Mit der Nutanix-Aktie auf Achterbahnfahrt

3. März 2020

Nutanix Aktie Achterbahnfahrt - Bild von Achterbahn in einem Freizeitpark

Die Nutanix-Aktie ist kein Investment für zartbesaitete Anleger. Bei wohl keiner Aktie im Portfolio von The Digital Leaders Fund fallen die Kursausschläge in beide Richtungen so extrem aus wie beim Infrastruktur-Softwareanbieter. Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt – andere Stimmungen sind Nutanix-Aktionären weitgehend unbekannt.

Nachdem ich vor drei Monaten hier im Blog noch die Wiederauferstehung der Nutanix Aktie feiern durfte, kam die Aktie nach den Zahlen zum Q2 nun nochmals unter die Räder und hat in kürzester Zeit ein Drittel ihres Wertes eingebüßt.

Nutanix Aktie Kursentwicklung der letzten Monate gleicht einer Achterbahnfahrt
Nutanix-Aktie: Kursentwicklung der letzten Monate gleicht einer Achterbahnfahrt.

Natürlich hat bei diesem Kurssturz der Nutanix-Aktie auch die allgemeine Corona-Verkaufspanik eine Rolle gespielt. Die Investoren waren am 26. Februar schon in Verkaufslaune und reagierten regelrecht allergisch auf die etwas ungeschickte Kommunikation der Ergebnisse, die so schlecht nicht waren.

Dabei sollte sich eigentlich unter Investoren rumgesprochen haben, dass Umsatz und Billings von Nutanix aufgrund der laufenden Umstellung des Geschäftsmodells auf wiederkehrende Subskriptionen nur sehr eingeschränkt aussagekräftig für die eigentliche Unternehmensentwicklung sind.

Die Zahlen zum Q2 des FY2020

  • Der Umsatz im Q2 FY20 ist gegenüber dem Vorjahr mit $347 Millionen um gut 3 Prozent gestiegen. Der Tiefpunkt liegt hier hinter uns, im Q1 war der Umsatz praktisch nicht gewachsen. In den Folgequartalen wird sich das Umsatzwachstum wieder deutlich beschleunigen.
  • Die Billings sind im Q2 um knapp 4 Prozent auf $428 Millionen angestiegen, nachdem sie im Q1 noch um 1 Prozent auf $380 Millionen zurückgegangen waren.

Erst wenn man etwas tiefer in das Zahlenwerk schaut, erkennt man das weiterhin deutliche Unternehmenswachstum:

  • Die Subscriptions-Billings wuchsen im Q1 um 45 Prozent auf $339 Millionen und machen damit bereits 79 Prozent der gesamten Billings aus. Damit hat man ein wesentliches Ziel der Umstellung des Geschäftsmodells viel schneller erreicht als vorhergesagt. Das ist sehr positiv zu sehen, auch wenn die kurzfristig negativen Auswirkungen – insbesondere auf die Profitabilitätskennzahlen – daher noch deutlicher ausfallen.
  • Der Subskription-Umsatz wuchs im Q1 sogar um 69 Prozent auf $267 Millionen und macht damit bereits 77 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
  • Der noch nicht realisierte Umsatz in der Bilanz (Deferred Revenues) wuchs gegenüber Vorjahr um 35 Prozent auf $1.006 Millionen. Im Q2 sind immerhin 85 Millionen oder knapp 25 Prozent vom erzielten Umsatz hinzugebucht worden.
  • Die Bruttomarge (non-GAAP) lag im Q2 FY20 bei sehr guten 81 Prozent gegenüber 77 Prozent im Vorjahresquartal.
  • Die Kundenbasis wuchs weiterhin zügig um 28 Prozent gegenüber Vorjahr auf mittlerweile knapp 16.000 Kunden. Bereits 44 Prozent der Global 2000 Unternehmen gehören zum Kundenkreis von Nutanix.
Statistik zur Entwicklung der Kundenbasis von Nutanix

Wo liegt also das Problem?

  • Der Nettoverlust (GAAP) hat sich im Q2 gegenüber dem Vorjahr deutlich auf $218 Millionen erhöht. Damit wurden 63 Prozent des Umsatzes als Verlust ausgewiesen.
  • Der Free Cash Flow, der sich im Vorjahresquartal fast ausgeglichen darstellte, war im Q2 mit -$74 Millionen deutlich negativ.
  • Die Cashbestände in der Bilanz haben sich innerhalb Jahresfrist um $147 Millionen verringert und betrugen zum 31.01.2020 noch $819 Millionen.

Insbesondere der hohe Cash-Burn klingt erschreckend, wenn man nur diese nackten Zahlen betrachtet. Und wenn es nicht die besonderen Umstände und eine gute Erklärung für diese Zahlen gäbe, so würden wir uns – trotz der unbestrittenen Technologieführerschaft und visionären Unternehmensführung – wie andere Investoren auch enttäuscht von der Nutanix-Aktie abwenden.

Zur Erklärung des Kurssturzes haben Analysten eine angeblich enttäuschende Guidance für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres angegeben. Das kann ich nicht nachvollziehen, denn was ist passiert:

Vor drei Monaten hatte das Nutanix Management Software + Support Billings von circa $1,70 Milliarden prognostiziert. Jetzt erwartet man circa $1,635 Milliarden, d.h. man hat die Guidance um 4 Prozent gesenkt. Beim Umsatz wird statt $1,35 Milliarden nun $1,325 Milliarden, d.h. knapp 2 Prozent weniger erwartet.

Zur Erklärung für die Absenkung der Guidance hat Nutanix die schnellere Umstellung auf das Subskriptionsgeschäft genannt sowie Auswirkungen des Corona-Virus auf das Geschäft insbesondere in Asien.

Das ist alles recht gut nachvollziehbar und keine Tragödie. Aber offenbar hat diese neue Guidance die viel zu hohen Erwartungen der Analysten erheblich enttäuscht. Das Ergebnis war ein 30 Prozent Kurssturz in nur einer Börsensitzung.

Bewertung der Nutanix-Aktie

Eine Senkung der Umsatzerwartung um $25 Millionen hat in diesem Fall also eine Marktkapitalisierung von $2,5 Milliarden zerstört. Ist das noch verhältnismäßig? Dazu kann sich jeder seine Meinung bilden. Der Finanzmarkt ist nicht immer rational und genau daher ist es überhaupt möglich, langfristig überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften.

Nach dem Crash wird Nutanix mit einem Enterprise Value von $4,2 Milliarden bewertet. Das entspricht einem EV/Sales-Verhältnis von 3,4 auf Basis der aktuellen Umsätze.

Entwicklung EV Sales Verhältnis von Nutanix

In einigen Quartalen wird die Umstellung des Geschäftsmodells soweit fortgeschritten sein, dass auch in den Headlines der Geschäftszahlen wieder erkennbar ist, dass Nutanix nicht nur ein von den Tech-Analysten anerkannter Technologieführer ist, sondern nach wie vor um gut 20 Prozent wächst.

Angesichts einer Bruttomarge von 80 Prozent und mit einem gut planbaren, wiederkehrenden Umsatzstrom aus Infrastruktur-Software-Subskriptionen wäre eher ein EV/Sales-Verhältnis von 6 angemessen. Im Falle einer durchaus möglichen Übernahme durch einen strategischen Käufer wie Google ist das sicherlich nicht zu hoch angesetzt.

Wir bleiben sehr zuversichtlich für die Nutanix-Aktie und haben die Korrektur für Zukäufe genutzt.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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