Quartals Updates: Marqeta, Pubmatic und Fiverr

12. Mai 2023

Quartalszahlen Marqeta, PubMatic, Fiverr

Der Reigen der Quartalszahlen geht weiter. Das Umfeld bleibt eingetrübt, aber bei einigen unserer Portfolio-Unternehmen zeichnet sich vereinzelt Licht am Horizont ab. Aber mit AI/ChatGPT wird gerade eine neue Sau durchs Dorf getrieben, die für Unsicherheit unter Anlegern sorgt.

Marqeta – Block und Bookings im Fokus

Marqeta hat gute Quartalszahlen berichtet. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 31 Prozent auf 217 Millionen Dollar. Erwartet waren 211 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA fiel mit Minus 4,3 Millionen Euro auch besser aus als erwartet (immer Bloomberg Konsensus-Schätzungen). Die Bruttomarge lag mit 41 Prozent im Rahmen der Erwartungen. Die Marqeta Aktie fiel am nächsten Handelstag um 4,5 Prozent. Das lag u.a. am schwachen Ausblick auf das zweite Quartal. Der Bruttogewinn soll nur noch 1-3 Prozent steigen, der Umsatz um 17-19 Prozent. Erwartet waren 19 Prozent. Im Analysten-Call gab es auch Positives zu vermelden.

Positiv: Das Unternehmen vermeldete deutlich höhere „Bookings“. Im Q1 seien die Bookings höher ausgefallen als im zweiten Halbjahr 2022 zusammen. Somit hat sich der positive Trend bei den Bookings im Q4 beschleunigt. Leider quantifiziert Marqeta diese Bookings nicht. Man muss hier auch eher von Auftragseingängen sprechen, denn Marqeta ist kein SaaS-Unternehmen und bilanziert daher keine Bookings. Die neuen Auftragseingänge durch Gewinnung neuer Kunden sollten die Umsätze ab 2024 und vielleicht schon Q4 2023 merklich beeinflussen. Ein Drittel der neuen Kunden kommt aus Europa und über 50 Prozent der Kunden kommen von außerhalb der Fintech-Industrie.

Die Kosten bei Marqeta sind immer noch zu hoch. Der Bruttogewinn ist in Q1 nur um 20 Prozent gestiegen, während der Umsatz um 31 Prozent gestiegen ist. Die Personalkosten haben in Q1 um fast 50 Prozent zugelegt. Das passt weder zur Performance von Marqeta, noch zum aktuellen Markroumfeld. Folgerichtig will das Unternehmen nun 15 Prozent des Personals abbauen und die Kosten annualisiert um 40-45 Millionen Dollar reduzieren.

Marqeta kündigte außerdem ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 200 Millionen Dollar an. Das ist nach der Verwässerung der Aktionäre durch Aktienoptionen an Mitarbeiter und nach dem Kurssturz richtig, zumal ausreichend Cash vorhanden ist.

Negativ: Leider gab es keine News zur Vertragsverlängerung mit Block. Die Abhängigkeit von Block ist in Q1 nochmals gestiegen. 76 Prozent der Umsätze resultieren aus der Zusammenarbeit mit Jack Dorseys Unternehmen. Genau genommen ist der Umsatz von Marqeta außerhalb von Block sogar leicht gefallen. Das ist keine gute Ausgangslage für die Neuverhandlungen der Konditionen.

My Take: Investieren in Wachstumswerte glich in den letzten Jahren einer Achterbahnfahrt. Die Aktionäre von Marqeta kennen seit dem IPO im Juli 2021 nur eine Richtung: Abwärts. Die aktuellen Zahlen bringen vermutlich kurzfristig keine Trendwende. Bei einer Bewertung von EV/Sales von 1 sind aber schon viele Risiken im Kurs eingepreist. Wichtig ist nun das Wachstum außerhalb der Block-Welt (Cash-App, Afterpay). So könnte Marqeta auch wieder die Margen steigern. Die Entwicklung bei den Bookings ist ermutigend.

Pubmatic – Ist der Abschwung vorbei?

Pubmatic hat in einem schwierigen Marktumfeld bessere Quartalszahlen berichtet, als von der Wall Street erwartet. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Prozent auf 55,4 Millionen Dollar. Erwartet waren 51 Millionen. Das bereinigte EBITDA lag im ersten Quartal bei 8,39 Millionen Dollar und war damit fast doppelt so hoch wie erwartet. Die Gesamtkosten bewegten sich mit 42,2 Millionen Dollar im Rahmen der Erwartungen. Für Q2 schätzt Pubmatic einen Umsatz in Höhe von 58 bis 61 Millionen Dollar; das bereinigte EBITDA soll bei 13-15 Millionen Dollar liegen und somit besser als erwartet ausfallen.

