Razer Aktie: Mäuse mit Gamern?

1. Juli 2021

Razer Aktie

Die Razer Aktie ist trotz drei magerer Jahre Teil des EM Digital Leaders Portfolio. Bekannt für seine Innovation und hippe Coolness in der Gaming-Peripherie-Industrie, war die Entwicklung des Aktienkurses von Razer nicht so glänzend wie seine exklusive RGB-Beleuchtung.

Der Börsengang erfolgte am 13. November 2017 in Hongkong zu einem Ausgabepreis von 3,88 HKD. Nach einem kurzen Höhenflug bis auf 4,58 HKD war mit der Hausse der Razer Aktie “Game Over”. Der aktuelle Kurs dümpelt um 2,15 HKD, was einem Verlust von über 40 Prozent gegenüber des Ausgabepreises entspricht.

Razer Aktie Kurs Chart
Razer Aktie: Kurs Chart 2017-2020. Quelle: Bloomberg

Das Management von Razer beharrt darauf, dass die Aktien des Unternehmens unterbewertet sind und hat seit Juli 2018 Rückkäufe für über 100 Millionen USD getätigt.

Wir stellen das Unternehmen vor und beleuchten, warum wir glauben, dass der Kursrückgang eine Kaufgelegenheit darstellt.

Razer – Der Pionier unter den Peripheriegeräten

Das Unternehmen wurde 2005 von Min-Liang Tan, einem fanatischen Gamer in Singapur, gegründet. Als Jugendlicher kühlten Tan und sein Bruder den Bildschirm regelmäßig mit Eis , um von den heimkehrenden Eltern keinen Ärger zu bekommen (LCD war noch keine Option). Der ausgebildete Jurist sollte später seinen prestigeträchtigen Job an den Nagel hängen, um seiner wirklichen Passion nachzugehen. Der Mann gilt als Perfektionist, und Urlaub ist für den Unternehmenserfolg entbehrlich. Die Frage, mit welchem Tier er sich identifiziert, beantwortet er mit der 3 Köpfigen Schlange aus dem Razer Logo. Das Firmenmotto lautet „For Gamers, by Gamers”.

Die Geschichte begann vor 20 Jahren mit der Einführung der ersten Gaming-Maus mit einer Genauigkeit von 2000 DPI (dots-per-inch), zu einer Zeit, als die durchschnittliche Maus eine Genauigkeit von nur 400 DPI hatte. Es folgten weitere Hardware wie Tastaturen, Gaming-PCs, Gaming-Headsets, Mikrofone, Mauspads, die ebenfalls für ihre Genauigkeit, Empfindlichkeit und Benutzerfreundlichkeit bekannt sind und alle mit ihrem einzigartigen RGB-Lichtsystem ausgestattet sind. Ende August 2011 stellte Razer das Gaming-Laptop Modell „Blade“ vor. Im April 2021 ist daraus das „Blade 15“ geworden, das als eines der besten seiner Klasse gilt.

Razer Aktie Kurs Chart

Die Verkaufszahlen bei Amazon sprechen für sich, wenn es um die Anerkennung der Qualität von Razer-Produkten durch Gamer geht. Razer dominierte 2020  fast alle Charts in Bezug auf Prime Day Gaming-Geräte. In den Gaming Maus und Gaming Tastatur Charts belegen Razer Produkte alle Top 7 bis 8 Plätze, ebenso wie den ersten Platz in den Gaming Headset und Gaming Controller-Charts.

Razer Product Ranking on Gaming Forums and Amazon Prime Day 2020
Razer Aktie Umsatz nach Region
Razer Aktie: Umsatzanteil nach Region

Heute hat das Unternehmen 1000 Mitarbeiter. Der Firmensitz ist zwischen Kalifornien und Singapur aufgeteilt, was dem Umsatzmix gut entspricht. Der wachsende E-Sports Markt wird durch das Sponsoring von bekannten Teams wirkungsvoll zur Distribution genutzt.

