Jamf Aktie: Ein Profiteur des Apple Booms

17. März 2022

Jamf Aktie

Unter der Ägide von Tim Cook erleben insbesondere in USA Apple Devices auch in der Unternehmenswelt einen regelrechten Boom. In immer mehr mittleren und großen Organisationen kommen nicht nur iOS-basierte iPhones und iPads als Smartphone bzw. Tablet zum Einsatz, sondern auch MacOS basierte Laptops und Desktop-Computer von Apple gewinnen Marktanteile als Alternative zum Windows PC hinzu. Und es ist wahrscheinlich, dass die von Experten vielfach bestätigte technische Überlegenheit der neuen Apple-eigenen M-Series Prozessoren dafür sorgen wird, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren noch verstärken dürfte.

Die Marktanteilsgewinne von Apple in den Unternehmen sorgen dafür, dass im Windschatten des Tech-Riesen die seit 2020 an der Nasdaq notierte Jamf Holding mit ihrer auf das Apple Ökosystem spezialisierten Suite von Enterprise Management Softwareprodukten zu einem beachtlichen Enterprise Software Player heranreifen konnte. Die Jamf Aktie hat es nun auch ins Portfolio des The Digital Leaders Fund geschafft hat.

Jamf Aktie Kurs Chart

Das Jamf Geschäftsmodell

Jamf liefert eine ganze Reihe unterschiedlicher Softwarelösungen, die den Einsatz von Apple Devices in größeren Unternehmen erst möglich machen. Zunächst ging es nach der Gründung vor fast 20 Jahren um die Geräteverwaltung von Mac Rechnern als Alternative zu PCs. Dabei vereinfacht Jamf die Arbeit der IT-Administratoren mit seinem Device Management.

In den letzten Jahren hat Jamf unter dem seit 2015 amtierenden CEO Dean Hager das Produktportfolio erheblich erweitert, und das Unternehmen bietet jetzt (immer nahezu ausschließlich fokussiert auf das Apple Ökosystem) nach einigen Akquisitionen auch Softwarelösungen zur Security (Identity Management, Netzwerkzugriff, Endpoint Protection) genauso wie Komponenten für das Netzwerk- und Mobile-Device-Management.

Insbesondere nach der 400 Millionen Dollar teuren Akquisition von Wandera besitzt Jamf ein umfassendes Produktportfolio für das Apple Ökosystem. Das Unternehmen konkurriert mit seinem einzigartigen “Apple first – Apple best” Ansatz in sehr verschiedenen Enterprise Software Segmenten wie Identity Management, Endpoint Protection oder Device Management mit den jeweiligen Spezialisten (u.a. Okta, Zscaler, CrowdStrike).

Die aktuellen Jamf Geschäftszahlen

Jamf konnte den Umsatz im vierten Quartal 2021 um 36 Prozent auf knapp 104 Millionen Dollar steigern. Auch der Gesamtjahresumsatz wuchs um 36 Prozent auf gut 366 Millionen Dollar.

Dabei wurde ein Free Cashflow von 66 Millionen Dollar, was einer Marge von 18 Prozent entspricht. Der daraus resultierende Rule-of-40-Score von deutlich über 50 Prozent deutet auf ein weiterhin effizientes Wachstum hin. (Er wurde allerdings aufgrund von Akquisitionen um einige Prozentpunkte künstlich nach oben getrieben.)

Noch beeindruckender: Der jährlich wiederkehrende Umsatz ARR wuchs zum 31.12. um 45 Prozent gegenüber Vorjahr auf über 412 Millionen Dollar.

Die Bruttomarge von Jamf beträgt ca. 80 Prozent (Non-GAAP).

Das hört sich alles also erstmal nach einem durchaus profitablen Wachstumskurs an. Dennoch haben sich die roten Zahlen bei Jamf unterm Strich 2021 deutlich ausgeweitet. Der operative Verlust nach GAAP betrug 76 Millionen Dollar gegenüber 18 Millionen Dollar im Vorjahr. Non-GAAP ging die operative Marge von 10 Prozent im FY20 auf nur noch 6 Prozent zurück.

Ein Grund dafür ist die Integration der 400 Millionen Dollar teuren Übernahme der defizitären Wandera. Die belastet zunächst mal das operative Ergebnis. Allerdings hat sich die Positionierung von Jamf als Komplettanbieter durch die Wandera Security Produkte wesentlich verbessert. Die 45 Prozentige Steigerung des ARR deutet schon an, dass man sich da einen echten Wachstumstreiber einverleibt hat.

