Opera Aktie: Vollbremsung in der Corona-Krise

29. April 2020

Opera Aktie - Vollbremsung Corona-Krise - Opera Browser Logo auf blau rotem Hintergrund

Sehr turbulente  Zeiten erlebt derzeit auch unser Portfoliowert Opera Limited. Nach dem initialen Opera Unternehmensportrait vom Januar 2019 hatten wir im August einen Tritt auf die Euphoriebremse getätigt und uns im November angesichts dreistelliger Wachstumsraten kritisch gefragt, ob diese stürmische Eroberung der Ermerging Markets gut gehen kann.

Mittlerweile wissen wir, dass es nicht gut gegangen ist: die Opera Aktie hatte schon aufgrund einer negativen Cashflow-Entwicklung ab September 2019 kräftig verloren. Beschleunigt wurde die Abwärtsbewegung dann durch Angriffe eines aktivistischen Shortsellers im Januar 2020. Opera hat die Anschuldigungen zurückgewiesen, die Aktie erholte sich daraufhin im Februar wieder, um dann im Corona-Crash nochmals heftig auf neue Tiefstände abzustürzen.

Entwicklung der Opera Aktie - Zuletzt Sorgenkind in der Corona-Krise

Damit ist die Opera Aktie im letzten halben Jahr vom High-Flyer zu einem der wenigen Sorgenkinder im Portfolio von The Digital Leaders Fund mutiert. Wir haben uns das Unternehmen in der Corona-Krise nochmals genau angesehen, auch direkt mit den Verantwortlichen gesprochen.

Hier unsere aktuellen Gedanken:

Opera Zahlen zum Q1 2020

Opera Limited hat am 23.04.20 Vorab-Ergebnisse für das Q1 2020 bekanntgegeben und die Investoren über bisherige Auswirkungen der Corona-Krise auf das Opera-Business informiert.

Zunächst die gute Nachricht:

Der Umsatz im Q1 wird circa $135 Millionen betragen, das ist eine Steigerung von circa 150 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allerdings sollte man sich davon nicht täuschen lassen, denn mehr als 50 Prozent davon dürften aus dem Microlending-Business stammen, das mittlerweile fast völlig zum Stillstand gekommen ist. Doch dazu später mehr.

Die Anzahl der monatliche aktiven User für Opera News ist im März auf 190 Millionen angestiegen. Das sind circa 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt nutzen monatlich mehr als 360 Millionen Menschen die Opera Produkte.

Opera verfügt auch zum 31.03.2020 über eine stabile Bilanz mit $170 Millionen Cashreserven. In Q2 ist wohl kein wesentlicher Cash Abfluss mehr zu erwarten.

Vollbremsung beim boomenden Microlending-Business

Gemeinsam mit diesen positiven Nachrichten enthält das Business-Update vom 23. April jedoch auch eine herbe Umsatz- und Gewinnwarnung.

Zum Ende des Q1 hin hat Opera das bis dahin boomende Geschäft mit den kurzfristigen Mikro-Darlehen weit zurückgefahren und dabei $27 Millionen Verluste aus diesen Krediten verbucht. Als Ursache für diese Entscheidung werden die Auswirkungen des Corona-Virus angegeben.

Die Summe der ausgegebenen Darlehen wurde bereits zum Ende des Q1 auf $43 Millionen abgesenkt, zum 31.12.2019 hatte es noch $93 Millionen betragen. Im April wurden bereits $35Millionen von Kunden zurückgezahlt, das heißt das verbleibende Kredit-Risiko im Q2 ist deutlich zurückgeführt worden.

Opera hat also in der Corona-Krise seinen wachstumsstärksten und mittlerweile größten Geschäftsbereich nahezu auf Null heruntergefahren. Der Opera Umsatz wird zumindest in Q2 vermutlich mehr als 50 Prozent gegenüber dem Q1 einbrechen. Folgerichtig hat das Unternehmen seine Guidance für 2020 zurückgezogen und sieht sich derzeit  – wie viele andere Unternehmen auch – nicht in der Lage, eine neue Guidance zu veröffentlichen.

Es bleibt die Frage, ob wirklich die Folgen des Corona-Virus den drastischen Schritt zum Stopp des Microlending-Business veranlasst haben. Oder ob es doch die Diskussionen mit Google waren. Die hatten in 2019 neue Bedingungen für Microlending-Apps aus dem Google Appstore formuliert. Gegen diese Bedingungen hatte Opera zwischenzeitlich mit seinem Angebot verstoßen. Dies war einer der Hauptangriffspunkte der Shortseller.

Es ist für uns schwer zu beurteilen, ob unter den von Google seit 2019 ausgegebenen Rahmenbedingungen für Laufzeit und Zinssatz solche Microlending-Geschäftsmodelle, die in der Regel ohne Bürgschaften oder Sicherheiten arbeiten, überhaupt profitabel zu betreiben sind.

Es ist zudem unklar, ob derartige Online-Kredite für Endkunden in Entwicklungsländern wirklich eine gute Alternative zu Kreditkarten sind, so wie Opera das z.B. hier am Beispiel der Mikrokredite in Kenia darstellt. Es gibt auch Kritiker, die den Anbietern von Online-Loans vorwerfen, nur eine moderne Version der bisher dort vorherrschenden Kredithaie zu sein.

