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Alibaba Aktie – Investieren in den größten Bazar der Welt

2. Juli 2018

Alibaba Aktie investieren - Ein gelb leuchtender Drache als Symbol von China

Wenn man das Wachstum und die Bewertungen der weltweit führenden Internetunternehmen miteinander vergleicht, dann kommt man sehr schnell darauf, dass für den Digital Leaders Fund (DLF) eigentlich kein Weg an einem Investment in die chinesische Alibaba Aktie vorbei führt.

Wir haben bisher generell nur sehr zögerlich in China investiert.

Die Region ist daher deutlich unterrepräsentiert in unserem Portfolio. Mit diesem Beitrag wollen wir beleuchten, warum wir den E-Commerce-Riesen Alibaba nun unter Abwägung der zusätzlichen Risiken in den Fonds aufgenommen haben.

Wer in Alibaba investieren will, sollte wissen, wofür Alibaba eigentlich steht. Deshalb starten wir mit einer ganz klaren Feststellung…

Alibaba ist viel mehr als die chinesische Version von Amazon

Fälschlicherweise wird hierzulande Alibaba meist immer noch gesehen als der chinesische Klon von Amazon. Welcher sich durch Unterstützung der chinesischen Regierung seit der Gründung in 1999 innerhalb weniger als 20 Jahre zu der dominanten Konsumenten-Verkaufs-Plattform in China entwickelt hat.

Aber Alibaba ist heute tatsächlich ein Konglomerat aus verschiedenen digitalen Plattformen, die in fast allen Bereichen des Lebens präsent sind.

Selbstverständlich ist da der E-Commerce im Kern, aber das Unternehmen hat sich rasant ausgebreitet. Und zwar in viele Dienstleistungsbereiche wie Financial Services, Cloud-Infrastruktur-Services und Digital Entertainment. Begünstigt durch die Rahmenbedingungen in China ist Alibaba wohl der am schnellsten wachsende Internetriese weltweit.

Der Umsatz soll im bis zum 31.03.2019 laufenden Geschäftsjahr laut Guidance um ca. 47% wachsen auf ca. $55 Mrd. (nach 56% Wachstum im Vorjahr).

Wenn man berücksichtigt wie konservativ das Unternehmen in der letzten Zeit mit seinen Prognosen war, so ist davon auszugehen, dass das reale Wachstum wohl sogar nochmals über 50% liegen wird.  

Wichtige Zukunftsgeschäftsfelder wachsen mit dreistelligen Wachstumsraten.

Alibaba – Cloud mit zuletzt $1Mrd. Umsatz  könnte neben AWS, Microsoft und Google zum vierten global relevanten Player für IaaS (Infrastructur as a Service) aufsteigen und hat schon jetzt die IBM überholt, wenn man den Daten der Synergy Group glauben mag.

Alibaba als Global Player

Alibaba macht große Fortschritte auf dem Weg zum echten global Player. Und zwar an mehreren Fronten:

Die Export-Plattform AliExpress ist der Defakto – Standard, um chinesische Lieferanten mit Millionen von kleinen Händlern weltweit zu verbinden, die chinesische Waren importieren und unter eigenem Label weiterverkaufen.

Und auch beim Import nach China spielt Alibaba mit der Tmall  eine große Rolle. Denn diese Plattform macht es für Hersteller weltweit so einfach wie nie zuvor, an chinesische Konsumenten zu verkaufen. Insgesamt ist Alibaba auf einem guten Weg, seine Ziele zu erreichen und bis 2020 ein Handelsvolumen von sage und schreibe $1.000 Mrd = 1 Trillion USD auf seinen Plattformen abzuwickeln.

Wachstum und Profitabilität passen doch zusammen

Die Profitabilität von Alibaba ist trotz dieses rasanten Wachstums mit umfangreichen Investitionsoffensiven großartig.

Der Konzern erreicht Cashflow-Margen von ca. 50% – das bedeutete einen Free Cashflow von $10 Mrd. im letzten Geschäftsjahr.

Beim für uns für die Bewertung von High-Growth-Unternehmen so wichtigen Bessemer Efficiency Score kommt Alibaba damit auf einen Wert von weit über 80%.

