PC Partner Aktie: Stabilität im Schweinezyklus?

29. September 2022

PC Partner Aktie

Rezessionsängste, Krypto-Winter, China-Wehen, Abschwung im Halbleiter-Schweinezyklus. Keine leichten Zeiten für die PC Partner Aktie. Diese Woche fiel die Aktie im Nachgang der negativen Nachrichtenlage um die neue Produktgeneration von NVIDIA besonders stark. Wir haben uns die Attribute der neuen Grafikkarten und die Auswirkungen auf PC Partner näher angeschaut.

Präsentation der neuen NVIDIA Geforce Generation im Kontext des Apple Events

Apple hatte die neue Produktpalette mit relativ stabilen Preisen am 7. September vorgestellt. Wie wir berichtet hatten, boten die meisten Geräte nur inkrementelle Verbesserungen. Nach einer kurzen Euphoriephase, in der Apple eine steigende Nachfrage in Aussicht gestellt hatte, wurden die Zulieferer jetzt informiert, dass die Verkaufszahlen im zweiten Halbjahr auf Vorjahresniveau erwartet werden.

Auf der Developer Conference GTC 2022 am 20. September war jetzt auch NVIDIA dran. Drei neue Grafikkarten wurden vorgestellt: die RTX 4090, RTX 4080 mit 16 GB und RTX 4080 mit 12 GB.

Die Umfrage von PC Games Hardware fasst die Reaktionen zusammen: Die technischen Features der 4090 (AD 102-300 mit 384 Bit Bus und 16.385 Cuda Cores) überzeugten rund 70 Prozent der Befragten. Auch bei der 4080 16 GB (Ad 103-300 GPU mit 256 Bit Bus und 9728 Cuda Cores) sah es gut aus: über 60 Prozent der Befragten waren vollständig oder größtenteils überzeugt.

Das Problemkind der Reihe ist die kleine 4080 12 GB: nur 17 Prozent der Befragten sind von den technischen Eigenschaften überzeugt. Das liegt sowohl am AD 104-400 Prozessor, der nicht einmal halb so viel kann wie der große Bruder im Flaggschiff Modell, aber auch am mickrigen 192 Bit Bus (die alte 3060 Ti hatte einen 256 Bus) als auch an den gerade einmal 7680 Cuda Cores. Auf YouTube reden sich manche Geeks so richtig in Rage: Vom Etikettenschwindel ist die Rede, die Karte verdiene es gar nicht, 4080 genannt zu werden.

Ist mit zwei von drei positiven Ausstattungsbewertungen alles im grünen Bereich? Mitnichten. Der Elefant im Raum ist für die Vlogger der Preis. Die 1599 Dollar (Europa: 1949 €) für das Top Modell 4090 kritisieren 75 Prozent der von PC Games Hardware Befragten als viel zu hoch und 20 Prozent als etwas zu hoch. Noch schlimmer kommt es bei den 4080 Varianten: Der Preis von 1199 US Dollar (1469 Euro) bei der 16 GB Version ist für 93 Prozent viel zu hoch, bei den 899 Dollar (1099 Euro) der 12 GB sind es ebenfalls massive 91 Prozent.

Nicht alles wird so heiß gegessen wie es gekocht wird

Vergleicht man die Preise allerdings mit den Preisen der alten Generation, so relativiert sich die Empörung. Die 3090 Baureihe debütierte letztes Jahr im Frühjahr 2022 ebenfalls mit Preisen über 2000 Dollar.

Außerdem ist anzunehmen, dass Nvidia den Preis extra hoch angesetzt hat, damit die Bestände der alten Produktreihe zunächst liquidiert werden können. Preissenkungen stehen also um die Ecke. Außerdem wird das angekündigte Trio in den nächsten Wochen und Monaten um weitere günstigere Variationen der Karte ergänzt werden. Der von Influencern auf Youtube angeheizte Ärger erscheint damit etwas künstlich.

