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Die MongoDB-Aktie nach der 30%-Korrektur

3. Oktober 2019

MongoDB Korrektur - Fallender Aktienkurs digital

Die Korrektur der Tech-Aktien ist in vollem Gange. Gerade die hoch bewerteten Anbieter von Cloud-Software haben in den vergangenen Wochen 30 Prozent oder mehr von ihren ehemals astronomischen Bewertungen eingebüßt. Wir hatten dies befürchtet und daher seit Monaten die Gewichtungen der Highflyer im Portfolio des DLF wie Twilio, Alteryx oder MongoDB reduziert.

Sind diese Titel nun wieder attraktiv? Denn wenn eine deutlichen Korrektur einhergeht mit einem weiterhin schnellen Wachstum, dann kann eine ehemals zu sportliche Unternehmensbewertung sich zügig in einen vernünftigen Einstiegskurs verwandeln.

MongoDB Korrektur - Kursverlauf der Aktie
Der Kurs der MongoDB-Aktie hat wie auch das EV/Sales-Verhältnis seit Ende Juni um 30% nachgegeben.

Die aktuellen MongoDB Geschäftszahlen

Für das 2. Quartal des bis zum 31. Januar 2020 laufenden Geschäftsjahres hat MongoDB Ergebnisse vorgelegt, die zum wiederholten Male die eigenen Erwartungen deutlich übertroffen haben:

  • Der Umsatz stieg um 67 Prozent auf knapp $100 Millionen, der Subskriptions-Umsatz sogar um 71 Prozent auf $94 Millionen
  • Die Bruttomarge sank leicht auf 70 Prozent.
  • Der Atlas Cloud-Umsatz stieg um 240 Prozent gegenüber Vorjahr und umfasst nur zwei Jahre nach dem Launch nun bereits 37 Prozent vom Gesamtumsatz (gegenüber 18 Prozent im Vorjahr).
  • Die Kundenbasis hat sich innerhalb der letzten 12 Monate auf 15.000 Kunden verdoppelt. Davon sind 13.200 Atlas Kunden.
  • Die Zahl der größeren Kunden mit einem jährlichen Umsatz >100.000$ stieg um 42 Prozent auf 622.
  • Die Net Revenue Retention Rate, die die Subskriptions-Umsätze heute mit den Umsätzen der gleichen Kunden vor einem Jahr vergleicht, lag stabil über 120 Prozent.

Ein paar Gedanken zum TAM

Laut den Schätzungen der Tech-Analysten soll der Markt für Datenbank-Software von circa $60 Milliarden in 2019 auf über $90 Milliarden in 2023 wachsen. MongoDB mit seinen $400 Millionen Umsatz hat damit immer noch einen Marktanteil von deutlich weniger als 1 Prozent. Sollte es gelingen, diesen Marktanteil bis 2023 auf 3 Prozent zu steigern, so würde dies einem Umsatz bei MongoDB von mehr als $2,5 Milliarden entsprechen. Das klingt heute noch utopisch, würde aber einem Wachstum von 45 Prozent p.a. über 5 Jahre entsprechen.

Das muss nicht völlig unrealistisch sein, denn es gibt bei MongoDB gleich drei langfristig wirkende Wachstumstreiber:

1. Ein großer Teil des Marktwachstums (im Wert von mehreren Milliarden Dollar p.a.) dürfte aus neuen Anwendungsfällen für die Datenhaltung unstrukturierter Daten kommen. Diese können nicht gut mit den klassischen relationalen Datenbanken adressiert werden.  MongoDB ist als Marktführer bei NoSQL-Datenbanken hier bestens positioniert.

2. MongoDB ist immer öfters auch eine Alternative für die Ablösung älterer Datenbanksysteme z.B. von Oracle oder IBM. Solche Replacements stehen regelmäßig an, wenn Workloads von eigenen Rechenzentrum der Kunden in die Cloud verlagert werden.

3. Mehr als 50 Unternehmen der Fortune 100 sind bereits heute Kunde bei MongoDB. Nach eigenen Angaben ist MongoDB bei diesen Großkonzernen meist nur als Nischenlösung im Einsatz. Man schätzt die Durchdringung bei diesen Kunden auf nur 1 Prozent. Es gibt also alleine in diesem Segment aus der Bestandskundschaft noch auf Jahre hinaus riesiges Wachstumspotential.

