Peloton Aktie: Wie es nach dem 50 Prozent Crash weitergeht?

1. Oktober 2021

Peleton Aktie

Wir gehören zu den frühen Investoren von Peloton. Wenige Monate nach dem IPO haben wir mitten in den Corona-Crash im März 2020 Peloton Aktien gekauft und erklärt, warum sich das Unternehmen zu einer Alternative für Fitnessstudios entwickeln könnte. In kurzer Zeit hat sich das Unternehmen in Nordamerika, UK und Deutschland zu einem Kulturphänomen und zu einem Schwergewicht im Markt für Connected Fitness etabliert. Im gleichen Zeitraum hat sich der Aktienkurs zunächst von unter 20 auf über 160 Dollar verachtfacht. Seit Jahresanfang haben Aktionäre aber wenig Freude mit dem Investment; die Peloton Aktie hat sich seitdem nahezu halbiert. Was ist passiert?

Peloton Aktie Kurs Chart
Peleton Aktie Kurschart

Peloton Aktie: Enttäuschende Q4 Zahlen

Die Zahlen für das vierte Quartal 2021, das bei Peloton am 30 Juni endet, fielen enttäuschend aus. Der Umsatz stieg mit 54 Prozent auf 937 Millionen Dollar knapp höher als von Analysten erwartet. Doch das Wachstum verliert an Dynamik; in den zwei Quartalen zuvor lag der Umsatz noch über eine Milliarde Dollar.

Peloton Umsatz pro Quartal Übersicht
Peloton Umsatz pro Quartal Übersicht. Quelle: Peloton

Peloton hat die Anzahl der Connected Fitness Subscriber, also Abonnenten, die zudem noch mindestens ein Fitnessgerät von Peloton haben, um 114 Prozent auf 2,33 Millionen steigern können. Hier ist das Wachstum weiterhin intakt. Die Zahl der rein digitalen Abonnenten ist sogar um 176 Prozent auf 874.000 gestiegen.

Peloton Subscritions Entwicklung Chart
Peloton Subscritions Entwicklung Chart. Quelle: Peloton

Mit Spannung war erwartet worden, wie hoch die Verluste nach einer Pannenserie bei Laufbänder im Frühjahr ausfallen würden. Peloton hatte zunächst auf dutzende Verletzungen und einem tödlichen Unfall von einem Kind trotzig auf die Warnungen der U.S. Consumer Product Safety Commission im April reagiert. Nach einem Monat folgte eine öffentliche Entschuldigung des CEOs und der Rückruf der Laufbänder Tread+ und Tread. Die Umsatzverluste hielten sich noch in Grenzen, die Folgen für die Profitabilität fielen jedoch verheerend aus.  Der Nettoverlust von 313 Millionen Dollar lag deutlich höher als erwartet. Im Vorjahresquartal hatte man noch einen Gewinn von 89 Millionen erwirtschaftet. Entsprechend fiel die Bruttomarge von ca. 40 auf nun 27 Prozent. Deutlich mehr Kunden als erwartet hatten von der Rückrufaktion Gebrauch gemacht und somit die Kosten ausufern lassen.

Kostenexplosion

Nun könnte man dazu neigen, die Explosion der operativen Kosten (+172 Prozent) mit Einmaleffekten zu erklären. Doch bei Peloton sind auf breiter Front die Kosten deutlich angestiegen. Neben höheren Material- und Frachtkosten gibt Peloton wieder deutlich mehr für Vertrieb und Marketing aus (+169 Prozent), nachdem man die Produktion hochgefahren und die Lieferzeiten wieder deutlich verkürzt hat. Die allgemeinen Verwaltungskosten sind nicht zuletzt auch nach der Übernahme von Precor um über 160 Prozent hochgeschnellt. Aufwendungen für F&A sind sogar um 230 Prozent nach oben katapultiert. 