Das ist ein herausragend guter Wert, der sonst nur von Facebook und einigen viel kleineren Unternehmen erreicht wird.

Zum Vergleich: Amazon kommt hier gerade mal auf einen Score von zuletzt 34%.

Angesichts dieser Zahlen sieht die Bewertung von Alibaba mit einem KGV von unter 30 für das laufende Geschäftsjahr ziemlich vernünftig und mittelfristig sehr aussichtsreich aus.

Der Visionär Jack Ma

Mindestens genauso wichtig wie die aktuellen Zahlen ist für uns aber die langfristige Vision, die Alibaba tatsächlich unterscheidet von vielen anderen Playern.

Ich kann Euch nur ermuntern, 45 Minuten Eurer wertvollen Zeit zu investieren, um Jack Ma, Gründer und Chairman von Alibaba und seiner Vision für die nächsten 84 Jahre zuzuhören in diesem spannenden Video vom letzten Investors Day. Es ist beeindruckend wie langfristig und beharrlich der Gründer und das Unternehmen ihre Ziele verfolgen.

Insbesondere wenn man die noch relativ neuen Geschäftsbereiche mit ihren Peers (meist) aus dem Silicon Valley vergleicht, so erkennt man sehr schnell eine deutliche Unterbewertung.  Soll heissen: Wenn Alibaba ein “normales” börsennotiertes Unternehmen in der westlichen Welt wäre, so würden wir sicherlich nicht zögern, die Alibaba Aktie überzugewichten im Portfolio des DLF.

Wo ist der Haken an der Alibaba Aktie?

Alibaba konnte nur deshalb so schnell so groß werden, weil es im Interesse der chinesischen Regierung war.

Das Unternehmen ist abhängig vom Wohlwollen der Behörden. Allerdings ist dieses Verhältnis in gewissem Sinne eine gegenseitige Abhängigkeit, denn China braucht starke chinesische global Player wie Alibaba.

Gegenüber Amazon ist Alibaba zudem deutlich weniger regional diversifiziert.

Während die Amerikaner über 50 Prozent ihrer Umsätze außerhalb der USA erwirtschaften, machen die internationalen Umsätze bei Alibaba gerade mal 10 Prozent  des Gesamtumsatzes aus.

Die Strategie auch durch Unternehmenszukäufe im Ausland relevanter zu werden, wie beispielsweise mit der Lazada Group in Asien, muss sich noch bewähren.

Erfolgreicher ist Alibaba im Ausland mit Alipay, der Paymentdienstleistung der Tochter Ant Financials.

Alibaba hält derzeit 33 Prozent der Anteile des aktuell mit ca. USD 150 Mrd. bewerteten Unternehmens.

Nach eigenen Angaben kommen etwa ein Viertel der aktuell 870 Millionen aktiven Kunden aus dem Ausland. Dank Auslands – Chinesen und chinesischen Touristen wächst Alipay auch in Ländern wie Deutschland und den USA.

Investieren in die Alibaba Aktie – Bilanzrisiken?

Die operativen Alibaba – Gesellschaften unterliegen in China zwar selbstverständlich einem Audit, aber die internationalen Regulatoren haben wohl keine Möglichkeit, die Qualität dieser chinesischen Audits zu überprüfen.

Die Investoren müssen darauf vertrauen, dass die Bilanzen der operativen Gesellschaften durch die chinesischen Regulatoren sauber gehalten werden.

Allerdings sollte dies durchaus im chinesischen Interesse sein, denn ein Bilanzskandal bei einem Unternehmen wie Alibaba würde wohl desaströse Auswirkungen haben. Und das auch für die ausländischen Investitionen in China insgesamt.

Dennoch: Der Jahresbericht 2017 von Alibaba enthält in der üblichen Risk-Section auf 49 Seiten eine Auflistung von insgesamt über 70 Risiken.

Das ist deutlich mehr als sonst üblich bei vergleichbaren Konzernen und spricht für sich; insbesondere die Abschnitte über die Abhängigkeiten von Jack Ma, der Softbank als Großaktionär und der Financial Services Gesellschaft Ant Financials sind eine intensive Lektüre wert.

