KI-Agenten brauchen Tools, keine Abos

24. April 2026

Editorial The DLF Aktien Blog

ServiceNow hat gestern Abend Q1-Zahlen vorgelegt. Im Großen und Ganzen im Rahmen. Nur die Jahresprognose für die Subskriptionserlöse blieb einen Tick hinter den Erwartungen zurück. Das reicht aktuell, um SaaS-Anleger in Panik zu versetzen. Die Aktie stürzte gestern um 17 Prozent ab und riss gleich die Aktien aller anderen SaaS-Unternehmen mit nach unten. War es das mit der Erholung der Software-Aktien, die wir in den letzten drei Wochen gesehen haben? Das ist immer noch verdammt schwer zu beurteilen. Aber ausgerechnet Jensen Huang liefert jetzt ein paar gute Argumente, warum der Abverkauf bei manchen Unternehmen übertrieben zu sein scheint.

Jensen Huang: KI-Agenten skalieren Software, sie zerstören sie nicht

Der Nvidia-CEO war vergangene Woche zu Gast im Podcast von Dwarkesh Patel. Dort widerspricht er der These, dass KI-Agenten Enterprise-Software komplett disrupten. Die meisten dieser Firmen seien Werkzeugbauer wie Excel, PowerPoint, AutoCAD, Photoshop, bis hin zu Spezialwerkzeugen wie dem Synopsys Design Compiler. Heute sei der Konsum dieser Tools durch die Zahl der Ingenieure gedeckelt. Morgen unterstützen Agent-Armeen jeden einzelnen Ingenieur. Die Zahl der Tool-Instanzen würde nicht schrumpfen, sondern explodieren. Dass der Effekt heute noch nicht zu sehen sei, läge allein daran, dass Agenten noch nicht so weit seien, um mit professionellen Tools umzugehen, und Unternehmen ihre Tools noch nicht auf die Nutzung durch KI-Agenten umgestellt hätten.

Wer überlebt, wer nicht

Diese These gilt aber sicher nicht für alle Tools. Viele werden vermutlich verschwinden. Huang geht im Podcast auf einige Tools ein, die auch in einer KI-Welt unverzichtbar sind: der Synopsys Design Compiler oder ähnliche Tools von Cadence, mit deren Hilfe jeder Chip der Welt entsteht. Die Regeln einer TSMC-Foundry oder Tools, hinter denen Gesetze, Normen und physikalische Regeln stehen. Als Investoren müssen wir künftig darauf achten, inwieweit die Unternehmenstools von KI-Agenten genutzt werden. Ein Indikator: Wie schnell ein Tool-Anbieter vom Per-Seat-Modell auf verbrauchsbasierte Abrechnung umstellt, auf Tokens, Calls, Consumption. ServiceNow hat gestern Abend eine interessante Zahl genannt: Die Hälfte des Neugeschäfts kommt nicht mehr aus Nutzerplatzlizenzen, sondern aus Tokens und Konnektoren.

Alte Namen, neuer Zyklus

Während Software leidet, erklimmt KI-Hardware neue Rekordstände. Unter den Highflyern finden sich zunehmend Namen, die Anleger zuletzt während der Internetrevolution auf den Kurszetteln hatten. Cisco. Ciena. Corning. Damals ging es um den massiven Ausbau der Internetinfrastruktur. Heute geht es um etwas Ähnliches, nur eine Dimension größer. Die KI-Revolution braucht Infrastruktur: Rechenzentren, die Unmengen an Daten verarbeiten. Und Netze, die diese Daten in Echtzeit transportieren.

Auch ein anderer altbekannter Name mischt wieder mit: Nokia. Die Finnen haben gestern herausragende Zahlen vorgelegt. Das Geschäft mit AI- und Cloud-Kunden wuchs um 49 Prozent, allein im ersten Quartal kam eine Milliarde Euro an neuen Aufträgen aus diesem Segment herein. Die Jahresprognose wurde angehoben. Die Aktie notiert so hoch wie zuletzt vor 16 Jahren.

Nicht umsonst gehört die Aktie mittlerweile zu den Top-Positionen im The Digital Leaders Fund. In der aktuellen Ausgabe des Manager Magazins habe ich die Nokia-Story kurz vorgestellt und die Gründe für unseren Optimismus genannt.

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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