Opera – Ein Tritt auf die Euphoriebremse

27. August 2019

Opera Q2 2019 - Ein Tritt auf die Euphoriebremse - Bild von Handy und Opera Browser

Wir hatten in 2019 schon zweimal über unseren Portfoliowert Opera Limited geschrieben – nach unserer Einführung in die Opera Investmentstory vom Januar hatte wir im Mai den erfolgreichen Einstieg in das Fintech-Business gewürdigt.

Normalerweise geben wir Updates zu unseren Portfoliounternehmen aus gutem Grund nur alle 6-12 Monate – wir wollen als langfristig agierende Investoren das Quartalsdenken nicht noch zusätzlich durch eine regelmäßige Quartals-Berichterstattung befeuern. Aber im Falle Opera müssen wir aktuell eine Ausnahme machen. Das Unternehmen entwickelt sich derzeit in einer so hohen Geschwindigkeit weiter, dass wir diese Neuigkeiten zeitnah an Euch weitergeben wollen.

Zumal sich der Kurs des Opera Anteilscheins (Opera ADS) seit unserem ersten Beitrag vom Januar annähernd verdoppelt hat und wir kritisch hinterfragen müssen, ob diese Entwicklung auch fundamental begründet ist.

Opera Q2 2019 - Verlauf Aktienkurs Opera Aktie

Die Geschäftsentwicklung im Q2 2019

Die Umsatzentwicklung bei Opera im Q2 2019 war herausragend gut. Das Umsatzwachstum beschleunigte sich deutlich auf 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Umsatz im Q2 betrug $61,7 Millionen. Der hauptsächliche Grund dafür ist der sensationelle Start des Microlending-Business OKash in Kenia und nun auch in Indien. Im Q2 war dieses in 2019 neu entwickelte Geschäftsfeld bereits für 19 Prozent des Gesamtumsatzes beziehungsweise $11,6 Millionen verantwortlich, im Q1 waren es 13 Prozent.

Das Stammgeschäft rund um Suche und Advertising im Browser wurde um weniger spektakuläre 12 Prozent gesteigert. In den kommenden Quartalen soll auch das Advertising-Geschäft wieder stärker wachsen. Da man nun seit kurzem eine eigene Plattform zur direkten Vermarktung der Werbeplätze (“Opera Ads”) zur Verfügung hat.

Die Userbasis für Opera News wuchs inkl. der Nutzer im Browser weiter kräftig auf 163 Millionen MAUs (+61 Prozent). Derzeit kommen pro Quartal 20 Millionen neue Nutzer hinzu. Die Anzahl der Nutzer der Opera News App sprang gegenüber dem Vorjahr um 250 Prozent auf 37 Millionen MAUs.

Dieses beschleunigte Wachstum kostet zunächst einmal viel zusätzliches Geld. Im Gegensatz zu einem deutlichen operativen Gewinn im Vorjahreszeitraum musste man für das Q2 2019 einen Verlust i.H.v. $3 Millionen ausweisen. Darin enthalten sind auch Abschreibungen auf Kredite aus dem OKash-Business i.H.v. knapp $6 Millionen.

Opera Q2 2019 - Bilanz 2018 vs 2019

Auch der Cashflow ist insbesondere durch den Einstieg in das Microlending-Geschäft deutlich in den negativen Bereich abgetaucht. Derzeit stammen die ausgegebenen Kredite ausschließlich aus eigenen Mitteln und belasten die Bilanz. Angesichts eines Cashbestandes von $179 Millionen zum 30. Juni 2019 war dies bisher auch problemlos möglich. Sollte das Kreditgeschäft in den kommenden Quartalen tatsächlich in ganz neue Dimensionen wachsen, so muss man sicherlich über das Anzapfen anderer Kapitalquellen nachdenken.

Opera Q2 2019 Cash Flow 2018 vs 2019

Das Opera Management schafft es in Rekordzeit, die Abhängigkeit von Google als wichtigstem Partner und Kunden zu verringern. Im Q2 betrug der Anteil von Search am Umsatz noch 34,7 Prozent nach 49,6 Prozent im Vorjahresquartal. Obwohl das Unternehmen im Gespräch uns gegenüber betont hat, dass man eine hervorragende Beziehung zu Google pflegt, hatten wir diese Abhängigkeit bisher als größtes Risiko für das Opera-Geschäft angesehen. Dieses Risiko ist durch die aktuelle Umsatzentwicklung bereits heute deutlich entschärft. Und es wird in den kommenden Quartalen wohl weiter zügig sinken.

Opera Q2 2019 - Überblick Zahlen der einzelnen Geschäftsbereiche

Deutlich erhöhte Guidance für 2019

Ein Paukenschlag ist die deutliche Erhöhung der Umsatzerwartung für 2019. Anfang des Jahres waren wir noch von einem Umsatzwachstum von gut 30 Prozent in 2019 ausgegangen. Jetzt hat das Opera Management aufgrund der herausragenden Entwicklung im Fintech-Bereich seine eigene Guidance auf über 60 Prozent Wachstum heraufgesetzt. OKash ist in den vergangenen Wochen auch in Indien gestartet. Die ersten (nicht veröffentlichten) Zahlen deuten wohl darauf hin, dass dieser Microlending-Service auch dort ein großer Erfolg werden könnte.