Die Marke zeichnet sich durch gute Brandloyalität und eine eigene Fanbase aus. Im Vergleich zu Logitech und Corsair hat Razer deutlich mehr Social Media Follower. Und auch die Markentreue ist höher. Das spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wieder, das Unternehmen steigerte außerdem seinen Marktanteil in 2020 um 8 Prozent auf rund 32 Prozent in Nordamerika, so eine Studie des US-Marktforschungsunternehmens NPD.

Online Gaming Markt

Mit dem Aufkommen von Online-Gaming und kompetitiven First-Person-Shootern (FPS) Mitte der 1990er Jahre stellten viele Gamer fest, dass herkömmliche Peripheriegeräte ihre Bedürfnisse beim Spielen nicht mehr erfüllten. Razer hat diese Gelegenheit ergriffen, um in erster Linie spielbegeisterte, enthusiastische Gamer zu bedienen. Dabei baut man auf seine Stärken in Technologie, Design und Ergonomie auf, um professionelle High-End-Gaming Produkte sowie ein komplettes Gaming-Ecosystem (Hardware, Software und Services) auf den Markt zu bringen.

Razer Global Gaming Ecosystem
Razer Global Gaming Ecosystem

Der Gaming Markt ist riesig: 3 Milliarden Spieler gibt es weltweit, davon 1 Milliarde in China. Den PC Markt für Gaming schätzt Raser auf 37 Milliarden US Dollar, Spielkonsolen kommen auf 45 Milliarden und Mobilfunk macht 77 Milliarden aus, aber die Zukunft sehen die Spezialisten im Cloud Gaming mit 100 Milliarden Potential.

Alle spieler sind potentielle Kunden, vor allem aber die 10-15 Prozent Hardcore Gamer. Extreme Razer Fans lassen sich auch schon mal das Logo des Unternehmens auf tätowieren.

Razer Tattoo

Rasantes Wachstum

Im IPO der Razer Aktie Jahr 2017 verbuchte das Unternehmen 476 Millionen Dollar Umsatz im Hardware-Bereich, und es wuchs in den letzten 3 Jahren im Durchschnitt mit 31,8 Prozent bis auf 1,084 Milliarden USD im Jahre 2020.

89,3 Prozent des Gesamtumsatzes entfielen 2020 auf den Bereich Hardware, wobei Peripheriegeräte (Gaming-Mäuse, Tastaturen, Audiogeräte und Mauspads) 63,7 Prozent und Laptops 25,6 Prozent zum Umsatz beitragen.

Software and Services

Aufbauend auf dem Erfolg der Hardware hat man eine integrierte Plattform mit 123 Millionen registrierten Nutzern aufbaut. Das entspricht einer Verdreifachung seit dem IPO. Zu der angebotenen Software gehören die IoT-Plattform Razer Synapse, das RGB-Phantom-Lichttechniksystem Razer Chroma und der Gaming-Optimierer und dem Launcher Razer Cortex.

Razer Nutzer Wachstum

Razer Gold und Razer Fintech

Derzeit ist Razer ist einer der größten B2C Gaming-Plattformen in Südostasien, Lateinamerika und dem Mittleren Osten. Die 26 Millionen registrierten Spieler können mit Razer Gold, der einzigen unabhängigen Ingame Währung, bezahlen. Entscheidend sind dabei die 5 Millionen phyischen Zahlungspunkte der Kooperationspartner. Damit dient der Virtual Credit den Entwicklern als Mittel zu Monetarisierung. 2019 wurden Razer zum Partner von Tencent und NetEase. Diese nutzen seitdem die Zahlungsplattform Razer Gold für Ihre Spiele außerhalb Chinas.

