Eigentlich sollte Davos 2026 ganz im Zeichen von AI stehen. Stattdessen wurde die Agenda von Donald Trump gekapert. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf die übergriffigen Auftritte der US-Administration eingehen – das macht nur schlechte Laune.
Viel wichtiger für uns Investoren war, was im Schatten der politischen Showbühne passierte. Wer genau hinhörte, fand faszinierende Einblicke bei den eigentlichen Architekten der Zukunft: Demis Hassabis von Google und Dario Amodei von Anthropic skizzierten, was ihre Modelle bereits heute leisten, wo ihre Grenzen liegen und wie weit der Weg von AI-Agenten vom betreuten hin zum eigenständigen Arbeiten noch ist. Der Kritik von Yann LeCun, dass LLMs ihre Grenzen erreicht hätten und eine Sackgasse seien, widersprach Hassabis. LLMs seien die wichtigsten Bausteine – aber möglicherweise nicht die einzigen.
Huangs Five Layer Cake und die kambrische Explosion
Ein Highlight war das Gespräch zwischen Jensen Huang und Larry Fink, in dem Jensen den „State of AI“ mit der ihm eigenen Klarheit einordnete: AI als ein Five Layer Cake.
Das Fundament und damit die erste Schicht ist Energie – ohne Strom kein AI. Darauf folgen Recheninfrastruktur mit all den AI-Beschleunigern von Nvidia & Co., dann die Cloud-Infrastruktur, also die Vernetzung und Bereitstellung der Rechenleistung. Darüber liegen die AI-Modelle, also die Intelligenz selbst. Ganz oben folgt die entscheidende Ebene: der Application Layer, dort, wo der eigentliche wirtschaftliche Nutzen entsteht. Genau in dieser obersten Schicht beginnt sich aktuell der wahre Wert von AI zu materialisieren, so Huang.
2025 haben Venture-Capital-Fonds mehrere hundert Milliarden US-Dollar investiert. Ein Großteil davon floss in AI-native Companies auf der Applikationsebene. Die viel zitierte, AI-getriebene kambrische Explosion neuer Unternehmen wird gerade Realität.
AI will close the technology divide
Huang hatte auch einige bemerkenswerte Botschaften an Investoren und Politik. In Richtung Emerging Markets betonte er, dass die schnelle Adaption von AI ein Gamechanger sein werde:
„AI will close the technology divide.“
Als EM-Investor und Beobachter der Entwicklungen dort kann ich dem nur zustimmen.
Neue Chance für Europa
Sein Appell an Europa war klar: AI muss Teil der kritischen Infrastrukturplanung werden. Europa habe eine enorme Chance – gerade wegen seiner starken industriellen Basis. Das Software-Zeitalter hat Europa an die USA verloren; dieser Zug ist abgefahren. Aber KI mischt die Karten neu. Europas Tiefe in Ingenieurwissenschaften, Industrie und „Deep Science“ ist ein echter Wettbewerbsvorteil, sofern Energieversorgung und Infrastruktur konsequent ausgebaut werden. Mario Draghi würde hier vermutlich applaudieren. 2018 durfte ich in Davos als Redner bei der Reception der Stadt Frankfurt auftreten. Mein Thema damals: AI als Teil der städtischen Infrastruktur zu denken.
Preise für GPU-Rentals ziehen an
Zum Schluss hatte Jensen Huang noch eine wichtige Botschaft für alle AI-Crash-Propheten. Wer aktuell GPU-Kapazitäten buchen möchte, merkt schnell: Rechenleistung ist ein knappes Gut. Die Mietpreise für Compute steigen – nicht nur für die neueste GPU-Generation, sondern selbst für Chips, die zwei Generationen alt sind. Das ist kein Zeichen einer Blase, sondern Ausdruck eines massiven Angebotsengpasses bei ungebrochener Nachfrage.
Der gemeinsame Appell von Larry Fink und Jensen Huang war daher eindeutig: Bei dieser historischen Entwicklung sollten Sparer und Investoren nicht Zuschauer bleiben.
Am Ende wirkte das Gespräch fast wie eine Werbebotschaft für unsere Fonds. Viele der angesprochenen Themen spiegeln exakt die Investment-These des Digital Leaders Fund, des EM Digital Leaders sowie des von meinem Kollegen Stefan Hartmann für Patrizia gemanagten Patrizia Low Carbon Listed Infrastructure Fund wider.
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Autor
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Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.
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