Opera erwartet nun einen Gesamtumsatz von circa $280 Millionen in 2019. Das Wachstum wird sich im 2. Halbjahr also weiter beschleunigen. Für das Q3 dürfen wir (auch aufgrund eines relativ schwachen Vorjahresquartals) sogar ein Wachstum von circa 100 Prozent erwarten.

Die Guidance für das EBITDA (non-GAAP) wurde trotz der großen Steigerung beim Umsatz nur geringfügig auf circa $40 Millionen angehoben. Wir rechnen für das Gesamtjahr nun mit einem negativen Cashflow.

OPay – Eine weitere afrikanische Erfolgsstory

Unter dem Namen ORide („powered by OPay“) hat sich in Nigeria eine All-In-One-App etabliert, die mehrere Dienste wie Payment, Fahrdienste und Essenslieferung gemeinsam vermarktet. In Nigeria ist diese App derzeit ganz vorne was die Downloadzahlen im Bereich Finance angeht. Bei der erfolgreichen Vermarktung hilft die enorme Reichweite von Opera in Nigeria.

Opera Q2 2019 - Überblick App Store Opera Nummer 1

Nach einer $50 Millionen Kapitalerhöhung bei OPay (nicht zu verwechseln mit OKash) ist Opera Limited noch mit circa 20 Prozent an OPay beteiligt. Auch der Microlending-Service von OKash soll in Nigeria demnächst in dieser Super-App starten.

Es wird sich am Beispiel von OPay zeigen, inwieweit die chinesischen Eigentümer von Opera den Shareholder Value – Gedanken verinnerlicht haben. Wir werden jedenfalls ganz genau hinschauen, wie sich OPay weiterentwickelt und ob auch wir als Opera Shareholder angemessen am derzeit großen Erfolg von OPay partizipieren.

Neue Chancen bergen neue Risiken

Das Opera Management muss aufpassen, dass es mit seinem boomenden Fintech-Business nicht in neue Abhängigkeiten rutscht. Denn dieses Geschäft steht und fällt mit den entsprechenden Regulatoren in den Zielmärkten der Emerging Markets. In Kenia gab es in der Presse bereits deutliche Kritik an den neuen Online-Lendern wie OKash. Tatsächlich kann man angesichts der hohen Zinsen von circa 1 Prozent pro Tag für kurzfristige Darlehen darüber streiten, ob der Bevölkerung dort mit solchen Angeboten wirklich geholfen ist. Auch unsere kritischen Fragen diesbezüglich konnten von Opera bisher nicht erschöpfend beantwortet werden.

Allerdings erkennt man schon anhand der hohen Kreditausfälle im abgelaufenen Quartal, dass Microlending auch im Zeitalter der Digitalisierung ein Hochrisikogeschäft ist, das mit hohen Zinsen arbeiten muss, um profitabel zu sein. Wir sehen es grundsätzlich als positiv für die Endkunden, dass diese durch neue Online-Lending-Angebote wie OKash aus der Abhängigkeit von skrupellosen Offline-Kredithaien befreit werden. Opera muss nun in Zusammenarbeit mit den Regulatoren beweisen, dass man ein solches Geschäft nicht nur kaufmännisch erfolgreich, sondern auch gesellschaftlich verantwortlich  aufbauen kann. Wir werden das weiterhin genau beobachten.

Opera Q2 2019 Fazit – Die Bewertung des Opera ADSs

Es gibt derzeit circa 110 Millionen ADSs. Bei einem Kurs von 13$ und einem Cashbestand von $178 Millionen beträgt der Enterprise Value des schuldenfreien Unternehmens circa $1,3 Milliarden.

Das entspricht einem EV/Sales-Verhältnis von 4,5 auf Basis der Zahlen von 2019. Das klingt natürlich erstmal günstig für ein Unternehmen, das in diesem Jahr organisch um weit mehr als 50 Prozent wächst. Allerdings gibt es gute Gründe – auch in der Corporate Governance -, warum Opera günstiger bewertet ist als vergleichbare US-Wachstumsunternehmen. Erst die nächsten Jahre werden zeigen inwiefern dieser Wachstumssprung nachhaltig, ethisch und zugleich profitabel ist.

Dennoch freuen wir uns natürlich über diese Entwicklung bei Opera und bleiben vorsichtig optimistisch für unseren Portfoliowert. Aber wir sind nicht naiv oder gar euphorisch und sehen den volatilen Opera ADS daher “nur” als gute Halteposition im Portfolio des DLF.


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The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Opera Limited. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und  keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit 30 Jahren erfolgreich in Aktien und ist Co-Founder des Digital Leaders Fund.

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