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Im April 2018 erwarb Razer die südostasiatische E-Payment-Plattform MOL Global und stieg damit in das B2B Fintech-Geschäft ein. Das E-Wallet Razer Pay wurde im Juli 2018 im benachbarten Malaysia eingeführt und richtet sich vor allem an junge Menschen. Im Juni 2019 gab Razer eine Partnerschaft mit Visa eine Prepaid-Lösung bekannt. Die Plattform bedient derzeit über 50.000 Händler mit 110 Zahlungsmethoden und TPV-Zahlungen in Höhe von insgesamt 4.281 Millionen US-Dollar. Im Jahr 2020 hat sich Razer Fintech zu einem der führenden digitalen Offline-to-Online (O2)) Zahlungsnetzwerke in Südostasien entwickelt. Aktiv ist man neben Malaysia auch in den Philippinen und Singapur.

Financials und Bewertung

Im Jahr 2020 erzielte Razer einen Rekordumsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar, einem Wachstum von 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr: Die Bruttogewinnmarge verbesserte sich um 180 Basispunkte auf 22,3 Prozent und man erwirtschaftete den ersten, wenngleich auch etwas putzigen Gewinn der Firmengeschichte von 0,8 Millionen USD.

Der Barmittelbestand stieg auf aktuell über 600 Millionen US-Dollar an. Schulden hat das Unternehmen nicht; das ist eine der stärksten Bilanzen in der Branche. Die gefüllte Kriegskasse will man für Akquisitionen von Nischenanbietern nutzen, die das Programm ergänzen.

Laut einem Bericht von ResearchAndMarkets wird erwartet, dass der globale Markt für Gaming-Peripheriegeräte bis zum Jahr 2026 7,1 Milliarden US-Dollar erreichen wird, mit einem Marktwachstum von 13,1 Prozent CAGR während des Prognosezeitraums.

Weiteres Wachstumspotential gibt es vor allem in China, dem mittlerweile größten Gaming-Markt der Welt. Der Umsatz von Razer im Reich der Mitte macht aktuell nur 11,5 Prozent aus und hierauf will man sich zukünftig konzentrieren. Die 2019 besiegelte Partnerschaft mit Tencent eröffnet neue Absatzkanäle und unterstützt After-Sales-Services.

Auch der Ausblick ist gut. Der CEO Min-Liang Tan glaubt, dass der E-Sport-Markt gerade erst vor einer massiven Expansion steht. Damit könnte er sehr wohl recht haben, denn 79,7 Prozent der 200 Millionen Nutzer sind unter 30 Jahre alt.

Razers nächster und größter Konkurrent im Bereich der Peripheriegeräte, Logitech, ist vor allem im Verhältnis zum Umsatz mit dem 3-fachen deutlich höher bewertet. Dies liegt auch daran, dass Logitech bei einem 4-fach höheren Umsatz deutlich profitabler ist. Hieran kann man aber eben genau die Attraktivität der aktuellen Situation erkennen. Razor befindet sich am Sweet Spot, an dem weiter steigende Umsätze zu einer dramatischen Margenexpansion führen.

Risiken

Die Razer Aktie ist eine stay-at-home stock und die Frage ist, inwieweit die Spieler zukünftig in einer wieder geöffneten Außenwelt bei der Stange bleiben. Mit Sicherheit werden die Steigerungsraten 2020 nicht wiederholt. Das Razer Management ist aber davon überzeugt, dass es bei Gaming um einen säkularen Trend handelt. Die Daten aus China scheinen das zu bestätigen.

Wie immer in Emerging Markets gibt es natürlich auch regulatorische Risiken. Die Banklizenz in Singapur hat man bisher nicht bekommen können. Die chinesische Regierung könnte die Regulierung des Glücksspielmarktes weiter verschärfen. Das ist aber unseres Erachtens eingepreist.

Darüber hinaus ist es angesichts des zunehmenden Wettbewerbs auf dem Spielemarkt wahrscheinlich, dass die Wettbewerber mit Produktinnovationen um Marktanteile kämpfen werden.

