Quartals Updates: Marqeta, Pure Storage und Okta

3. März 2023

Quartalszahlen Pure Storage, Marqeta, Okta

Viel Schatten bei einigen Highgrowth-Aktien in dieser Woche. Wer in diesem Umfeld bei der Bottom-line enttäuscht wird abgestraft, auch solides Umsatzwachstum ist kein Gütekriterium mehr für Anleger, aber das eröffnet auch Chancen, wie die Analyse der Quartalszahlen von Marqeta, Pure Storage und Okta zeigt.

Marqeta schockt Anleger

Nach den sehr guten Zahlen von Block, insbesondere der Cash App, waren die Erwartungen für Marqetas Quartalszahlen hoch. Für das vierte Quartal hat das Unternehmen geliefert: Der Umsatz ist gegenüber dem Vorjahresquartal um 31 Prozent auf 204 Millionen Dollar und der Bruttogewinn 87 Millionen Dollar gestiegen. Beide Werte lagen über den Markterwartungen. Auch der EBITDA Verlust von 7 Millionen Dollar fiel niedriger aus als erwartet. TPV Wachstum von 41 Prozent auf 46,7 Milliarden Dollar war im Rahmen der Erwartungen.

Die Guidance für Q1 und für das Gesamtjahr ist allerdings sehr enttäuschend ausgefallen. Der Umsatz soll im ersten Quartal um ca. 27 Prozent wachsen, es wird ein Bruttogewinn von nur noch 14 bis 16 Prozent erwartet. Für 2023 insgesamt rechnet das Marqeta Management mit einem Umsatzwachstum in den “low 20s“ und ein Wachstum beim Bruttogewinn von nur noch „mid-teens“. Wie konnte das passieren?

Klar spielt auch hier das Makroumfeld eine Rolle. Die BNPL-Anbieter haben ihr Geschäft deutlich zurückgefahren, und Marqeta ist hier der dominierende Player im Issuing der virtuellen Karten und verdient so an jeder Transaktion mit. Aber die Gründe sind vor allem bei Marqeta selbst zu suchen. Im vierten Quartal ist die Abhängigkeit von Block weiter gestiegen. 74 Prozent der Umsätze werden mit Block Angeboten wie Cash App und Afterpay gemacht. Der Vertrag steht 2024 zur Verlängerung an. Es ist jetzt schon absehbar, dass die Neuverhandlungen der Konditionen hier zugunsten Block verändert werden sollten. Im Worst-Case zieht Block zu einem neuen Anbieter bzw. diversifiziert breiter.

Marqeta verdient nach Neuverhandlungen mit dem Partner Visa und zwei großen Kunden künftig weniger an den Transaktionen. Nach Angaben des Managements ist das eher ein seltener Vorgang, aber das allein für 2023 zu einer Wachstumsbelastung von 5 Prozentpunkten und einer Belastung der Bruttomarge von 2 Prozentpunkten. Das ist kein gutes Vorzeichen für die Verhandlungen mit Block, die man idealerweise 2023 schon abschließen möchte.

Marqeta hat sich zu lange auf Fintechs fokussiert und etablierte Finanzunternehmen vernachlässigt. So ist das Unternehmen zu abhängig gewesen vom Fundingrisiko und vom Kundenwachstum der neuen Player, statt mit dem etablierten Finanzhäusern „Embedded Finance“ auf bestehende Kunden auszurollen. Das Management sagte im Analystencall, das man Ende 2021 den Fokus auf Plattform-Geschäft mit wiederholbaren Bookings gesetzt hätte. Das hätte die Zahl Card-Issiungs reduziert und somit auch die Bookings reduziert, da das Onboarding 12-18 Monate dauern würde. Immerhin, im vierten Quartal 2022 seien die Bookings höher als in den drei Vorquartalen zusammen.

Die Marqeta Aktie ist am ersten Handelstag nach Bekanntgabe der Quartalszahlen um 22,4 Prozent gefallen. Mit einem Cashbestand von über 1,6 Milliarden Dollar ist der Enterprise Value nun unter 800 Millionen Dollar, somit weniger als der Umsatz 2023. Klar, im Worst-Case kommt kein neuer Vertrag mit Block zustande, so dass 75 Prozent des Umsatzes wegfallen. Ich halte diesen Ausgang für unwahrscheinlich. Block wird den großen Erfolg mit Cash App nicht riskieren wollen. Der alternative Anbieter für modernes Issuing, Galileo, kommt m.E. nicht in Frage, da die Muttergesellschaft SoFi eher ein Konkurrent ist. Es bleiben dann die Legacy-Payment-Anbieter. MQ-Kunden sind sehr treu. Die NRR 2022 lag bei 144 Prozent. Wahrscheinlich wird Block bessere Konditionen durchsetzen. Aber selbst dann wäre Marqeta heute nur noch mit dem zweifachen des Bruttogewinns bewertet. Das halte ich trotz aller Risiken für sehr attraktiv. Die gute Entwicklung bei den Bookings wird sich Ende 2023 in den Zahlen widerspiegeln. Nach der Akquisition von Power Finance könnte Marqeta 2024 auch erste Erfolge im Kreditkartenissuing vermelden. Wir haben den Kurssturz genutzt und unsere Position im The DLF erhöht.

Pure Storage: Doch keine Allwetter-Aktie?