Die Coopetition mit den Cloud-Providern

Die größten Wettbewerber von MongoDB sind nicht mehr wie in früheren Jahren die NoSQL Alternativen, sondern vielmehr die proprietären Datenhaltungslösungen der großen Cloud-Provider. So hat AWS sogar auf der Basis der frei verfügbaren OpenSource-Version von MongoDB ein Alternativangebot geschnürt.

Trotz dieser Wettbewerbssituation ist MongoDB mit allen 3 großen Cloud-Providern im Rahmen einer formalen Vertriebspartnerschaft verbunden. Die wissen ganz genau, was sie an MongoDB als Partner haben:

Einerseits ist MongoDB als Datenbankspezialist technologisch führend und besitzt ausreichend Alleinstellungsmerkmale gegenüber Lösungen wie Amazons Document DB oder Microsofts Azure Cosmos DB.

Andererseits wollen gerade die Großkunden oftmals ganz bewusst nicht den gesamten proprietären Infrastruktur-Stack eines einzigen Cloud-Providers nutzen. Zu groß ist die Angst vor dem Vendor-Lock-In. Gerade die Konzerne haben viele Jahre lang von IBM, SAP, Oracle u.a. zu spüren bekommen was es bedeutet von einem Hersteller abhängig zu sein. Durch die Nutzung von MongoDB Atlas bleibt der potentielle Wechsel des Cloud-Providers für die Kunden auch zukünftig eine realistische Option.

Bewertung der MongoDB Aktie

Als ich erstmals im Januar 2018 hier MongoDB vorgestellt hatte, kostete die Aktie knapp 30$ und das Unternehmen wurde zu einem Enterprise Value von $1,2 Milliarden gehandelt. Das stand damals einem Umsatz von $166 Millionen gegenüber. Die operative Marge betrug in 2017 noch -60 Prozent. Das Unternehmen wurde nach dem IPO von Analysten heftig für die zu hohen Ausgaben kritisiert und zu einem EV/Sales-Verhältnis von 7 gehandelt.

Jetzt knapp 2 Jahre später macht MongoDB in dem bis zum Januar laufenden Geschäftsjahr bereits circa $400 Millionen Umsatz. Die operative Marge hat sich auf -30 Prozent verbessert. Die Aktie kostet derzeit 120$, der Enterprise Value beträgt circa $6,7 Milliarden. Das entspricht einem EV/Sales-Verhältnis von 17.

MongoDB Korrektur - Verlauf Cashflow und Marge
Deutliche Fortschritte bei der Profitabilität trotz Hyper-Growth bei MongoDB.

Die MongoDB-Aktie ist also auch nach der Korrektur der vergangenen Wochen immer noch sehr teuer. Allerdings gibt es gute Gründe dafür, warum die MongoDB-Aktie heute wesentlich höher zu bewerten ist als kurz nach dem IPO.

