Kaspi Aktie – Nähe zum russischen Schmuddelkind eröffnet Einstiegschancen

27. Januar 2023

Kaspi Aktie Kurskorrekturen

Üblicherweise basieren unsere Updates auf Unternehmenszahlen, aber auch wichtige Neuigkeiten sind ein guter Anlass für Analysen. Platzierungen sind normalerweise nicht spannend genug. Das ist im Falle unseres Tech-Champions, der Kaspi Aktie, aus Kasachstan anders.

Keine andere Wahl: Großaktionär in Nöten

Gerade kam es über den Ticker: Kaspi hat die Bekanntgabe der Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr für den 27. Februar angekündigt. Wir werden natürlich beim Conference Call dabei sein und Euch zeitnah berichten. Wir wollen kurz auf die Ereignisse der letzten Woche eingehen, die kursrelevant waren und es auch für die Zukunft in sich haben. Dazu müssen wir aber etwas weiter ausholen.

Zu den Großaktionären von Kaspi zählt die Private Equity Boutique Barings Vostok, die seit 1996 hauptsächlich in Russland westliche Anlegergelder investiert. Obwohl der in Finanzkreisen als sehr korrekt geltende Gründer Michael Calvey 2019 auf Basis von fingierten Vorwürfen in Moskau verhaftet und später verurteilt wurde, florierte die Investmentboutique zunächst weiter.

Mit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine wurden massive Sanktionen im Finanzsektor verhängt. Seitdem sind viele russische Banken aus dem internationalen Zahlungsverkehr herausgeschnitten, und Anleger im Westen dürfen nicht länger mit russischen Assets handeln. Der Verkauf der russischen Holdings zu einem realistischen Preis ist auch den westlichen Investoren bei Barings Vostok bis auf weiteres unmöglich. Das liegt zum einen daran, dass westliche Sanktionen westliche Käufer generell ausschließen, aber auch daran, dass Verkäufe (und die Repatriierung von Kapital) von russischer Seite genehmigungspflichtig sind. Das Ok gibt es im Allgemeinen nur, wenn russische Oligarchen zu extrem günstigen Preisen erwerben können. Es versteht sich, dass die Holdings aktuell natürlich auch geschäftliche Einbußen verzeichnen müssen.

Kaspi ist zwar von den Russland-Sanktionen nicht direkt betroffen, aber die Assoziation mit den ansonsten mit russischen Investment befüllten Investmentfonds führte dazu, dass aufgrund der besonderen Vorsicht der Investmentbanken Barings Vostok über die Kaspi Aktien de facto nicht disponieren konnte.

Nachdem Kaspi seit dem 24.2 das einzige liquide Investment war, hat sich Barings Vostok auf den langen regulatorischen Weg gemacht, das Investment in ein rechtlich komplett separates Investmentvehikel abzuspalten. Nach fast einem Jahr war es dann soweit: Nach langer Pause konnte Barings am 18. Januar endlich wieder eine Platzierung durchführen. Laut Unternehmenssprecher soll die Initiative von Investmentfonds ausgegangen sein, die zusätzliche Kaspi-Aktien erwerben wollten.

In jedem Fall wurden rund 1 Million Aktien bei 70 Dollar angeboten. Die Platzierung war mit vierfach Überzeichnung ein großer Erfolg. Das Offering wurde daher auf 85 Millionen Dollar erhöht. Wie bei Platzierungen typisch, folgte eine Kurskorrektur bei der Aktie, die zuvor an der 78 Dollar Marke geknabbert hatte und aktuell für rund 73 Dollar zu haben ist. Barings Vostok hat sich verpflichtet, in den nächsten 60 Tagen keine weiteren Aktien zu verkaufen.

Es ist angesichts der jetzt noch 53,8 Millionen von Barings gehaltenen Aktien davon auszugehen, dass weitere Platzierungen folgen werden. Die resultierenden Rückschläge bedeuten unseres Erachtens für die Anleger Kaufgelegenheiten, denn Barings verkauft aktuell nicht, weil die Aktie den fairen Wert des Unternehmens widerspiegelt, sondern weil Kaspi eben das einzig liquidierbare Asset des Fonds ist. In diesem Sinne kann man schon von einem Notverkauf sprechen. Auf der anderen Seite dämpft der Aktienüberhang natürlich kurzfristig die Euphorie. Der bisher dürftigen Liquidität der Aktie würde ein größeres Free Float dagegen nicht schaden. Dem niedrigen Transaktionsvolumen geschuldet läuft auch das Aktienrückkaufprogramm von Kaspi schleppend: pro Woche gelingt der Rückkauf im Gegenwert von maximal 5 Millionen Dollar und damit gerade einmal die Hälfte von 100 Millionen Dollar Planziel des vergangenen Quartals.

Boomendes Geschäft und steigendes Zinsen

Wir haben die Gelegenheit genutzt, mit dem Unternehmen zu sprechen. Das Geschäft läuft sehr gut. Anlässlich von Kaspi Jumia, dem im November stattfindenden Pendant zum Black Friday, wurden laut Pressemitteilung von Kaspi “alle Lichter ausgeschossen”. Gegenüber dem letzten Event im Juli stieg die Anzahl der verkauften Produkte um 128 Prozent. GEW stieg um 47 Prozent. Die Anzahl der E-Commerce Auslieferungen wuchs, beflügelt von der kostenlosen Lieferung um 75 Prozent. Caspi Postomat, der Selbstabholautomat für Lieferungen erfreute sich mit 24 Prozent Anteil an allen Auslieferungen wachsender Popularität, im Juli waren es noch 10 Prozent gewesen. Wir gehen daher davon aus, dass die Zahlen ordentlich aussehen sollten.

Leitzinsentwicklung in Kasachstan
Leitzinsentwicklung in Kasachstan

Einziger Wermutstropfen: Die kasachische Zentralbank hat am Jahresende die Leitzins noch einmal deutlich auf 16,75 Prozent erhöht. Am Jahresanfang 2022 lag der Zins noch bei 10 Prozent. Kaspi muss höhere Zinsen zahlen, um Einlagen anzulocken und zu halten. Das dürfte im Fintech-Bereich im ersten Halbjahr auf die Marge drücken. Allerdings hat die Medaille immer zwei Seiten: Mit dem sehr attraktiven Anlageangebot werden laut Unternehmens Sprecher neue attraktive Kunden gewonnen. Sollte die Zinsen wie erwartet wieder sinken, dann würde sich die Marge auf ein dann deutlich höheres Bestandsvolumen ausweiten.

Bewertung der Kaspi Aktie und Prognose

Mit einem KGV 2023 von 8,7 Laut Bloomberg Konsens bleibt die Kaspi Aktie extrem attraktiv bewertet. Da kann unsere aus Fintechs, E-Commerce und Payment Unternehmen zusammengesetzte Peer Group nicht mithalten. Unterstützt wird das von der attraktiven Dividendenrendite. Der Konsensus liegt hier aktuell bei 7,3 Prozent, wir glauben aber, dass der Wert bei aktueller Bewertung knapp 10 Prozent erreichen könnte. Davon können die Aktionäre ähnlicher Unternehmen nur träumen.

Die Kaspi Aktie bleibt damit eines unserer High Conviction Investments.

Kaspi Aktie im Peer Group Vergleich
Kaspi Aktie im Peer Group Vergleich
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Disclaimer

EM Digital Leaders und The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Kaspi. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Steffen Gruschka

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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