen haben eine Anzahlung von 2.500€ geleistet, um möglichst schnell einen der Elektro-Renner kaufen zu dürfen.

Die Vorreservierungszahlen sind hier trotz eines Preises von mindestens 90.000€ so gut, dass man die zunächst geplanten Produktionskapazitäten ab 2020 auf mindestens 40.000 pro Jahr verdoppeln will.

Audi hat derzeit die wohl größten operativen Probleme unter den großen Marken innerhalb des VW-Konzerns.

Der seit einigen Monaten verfügbare Audi E-Tron ist das erste rein elektrische SUV aus dem VW Konzern.

Investieren in VW Konzern - Audi e-tron
Der Audi e-tron ist bisher nicht der große Wurf. (Bild: Audi)

Das Fahrzeug ist aber wohl nicht der große Wurf und wird nur in kleinen Stückzahlen produziert.

Folgerichtig tritt der neue Audi-Vorstandsvorsitzende die Flucht nach vorne an und will bis Ende 2020 gleich mehrere weitere rein elektrische Modelle anbieten.

Der E-Tron Sportback ist eine weitere Karosserievariante des E-Tron und wird nicht auf größere Stückzahlen kommen.

Spannender ist der E-Tron GT, der gemeinsam mit Porsche entwickelt wird und die Antriebstechnik mit dem Taycan teilen wird.

Und dann ist da noch der Q4 E-Tron. Dieser hat als erstes Audi-Elektro-Fahrzeug das Potential, auf hohe Stückzahlen zu kommen.

Das Kompakt SUV soll angeblich für einen Einstiegspreis unter 40.000€ zu haben sein.

3. Die MEB-Plattform könnte einen Industriestandard setzen

Der für 6 Milliarden Euro entwickelte Modulare E-Antriebs-Baukasten (MEB) kommt zum ersten Mal im VW ID.3 zum Einsatz.

Der Clou ist, dass auf der MEB-Plattform in kürzester Zeit viele unterschiedliche E-Fahrzeuge auch anderer Marken im VW-Konzern aufbauen werden.

Zu nennen ist der bereits erwähnte Audi Q4 E-Tron (ab Ende 2020), Seat El Born (ab 2020) und der Skoda Vision iV (ab 2020).

Investieren in VW Konzern - Skoda Vision iV
Mit der MEB-Plattform werden in kürzester Zeit viele unterschiedliche E-Fahrzeuge im VW-Konzern auf den Markt kommen. Auf dem Bild zu sehen: Der Skoda Vision iV. (Bild: Skoda)

Doch die Ambitionen von VW mit der MEB-Plattform gehen noch ein ganzes Stück weiter.

Der VW Chef möchte damit einen Industriestandard etablieren.

Er bietet den Baukasten auch anderen Herstellern außerhalb des eigenen Konzerns an, um möglichst schnell auf möglichst große Stückzahlen zu kommen. Und damit die Kostenführerschaft zu erreichen.

Und tatsächlich ist mit der kürzlich verkündeten Partnerschaft mit Ford bereits ein Zeichen gesetzt worden, wie eine umfangreiche Kooperation auch unter Konkurrenten aussehen kann.

VW wird die MEB-Plattform an Ford liefern.

Geplant ist derzeit, dass Ford innerhalb von 6 Jahren mehr als 600.000 Fahrzeuge für den europäischen Markt auf Basis des MEB produzieren will.

Einige andere Automobilkonzerne wie zum Beispiel FIAT Chrysler haben wenig bis nichts zu bieten in Sachen E-Strategie.

Es ist zu erwarten, dass auch diese Hersteller früher oder später gezwungen sein werden, sich nach Alternativen zu einer kompletten Eigenentwicklung einer solchen Plattform umzusehen.

4. VW ist offen für Partnerschaften

Auch ein Riese wie VW kann in der immer komplexer werdenden digitalen Welt nicht alles alleine entwickeln.

Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit, ist aber eine Erkenntnis, die in den Großkonzernen längst nicht überall Einzug gehalten hat.

Das „not invented here“ Syndrom ist eine immer noch weit verbreitete Krankheit.

In Wolfsburg hat man erkannt, dass man nicht ansatzweise die Expertise in der Softwareentwicklung hat, die man benötigt, um zum Beispiel bei der Entwicklung des autonomen Fahrens eine Führungsrolle einnehmen zu können.

Die in 2018 gestartete Zusammenarbeit dazu mit dem Silicon Valley Startup Aurora hat man jetzt beendet.

