Quartals Updates: Alibaba, Baidu, XP und TBC Bank

24. Februar 2023

Quartalszahlen Alibaba, Baidu, XP, TBC Bank

Einige Portfolio Holdings des Emerging Markets Digital Leaders und China Digital Leaders haben Quartalszahlen berichtet. Das Covid-Regime und die Zinserhöhungen weltweit haben Spuren hinterlassen, aber es gibt auch Lichtblicke. Vor allem China Tech hat sich erstaunlich gut geschlagen.

Alibaba – Gute Zahlen und KI-Phantasie oben drauf

Alibaba übertraf die Erwartungen der Analysten in seinen Donnerstag morgen veröffentlichten Finanzergebnissen für das vierte Quartal trotz der Herausforderungen durch die abrupte Umkehr in der Zero-Covid Politik und die daraus resultierende landesweite Infektionswelle.

Der Umsatz stieg um 2 Prozent auf 247 Milliarden Yuan (36 Milliarden Dollar) gegenüber Analystenerwartungen von 245 Milliarden Yuan (35 Milliarden Dollar). Der Nettogewinn lag bei 46,8 Milliarden Yuan und damit 69 Prozent höher als im Vorjahresquartal. Analysten waren mehrheitlich von 35 Milliarden Yuan ausgegangen. Die Erhöhung der Profitabilität ging einher mit effektiven Kostensenkungen: 2022 hat Alibaba 19.000 Angestellte entlassen.

Looking ahead, we expect continued recovery in consumer sentiment and economic activity.

Der Umsatz von Alibabas größtem Geschäftsbereich, dem einheimischen chinesischen E-Commerce, belief sich auf 170 Milliarden Yuan, was einem Rückgang von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Es war bereits das dritte Quartal in Folge, dass dieses Segment eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen hatte. Hauptsächlich war dies auf einen Rückgang der Einnahmen aus dem Marketing- und Werbegeschäft mit Händlern auf seinen E-Commerce-Plattformen Taobao und TMall zurückzuführen.

Inmitten einer Verlangsamung seiner Aktivitäten in China hat Alibaba über sein südostasiatisches Geschäft Lazada und die globale E-Commerce-Website AliExpress weiter Wachstumspotenzial in Überseemärkten gesucht. Die Einnahmen aus dem internationalen Handel stiegen im Jahresvergleich um 18 Prozent auf 19,47 Milliarden Yuan.

Alibaba meldete einen Cloud-Umsatz von 20,18 Milliarden Yuan, 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Vorquartal hatte der Umsatzanstieg noch 4 Prozent betragen. Von Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent wie in der Vergangenheit bleibt das Unternehmen weit entfernt. Cloud Computing macht nur 8 Prozent des Umsatzes von Alibaba aus, wird aber von Analysten weiterhin als zukünftiger Wachstumstreiber des Unternehmens angesehen. Natürlich durfte auch in Alibabas Earnings Call der Hinweis nicht fehlen, dass es ebenfalls an einer ChatGPT-ähnlichen Technologie arbeite. Generative KI erfordert riesige Mengen an Datenverarbeitung, um ein KI-Modell zu trainieren. Dafür braucht es viel Rechenleistung, die Cloud-Unternehmen bieten könnten.

Der freie Cashflow nahm im Jahresvergleich um 15 Prozent zu. Für das Dezemberquartal gab Alibaba bekannt, dass es im Rahmen seines Aktienrückkaufprogramms 45,4 Millionen American Depositary Shares für etwa 3,3 Milliarden Dollar zurückgekauft hat.

Alibaba ist derzeit damit beschäftigt, Hongkong zu einer „primären“ Notierung für seine Aktien zu machen. Dies würde den Weg für Investoren aus Festlandchina ebnen, Alibaba Aktien über den Southbound Stock-Connect der Hongkonger Börse direkt zu handeln.

Baidu: Erwartungen übertroffen, Rückkaufprogramm ausgeweitet

Baidu hat heute die Finanzergebnisse für das vierte Quartal veröffentlicht. Zugegebenermaßen hat das Unternehmen in einem herausfordernden Quartal, das durch eine landesweite Covid-Infektionswelle geprägt war, großartige Arbeit geleistet.

Der Umsatz übertraf die Analystenerwartungen und war mit 33,077 Milliarden Yuan (4,8 Milliarden Dollar) im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig: Im 4. Quartal 2021 lag dieser noch bei 33,088 Milliarden Yuan. Die Kosten wurden niedrig gehalten: Insgesamt beliefen sich diese auf 28 Milliarden Yuan gegenüber 31 Milliarden Yuan im Vorjahresquartal. Der bereinigte Nettogewinn (non-GAAP) stieg auf 5,371 Milliarden Yuan (779 Millionen Dollar) gegenüber Analystenerwartungen von 4,737 Milliarden Yuan und 4,625 Milliarden Yuan im 4. Quartal 2021. Wenn man mal auf den nicht-bereinigten Nettogewinn abstellt, hat sich dieser fast verdreifacht. Der bereinigte Gewinn pro Aktie stieg auf 15,25 Yuan (2,21 Dollar) gegenüber Analystenerwartungen von 13,88 Yuan und 11,60 Yuan im 4. Quartal 2021. Der freie Cashflow bleibt mit knapp 18 Milliarden Yuan (2,6 Milliarden Dollar) stark. Das Unternehmen hatte Ende 2022 beeindruckende 26,9 Milliarden Dollar an Barmitteln und Wertpapieren in seiner Bilanz. Daher ist es nicht überraschend, dass das Unternehmen bekannt gegeben hat, sein Aktienrückkaufprogramm bis 2025 um 5 Milliarden Dollar auszuweiten.