Allerdings ist nachfrageseitig schon davon auszugehen, dass die Konsumenten im aktuellen Umfeld preissensitiver geworden sind. Wir gehen angesichts der globalen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten von einem schleppenden Start aus.

Mittelfristig werden die Preise aber hoch bleiben. Laut Nvidia-CEO Jensen Huang fallende Chip-Preise Geschichte. Moore‘s Gesetz, nach dem sich die Leistungsfähigkeit von Chips alle zwei Jahre verdoppelt, stößt aufgrund physikalischer Gesetze an seine Grenzen. Für Gamer wird’s laut Huang aufgrund steigender Komponentenkosten damit dauerhaft teurer.

Es gibt aber noch mehr Neuigkeiten. Das kalifornische EVGA war seit über 20 Jahren einer der wichtigsten (der aktuell sechs) Hersteller von Nvidia-basierten Grafikkarten. Kürzlich gab EVGA bekannt, keine Grafikkarten mehr herzustellen. Presseberichte begründen das mit Frust über die mangelnde Einbindung bei der Entwicklung neuer Produkte. Das mag aber einfach vielmehr daran liegen, dass es nicht ökonomisch ist, aus den USA heraus Grafikkarten herzustellen.

Der Exit ist sogar gut für die verbleibenden exklusiven Hersteller wie PC Partner, denn die Marktanteile, vor allem im amerikanischen Markt, werden an die verbleibenden 5 Partner verteilt.

Auswirkungen für die PC Partner Aktie

Wir hatten heute die Gelegenheit, den CFO zu den aktuellen Finanzzahlen im Zoom Call zu löchern. Das dritte Quartal ist, wie bereits vorhergesagt, umsatzschwach. Nach einem sehr mageren Juli und August scheint sich mit der “Back to School” Jahreszeit im September bereits eine Verbesserung abzuzeichnen. Operativ bedeutet das für das Quartal breakeven oder einen minimalen Verlust, auch das also wie erwartet. Positiv ist zu nennen, dass bisher außerhalb von China kaum gebrauchte Karten auf dem Markt aufgetaucht sind, die Angst vor Mining Karten scheint also überzogen. Der schwache Renminbi (rund 10 Prozent tiefer seit April) hält außerdem die Fertigungskosten niedrig.

Der Cash Bestand liegt auch nach Zahlung der Halbjahresdividende (eine Rendite von 18 Prozent auf den aktuellen Preis!) immer noch bei rund 2,3 Milliarden Hongkong Dollar (304 Millionen Euro). Bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von 1,7 Milliarden HKD (225 Millionen Euro) bedeutet das, dass man das gesamte Geschäft geschenkt bekommt. Dazu gehören aktuell noch Warenbestände von circa 2,3 Milliarden Hongkong Dollar (278 Millionen Euro). Dazu gehören bereits Komponenten für die neue Generation.

PC Partner hat sich auch in der Abwärtsphase des letzten Schweinezyklus (2018) in der Industrie relativ gut gehalten. Man hatte zwei negative Halbjahre (2H 2018 und 1H 2019). Diesmal war man sehr gut vorbereitet, sodass das Unternehmen sehr gut dasteht.

Auf Basis des Jahres 2021 und des ersten HJ 2022 hat die Aktien ein KGV von unter 1, bei einer Dividendenrendite von über 50 Prozent. Das geht jetzt natürlich angesichts der Zyklizität nicht so weiter. Auf jeden Fall ist PC Partner mit einem P/B von 0.5 unter einem negativen Enterprise Value eine der billigsten Aktien in unserem Anlageuniversum. Mit einer operativen Marge von 22 Prozent liegt das Unternehmen unter den fertigenden Unternehmen ebenfalls an der Spitze, wir erhöhen daher die Position der PC Partner Aktie im EMDL.

Pc Partner Aktie Peer Group Vergleich

Disclaimer

EM Digital Leaders  und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Pc Partner. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Steffen Gruschka

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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