Das Jamf Management hat im jüngsten Analysten Call nochmals deutlich gemacht, dass man gewillt ist, kurzfristig auf eine Optimierung des Profits zu verzichten, um das hohe Momentum bei der Neukundengewinnung aufrechtzuerhalten. Man zeigt sich überzeugt, dass die Investition von aktuell 37 Prozent des Umsatzes (137 Millionen Dollar 2021) in Marketing und Vertrieb sinnvoll ist. Der enorme Zuwachs an ARR (128 Millionen Dollar 2021) spricht dafür, dass diese Strategie durchaus valide ist, auch wenn sie den Jamf Aktionären einiges an Geduld abverlangt.

In der Jamf Bilanz hat sich der Goodwill nach der Akquisition von Wandera auf 846 Millionen Dollar erhöht. Insgesamt betragen die immateriellen Vermögensgegenstände mehr als 1,1 Milliarden Dollar bei einem Eigenkapital von gerade mal 738 Millionen Dollar. Die Bilanzqualität ist daher durchaus kritisch zu sehen, auch wenn es keinen Anlass gibt, an der Werthaltigkeit der getätigten Akquisitionen zu zweifeln.

Man sollte sich als Investor grundsätzlich bewusst sein, dass das Jamf Produktportfolio nicht nur organisch gewachsen ist. Da wurde vielmehr durch geschickte Akquisitionen unter der Regie des Finanzinvestors Vista Equity Partners eine Cash Maschine zusammengestellt, die in den kommenden Jahren so richtig ins Laufen kommen soll. Das sieht zumindest der US Hedgefonds Dragoneer so, der im vergangenen September ein 300 Millionen Dollar Aktienpaket zu 33,50 Dollar pro Aktie von Vista übernommen hat.

Coopetition mit Apple

Im vergangenen November verlor die Jamf Aktie innerhalb weniger Tage fast 40 Prozent ihres Wertes. Der Grund war die Ankündigung von Apple im Rahmen ihrer neuen Business Essentials Subskription neben Support und Cloud-Storage zukünftig u.a. eine eigene Lösung für die Geräteverwaltung in Unternehmen anzubieten.

Dieser Crash zeigte wieder einmal wie irrational der Finanzmarkt sein kann. Es war seit 2020 bekannt, dass Apple mit der Akquisition von Fleetsmith das Ziel verfolgte, endlich eine eigene Device Management Lösung im Angebot zu haben. Dabei geht es Apple wohl gar nicht darum, direkt mit dieser Software Geld zu verdienen, sondern indirekt den Verkauf der Mac-Hardware und die eigene Services-Sparte zu unterstützen. Was Apple im November mit Business Essentials ankündigte, das ist eine Lösung für kleine Unternehmen, die nur einen Bruchteil der Jamf-Funktionalität abdeckt.

Jamf fokussiert hingegen auf das Enterprise Geschäft mit mittleren und großen Organisationen, die zumindest hunderte oder eher tausende von Apple Devices sicher verwalten müssen. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass Apple ernsthaft versucht, mit wirklich umfassenden Enterprise Softwarelösungen bei diesen Unternehmenskunden zu punkten.

Denn dazu ist dieser Markt für Apple auch von seiner Größe her (TAM 18 Milliarden Dollar laut Jamf) schlicht und einfach nicht attraktiv genug. Daher ist zu erwarten, dass es bei einer engen Partnerschaft zwischen Apple und Jamf bleiben wird.

Apple nutzt gerne Jamf, um die Anforderungen der großen Unternehmenskunden zu bedienen, ohne sich selbst auf dem komplexen Enterprise Software Markt defokussieren zu müssen. Und Jamf segelt im Windschatten von Apple und kann insbesondere die jüngste Erfolgsstory des Apple Macs für den eigenen Erfolg nutzen, wie auch der CEO gerne zugibt:

“According to IDC data, the Mac has been the fastest-growing computer worldwide for the past two years, with a compound annual growth rate of 25 percent and more than ten percentage points faster than the growth of the PC industry and faster than all other major PC brands. We believe the changing employee demographics, preference for Apple amongst younger workers combined with the consumerization of IT, growth in remote work and the popularity of the new line of Apple Silicon Mac is changing the landscape of the PC marketplace, and we are still in the early stages.”

