Quartalszahlen Updates: Wizz Air, MakeMyTrip, Shoper und EPAM

4. November 2022

Quartalszahlen von Wizz Air, Shoper, Makemytrip, EPAM Systems

Etliche unserer Portfolio Werte haben Quartalszahlen vorgelegt. Wie es unsere Praxis ist, teilen wir mit Euch unsere Einschätzungen zu den Ergebnissen. Heute: Wizz Air, MakeMyTrip, Shoper und EPAM.

Wizz Air Aktie – Quartalszahlen

Die Reisebranche hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Die Auswirkungen der Pandemie waren auch in diesem Sommer noch zu spüren: Viele Mitarbeiter, die während der Lockdowns entlassen wurden, sind anderswo untergekommen, sodass vielerorts Flüge abgesagt werden mussten. Dazu kamen dieses Jahr auch noch kriegsbedingt erhöhte Treibstoffkosten. Gerade letzteres hat Wizz Air die Quartalszahlen im wichtigen Sommerquartal verhagelt.

Für sich genommen waren die Zahlen ordentlich: Der Flugbetrieb, gemessen in ASK (Available Seat Kilometer, also die Zahl der verfügbaren Sitze multipliziert mit den geflogenen Kilometern), konnte um 38 Prozent gesteigert werden. RPK (Revenue Producing Kilometer) stieg aufgrund der deutlich besseren Auslastung um 56 Prozent – von 75,3 auf 88,8 Prozent. RASK (Revenue per available Seat Kilometer) legte um 10,8 Prozent zu.

Doch dem stehen deutlich gestiegene Kosten gegenüber: CASK (Cost per available Seat Kilometer) stieg aber um 35 Prozent gegenüber der Zeit vor der Pandemie. Bereinigt um die Ausgaben für Treibstoff wären sie um nur 12 Prozent höher ausgefallen.

Der Umsatz lag mit 1,4 Milliarden Euro im Rahmen der Erwartungen. Die Ebitda-Marge betrug 26,9 Prozent, ein Punkt über den Erwartungen. Die Kassenposition konnte von 766 Millionen Euro im Vorquartal auf 1,129 Milliarden Euro ausgebaut werden. Das sollte reichen, um über den Winter zu kommen.

Der Ausblick für den Flugverkehr im zweiten Halbjahr ist stark. Die Kapazität soll um 35 Prozent über dem prä-pandemischen Zeitraum liegen. Es sollte auch helfen, dass der Ölpreis in den letzten Monaten deutlich zurückgekommen ist.

Überschattet wurden die Ergebnisse von einer Reaktion der Wizz Air Aktie auf Gerüchte über ein angeblich abgelehntes Übernahmeangebot des Konkurrenten Easyjet. Easyjet ist aktuell ziemlich knapp bei Kasse und plant eine Kapitalerhöhung von 1,2 Milliarden Britischen Pfund. Am nächsten Tag ging der Markt allerdings wieder zur Tagesordnung über, und die Aktie erholte sich.

Die Wizz Air Aktie hat genauso wie die Peer Group eine mehrjährige Talfahrt erlebt. Mit einer EV/Ebitda Bewertung von 7 sieht die Aktie auch nicht billig aus. Doch es herrscht auf der Makroseite noch viel Nebel. So könnte bei einer anstehenden Rezession der Ölpreis unter Druck kommen, und das wäre gut für Wizz Air. Doch zugleich könnte eine Rezession die Reiselust dämpfen. Wir glauben aber insgesamt, dass die Aktie das Tal der Tränen durchschritten hat und behalten unsere Position im EMDL bei.

MakeMyTrip Aktie – Quartalszahlen

Auch im zweiten Geschäftsquartal operierte die indische Reisebranche bei 90 Prozent des pre-Covid Niveaus. Das Buchungsvolumen von MakeMyTrip (MMYT) lag bei 1,5 Milliarden Dollar – nach 1,6 Milliarden im saisonal stärkeren Vorquartal und 0,7 Milliarden Dollar im von Covid geprägten Vergleichszeitraum 2021.