CEO und Gründer Robin Li sprach im Earnings Call über das Potenzial des hauseigenen Chat GPT-ähnlichen ERNIE Bot und den diesbezüglichen First-Mover-Advantage von Baidu in China. Dazu kommt, dass ausgerechnet am gleichen Tag bekannt wurde, dass die chinesische Regierung das amerikanische ChatGPT verboten hat. Ein weiterer Heimvorteil, den Baidu nun geschickt nutzen muss. Baidu hat mit seinem KI-Cloudgeschäft, dem Fokus auf das autonome Fahrsystem Apollo und der Einführung von Robotaxis eine neue, zukunftsträchtige Nische außerhalb des Suchdienst Geschäfts geschaffen. Auch hier in diesem Segment wird der ERNIE Bot Einzug halten. Leider gab es im Earnings Call keine expliziten Leitlinien für das erste Quartal 2023, da die Regeln der Hongkonger Börse dies nicht erlauben. Dennoch hat das Unternehmen seine Aussichten positiv bewertet.

2022 was a challenging year, but we used this period to prepare the company for better times. In 2023, we believe we have a clear path to reaccelerate our revenue growth, and we are now well positioned to make use of the opportunities that China's economic recovery offers us.

Die Baidu Aktie stieg zu Handelsbeginn um sieben Prozent auf 150 Dollar, gab dann aber im Laufe des Handelstages wieder nach und schloss bei 137,12 Dollar.

XP – Eiskalte Zahlen verschrecken Warmduscher

Zu den exzellenten Ergebnissen von Nubank letzte Woche kontrastierten die Zahlen von XP wie eine eiskalte Dusche. Der Reingewinn brach gegenüber dem Vorjahr unerwartet um 21 Prozent auf 783 Millionen Real ein. Der Jahresumsatz war mit 3,4 Milliarden Real fast unverändert. Was ist passiert?

Das Kerngeschäft von XP hat sich 2022 eigentlich passabel entwickelt. Der brasilianische Finanzdienstleister hat 2000 neue IFAs hinzugewonnen, die Zahl der Kunden stieg um 460.000 und die Mittelzuflüsse lagen bei 155 Milliarden Real. Das verwaltete Vermögen stieg zum Jahresende auf 946 Milliarden Real, ein Plus von 16 Prozent im Jahresvergleich.

Gleichzeitig wurde aber eine Reihe von neuen Produkten und Geschäftsfeldern ausgerollt: Lebensversicherungsgeschäft, digitale Konten, die internationale Plattform und die Krypto Handelsplattform XTAGE. Dabei stieg auch die Anzahl der Mitarbeiter noch einmal um rund zehn Prozent auf 6.928. Im Jahre 2020 waren es noch 3.651 gewesen. SG&A (Vertriebsgemeinkosten) stiegen gegenüber 2021 um 20 Prozent auf 5,6 Milliarden Real. 

Der massive Anstieg der Zinsen hat Spuren hinterlassen. Der Leitzins stieg von zwei Prozent im Jahr 2020, über 9,25 Prozent im Jahr 2021 auf zuletzt 13,75 Prozent. Das wirkte sich negativ auf das Handelsvolumen in Aktien und damit auf das Brokerage-Geschäft von XP aus, obwohl der lokale Aktienmarkt 2022 sogar ein kleines Plus verzeichnen konnte. Noch 2021 haben Aktien über die Hälfte der Umsätze im Geschäft mit Privatanlegern ausgemacht. 

Im letzten Jahr fiel der durchschnittliche Handelsumsatz mit Aktien um 28 Prozent. Im vierten Quartal soll sich außerdem die Fußball-Weltmeisterschaft einmalig negativ auf die Umsätze ausgewirkt haben. Die noch jungen Wachstumsbereiche wie Karten (Plus 229 Prozent), Rentensparpläne (Plus 47 Prozent) sowie das Geschäft mit Institutionellen Kunden (Plus 50 Prozent) liefen zwar gut, konnten die Ausfälle im Brokerage aber nicht wettmachen.

Den höheren Kosten standen also stagnierende Umsätze gegenüber. Das Expense-Ratio, also das Verhältnis von SG&A (Vertriebsgemeinkosten) zu Nettoumsätzen, stieg von 39 Prozent im Jahr 2021 auf 42 Prozent für das Gesamtjahr 2022.