Fazit

Wir glauben, dass nach 3 mageren Jahren jetzt fette Jahre für die Razer Aktie folgen werden. Denn während der Aktienkurs “Game Over” signalisiert, haben sich die Umsätze verdreifacht, und das Unternehmen hat den Software Umsatz von 10 auf 120 Millionen ausbauen können.

Nach Lenovo schafft es mit der Razer Aktie damit eine weitere Hardware Aktie in den Kreis der Digital Transformation Leaders im Portfolio des EM Digital Leaders.

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Disclaimer

Der EM Digital Leaders Fund und/oder der Autor und/oder verbundene Personen oder Unternehmen besitzen Anteile von Razer. Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachte die rechtlichen Hinweise.

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Steffen Gruschka

Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig. Dort war er für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mir dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 lang Jahre Hedge Fonds. Ende 2020 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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6 Antworten

  1. Sehr spannende Analyse zu einem durchaus interessanten Unternehmen. Danke fürs Teilen!

    Gerade ein Blick auf die Amazon Bewertungen sieht sehr positiv aus. Bei all den guten Daten struggle ich ehrlich gesagt noch ein wenig beim Verständnis des Aktienkurses der letzten Jahre.

    Wie genau Gaming Hardware als Kern mit Fintech zusammenpasst, erschließt sich mir auch noch nicht so ganz.

  2. Was ist denn bei Razor heute los? ich finde keine news, die den heutigen Kursverlust (-11% aktuell) erklaeren koennen…

    1. Hi Dominik, entschuldige das ich hier etwas verspätet antworte. Die Kursschäche bei Razer ist auf das Crackdown bei Spielen in China zurückzuführen. China ist für Razer zwar noch nicht von überragender Bedeutung, aber einer der Wachstumsmärkte. Hier lastet die Unsicherheit leider noch bis die regulatorische Unsicherheit vorbei ist. Wir bleiben auf Razer postiv.

  3. Der DWS Russia hatte ähnlich wie andere Osteuropa – Fonds von 2003 bis 2007 eine glückliche Wertentwicklung (Verfünffachung / x 5 – siehe Link). Denkt Euer Fondsmanager Steffen Gruschka nicht daß Technologiewerte in der näheren Zukunft vielleicht ähnlich schlecht performen schon wegen der historischen Erfahrung daß erfolgreiche Fonds eine temporäre Überrendite nicht dauerhaft und langfristig erzielen können? Potential dazu existiert reichlich bereits daraus daß sich die überwiegend hohen Bewertungen von Technologiewerten zukünftig normalisieren. Das soll keine Kritik an Eurer Arbeit sein aber in Eurem Alter habt ihr während der letzten drei Dekaden auch bereits einiges kommen und gehen gesehen?

    1. Hallo Markus, vielen Dank für Deinen Hinweis. An den Börsen wird es immer Boom und Bust geben und das Timing ist natürlich immer nur im Nachhinein offensichtlich. Bei Osteuropa hatten wir damals einen Rohstoffeffekt und ein Konvergenzthema. Dazu kam dann auch eine politische Komponente hinzu. Der EMDL ist da breiter aufgestellt und vor allem auch kein reiner Technologiefonds. Im aktuellen Portfolio finden sich heute an erster Stelle Finanzwerte. Ich denke dass die Digitalierung als säkulares Thema weitergeht und sind gleichzeitig bei Technologienwerten selektiv und schauen verstärkt auf die Bewertungen.

  4. RAZER ist klasse und ich sehe es ebenfalls in naher Zukunft stark steigen. Die Innovation der Produkte einfach nur die Produktpalette ist für eine Gaming Marke individuell und unschlagbar (Razer Smartglasses, Razer Phone, uvm..)

    Meiner Meinung nach einer der Unternehmen bei denen man sich in 15 Jahren wünscht jetzt eingestiegen zu sein (siehe Amazon 1997 etc.)

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