Der Quartalsumsatz nach IFRS lag mit 131 Millionen Dollar rund 95 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das Geschäft mit Flugtickets brachte 75 Millionen Dollar ein, noch einmal eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorquartal (60 Millionen Dollar). Wir beziehen uns bei allen drei Segmenten auf den um Rabatte und Bonusprogramme  adjustierten Umsatz, die Summe ist also größer als der IFRS-Umsatz, aber auf den Gewinn hat das keine Auswirkungen. Die Take Rate fiel auf 7,4 Prozent, da ein Teil der Gebühren fix und daher nicht mit den erheblich höheren Flugpreisen gestiegen ist. Unser Mann für Südostasien, Ashutosh Sinha, hält diese Zahlen für realistisch.

Mit Hotels und Pauschalreisen wurden im dritten Quartal 57 Millionen Dollar erwirtschaftet, ein saisonaler Rückgang gegenüber dem letzten Quartal. Die Take Rate gab ebenfalls aufgrund einer Steigerung des margenschwächeren internationalen Anteils leicht auf 17,2 Prozent nach. Busreisen fuhren 17 Millionen Dollar ein, nach 21 Millionen Dollar im Quartal zuvor. Die Marge stieg leicht auf 9 Prozent.

Die Personalkosten stiegen im Vergleich zum letzten Quartal um 3 Prozent und im Jahresvergleich um 12 Prozent auf 33 Millionen Dollar an. Die Kosten für Marketing und Vertrieb lagen wie im Vorquartal bei 25 Millionen Dollar. Im gleichen Quartal vor einem Jahr lagen diese noch bei 12 Millionen Dollar. Die Kosten der Anreizprogramme waren mit insgesamt 58 Millionen Dollar gegenüber fast unverändert.

Der Rohertrag lag bei 15,1 Millionen, nach einem Rekordergebnis von 16,5 Millionen im Quartal zuvor. Am Ende der Gewinn- und Verlustrechnung blieb auch in diesem Quartal ein Gewinn von 8 Millionen Dollar  übrig, im Quartal zuvor waren es 6 Millionen Dollar. Damit bleibt MMYT auch weiterhin trotz des immer noch mittelprächtigen Umfelds profitabel. Die komfortable Cash Position auf der Bilanz konnte sogar noch leicht auf 466 Millionen Dollar ausgebaut werden.

Das Haar in der Suppe war die Verhängung einer Strafe von 27 Millionen Dollar am 19. Oktober durch den Wettbewerbshüter CCI (Competition Commission of India). Dabei ging es um einen Vertrag mit der Hotelkette OYO. MMYT hatte die Konkurrenten Treebo und FabHotels daraufhin in den Jahren 2018 bis 2020 aus dem Programm genommen. Die Strafe ist mit 5 Prozent der durchschnittlichen Umsätze der Jahre 2018 bis 2020 durchaus beträchtlich, wenngleich sie aufgrund der immensen Cash Reserve gut verkraftbar ist. MMYT prüft einen innerhalb von zwei Monaten möglichen Einspruch gegen die Strafe.

Die Aktie hat auf all das kaum reagiert. MakeMyTrip bleibt eine gute Wette auf das Wachstum im indischen Reisemarkt, der nach Aussagen der indischen Regierung bis 2047 auf 1 Billion Dollar steigen soll. Laut dem Ministerium für zivile Luftfahrt soll die Anzahl der Flughäfen bis 2030 von 153 auf 220 steigen, die in den nächsten fünf Jahren von 1.200 Flugzeugen angesteuert werden sollen – gegenüber aktuell 700 Flugzeugen. Die Anzahl der Flugreisenden soll sich den Prognosen zufolge in 7 bis 10 Jahren von aktuell 200 Millionen verdoppeln.Ashu war gerade 2 Wochen in Indien unterwegs und schwärmt vom Service bei MMYT. Damit bleibt die Aktie eine Kernposition im Portfolio.

Shoper Aktie – Quartalszahlen

Die Top Line von Shoper legte mit einem GMV von 1,82 Milliarden PLN um 57 Prozent im Jahresvergleich zu. Der Quartalsumsatz von 31,4 Millionen PLN (+ 57 Prozent YoY) lag im Rahmen der Erwartungen.

Allerdings folgten die Profitabilitätskennzahlen dem Umsatz nicht. Das Ebitda stieg um lediglich 34 Prozent, die Ebitda Marge fiel auf 29 Prozent, der Reingewinn war mit 3 Millionen PLN gerade einmal auf Vorjahresniveau. Die Broker scheinen in den Kommentaren zu den Quartalszahlen verwundert; sie hatten sich hier mehr erhofft.