Das Kostenniveau wird künftig weiter steigen. Peloton hätte in den letzten Quartalen deutlich mehr umsetzen und in mehr Ländern expandieren können, wenn die Produktionskapazität höher gewesen wäre. Kunden mussten mehrere Monate auf ihre Räder und Laufbänder warten. Daher hatte man die Marketingausgaben auch deutlich reduziert. Wachstum soll künftig nicht mehr durch Produktionsengpässe begrenzt werden. Nach der Übernahme des Lieferanten Tonic aus Taiwan 2019 und von Precor 2020 will man nun 400 Millionen Dollar in eine große Fertigungsanlage für Fitnessgeräte in Ohio investieren. Das Management glaubt also weiterhin an die Hyper-Growh-Story, die höheren Fixkosten birgt allerdings auch Risiken für die Profitabilität.

Enttäuschender Ausblick

Peloton will mit aller Macht eine breitere Konsumentenschicht erreichen. In den vergangenen Quartalen wurde die Preise sukzessive reduziert (Finanzierung ohne Zinsen, Preisreduktion beim Bike nach Einführung Bike+, niedrigere Abokosten für bestimmte Berufsgruppen u.a.). Der Preis für das ursprüngliche Bike wurde nun sogar um 400 auf 1495,- Dollar reduziert. Das wird sich in den Margen in den nächsten Jahren bemerkbar machen. Kritiker mögen hier erste Signale erkennen, dass die Nachfrage nachlässt, der Wettbewerb zunimmt und die Akquisekosten steigen.

 

Das Laufbandmodell Tread wird seit Ende August wieder in den USA vertrieben, nun allerdings mit neuer Software und einer Hardware, die weitere Unfälle verhindern sollt. Für Tread+ wurde allerdings bisher kein Launch-Datum genannt.

 

Für ersten Quartal 2022 geht Peloton nun von einem Umsatz von 800 Millionen Dollar aus. Die Preiskürzung bei Bike und der geringe Beitrag von Tread belasten die Erlöse. Analysten waren bisher von über eine Milliarde Dollar Umsatz ausgegangen. Die Zahl der Connected Fitness Abonnenten soll auf 2,47 Millionen steigen;  auch das ist eher enttäuschend, so auch die Bruttomarge, die nun mit 33 Prozent angegeben wird. Für das Gesamtjahr gab man sich beim Umsatz optimistischer mit 5,4 Milliarden Dollar.

Wie geht es weiter bei Peloton und der Peloton Aktie?

Die verwöhnten Peloton-Investoren konnten somit nicht zufrieden sein mit den Zahlen, der Aktienkurs hat seither deutlich nachgegeben. Aktuell liegt der EV/Sales bei nur noch knapp über 6.

Peloton EV-Sales Verhältnis Chart
Peloton EV/Sales Verhältnis Chart

Ob das teuer oder attraktiv ist, hängt davon ab, welche Erwartungen man an Peloton hat. Wenn man Peloton für einen zyklischen Hardwarehersteller mit Bruttomargen um ca. 30 Prozent hält, dann ist die Peloton Aktie immer noch völlig überbewertet.

Ich gehöre nicht dazu. Connected Fitness ist ein säkularer Trend, ein Markt, in dem die Anteile jetzt verteilt werden. Peloton CEO John Foley will mit seiner Hardware eine zügige und maximale Markdurchdringung erreichen, um langfristig Kunden zu binden und am Content Streaming Geld zu verdienen. Im digitalen Zeitalter, wo „Sofortness“ ein großer Wettbewerbsvorteil ist, will Peloton Produktion und Lieferzeiten selbst bestimmen und investiert daher massiv in Fertigungsanlagen und Mitarbeiter. Das ist auch die Voraussetzung für eine Expansion in neue Länder, für die Entwicklung neuer Produkte und für die Erschließung neuer Kundensegmente.

Aufgrund der Kapazitätsengpässe hat sich Peloton bisher in wenige neue Länder ausgebreitet. Das Markteintritt in Australien verläuft nach Management-Angaben sehr gut. Mit Tonic hat man in Taiwan eine Produktion, über die langfristig der asiatische Markt bedient werden kann. Den US-Bedarf wird man mit der Produktion in USA bedienen können.

