Opera OKash: Erfolgreicher Einstieg in das Fintech-Business

28. Mai 2019

Opera OKash Erfolgreicher Einstieg in das Fintech-Business - Weißes Handy mit Opera Logo

Im Januar 2019 hatte ich den Investment Case zur Opera Aktie hier im Blog vorgestellt.

Eigentlich hatte ich nicht vor, so bald schon wieder ein Update zu geben.

Aber das Unternehmen entwickelt sich momentan so rasant weiter, dass wir heute ein Update zusammengestellt haben.

In der vergangenen Woche hat Opera die Ergebnisse des Q1 vorgelegt.

Die eigenen Erwartungen wurden übertroffen, gleichzeitig wurde die Guidance für den Umsatz in 2019 deutlich nach oben korrigiert.

Die Opera-Aktie legte dann auch gleich einen zweistelligen Freudenhüpfer hin.

Opera OKash - Chartverlauf der Opera Aktie 1 Jahr
Chartverlauf der Opera-Aktie seit IPO in 2018. (Chart: Finanztreff)

Die Highlights des Q1:

  • Der Umsatz im Q1 stieg um 30 Prozent auf $51,3 Millionen.
  • Die MAU (monatlich aktive Nutzer) der Opera Produkte liegen jetzt bei über 350 Millionen.
  • Die Gewinnmargen waren im Q1 deutlich rückläufig aufgrund der Investitionen in beschleunigtes Wachstum, aber immer noch zweistellig (EBITDA-Marge 21,5 Prozent, Non-GAAP Nettomarge 10,5 Prozent).

Die Guidance für 2019:

  • Opera erwartet nun in 2019 einen Umsatz von rund $235 Millionen, das bedeutet 36 Prozent Wachstum. Bisher waren 31 Prozent prognostiziert worden.
  • Das EBITDA (non-GAAP) soll $30-45 Millionen betragen. Die Gewinnmarge wird also in 2019 deutlich zurückgehen gegenüber 2018, das mit einer EBITDA-Marge (non-GAAP) von über 38 Prozent beendet wurde.

Beschleunigung des Wachstums geplant

Der Grund dafür: Das Opera Management hat beschlossen zusätzliche $25-40 Millionen für Marketing auszugeben, um die Userbasis in Afrika, Indien, Indonesien, aber auch in Europa bis Ende 2019 zügig weiter auszubauen.

Auch Deutschland spielt in den Planungen eine Rolle.

Hierzulande will man davon profitieren, dass Google sich unter dem Druck des EU Regulators dazu bereit erklärt hat, allen Android Usern in Europa eine Wahl zwischen verschiedenen Browsern anzubieten.

Opera OKash - Wahl von Browser Alternativen auf Android
Wahl von Browser-Alternativen in Android

Mit seinem kostenlos im Browser integrierten VPN (Virtual Private Network) als Alleinstellungsmerkmal will man diese Situation ausnutzen, um gegenüber Chrome und anderen Browser-Alternativen insbesondere im Datenschutz-sensitiven Deutschland Marktanteile zu gewinnen.

Opera News ist in Afrika eine Macht

Die Etablierung von Opera News als eigenständiges Produkt neben dem Opera Browser kommt gut voraus.

Die unabhängige Opera News App erreichte im Q1 32 Millionen MAUs, das sind 62 Prozent mehr als im Quartal zuvor.

Inklusive der Mehrheit von Usern, die Opera News aus dem Opera Browser heraus nutzen, erreichen die Opera News mittlerweile 150 Millionen MAUs.

Damit gehört Opera News in afrikanischen Ländern (Nigeria, Kenia, Südafrika, Elfenbeinküste, Ägypten) sowie in Indien und Indonesien zu den führenden Nachrichten-Apps in etlichen der interessantesten Emerging Markets.

Die Monetarisierung dieser großen Nutzerzahl wird mit der Einführung von Opera Ads nun massiv vorangetrieben.

Werbekunden und Agenturen können nun programmatisch und traditionell Opera-Nutzer auf Basis derer Interessen und kontextbezogen adressieren.

Wie gut die Positionierung von Opera in Afrika ist, zeigt ein Blick auf die beliebtesten Apps in Kenya im Google Playstore.

Über alle Kategorien hinweg hat das Unternehmen mit seinem Opera Mini Browser und OKash gleich 2 Apps in den Top10 platziert.

Opera OKash auf Platz 8 der beliebtesten Apps im Google Playstore in Kenia
Opera OKash auf Platz 8 der beliebtesten Apps im Google Playstore in Kenia. (Quelle: SensorTower)

Die enorme Reichweite in Afrika ermöglicht es Opera, dort weitere Geschäftsfelder neben dem Advertising aufzubauen.

Am spannendsten ist dabei die aktuelle Positionierung im Fintech Umfeld.

Opera erobert mit OKash das Microlending Business

Opera hat Ende 2018 für knapp $10 Millionen die Microlending-App OKash akquiriert, die in kürzester Zeit in Kenia zu einer der populärsten Finanz-Apps im Google Playstore avanciert ist.