Das Management gesteht ein, dass die Kostenbasis zu hoch ist und hat bereits im Januar mit einer 5,5 prozentigen Kürzung der Belegschaft entsprechend erste Konsequenzen gezogen. Solche Bereinigungen gefallen Anlegern. 

Neben den Einsparungen setzt das Management auf Cross-Selling. Nur 16 Prozent der Kunden haben eine Kreditkarte, nur zehn Prozent ein digitales Konto und fünf Prozent einen Rentensparplan. Eine Versicherung oder einen Kredit bei XP haben sogar weniger als ein Prozent. 

Die Marktreaktion mit einem Absturz von fast 20 Prozent bei einem Handelsvolumen von über 400 Millionen Dollar, dem 8-fachen des üblichen Handelsvolumens am Tag nach der Veröffentlichung, darf man durchaus als Kapitulation bezeichnen. Wir haben bei Kursen unter 13 zugegriffen: Bei dem schwachen Ergebnis handelt es sich um das Resultat einer zyklischen Abschwächung, für die es in der Firmenhistorie bereits Parallelen gibt. In der Krise 2013/2014 sind die Umsätze um 40 Prozent zurückgegangen.  

Die Aktie steht am historischen Tiefststand und wird mit einem 2023 KGV von unter zehn bewertet. Das kommende Quartal dürfte aber ebenfalls schwierig werden. Es ist daher durchaus möglich, dass der Markt jetzt erst mal eine Weile schmollen wird. 

Allerdings könnte sich der Zinszyklus in der zweiten Jahreshälfte bereits wieder drehen. Spätestens wenn die Zinsen wieder deutlich fallen, dürften die Brasilianer ihr Interesse an Aktien wiederentdecken und damit der Kurs der XP Aktie wieder steigen.

TBC Bank – Viel Lärm um nichts

TBC hatte eigentlich solide Zahlen für das vierte Quartal geliefert: Der Nettogewinn lag deutlich über den Erwartungen der Analysten. Dennoch brach die Aktie nach Bekanntgabe der Unternehmensergebnisse um bis zu zehn Prozent ein. Was war passiert?

TBC erwirtschaftete im vierten Quartal einen Nettogewinn von 224 Millionen GEL und damit deutlich mehr als der Konsensus von 183 Millionen GEL. Das gute Ergebnis resultierte aus einem starken Handelsgeschäft. Die Nettozinsmarge lag unverändert bei starken 5,4 Prozent. Auch der stabile Ausblick war erwartet worden.

Allerdings verbuchte die Bank rückwirkend bis 2021 eine nicht ergebniswirksame Rückstellung in Höhe von 477 Millionen GEL im Zusammenhang mit der Option zur zukünftigen Übernahme von Minderheits-Paketen des usbekischen Geschäftes oberhalb des Buchwertes. Diese Rückstellung reduziert das Eigenkapital. Es betrifft allerdings die Holding in London, die Kennzahlen für die lokale Bank, das Kerngeschäft und damit der Kapitalbedarf ändern sich dadurch nicht.

Der Vorgang ist wohl das Ergebnis einer Spitzfindigkeit der International Account Standards, die damit zusammenhängt, dass der Kaufpreis der Option über dem Buchwert des Geschäftes liegt.

Der aktuell nervöse Markt stimmte sicherheitshalber mit den Füßen ab: Die Aktie verlor am Tag der Publikation zeitweise über 10 Prozent. Das Management hatte anschließend alle Hände voll zu tun, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Die Aktie hat sich in der Zwischenzeit auch wieder weitgehend erholt und liegt aktuell noch bei 3 Prozent im Minus seit Bekanntgabe der Zahlen.

Wir hatten die TBC Bank Aktie kürzlich detaillierter vorgestellt. Wer mehr über TBC erfahren möchte, kann hier den Artikel nachlesen.

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EM Digital Leaders und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von genannten Unternehmen. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Co-Autoren Steffen Gruschka und Mirko Wormuth

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich. Mirko war 23 Jahre lang in China als Anwalt und Unternehmer tätig. Zuletzt war er Global Head of HR für das chinesische EV Startup BYTON in Nanjing. Davor lagen seine unternehmerischen Tätigkeiten im Bereich des chinesischen E-Commerce und Einzelhandels. Seit 2020 managt Mirko den auf die chinesische Digitalisierung spezialisierten China Digital Leaders Fonds.

Co-Autoren Steffen Gruschka und Mirko Wormuth

Co-Autoren Steffen Gruschka und Mirko Wormuth

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich. Mirko war 23 Jahre lang in China als Anwalt und Unternehmer tätig. Zuletzt war er Global Head of HR für das chinesische EV Startup BYTON in Nanjing. Davor lagen seine unternehmerischen Tätigkeiten im Bereich des chinesischen E-Commerce und Einzelhandels. Seit 2020 managt Mirko den auf die chinesische Digitalisierung spezialisierten China Digital Leaders Fonds.

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