Der Grund ist wohl, dass man nicht die als nötig empfundene Kontrolle über das Unternehmen erlangen konnte.

Stattdessen investiert VW nun $2,6 Milliarden in das Startup Argo AI, das erst vor zwei Jahren gegründet und bisher alleine von Ford finanziert wurde.

Allerdings relativiert sich diese Summe, da sie sich aus $1 Milliarden in bar sowie der Einbringung der VW-eigenen Aktivitäten rund um das autonome Fahren (zu einer Bewertung von $1,6 Milliarden) zusammensetzt.

Zukünftig werden VW und Ford gleichberechtigte Partner bei der Entwicklung der Argo-Technologien für das autonome Fahren sein.

5. Der Konzern hält sich in schwierigen Zeiten operativ erstaunlich gut

Der VW-Konzern befindet sich – wie alle anderen Automobilhersteller auch – operativ in schwerem Fahrwasser.

Die Auslieferungen sind im ersten Halbjahr 2019 um knapp 3% zurückgegangen.

In der kommenden Woche werden die Geschäftsergebnisse des ersten Halbjahres 2019 präsentiert.

Es ist zu erwarten, dass der Umsatz und Cashflow sich ähnlich wie im ersten Quartal dennoch weiterhin recht stabil zeigen.

Auch wenn das Ergebnis unterm Strich wohl deutlich zurückgehen wird.

Investieren in VW Konzern - Auslieferungszahlen des VW-Konzens im 1. Halbjahr 2019
Auslieferungszahlen des VW-Konzens im 1. Halbjahr 2019

Investieren in den VW Konzern – Fazit

VW treibt die E-Mobilität voran wie kaum ein anderer Automobilhersteller.

In der Bewertung der VW-Aktie sind angesichts eines KGV von 5 bei einem KBV von 0,6 die deutlich verbesserten Zukunftsperspektiven nicht enthalten.

Stattdessen erwartet der Markt offenbar eine deftige Gewinnwarnung für das laufende Jahr.

Doch selbst die könnte inzwischen wohl schon im Preis der Aktie enthalten sein.

Tatsächlich besteht ein großes Risiko, dass Volkswagen – wie andere Hersteller auch – die Gewinnziele für 2019/2020 nicht erreichen kann.

Für uns ist das aber nicht das entscheidende Argument für oder gegen die Aktie.

Wir denken wesentlich langfristiger und haben hier die Chance genutzt, uns weit unter dem Buchwert an einem Konzern zu beteiligen, der neue Standards setzen könnte, wenn sein Fokus auf die E-Mobilität sich auszahlt.

Wir glauben an die Zukunft des E-Autos und an eine erfolgreiche Transformation von Volkswagen.

Daher fühlen wir uns sehr wohl mit den Aktien der Porsche Holding im Portfolio des DLF und warten geduldig auf eine Neubewertung im Laufe der nächsten Jahre.


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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5 Antworten

  1. Eine Sache die m.E. bei E-Autos vergessen wird ist dass für ein E-Auto das ich heute besitze auch in Zukunft die Ökobilanz sich ständig verbessert, je mehr der Strommix zugunsten Ökostrom hochgefahren wird, während die Ökobilanz eines gekauften Diesel oder Benziner auf Lebenszeit gleich bleibt (bei gleicher Fahrweise).
    Aber ob der VW ID3 mit Tesla 3 konkurrieren soll und kann bezweifele ich. Ich sehe momentan noch eine Marklücke für E-Autos mit Reichweite über 200km und unter €30.000,- wo ich mir VW vorstellen könnte. Im Premium Segment ist Tesla schon sehr schwer zu schlagen.

    1. Wir werden bald sehen wie sich der VW ID3 im Vergleich zum Tesla Model 3 anfühlt… da wird sicherlich auch bewusst noch etwas Luft nach oben bleiben für Premium-Varianten auf der MEB-Plattform wie der Audi Q4 etron. Es bleibt spannend…

  2. Guter Artikel und endlich mal ein Pro Automobilindustrie. Das macht Mut 🙂

    Eine Verständnisfrage habe ich allerdings. In was genau investiert jetzt der DLF, in die Porsche Aktie oder die VW Aktie? Porsche ist ja schon länger dabei. Kauft man jetzt VW zu? Danke vorab!

  3. e autos bringen zwar für die umwelt keinerlei vorteile eher das gegenteil , aber mit 500 ps zu beschleunigen ist fast wie formel1 , einfach geil , hab derzeit einen tasla s , als zweitfahrzeug . für langstrecke natürlich nur benziner .

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