In jedem Fall ist das Microlending-Geschäft fragwürdig. Wir gehen in unserer konservativen Bewertung der Opera-Aktie daher zunächst mal vom Worst Case aus, dass dem Microlending-Geschäft auch nach Beendigung der Corona-Krise wenig Wert zuzuordnen ist. Das Management von Opera hält jedoch an den Ambitionen weiter fest. Im Gespräch mit uns versicherte Opera, dass man das Kreditgeschäft jederzeit wieder hochfahren kann. Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten hätte man schlicht das Geschäft pausiert, um die Risiken zu reduzieren.

Wie geht es weiter bei Opera?

Zum 31.03.2020 verfügt Opera über $170 Millionen an Cashreserven. Im Q2 sollte der Cashflow durch den (zumindest vorübergehenden) Ausstieg aus dem Microlending-Geschäft profitieren und wieder positiv sein.

Wir sind skeptisch, ob das Microlending-Geschäft nach Beendigung der Corona-Krise tatsächlich wieder hochgefahren wird. Falls dies nicht der Fall ist, so wird der Umsatz in den Folgequartalen drastisch zurückgehen, aber es bleiben weitere interessante Geschäftsbereiche, die ebenfalls zügig wachsen. Neben dem stabilen Browser-Business hatten wir hier im Blog bereits über die neuen Umsatzquellen OList, OLeads und dem Opera News Hub berichtet.

Eine Stärke von Opera ist es, dass das Unternehmen aufgrund seiner großen Reichweite und Userbasis sehr schnell profitable Online-Geschäftsmodelle aus Asien kopieren und auf die Zielmärkte in Afrika übertragen kann.

FinTech-Übernahme in der EU

Daneben gibt es eine weitere interessante Entwicklung auch in Europa zu vermelden. Im Januar 2020  vermeldete Opera die Übernahme eines Banking-as-a-Service-Startups aus Estland. Mit Pocosys erwirbt Opera neben der White Label Banking Software zum Aufbau einer Challenger Bank (vergleichbar N26) auch Kundenbeziehungen in Japan, Ghana und UK sowie eine Bank-Lizenz in der EU (bisher Pocopay).

Operas Pläne mit dieser Akquisition sind noch unbekannt und die Zustimmung der zuständigen Finanzmarktaufsicht steht wohl noch aus. Wir dürfen jedoch davon ausgehen, dass Opera seinen 50 Millionen Browser-Nutzern in der EU demnächst bestimmte regulierte Finanzdienstleistungen anbieten wird.

Schon heute ist es für Opera Nutzer auch in der EU möglich, den Opera Browser als Krypto-Wallet zu nutzen und z.B. Bitcoin in der Browseroberfläche mithilfe einer Mastercard oder VISA Kreditkarte zu kaufen. Es ist seit längerem das erklärte Ziel von Opera, die Massenadaption der Blockchain-Technologie unter seinen Nutzern voranzutreiben. Wir sind gespannt, ob Opera nach Abschluss der Pocopay-Übernahme zukünftig evtl. auch im Libra-Konsortium vertreten sein und dort gemeinsam mit Facebook, Shopify und Co. an der Entwicklung der Libra Payment Plattform mitarbeiten wird.

Bewertung der Opera Aktie

Bei einem Kurs von 5,20$ beträgt die Marktkapitalisierung von Opera aktuell circa $620 Millionen. Das Unternehmen verfügt über $170 Millionen Cash und hat keine wesentlichen Schulden. Der Enterprise Value beträgt circa $450 Millionen.

Der Umsatz in 2019 betrug $335 Millionen, abzüglich des FinTech-Geschäftes waren es $207 Millionen gegenüber $171 Millionen in 2018. Das heißt der Opera-Umsatz ist in 2019 gemeinsam mit der Userbasis der Opera-Produkte auch außerhalb des fragwürdigen FinTech Geschäftsbereiches gewachsen. Das EV/Sales-Verhältnis auf dieser Basis beträgt 2,2.

Opera in der Corona-Krise – Fazit

Wir sehen bei Opera keine existentiellen Bedrohungen durch die Auswirkungen der Corona-Krise. Auch wenn das Microlending-Geschäft dauerhaft geschlossen werden sollte und keinen Wert besitzt, erscheint die Opera Aktie nach herkömmlichen Maßstäben günstig bewertet. In einem positiven Szenario mit einer erfolgreichen Wiederaufnahme der Microlending-Aktivitäten unter den von Google auferlegten Regeln wäre die Aktie erheblich unterbewertet.

Das an der NASDAQ notierte Unternehmen konnte seit seinem IPO nicht das Vertrauen der internationalen Investorengemeinde gewinnen. Der Bewertungsabschlag ist erheblich – Ursache ist wohl die erklärungsbedürftige Aufstellung als europäisches Unternehmen unter chinesischer Führung mit Kernmärkten in Afrika. Daher ist Opera besonders anfällig für die Attacken von Shortsellern.

Opera ist sicherlich das spekulativste Investment in unserem Portfolio. Wir sehen mittlerweile ein zusätzliches Risiko darin, dass es für den chinesischen Großaktionär attraktiv sein könnte, das unterbewertete Unternehmen nach dem aus heutiger Sicht misslungenen IPO wieder von der Börse zu nehmen.

Dennoch bleiben wir aufgrund der großen Innovationskraft, der Flexibilität des Unternehmens und den großen langfristigen Möglichkeiten in den Emerging Markets mit relativ geringer Gewichtung in unserem Fonds investiert.

Wenn Du die spannende Entwicklung von Opera zukünftig gemeinsam mit uns weiter verfolgen und nichts verpassen willst, dann kannst Du jetzt hier unseren kostenlosen Newsletter abonnieren.


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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Opera Limited. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und  keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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