Alibaba Aktie – Fazit

Das Investieren in die Alibaba Aktie (und andere chinesische High-Growth-Firmen) ist keinesfalls ein No-Brainer.

Jeder Investor muss für sich abwägen, wie hoch er die zusätzlichen China – spezifischen Risiken gewichtet im Vergleich zu den einmaligen Wachstumschancen dieser Unternehmen.

Wir haben für den Digital Leaders Fund (DLF) beschlossen, dass wir China nicht generell ignorieren können. Jedenfalls nicht, wenn wir unserem Anspruch gerecht werden wollen, in die weltweiten Digital Leaders zu investieren.

Daher haben wir nun auch eine Position an Alibaba erworben.

Aber wir sind uns der zusätzlichen Risiken bewusst und berücksichtigen diese im Rahmen unserer Bewertung bei der Gewichtung im Gesamtportfolio.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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4 Antworten

  1. Danke dir, sehr spannende Analyse, Stefan!
    Mir gefällt besonders, dass du erstmalig das Geschäftsmodell von Alibaba sehr gut erklärst. Habe das sonst noch nirgends so gut geschrieben gelesen.

    Die China Analyse auf AlleAktien könnte eine sehr gute Ergänzung sein zu Alibaba, Tencent, Baidu, etc.! Hast du diese gelesen? Siehst du das genau so?

    alleaktien.de/steigerung-und-steigerung-chinesischer-aktien-perspektive-und-china-marktueberblick-fuer-investoren-2019/

    1. Hallo Josef,
      Vielen Dank für die Blumen!

      Ehrlich gesagt tue ich mich sehr schwer damit, eine “Analyse” zu lesen, die vollgepflastert ist mit Werbeanzeigen für einen kostenpflichtigen Börsendienst. Ich habe das Gefühl, dieser von Dir zitierte Beitrag ist mehr für Google geschrieben als für die Leser. Zumindest habe ich als Leser damit so meine Probleme. Ich kann also dazu nix weiter sagen.

      Ich möchte an dieser Stelle lieber zwei Bücher empfehlen für alle, die sich näher mit China auseinandersetzen wollen: “Zukunft? China!: Wie die neue Supermacht unser Leben, unsere Politik, unsere Wirtschaft verändert” von Frank Sieren und “Der Masterplan: Chinas Weg zur Hightech-Weltherrschaft” von Stephan Scheuer.

  2. Hallo Stefan, gegenüber Alibaba ist JD.com fast neunmal günstiger bewertet. Auf Alibaba werden zudem viele China Fälschungen verkauft was bei JD.com nicht der Fall ist. Vorteilhaft bei JD.com finde ich zudem die eigenen Logistik Zentren, die JD aufbaut. Siehst Du bei JD.com nicht mehr Potential als bei Alibaba oder ist Alibaba dein Favorit weil sie breiter aufgestellt sind? Grüße, Jörg

    1. Hallo Jörg,
      Achtung: Das Geschäftsmodell von JD.com ist sehr unterschiedlich von Alibaba. JD.com ist ein modernes Retail-Unternehmen mit eigenen Logistikzentren. Die Waren werden zu über 90% vom Unternehmen selbst ein- und verkauft. Demgegenüber ist Alibaba trotz seiner Komplexität ein mehr oder weniger reinrassiges Plattform-Unternehmen, das i.w. Händler und Konsumenten zusammenbringt und aus dieser digitalen Dienstleistung verdient. Wenn Du dieses „neunmal günstiger bewertet“ also auf die Umsatzrelation beziehst, dann vergleichst Du da etwas Äpfel mit Birnen. Die Wertschöpfung bei JD.com ist bei gleicher Wertschöpfung deutlich geringer als bei Alibaba. Das kannst Du am besten an der Gross-Margin ablesen: diese lag bei JD.com in 2017 bei 13% während sie bei Alibaba bei ca. 60% liegt.

      Aber das bedeutet natürlich noch nicht, dass JD.com ein schlechtes Unternehmen ist. Im Gegenteil: Insbesondere die Partnerschaften mit Tencent, Walmart und Google lassen aufhorchen… aber das Thema ist komplex und mindestens einen eigenen Blog-Beitrag wert.
      VG, Stefan

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