Jensen Huang hat auf der diesjährigen GTC keinen Zweifel daran gelassen: Vor mehr als 30.000 Entwicklern, AI-Forschern und Investoren verkündete er, dass der AI-Superzyklus nicht nur intakt ist, sondern gerade beschleunigt wird. Jensen war es wichtig, Nvidia nicht mehr nur als Chipunternehmen zu präsentieren, sondern als ein umfassendes Infrastrukturunternehmen für die KI-Ökonomie.
Eine Billion Dollar Umsatz
Letztes Jahr stand Jensen Huang auf der GTC-Bühne und sagte, er sehe bis 2026 rund 500 Milliarden Dollar an Bestellungen für Blackwell und Rubin. Diese Woche korrigierte er die Zahl nach oben: „I see through 2027 at least $1 trillion.” Mit über 1 Billion Dollar Umsatz bis 2027 liegt Jensen weit über den Analystenschätzungen und erklärt damit auch, dass es für die Peak-Capex-Diskussionen noch viel zu früh ist.
Vera Rubin, Feynman, Groq und der Inference Inflection Point
Mit der nächsten Generation der Vera-Rubin-Plattform und einem ersten Ausblick auf „Feynman“ für 2028 skizziert Nvidia eine Roadmap, die den Führungsanspruch von Nvidia als dominantes AI-Hardware-Unternehmen klarmachen soll. Die Vera CPU kombiniert mit der Rubin GPU liefert laut Nvidia eine zehnfach höhere Inferenz-Effizienz gegenüber dem Vorgänger Blackwell.
Lange galt Training als der zentrale Werttreiber. Jetzt spricht Nvidia von einem „Inference Inflection Point“. Modelle laufen nicht mehr nur im Labor, sondern sind jetzt im operativen Einsatz, in Unternehmen, in Software, in der physischen Welt. Nach der Übernahme von Groq sollen hier auch dessen Inferenz-Beschleuniger zum Einsatz kommen, die man nun in das Nvidia-Ökosystem integriert hat.
OpenClaw, NemoClaw und AI-as-a-Service
Eines der überraschendsten Themen dieser GTC war die Adaption von OpenClaw. Ein Österreicher, Peter Steinberger, hat mit OpenClaw eine Plattform für persönliche KI-Assistenten geschaffen, die sich zum am schnellsten wachsenden Open-Source-Projekt der Geschichte entwickelt hat. Jensen Huang bezeichnete es als das „Android für KI-Agenten“ und baut darauf NemoClaw auf: die Enterprise-Version für Unternehmen. Das Hauptproblem bei KI-Agenten im Unternehmenseinsatz ist Sicherheit: Proprietäre Daten dürfen nicht in fremde Modelle fließen, Zugriffsrechte müssen kontrolliert werden, Compliance muss gewährleistet sein. NemoClaw soll genau das lösen. Jensens Vision: Software-Unternehmen werden zu AI-as-a-Service-Unternehmen. Die Salesforce, SAPs, ServiceNows dieser Welt werden ihre Geschäftsmodelle auf KI-Agenten umstellen, die auf Nvidia-Infrastruktur laufen, direkt oder über die großen LLM-Anbieter, die ihrerseits auf Nvidia angewiesen sind.
Mit Project GR00T greift Nvidia auch nach der physischen Welt. Das neue Basismodell für humanoide Roboter geht in die Massenproduktion und soll Maschinen beibringen, die Welt besser zu verstehen.
Credo vs. Coherent und Lumentum
Für uns war eine Frage diese Woche besonders brisant: Was sagt Jensen zum Interconnect-Markt? Hintergrund: In KI-Rechenzentren explodiert der GPU-zu-GPU-Datenverkehr. Aktuell dominieren Kupferkabel, allen voran Active Electrical Cables von unserem Portfoliotitel Credo Technology. Die großen Konkurrenten sind optische Komponenten, insbesondere Laser und optische Transceiver, wie sie Lumentum und unser Portfoliounternehmen Coherent herstellen. Bisher galt: GPU-zu-GPU innerhalb von Rack und Cluster gehört Kupfer, zwischen den Clustern übernimmt Optik. Mit der Entwicklung von Co-Packaged Optics (CPO), bei der elektrische Signale früh in Licht umgewandelt werden, könnte sich dieses Gleichgewicht verschieben. Das wäre schlecht für Credo, das aber bereits mit der Entwicklung von Active LED Cables auf die neue Konkurrenz antwortet.
Die Ausgangslage vor der GTC hatte Broadcom-CEO Hock Tan geprägt. Tan hatte sich zwei Wochen zuvor im Earnings Call unmissverständlich geäußert: „Copper – you want to keep doing that, especially in scale-up, as long as possible. In scaling out, we’re past that. We use optical.” Das dämpfte die Erwartungen für Photonics-Titel wie Coherent und Lumentum und beflügelte den Aktienkurs von Credo.
Und dann kam Jensen. Seine Antwort auf der GTC: „A lot of people have been asking, Jensen, is copper going to still be important? The answer is yes. Jensen, are you going to scale up optical? Yes. Are you gonna scale out optical? Yes.” Der entscheidende Unterschied zu Hock Tan: Jensen betonte, dass Nvidia auch beim Scale-Up – also der GPU-zu-GPU-Kommunikation innerhalb von Racks – neben Kupfer auf Optik setzt. Direkt danach ging es dieses Mal für die Credo-Aktien abwärts, während Coherent & Co. deutlich zulegen konnten. Nvidia hat übrigens selbst jeweils zwei Milliarden Dollar in Lumentum und Coherent investiert.
Es war eine ereignisreiche Woche für Investoren in AI-Unternehmen. Fulminante Nvidia-News, Monster-Earnings von Micron und die Ansage von Alibaba, die Preise für Compute massiv anzuheben. Flankiert wird die AI-Offensive von US-Unternehmen durch ein 250-Milliarden-Dollar-schweres staatliches Programm für AI-Exporte. Davon profitieren die großen AI-Titel, aber auch Ausrüster wir Credo, Coherent und Lumentum. Der AI-Superzyklus ist intakt und die Wucht der Weiterentwicklung so groß, dass sich die Kurse der AI-Aktien trotz des Iran-Krieges stabil halten konnten.
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Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.





