KI-Torhüter Browser – das neue Schlachtfeld der AI-Giganten

26. September 2025

Editorial The DLF Aktien Blog

Die alten Gate-Keeper zur digitalen Welt entwickeln sich zum Schlachtfeld der AI-Giganten: Browser bekommen in Zeiten der KI-Revolution eine völlig neue Relevanz. Meine Übersicht über alte und neue Player. 

Die Rally in Teilen des Marktes und bei zahlreichen Meme-Aktien ist so atemberaubend, dass sich viele Anleger fragen, ob die klassische, fundamentale Aktienbewertung überhaupt noch eine Rolle spielt. Kurzfristig: nein. Sentiment, Momentum, irrationaler Überschwang können Aktien auf Bewertungsniveaus treiben, die wenig mit der fundamentalen Realität der Unternehmen zu tun haben. Doch dieser Zustand ist nie von Dauer. Irgendwann greift die Regression zum Mittelwert. In seinem Buch „Wider die Götter” vergleicht Peter L. Bernstein das mit Mendels Wickenerbsen. Extreme Ausprägungen – sehr groß, sehr klein, sehr runzelig – nähern sich über die Zeit dem Durchschnitt an, dem Erwartungswert.

Manchmal braucht es dafür aber viel Zeit. Alphabet-Anleger kennen das: Von Mitte 2021 bis Anfang 2025 hatte man als Aktionär wenig Freude an der Kursentwicklung. Nachdem ChatGPT die Welt im Sturm erobert hatte, wurden die Abgesänge auf Google immer lauter – und die Bewertung innerhalb der „Mag 7” immer günstiger. Doch der Wind hat sich gedreht. Mit knapp 30 Prozent seit Jahresanfang ist Alphabet, gemeinsam mit Nvidia, einer der Top-Performer innerhalb der Gruppe. YouTube macht als Streamingdienst mehr Umsatz als Netflix, Google Cloud wächst immer noch um über 30 Prozent, und selbst die Umsätze in Search steigen aktuell zweistellig. Zudem holt Google Gemini auf. In den letzten 30 Tagen war Gemini in den USA auf Platz drei der am häufigsten heruntergeladenen Apps – knapp hinter ChatGPT und TikTok

Am 2. September hat ein US-Gericht entschieden, dass Google das Browsergeschäft nicht verkaufen muss. Allerdings darf Google nach dem Urteil keine exklusiven Deals mehr abschließen, die Chrome als dominanten Browser absichern. Am selben Tag stieg die Aktie von einem gewissen Unternehmen namens Opera um über 10 Prozent. Wir hatten Opera zuvor wieder in unsere Portfolios aufgenommen und seither die Position weiter ausgebaut. 

Wer den Digital Leaders Fund schon länger verfolgt, erinnert sich vielleicht an das Unternehmen. Vor fünf Jahren hatten wir die Aktie nach anfänglicher Begeisterung wieder aus dem Fonds genommen. Doch das Unternehmen hat seither eine bemerkenswerte Entwicklung gemacht. Opera hat in gewisser Weise zu seinen Wurzeln zurückgefunden – dem Browser als Kerngeschäft. Der Marktanteil liegt weltweit bei rund drei Prozent, besonders beliebt ist Opera bei Gamern und Tech-affinen Nutzern. Heute macht das Unternehmen ein Drittel der Umsätze mit Google Search und zwei Drittel mit Werbung. Zu den Werbepartnern zählen die größten E-Commerce-Unternehmen der Welt. Vor fünf Jahren war Opera ein reines Emerging-Market-Play. Heute kommen 20 Prozent der 290 Millionen monatlich aktiven Nutzer aus westlichen Ländern. Auch deshalb hat sich der Umsatz pro Kunde in den letzten vier Jahren verdreifacht. 

„Search“ ist im Zeitalter von KI  nicht tot

Das Browsergeschäft könnte durch KI sogar eine ganz neue Relevanz erhalten. Als Perplexity ein Übernahmeangebot für Google Chrome in Höhe von 35 Milliarden Dollar machte, hielten das viele für einen PR-Gag. Doch mittlerweile hat Perplexity einen eigenen Browser vorgestellt: Comet. Der Grund ist klar. Der Browser ist das Tor zur digitalen Welt. Wer ihn kontrolliert, kann KI-Assistenten nahtlos in jede Interaktion einbetten. Genau deswegen wird Opera in wenigen Wochen Opera Neon launchen – einen neuen „agentic” Browser, der nicht nur Seiten abruft, sondern eigenständig Aufgaben übernehmen kann. Mit Opera Mini Wallet bietet das Unternehmen zudem eine der am schnellsten wachsenden digitalen Geldbörsen, insbesondere für die Nutzung von Stablecoins.

Opera ist ein wenig beachteter EM-Titel, der bei einigen der spannendsten säkularen Trends mitmischt. Trotz über 20 Prozent Umsatzwachstum, 20 Prozent Marge, 4,5 Prozent Dividendenrendite liegt das Forward-KGV bei nur 13.  

Zurück zu Peter L. Bernsteins Erbsen: An der Börse wurde Opera lange Zeit wie eine runzelige, viel zu klein geratene Erbse behandelt und am Tellerrand ignoriert. Das hat sich in den letzten Wochen verändert. Regression to the mean. Sowohl Alphabet- als auch Opera Aktien haben zur sehr erfreulichen Entwicklung des The Digital Leaders Fund und des EMDL in diesem Jahr beigetragen.    

Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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