Offenheit als Erfolgsfaktor in der Softwareindustrie

24. September 2019

Open Source Erfolgsfaktor Softwareindustrie - Illustration

Der folgende Beitrag ist zuerst erschienen in DAS INVESTMENT Ausgabe Oktober 2019.

Neben dem Plattformgedanken (“Platform Thinking”) und intuitiv zu nutzenden Apps (“Design Thinking”) ist die Offenheit ein entscheidender Erfolgsfaktor digital erfolgreicher Unternehmen (“Open Thinking”). Nirgends zeigt sich das so deutlich wie in der Softwareindustrie.

Im 20. Jahrhundert galt der Programm-Code von Softwareunternehmen grundsätzlich als streng geheim. Für Unternehmen wie IBM, Oracle oder auch SAP war es undenkbar, ihren Quellcode und damit die DNA ihres Unternehmens für potentielle Kunden offenzulegen. Die seit den achtziger Jahren entstandenen Open Source Produkte wurden lange Zeit belächelt und als kostenlose Alternativen von den Platzhirschen der Software-Szene nicht ernst genommen.

Geschäftsmodelle rund um Open Source Software wurden auch vom Finanzmarkt bis vor wenigen Jahren unterschätzt. Und tatsächlich ist es schwer eingängig, wie ein Softwareunternehmen kommerziell erfolgreich sein kann, indem es seine Kronjuwelen ins Schaufenster stellt und für jedermann zur kostenlosen Nutzung anbietet.

Doch genau darin liegt das Erfolgsgeheimnis moderner Software-Companies im 21. Jahrhundert. Open Source Unternehmen aus dem Portfolio von The Digital Leaders Fund wie zum Beispiel MongoDB (Datenbanken der nächsten Generation) und Elastic (Such-Dienste) erobern derzeit die Softwaremärkte mit quelloffenen Lösungen in einer nie dagewesenen Geschwindigkeit, indem sie ihre disruptive Technologie in Rekordzeit bei Millionen von Softwareentwicklern bekannt und (in der Basisversion) kostenlos nutzbar machen.

Open Source – Unternehmen nehmen dabei in Kauf, dass ihre kostenlosen Angebote nicht nur ein mächtiges Marketinginstrument sind, sondern immer auch als Wettbewerber aus dem eigenen Hause betrachtet werden müssen. Zudem können IT-Riesen wie Amazon Web Services für ihre Kunden eigene Konkurrenz-Angebote auf Basis der frei verfügbaren Software schnüren.

Ein kommerziell erfolgreiches Geschäftsmodell entsteht mit einem Open Source Ansatz trotz dieser Nachteile genau dann, wenn die Kunden bereit sind, für den Mehrwert von Support-Services rund um die offene Software oder aber für proprietäre Zusatzkomponenten zu zahlen. Red Hat hat so rund um das quelloffene Betriebssystem Linux ein hochprofitables Unternehmen mit $3,4 Milliarden Umsatz entwickelt.

Auch die IT-Riesen haben die neue Offenheit für sich entdeckt: Google und Facebook gehören seit Jahren zu den größten Treibern von Open Source Projekten. Microsoft hat mit GitHub die Heimat vieler Open-Source-Entwickler aufgekauft und dabei für gerade mal $200 Millionen Umsatz $7,5 Milliarden bezahlt. Und IBM hat sich die Akquisition von Red Hat sogar $34 Milliarden kosten lassen.


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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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