Guidance 2022

Die initiale Guidance des Jamf Managements sieht für 2022 einen Umsatz von ca. 469 Millionen Dollar vor. Das war deutlich mehr als die Analysten bis dato erwartet hatten und entspricht einem Wachstum von 28 Prozent.

Ich halte diese Guidance für extrem konservativ. Denn der ARR zum 31.12.21 betrug ja schon gut 412 Millionen Dollar. Berücksichtigt man die Net Retention Rate von 120 Prozent (exklusive Wandera) so dürfte das noch ungewisse Neukundengeschäft nur zu einem geringen Umfang in der Guidance enthalten sein.

Auch 2021 hatte das Jamf Management zunächst tiefgestapelt und ca. 333 Millionen Dollar bzw. ein Wachstum von 24 Prozent vorhergesagt. Am Ende waren es nach einer Reihe von Beat+Raise-Quartalen dann 36 Prozent Wachstum. Ähnlich könnte es auch 2022 laufen, ich erwarte ein Umsatzwachstum von ca. 35 Prozent.

Das operatives Einkommen (non-GAAP) soll auch 2022 nur bei bei ca. 20 Millionen Dollar liegen. Der Grund sind weiter planmäßig gesteigerte Investitionen in Sales+Marketing sowie Produktentwicklung. Jamf verfolgt auch weiterhin eine klare Land-Grab Strategie. Ganz klar steht die Kundengewinnung im Vordergrund. Das große Geld soll mit diesen Kunden erst später verdient werden.

Jamf setzt den Standard beim Apple Enterprise Management

Ein Blick auf die Entwicklung der Kundenbasis beweist, wie erfolgreich Jamf in der Neukundengewinnung tatsächlich ist:

Insgesamt bedient Jamf über 60.000 Unternehmenskunden. Diese verwalteten Ende 2021 knapp 27 Millionen Apple-Devices, das sind also durchschnittlich ca. 450 Endgeräte pro Kunde. 2021 sind 13.000 Neukunden hinzugekommen, das ist eine beeindruckende Zahl von mehr als 1.000 Neukunden pro Monat!

Jamf hat sich zweifelsohne damit zum defakto-Standard für das Apple Enterprise Management entwickelt.

Jamf Apple Enterprise Management
Quelle: Jamf IR-Präsentation

Mindestens genauso wichtig wie das Massengeschäft ist der Erfolg von Jamf bei den Großkunden: So hat man 2021 die 3 größten Deals der Unternehmensgeschichte abgeschlossen. In vielen Branchen (von Banken über Technologie bis hin zu den US Universitäten) ist die Jamf Software bereits bei den allermeisten Top Unternehmen im Einsatz. Dennoch ist die Jamf Kundenbasis erstklassig diversifiziert. Kein Kunde macht einen Umsatzanteil von mehr als 1 Prozent aus.

Bewertung und Prognose der Jamf Aktie

Bei einem erwarteten 2022 Umsatz von ca. 500 Millionen Dollar liegt das EV/Sales Verhältnis (forward) der Jamf Aktie bei ca. 8. Vor wenigen Monaten noch hätten die meisten Growth-Investoren das angesichts des effizienten und potentiell hoch profitablen Wachstumskurses als sehr attraktiv eingestuft.

Bezogen auf den Cashflow ist die Jamf Aktie mit einem Multiple von gut 70 aber immer noch teuer. Daher spekulieren etliche Marktteilnehmer auch hier auf weiter fallende Kurse, der Short Interest beträgt über 10 Prozent.

Angesichts der durch den Tech-Crash der vergangenen Monate deutlich reduzierten Bewertungen vergleichbarer Software Aktien ist ein derzeitiger Kurs von gut 30 Dollar wohl als fair anzusehen.

Langfristig bietet die Jamf Aktie gute Chancen auf eine deutliche Wertsteigerung, vorausgesetzt das Unternehmen erreicht seine mittelfristigen Ziele eines Milliardenumsatzes bei >20 Prozent operativer Marge. Zwischenzeitlich sind allerdings auch noch deutlich niedrigere Kurse möglich, falls der Tech-Crash weitergeht und zu Übertreibungen nach unten führt. Solche Volatilitäten muss man als Software-Investor aushalten können.

Disclaimer

The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Jamf. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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