Krieg, Compute, Korrektur

27. March 2026

Editorial The DLF Aktien Blog

Es war keine gute Woche für Aktien-Investoren. Und auch keine gute Woche für unsere beiden Digital Leaders Fonds. Nur der Infrastrukturfonds LCCIF, den mein Kollege Stefan Hartmann managt, liegt seit Jahresanfang noch deutlich im Plus. Das ist bemerkenswert, zumal die globalen Aktienmärkte allesamt auf Talfahrt sind. Drei Themen haben die Märkte diese Woche bewegt: der Irankrieg und seine wirtschaftlichen Kollateralschäden, Googles TurboQuant und was er für die KI-Infrastruktur bedeutet, und das Urteil einer Geschworenenjury in Los Angeles, das manche bereits als den Marlboro-Moment der sozialen Plattformen bezeichnen.

Weltwirtschaft in Geiselhaft

Benjamin Netanjahu hat mit diesem Krieg die Weltwirtschaft in Geiselhaft genommen. Die Kriegsziele sind bisher kläglich gescheitert. Das Regime ist nicht kollabiert. Die Iraner sind nicht massenhaft auf die Straße gegangen. Der Krieg war nicht nach wenigen Tagen entschieden. Was stattdessen droht, ist eine Eskalation mit globalen Folgen. Wenn an der Straße von Hormus kein Öl mehr durchkommt, dann ist nicht nur der Energiemarkt im Stress, sondern die gesamte Weltwirtschaft. Die IEA sprach bereits Mitte März von der größten Angebotsstörung am Ölmarkt, die die Welt je erlebt habe.

Auch deshalb sucht Donald Trump einen gesichtswahrenden Exit aus einem Desaster, in das ihn Netanjahu hineingezogen hat. Den Zeitplan für das späteste Kriegsende hat Trump selbst gesetzt: der 14. Und 15. Mai, wenn er Xi Jinping in Peking trifft. Aber eigentlich weiß er selbst, dass jeder Tag, an dem kein Öltanker durch die Straße von Hormus fährt, im Zweifel zu einem Regimewechsel in Amerika führen wird, nicht im Iran.

Selbst in Israel lässt die anfängliche Zustimmung zu den Angriffen nach. Die Bevölkerung will nicht jeden Tag stundenlang in Bunkern ausharren. Gleichzeitig arbeitet die israelische Armee an mehreren Fronten erkennbar am Limit. Haaretz berichtete diese Woche, der IDF-Chef habe vor einer Überlastung der Armee gewarnt, während Kräfte zusätzlich wegen eskalierender Siedlergewalt im Westjordanland gebunden würden. Die Iraner hätten es verdient, von der Schreckensherrschaft der Mullahs befreit zu werden. Aber Trump und Netanjahu sind nicht die Befreier. Letzterer ist, wie Haaretz schreibt, für eines der größten Kriegsverbrechen der letzten Jahrzehnte verantwortlich. Reuters berichtete Ende Januar, Israels Militär habe eine Zahl von rund 70.000 Toten in Gaza bestätigt; die UN-Menschenrechtsbehörde hatte schon 2024 mitgeteilt, dass unter den von ihr verifizierten Toten fast 70 Prozent Frauen und Kinder waren. Diese Kriegsverbrechen dürfen sich in Iran und Libanon nicht wiederholen.

Wir wissen nicht, wann dieser Krieg endet. Gewiss ist, dass Gespräche geführt werden, und seit gestern Abend auch, dass die Feuerpause für iranische Energieinfrastruktur bis zum 6. April verlängert wird. Gewiss ist auch, dass Aktienanleger wieder hypersensibel für schlechte Nachrichten sind.

Google, Meta: Pied-Piper- and Marlboro-Moment?

In diese angespannte Marktstimmung platzte Google mit TurboQuant, einem neuen Algorithmus zur KI-Speicherkomprimierung, der die Branche aufhorchen ließ. Eigentlich eine positive Nachricht, denn offensichtlich reduziert die Technologie den Arbeitsspeicherbedarf von KI-Systemen während der Inferenzphase um das Sechsfache, ohne Einbußen bei der Leistung. Google Research wird die Ergebnisse auf der ICLR 2026 vorstellen. Die Ankündigung schickte Speicherchiphersteller und Infrastrukturausrüster auf Talfahrt. Aber: Effizienzgewinne zerstören in der Regel keine Nachfrage, sie beschleunigen sie. Wenn Speicher der Flaschenhals ist und dieser Flaschenhals kleiner wird, dann wird Compute nicht weniger, sondern eher mehr und profitabler.

Parallel dazu traf ein Urteil einer Geschworenenjury in Los Angeles Meta und Alphabet mit voller Wucht. Sofort war vom möglichen Marlboro-Moment der Plattformökonomie die Rede. Die Sorge dahinter: Wenn Regulierung und Haftungsrisiken zunehmen, geraten auch die Capex-Pläne von Meta und Alphabet unter Druck. Auch hier sollten Anleger nüchtern bleiben. Meta und Google werden gegen die Urteile vorgehen, das kann sich über Jahre hinziehen. Bis dahin wird die Investitionswelle in Rechenzentren angesichts der Knappheit von Compute eher noch zunehmen.

Vielleicht ist das die Korrektur, auf die viele gewartet haben. Ob daraus ein Bärenmarkt wird hängt am Ölpreis und an Donald Trumps Exit-Strategie.

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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