Positiv: Der Abschwung bei den Ausgaben für Werbung ist vielleicht schon am Ende. Pubmatic hat jeden Monat im ersten Quartal eine Verbesserung bei den Umsätzen gesehen, so auch im April. Ermutigend ist die Entwicklung im Supply Path Optimization (SPO), womit Pubmatic programmatisch das optimale Angebot aus dem Publisher-Inventar mit dem Bieter matcht. Im ersten Quartal seien 35 Prozent der Handelsaktivität auf der Werbeplattform über SPO gelaufen (im Vorjahresquartal waren es noch 27 Prozent). Das ist erfreulich, da die NRR hier bei Kunden, die schon mehr als drei Jahre dabei sind, bei 116 Prozent liegt. Diese Woche hat Pubmatic das neue Angebot „Activate“ gelauncht, womit man SPO für den schnell wachsenden Markt für Connected-TV anbieten möchte. Mit The Mars Agency, Dentsu, Havas und GroupM startet man gleich mit Top-Launchpartnern.

Activate vs. SPO traditionell:

Activate vs. SPO traditionell
Quelle: Pubmatic

Das Werbegeschäft im CTV wuchs in Q1 50 Prozent, aber aktuell macht es deutlich weniger vom Umsatz aus als beim Konkurrenten Magnite.

Negativ: Der Umsatz im traditionell dominanten Geschäft mit Displaywerbung ging in Q1 um 7,5 Prozent zurück, aber immerhin lag der Umsatz höher als in Q4.

My Take: Die Zahlen und die Stimmung des Managements im Analysten-Call erwecken den Eindruck, dass der Abschwung bei Pubmatic vorbei ist. Das traditionelle Geschäft wie Display-Werbung bleibt schwach, aber SPO zieht an. Das Unternehmen will 2023 eine EBITDA-Marge von über 30 Prozent und einen Free-Cashflow von 40 Millionen erreichen. Falls das klappt, ist die Bewertung mit EV/Sales von ca. 2,4 und einer hohen Free-Cashflow-Rendite weiterhin sehr attraktiv. Die Pubmatic Aktie stieg nach den Zahlen um satte 14 Prozent.

Fiverr – Das nächste Opfer von AI?

Der neueste Sport von Hedgefonds ist es, Unternehmen zu identifizieren, die möglicherweise von AI disrupted werden könnten. Ein Hinweis darauf, dass Chat GPT das Konsumentenverhalten ihrer Kunden verändert hätte, reichte bei Chegg aus, um den Aktienkurs um 50 Prozent an einem Tag kollabieren zu lassen. Aktien von Shutterstock, Upwork und Uipath sind aus ähnlichen Gründen unter die Räder geraten. Auch die Fiverr Aktie wurde in den letzten Tagen ohne erkennbaren Anlass massiv verkauft. Daher habe ich mit Spannung erwartet, ob und wie Fiverr-CEO Micha Kaufmann im Analysten-Call auf diese Angriffe reagieren würde. Aber zunächst ein Blick auf die Zahlen:

Der führende Online-Marktplatz für Freiberufler hat ordentliche Quartalszahlen präsentiert. Umsatz und bereinigtes EBITDA lagen über den Erwartungen, Active Buyer und Take Rate hat man in einem schwierigen Marktumfeld steigern können.

Q1 2023 Zahlen Fiverr Aktie

Die Guidance für Q2 fiel positiver aus, die Guidance für das bereinigte EBITDA für das Gesamtjahr wurde sogar angehoben. Anfänglich reagierte die Aktie mit einem Plus von über 10 Prozent, doch danach purzelte der Wert sukzessive und schloss bei einem Minus von knapp zwei Prozent. Die Beschwörungen von Micha Kaufman, man habe bisher keine negativen Auswirkungen von AI bemerkt, dass die Suche nach „AI related gigs“ um 1000 Prozent in den letzten 6 Monaten zugenommen habe, half da wenig, um gegen das negative Sentiment anzukommen.

My Take: Das Unternehmen hat die Kosten gesenkt und dennoch die Umsätze und somit auch die Margen steigern können. Damit setzt sich Fiverr vom Konkurrenten Upwork weiter ab, der deutlich schlechtere Zahlen berichtet hatte. Ich halte die Sorgen um die Disruption des Geschäftsmodells durch AI für übertrieben. Es ist naheliegend, dass viele Aufgaben von LLM wie Chat GPT ersetzt werden, aber neue Profile werden umso stärker nachgefragt werden. Das Management sollte auf die Bedenken eingehen, ohne aber zu sehr in eine Beschwichtigungslitanei zu verfallen. Nassim Taleb ist hier ein guter Ratgeber: „All rumors are false until officially denied.“

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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