  1. In den vergangenen 2 Jahren hat sich herauskristallisiert, dass MongoDB der klare Marktführer bei NoSQL-Datenbanken ist. Mittlerweile zählte man 70 Millionen Downloads der MongoDB Software. Andere noSQL-Alternativen sind fast schon in der Bedeutungslosigkeit verschwunden, wenn man dem Popularitäts-Ranking von db-engines.com und den Aussagen des MongoDB-Managements glauben mag.
  2. Die erst vor 2 Jahren eingeführte Cloud-Lösung Atlas hat das Geschäftsmodell von MongoDB in Rekordzeit entscheidend verändert. Während das Unternehmen vor 2 Jahren noch als subskriptionsbasierter OpenSource-Softwareanbieter anzusehen war, stammten im abgelaufenen Quartal Q2 bereits 37 Prozent des Umsatzes aus echtem SaaS.
  3. Das Umsatzwachstum hat sich in den vergangenen 2 Jahren sogar noch beschleunigt und damit wesentlich besser entwickelt als ich das seinerzeit für möglich gehalten habe. Im GJ 2017/2018 war MongoDB um 45 Prozent gewachsen. Im GJ 2018/2019 dann um 61 Prozent und im ersten Halbjahr des GJ 2019/2020 hat sich dieses Wachstum sogar nochmals gesteigert. Ein solcher Trend ist aufgrund der schnell wachsenden Unternehmensgröße sicherlich nicht nachhaltig. Ich erwarte eine deutliche Abkühlung dieser Wachstumsraten in den kommenden Quartalen. Aber ich gehe davon aus, dass ein Wachstum in der Größenordnung von 40 Prozent noch einige Zeit aufrechterhalten werden kann.
  4. MongoDB hat in den vergangenen Jahren 40 Prozent des Umsatzes in die Entwicklung gesteckt und damit enorme Verbesserungen im Produkt erreicht. Die Skalierbarkeit ist deutlich verbessert (Write Performance) und seit 2018 besteht die früher oft kritisierte Multi-Document-Transaktionssicherheit. Dadurch ist man jetzt Enterprise-Ready und in der Lage, wesentlich größere Teile des Datenbankmarktes zu adressieren. MongoDB ist nicht mehr nur das Nischenprodukt, sondern mittlerweile eine ernstzunehmende Alternative für vielerlei Usecases auch in Großunternehmen.
  5. Atlas ist im Gegensatz zum klassischen MongoDB-Enterprise-Produkt dafür geeignet, um im Selbstbedienungs-Verfahren direkt an Endkunden verkauft zu werden. Dieses Vertriebsmodell zählt zu den effektivsten überhaupt und verspricht mittelfristig höhere Margen für MongoDB. Derzeit wird erheblich in den Aufbau dieses Vertriebskanals investiert.

MongoDB als Objekt der Begierde

Sollte die Korrektur der MongoDB-Aktie anhalten, so dürften sehr bald wieder Übernahmegerüchte auftauchen. Oracle würde sich die Akquisition von MongoDB sicherlich einiges kosten lassen. Seitdem klar wird, dass MongoDB sich dank Atlas in kürzester Zeit zur erfolgreichen SaaS-Company weiterentwickelt hat, kommen auch die Cloud-Provider mehr und mehr als strategische Käufer in Frage. Insbesondere Thomas Kurian dürfte auf seiner Einkaufstour für Google Cloud auch mal bei MongoDB anklopfen, falls ihm der Preis vernünftig erscheint. Und davon sind wir m.E. jetzt nicht mehr weit entfernt.

Wir wollen für das Portfolio des DLF langfristig in MongoDB investiert bleiben. Und wir werden unseren Anteil sukzessive erhöhen, falls die Konsolidierung der MongoDB-Aktie sich weiter ausweiten sollte. Falls auch Du die weitere Entwicklung von MongoDB beobachten willst, so kannst Du Dich hier für den DLF-Newsletter anmelden und verpasst so garantiert nichts.


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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2 Antworten

  1. Danke für diesen Beitrag. Eine operative Marge von minus 30% klingt erst einmal nicht sehr verlockend, aber Du zeigst ja auch die positiven Entwicklungen auf. Sollte es an den Tech Märkten in den USA einmal deutlich abwärts gehen, dürfte der Kurs aber schwerstens in Mitleidenschaft gezogen werden. Viel stärker als beispielsweise Microsoft oder Alphabet, die ordentlich Gewinne machen!

    1. Ganz richtig. Ein Wert wie MongoDB hat ein ganz anderes Chance/Risiko-Profil im Vergleich zu Microsoft oder Alphabet. Aber wir wollen einige Titel im Portfolio des DLF haben, die uns langfristig die Chance auf einen “Tenbagger” bieten (ganz im Sinne von Peter Lynch). Und das gelingt nunmal nicht (mehr) mit den heutigen Tech-Riesen. Da muss man schon die Tech-Riesen der Zukunft frühzeitig erkennen. Und MongoDB bietet – trotz aller Risiken – schon eher eine solche Chance, wenn es weiterhin optimal laufen sollte. Aber das kann niemand seriös prognostizieren, bei einem solchen Wert muss man Quartal für Quartal wieder genau hinsehen.

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