Pure Storage hat das abgelaufene Jahr mit sehr guten Quartalszahlen beendet. Der Umsatz ist 14 Prozent auf 810 Millionen Dollar angestiegen, mit einer operativen Marge von 19,6 Prozent, die Dank weniger Ausgaben deutlich höher ausfiel als die prognostizierten 16 Prozent. Der Free Cashflow ist in Q4 auf 173 Millionen angestiegen, erwartet worden waren hier ca. 80 Millionen ARR sind um 30 Prozent angestiegen. Das Subskriptionsbusiness rund um Evergreen wächst als weiterhin bemerkenswert stark.

Die Anleger haben allerdings die Quartalszahlen schnell abgehakt und die Pure Storage Aktie mit einem Kursrutsch von über 15 Prozent am Donnerstag an der NYSE abgestraft. Mit einem Wachstum der Billings und Bookings mit jeweils 13 Prozent – somit das geringste Wachstum seit April 2021 – war klar, dass der Ausblick enttäuschen würde. Für das laufende Geschäftsjahr 2024 erwartet das Management nur noch ein „high single-digit growth“, somit deutlich niedriger als die Markterwartungen.

Nach den starken Zahlen von Arista, hatten wir erwartet, dass Pure Storage mit positiven News zu Bestellungen von Hyperscalern überraschen würde. Im vierten Quartal hätte es aber keine neuen Aufträge von Meta gegeben. Bei dem aktuellen Fokus der Datencenter der neuen Generation auf Energieeffizienz, sollten Aufträge von Meta & Co. nur eine Frage der Zeit sein, da Pures Speicherlösungen hier führend sind und sukzessive Marktanteile gewinnen. Passend zu der aktuellen Diskussion um AI, exponentielle Datenmengen und steigende Ansprüche an Rechenleistungen hat Pure eine neue Storage-Lösung mit dem Namen FlashBlade/E präsentiert. Diese soll preislich mit der Festplatte konkurrieren können, aber aufgrund der Energieeffizienz für die Rechenzentren deutlich rentierlicher sein.

Die Guidance von NetApp, Dell und HP bestätigen, dass die Nachfrage nach Storage-Lösungen im aktuellen Makroumfeld leiden wird. Pure steigert in schwierigen Zeiten Marktanteile, aber auch Pure ist nicht immun gegen Konjunkturrisiken und Kürzungen bei den IT-Ausgaben. Je früher aber die Rechenzentren bei Speicherlösungen von Festplatte auf Flash migrieren, desto schneller wird Pure die Marktposition ausbauen.

Okta – Who cares about top-line growth?

Bei Okta ist es wie mit vielen Highgrowth-Champions von einst: Das Umsatzwachstum lässt nach, und wenn dann die Verluste in Zeiten steigender Zinsen hoch bleiben, lassen es Anleger crashen. So passierte es auch 2022 dem Anbieter für Customer Identity & Access Management (CIAM) Software. Auf dem Hochstand der Kurs der Okta Aktie im Frühjahr 2021 bei 290 Dollar – im Herbst waren nach einem tiefen Fall Okta-Papiere gerade mal noch 37 Dollar wert. Doch seit dem Geschäftsquartal Q3 (per Ende Oktober 2022) geht es wieder aufwärts. Zumindest die (zuvor gesenkte) eigene Guidance wurde übertroffen. Jetzt konnte das Unternehmen auch die Erwartungen der Analysten deutlich übertreffen. Statt einem Umsatz von 490 Millionen Dollar waren es per Ende Januar 510 Millionen Dollar. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 33 Prozent YoY.

Das Subskriptionsgeschäft wuchs mit 34 Prozent und lag damit ebenfalls über den Erwartungen. Anleger honorierten die Quartalszahlen; am ersten Handelstag nach den Zahlen machte die Okta Aktie einen Sprung von gut 13 Prozent am Donnerstagabend an der Nasdaq. Wir hatten die Okta Aktie im Herbst bei einem Kurs von 48 Dollar eingesammelt; aktuell notiert sie bei 81 Dollar.

Die Anleger honorieren die deutlich verbesserte Profitabilität und Kostenkontrolle. Nach einer negativen adjustierten operativen Marge von sechs Prozent in Q4 2022 waren es plus neun Prozent per Ende Januar 2023. Das adjustierte EPS war mit 0,30 Dollar deutlich oberhalb der Guidance von 0,095 Dollar. Die bisher nicht zufriedenstellende Integration von Auth0, die für auf dem Höhepunkt des Zyklus im März 2021 für 6,5 Milliarden Dollar übernommen worden war, scheint aktuell besser zu klappen. Allerdings ging die NRR sequentiell um 2 Prozent auf 120 Prozent zurück. Geringes Upselling offensichtlich kein Ding für Investoren aktuell.

Der Ausblick für das Gesamtjahr ist deutlich höher ausgefallen als erwartet, zumindest hinsichtlich Profitabilität. Statt einem Gewinn pro Aktie von 32 Cent werden nun 74 bis 79 Cents erwartet. Der bereinigte Gewinn soll zwischen 136 und 145 Millionen Dollar liegen. Erwartet waren 58 Millionen Dollar. Topline-Growth ist im Rahmen der Erwartungen; der Umsatz soll etwa bei 2,16 Milliarden Dollar liegen. Okta ist ein gutes Beispiel dafür, wie sehr die Anleger aktuell bereit sind, Profitabilität zu honorieren, auch wenn dafür Umsatz geopfert werden muss.

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Autor

  • Baki Irmak

    Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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Baki Irmak

Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.

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