Das Geschäftsmodell ist denkbar einfach.

Sehr schnell und unkompliziert kann der User für kleinere Beträge (zum Beispiel umgerechnet 100$) einen kurzfristigen Kredit von OKash bekommen, den er in spätestens 14 Tagen wieder zurückzahlen muss.

Dafür sind 1 Prozent Zinsen pro Tag fällig.

Wenn die Kredite pünktlich zurückgezahlt werden, dann sind sukzessive auch höhere Beträge, etwas längere Laufzeiten und niedrigere Zinsen drin.

Was für unsere mitteleuropäischen Ohren zunächst nach Wucherzinsen klingt, das ist in Entwicklungsländern oft der einzige Zugang zu Geld.

Mehr als 20 Millionen Kenianer nutzen regelmäßig kurzfristige Kredite: Ein kleiner Händler kann zum Beispiel auf diese Art und Weise ohne Startkapital und Sicherheiten sein eigenes Geschäft aufbauen.

Die große Mehrheit der positiven Reviews der OKash-App im Google Playstore zeigt, dass die Endanwender die App schätzen.

Es ist erstaunlich, dass ein solcher Kredit-Service trotz der hohen Zinsen von 66 Prozent seiner Nutzer sehr positiv bewertet wird.

Opera OKash App mit 66 Prozent sehr guten Bewertungen im Google Playstore
Opera OKash mit 66 Prozent sehr guten Bewertungen im Google Playstore. (Quelle: MobileAction)

Ein nennenswertes Kreditrisiko für die eigene Bilanz des Microlenders (und damit Opera) entsteht hierbei aufgrund der Kurzfristigkeit der vergebenen Kredite nicht.

Denn schon am Ende einer Berichtsperiode ist weitestgehend klar, welche Kreditausfälle zu beklagen sind.

Diese sind dann in der jeweiligen Gewinn- und Verlustrechnung direkt verarbeitet.

Quasi aus dem Stand heraus hat Opera mit OKash im Q1 2019 einen Umsatz von $6,5 Millionen erzielt.

Das ist ein beachtlicher Umsatzanteil von 12,7 Prozent, obwohl OKash derzeit nur in Kenia verfügbar ist.

Trotz eines Kreditausfalls von $1,7 Millionen konnte OKash eine operative Marge von 58 Prozent erreichen.

Solche Renditen sind für Opera nur deshalb möglich, weil man selbst durch die große Verbreitung von Opera News in Kenia eine große Reichweite besitzt.

Dadurch mussten weniger als $1 Million an Marketing- und sonstigen produktbezogenen Kosten ausgegeben werden, um mit OKash knapp $6,5 Millionen Umsatz zu erzielen.

Opera Q1 2019 Segmentberichterstattung
Q1 2019 Segmentberichterstattung von Opera. (Quelle: Opera)

Diese Zahlen zeigen wie attraktiv dieses neue Geschäftsfeld für Opera ist. Und welche Synergien zwischen Opera Browser, Opera News und dieser FinTech-Anwendung OKash vorhanden sind.

Ich bin sehr gespannt, wie die weitere Entwicklung des neuen Fintech-Geschäftsfeldes verläuft.

Die Internationalisierung der OKash App ist im weiteren Jahresverlauf geplant.

Für 4 weitere Ländern besitzt man bereits eine entsprechende Lizenz für das Kreditgeschäft.

Mittelfristig ist zu erwarten, dass in Kooperation mit OPay, an der Opera mit 20 Prozent beteiligt ist, weitere Finanzdienstleistungen von Opera vermarktet werden.

Opera OKash und Q1 Zahlen: Fazit

Es deutet vieles daraufhin, dass Opera schon in 2020 circa 20 Prozent seines Umsatzes aus dem neuen Fintech-Geschäftsfeld erwirtschaften kann.

Damit sinkt die Abhängigkeit von Google, die nach wie vor eines der größten Risiken der Opera-Aktie darstellt.

Der durch die Google-Partnerschaft geprägte Search-Umsatz ist schon im Q1 2019 von 51 Prozent auf 40 Prozent Anteil am Gesamtumsatz zurückgegangen.

Das ist immer noch zu viel, aber der Trend ist eindeutig rückläufig und damit sehr positiv zu sehen.

Wir gehen davon aus, dass sich das Umsatzwachstum bei Opera und die Entkoppelung von Google in den kommenden Quartalen sogar noch beschleunigen.

Allerdings wird dieses Wachstum zunächst zu Lasten der bisher komfortablen Gewinnmargen gehen.

Diese Strategie des aggressiven Wachstums macht insbesondere aufgrund der vielversprechenden Positionierung in Afrika viel Sinn.

Die Aktie fliegt weiter unter dem Radar der meisten professionellen Investoren.

Wir halten Opera für einen der spannendsten IPOs aus 2018 überhaupt.

Der Opera Anteilschein ist aktuell eine der Top10-Positionen im Portfolio von The Digital Leaders Fund.


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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Opera Limited. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und  keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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