Im Call bekräftigte das Management seine Linie, die wir schon lange kennen: Das Wachstum und die Gewinnung von Marktanteilen haben Priorität. Zwischen den Zeilen lesen wir: Kompetitives Pricing und die damit verbundene geringere Profitabilität der Marktteilnehmer treffen vor allem die kleineren Wettbewerber und könnten weitere Übernahmechancen eröffnen. Das Management hat sich im Call dahingehend geäußert, dass sich demnächst Opportunitäten ergeben würden. Richtig ist auf jeden Fall die Entscheidung des Unternehmens, die internationale Expansion zu vertagen.

Die Shoper Aktie reagierte kaum, die Aktionäre waren wohl weniger enttäuscht als die Banker. Der Markt ist bei Wachstumsunternehmen aktuell skeptisch und will schnelle Gewinne sehen.

Das ist verständlich, aber nicht immer im Sinne des langfristigen Investors. Die Shoper Aktie wird für deutlich steigenden Kurse ein Umdenken des Marktes benötigen. Aktuell geht es bei Kursen über 30 PLN weiter seitwärts (unter 30 kauft das Management selbst). Bis zu dieser Zeitenwende wächst aber das Unternehmen solide weiter. Wir unterstützen den langfristige Denkweise und halten unsere Position.

EPAM Aktie – Quartalszahlen

EPAM setzte im dritten Quartal 1,2 Milliarden Dollar um, ein Plus von 24 Prozent. Das lag im Rahmen der Erwartungen. Die Kosten des Exits aus Russland wurden mit fünf Prozent des Umsatzes beziffert, das Wachstum hätte also ceteris paribus bei 29 Prozent gelegen. 

Die USA machten mit 61 Prozent den Löwenanteil der Umsätze des Software-Entwicklers und IT-Beraters aus. EMEA war mit 36 Prozent aller Einnahmen ebenfalls bedeutend. Asien lag dagegen bei gerade einmal 2 Prozent, hier gibt es noch erhebliches Potential.

Der Operative Gewinn (Non-GAAP) stieg um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Die operative Marge sank leicht auf 34,4 Prozent. Der Nettogewinn (Non-GAAP) legte um 28 Prozent zu. Damit lag der Gewinn um 23 Prozent über den Erwartungen.

EPAM hat außerdem einen Free Cashflow von 234 Millionen Dollar generiert, die Kasseposition lag bei 1,5 Milliarden Dollar. DSO (Days Sales Outstanding) beliefen sich bei 69 Tagen, was eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahreszeitraum darstellt.

Die Anzahl der Programmierer sank gegenüber Q2 um 1.000 auf 53.000, auch eine Folge der Schließung des Russlandgeschäfts. Fortschritte gab es auch bei der Diversifizierung nach Standorten. Im letzten Quartal logierten noch 40 Prozent der Programmierer in der Kriegsregion (Russland, Ukraine, Weissrussland), zum Jahresende sollen es nur noch 30 Prozent sein.

Der Ausblick hat den Markt allerdings nicht beeindruckt: Der Umsatz im nächsten Quartal soll zwar um 11 Prozent YoY wachsen, gegenüber dem aktuellen Quartal aber gleich bleiben. Der Nettogewinn soll sogar um 4 Prozent schrumpfen. 

Das Management antwortete im Quartals-Call auf Fragen zum Wachstum eher ausweichend, zunächst versuchte man die Anleger mit der höheren Anzahl von Feiertagen abzuspeisen. Die Investoren ließen aber nicht abwimmeln und letztendlich musste das Management eine schwächere Nachfrage eingestehen. Die Kundschaft bereitet sich auf einen Rückgang der Nachfrage vor, es werden vor allem Projekte mandatiert, die der Kostenreduktion dienen. Die Wachstumsdelle dürfte wohl mehrere Quartale dauern. Der Markt hat dafür bei einem Forward-KGV von 29 für dieses Jahr und 24 für das nächste Jahr keine Geduld. Die EPAM Aktie reagierte mit einem Minus von 4 Prozent. Gleichzeitig bleibt die langfristige Story intakt: Das Geschäft dürfte am Ende der wirtschaftlichen Abschwächung wieder zu den säkularen Wachstumsraten von deutlich über 30 Prozent zurückkehren.

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Disclaimer

EM Digital Leaders und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Wizz Air, Shoper, EPAM und MakeMyTrip. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

Autor

  • Steffen Gruschka

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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