Peloton verfolgte bisher nur eine B2C Strategie. Nun ist man in das Geschäft mit Firmenkunden (Samsung, Accenture, Nasdaq) und ins Hospitality Geschäft eingestiegen. Schon jetzt gibt nach eigenen Angaben tausende von Hotels, die Peloton Bikes oder Laufbänder führen. Auf einer Goldman Sachs Konferenz bemerkte CEO Foley, dass für jedes Fahrrad, das man in Hotels aufstellen würde, Peloton sieben neue Fahrräder verkaufen würde. Hotels und Geschäfte als Showrooms für Peloton Fitnessgeräte halte ich für sehr smart. Auf der Peloton Seite kann man heute schon nachschlagen, welche Hotels Peloton Bikes führen, so dass man als Abonnent auf Reisen nicht mehr das Fitnessprogramm pausieren muss. Anbei die Hoteldichte mit Peloton Bikes in New York:

Hoteldichte mit Peloton Bikes in New York
Hoteldichte mit Peloton Bikes in New York. Quelle: Peloton

Mit der der Übernahme von Precor hat man zudem ein professionell geschultes Vertriebsteam, das schon bisher Universitäten, Fitnessstudios, Mehrfamilienkomplexe und Unternehmen adressiert. 

2022 wird ein Übergangsjahr bei Peloton, das im Zeichen von Investition und Expansion steht. Mit Spannung schauen wir darauf, wie gut das neue Tread in den USA angenommen wird. Tread+ wird vermutlich in den kommenden Quartalen werden. Den Markt für Laufbänder schätzt Foley Faktor 2-3 mal höher als den für Bikes. Ab 2023 sollen auch wieder die Margen anziehen und Gewinne erwirtschaften werden. Peloton hat sich zu einer Kultmarkte im Markt für Connected Fitness entwickelt. Nach dem Absturz der Peloton Aktie halte ich einen weiteren Kursverfall für limitiert, bei einer weiteren Korrektur ist das Unternehmen sogar ein Übernahmetarget.

Disclaimer
The Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Peloton. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Baki Irmak

Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanger bei der Commerzbank und ABN Amro.

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3 Antworten

  1. Mit welchen Techniken der Risikobegrenzung oder -reduzierung kann ein professioneller Anleger heute mit der extremen Volatilität von Modeaktien oder Meme-Stocks zurechtkommen?

    Wie wechselt man von den Gewinneraktien des Jahres 2019 zu denen des Ausnahmejahres 2020 und weiter zu den Überfliegeraktien von 2021 sowie zukünftig 2022 ohne die seither erzielten Gewinne überwiegend wieder zu verlieren?

    Rückblickend betrachtet war es bisher nur sinnvoll während dem kurzen Zeitraum von März 2020 bis August 2020 in Peloton investiert zu sein – gerade einmal sechs Monate.

    An dieser Frage ist beispielsweise Bill Hwang mit seinem Family Office Archegos Capital Management bereits am Anfang des Jahres gescheitert – auch wegen der fünffachen Hebelung der riskanten Investments.

    Siehe auch verlinkt die wie lehrbuchhaften „Hot Money“ Zuflüsse im Ark Innovation ETF.

    1. Ja, das ist leider so. Wir reduzieren unsere Gewichtung, wenn die Kurse viel Zukunft vorwegnehmen und kaufen wieder, wenn die Bewertung attraktiver ist. Das war bei Peloton, Etsy, Pinterest u.a. richtig. Bei Sea limited, TTD, Upstart & Co war es bisher immer falsch. Wenn Bewertungsniveaus ingesamt steigen wird das Risikomanagement anspruchsvoller. Entscheidend ist die Zusammensetzung des Gesamtportfolios. Irgendwann greift wieder „Reversion to the Mean.“

  2. Hi
    Peloton ist ein unglaublich spannendes Unternehmen. Das Konzept wirkt auf den ersten Blick nicht wirklich einzigartig, aber der Brand ist stark und diese Abos scheinen wirklich sehr populär zu sein. Sie setzen das Konzept sehr gut um.
    Wird interessant sein, wie sich das Unternehmen entwickelt. Gratulation, dass ihr so früh das Potential gesehen habt.
    Beste Grüsse

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