KI-Infrastruktur: Oracle und Nebius greifen die Hyperscaler an

13. March 2026

Editorial The DLF Aktien Blog

Die Gewinnsaison in den USA ist praktisch vorbei. Nach Zahlen von FactSet haben die Unternehmen im S&P 500 ihre Gewinne im vierten Quartal um 14,2 Prozent gesteigert. Am stärksten lief erneut der Technologiesektor mit einem Gewinnanstieg von 33,4 Prozent. Für das erste Quartal 2026 wird im Schnitt ein Gewinnwachstum von 11,6 Prozent geschätzt. Blickt man nur auf diese Zahlen, dann deutet nichts auf einen möglichen Einbruch der US-Konjunktur hin.

Dann kamen Trump und Netanjahu mit „Epic Fury”. In einem lesenswerten Bloomberg-Interview hat Jeff Currie anschaulich die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs skizziert. Keine wirksame politische Maßnahme – weder von Regierungen noch durch Freigaben aus strategischen Reserven oder andere Eingriffe – könne die Aufwärtsbewegung der Ölpreise und zahlreicher anderer Rohstoffe stoppen oder nennenswert umkehren, solange die Straße von Hormus gestört oder blockiert bleibt. 31 Tage Blockade könnten über 575 Millionen Barrel gestoppter Lieferungen entsprechen und damit die gesamte strategische Petroleumreserve der USA bei Weitem übersteigen. Selbst wenn der TACO-Präsident bald den Rückzug der USA aus dem Iran-Krieg verkünden sollte, die wirtschaftlichen und politischen Folgen werden gravierend sein.

Die „SaaS-Apokalypse” findet ohne Oracle statt 

Auch wenn es schwerfällt, in diesen Tagen über Einzelwerte zu sprechen, möchte ich heute auf zwei Portfoliounternehmen eingehen, die diese Woche Spannendes zu verkünden hatten.

Oracle hat diese Woche beeindruckende Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Die Aktie sprang zeitweise um über 12 Prozent nach oben. Zum ersten Mal seit über 15 Jahren stieg sowohl der organische Umsatz als auch der Gewinn gleichzeitig um mehr als 20 Prozent. Die vielzitierte „SaaS-Apokalypse” findet offensichtlich ohne Oracle statt. Oracles Geschäft mit Cloud-Infrastruktur wuchs im abgelaufenen Quartal um 84 Prozent. Als führender Anbieter von „System of Record” spielt Oracle seine Stärke in der KI-Ära voll aus, weil es für Enterprise-Kunden KI-native Applikationen ausrollen kann, aufbauend auf Daten, Governance, Sicherheit und Prozesstiefe. Oracle ist nicht mehr der alte Datenbank-Riese, sondern hat sich zum Rückgrat der KI-Infrastruktur transformiert, oft in Zusammenarbeit, aber zunehmend auch in direkter Konkurrenz zu den Hyperscalern.

Nebius: Nvidias Wette auf den Neocloud-Challenger 

Nebius ist eine ähnliche Geschichte aus der Gegenrichtung. Als The DLF das Unternehmen im Januar 2025 als „neuen Star am europäischen KI-Himmel” vorstellte, war die Kernthese, dass die AI-Ökonomie Platz für eine neue Klasse von Cloud-Anbietern schafft: Neoclouds. Also Spezialisten, die nicht versuchen, AWS, Azure oder Google Cloud in allem zu kopieren, sondern kompromisslos auf AI-Workloads optimiert sind. Damals war Nebius für viele noch eine obskure Yandex-Abspaltung. Nicht zuletzt durch die Partnerschaft mit Nvidia wird heute kaum noch jemand daran zweifeln, dass hier ein ernsthafter Challenger der Hyperscaler entsteht.

Nvidia beteiligte sich bereits an der überzeichneten 700-Millionen-Dollar-Finanzierung im Dezember 2024. Nun wird diese Beteiligung und Partnerschaft deutlich ausgeweitet. Nebius hat diese Woche verkündet, dass Nvidia weitere 2 Milliarden Dollar in das Unternehmen investieren will, um den Ausbau großskaliger AI-Cloud-Infrastruktur zu beschleunigen. Zudem soll Nebius zu den ersten AI-Cloud-Anbietern gehören, die 2026 Vera-Rubin-Systeme in den USA und Europa ausrollen. Bis zum Jahr 2030 will man 5 Gigawatt Rechenkapazität mit Nvidia-GPUs erreichen. Das geplante Nebius-Rechenzentrum in Missouri allein soll 1,2 Gigawatt liefern.

Der Cloud-Markt wird neu verhandelt

Oracle und Nebius sind keine vergleichbaren Unternehmen. Aber beide Unternehmen greifen die Hyperscaler von unterschiedlichen Seiten an. Irgendwann werden vermutlich auch die größten KI-Kunden der Hyperscaler, nämlich die führenden Anbieter von LLMs, die gigantische Rechenkapazität, die sie brauchen, insourcen. Attraktive Partner und mögliche Übernahmeziele werden dabei Neoclouds wie Nebius sein, KI-Clouds, die für die agentische Ära optimiert sind. Oracle kommt von der Enterprise-Seite, wo aggregiert künftig die größte Nachfrage nach Compute entstehen sollte. Oracle ist der etablierte Hüter der Unternehmensdaten und -Prozesse, der entdeckt hat, dass sich diese Stellung in KI-Anwendungen und Compute-Nachfrage verwandeln lässt. Die Hyperscaler haben den Cloud-Markt über ein Jahrzehnt nahezu unangefochten dominiert. Lange schien der Wettbewerb entschieden. Doch mit der KI-Revolution verschiebt sich der Stack. Neue Infrastruktur entsteht, neue Nachfragequellen entstehen, und plötzlich machen sich andere Unternehmen an die Futtertröge der KI-Ökonomie.

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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