Rollercoaster-Ride für die Pure Storage Aktionäre

26. November 2019

Pure Storage Achterbahnfahrt - Achterbahn und Sonnenuntergang

Eine wilde Achterbahnfahrt liegt in 2019 hinter den Aktionären von Pure Storage. Wir hatten den innovativen Storage-Anbieter vor einem halben Jahr im Beitrag zur Pure Storage Aktie vorgestellt. Zunächst durften uns in den vergangenen Monaten über eine 50 Prozent Rallye freuen, die jedoch mit der Vorstellung der Q3 Zahlen in der vergangenen Woche ein jähes Ende nahm.

Kursverlauf der Pure Storage Aktie in 2019

Im Q3 2020 (das Geschäftsjahr endet am 31. Januar) wurde die eigenen Umsatz-Guidance verfehlt. Das passierte leider nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Die Aktie wurde nach dieser wiederholten Enttäuschung von den Investoren gnadenlos abgestraft.

Auch wir müssen uns nun die Frage stellen, wie wir weiter umgehen wollen mit unserer Investition in die Aktie von Pure Storage, die sogar zu den Top10-Positionen im Portfolio von The Digital Leaders Fund zählt.

Zusammenfassung der Zahlen zum Q3 2020

Das Umsatzwachstum betrug im Q3 (nur noch) 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Vor 12 Monaten hatte das Wachstum noch 34 Prozent betragen. Der wiederkehrende Support/Subskriptionsumsatz ist allerdings um 42 Prozent gewachsen und trägt nun circa 25 Prozent zum Gesamtumsatz bei.

Übersicht zeigt Umsatz je Quartal von Q3 FY18 bis Q3 FY20

Der noch nicht realisierte Umsatz in der Bilanz (Deferred Revenues) ist um sehr gute 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr angewachsen. Er beträgt jetzt $643 Millionen. Das Wachstum der Deferred Revenues hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verlangsamt.

Die Anzahl der Kunden konnte wie auch in den Vorquartalen um 400 (gegenüber dem Q2) gesteigert werden. Das Neukundenwachstum ist also intakt und zeigt kein Anzeichen von Schwäche.

Übersicht zeigt Anzahl der Kunden je Quartal von Q3 FY18 bis Q3 FY20

Die Bruttomarge konnte im Q3 weiter auf über 70 Prozent (GAAP) gesteigert werden. Das ist eine außergewöhnlich hohe Marge für einen Hardwareanbieter und unterstreicht die große Bedeutung der Softwarekomponenten im Lösungsangebot.

Die operative Marge im Q3 betrug -7 Prozent (GAAP) bzw. +7 Prozent (non-GAAP). Damit ist man einer Profitabilität in den letzten 12 Monaten (leider nur) ein kleines Stück näher gekommen.

Der Free Cashflow (nach GAAP) war mit circa $19 Millionen im Q3 im grünen Bereich. Für uns ist das ein ganz wichtiges Kriterium bei der Entscheidung über unser weiteres Engagement.

Guidance für das laufende Q4 2020

Noch mehr enttäuscht als von diesen Q3 Zahlen waren die Investoren von der aktualisierten Guidance, die auch im Q4 nur ein Umsatzwachstum von 16 Prozent vorsieht. Im Gesamtjahr wird somit ein Wachstum von nur noch gut 20 Prozent auf circa $1,64 Milliarden erwartet. Das Wachstum hatte im Vorjahr noch deutlich über 30 Prozent betragen. Am Anfang des Jahres hatte man noch ein Wachstum von 27 Prozent avisiert.

Wie kann das sein, dass das Umsatzwachstum sich derart schnell verlangsamt hat, obwohl das Unternehmen bei der Neukundengewinnung nach wie vor uneingeschränkt erfolgreich ist?

Die Antwort auf diese entscheidende Frage hatten wir schon in unserem letzten Update zum Q2 2020 bei Pure Storage gegeben. Der Speichermarkt ist nach wie vor unter großem Druck, die NAND Preise sind schwach und die Haupt-Wettbewerber NetApp und Dell haben ihre Preise im vergangenen Quartal noch stärker reduziert als vom Pure Management antizipiert. Obwohl Pure nach eigenen Angaben genauso viel Speicher (in Bits und Bytes gemessen) verkaufen konnte wie erwartet, ist der Umsatz aufgrund der niedrigeren Preise wesentlich geringer ausgefallen als erwartet.

Die Preise (pro Speichereinheit) sind in den letzten beiden Quartalen jeweils um einen zweistelligen Prozentsatz gefallen. Das ist ein außergewöhnlich schneller Preisverfall, der so wohl nicht in die Zukunft fortzuschreiben ist.

Selbstverständlich sind fallende Preise im Speichergeschäft ganz normal. Pure kann sogar langfristig davon profitieren, wenn Flash-Speicher billiger wird, da dann die Datenhaltung der Kunden für immer mehr Anwendungsfälle von den billigeren Magnetplatten auf Flash-Speicher umgestellt wird.

Aber kurzfristig hat der Preisverfall nun schon zum wiederholte Male zu einer Umsatzwarnung bei Pure geführt. Das Management muss sich schon die Frage gefallen lassen, ob man zu Jahresbeginn konservativ genug geplant hat.

Änderungen im Management

Pure hat sein Führungsteam in den vergangenen Wochen erheblich verändert. Neben dem neuen CFO Kevan Krysler, der von VMWare zu Pure wechselt, hat man auch den neuen COO (Chief Operating Officer) Paul Mountford verpflichtet, der für alle Sales-, Marketing- und Go-to-Market-Strategien verantwortlich sein wird. Der erfahrene David Hatfield (bisher President) zieht sich aus persönlichen Gründen in eine beratende Rolle als Vice Chairman zurück, wird aber im Unternehmen bleiben.

Bewertung der Pure Storage Aktie

Die Aktionäre von Pure benötigen angesichts der extrem hohen Volatilität der Aktie gute Nerven und viel Geduld. Bei einem Kurs von $16,70 beträgt das EV/Sales-Verhältnis auf Basis des Umsatzes  der vergangenen 12 Monate circa 2,3. Das ist angesichts der sehr guten Marktposition mit stetig steigenden Marktanteilen sicher nicht zuviel. Wir sind sehr optimistisch, dass Pure Storage sein Wachstum im kommenden FY2021 (d.h. im Kalenderjahr 2020) wieder beschleunigen kann, falls der Verfall der Speicherpreise sich wie erwartet verlangsamen sollte.

Spätestens dann sollten die Pure-Aktionäre für ihre Geduld belohnt werden. Steigende Marktanteile in einem wachsenden Markt werden sich angesichts der hohen Brutto-Margen irgendwann adäquat in den Geschäftszahlen widerspiegeln. Wir bleiben mit The Digital Leaders Fund daher unverändert in der Pure Storage Aktie investiert.

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Stefan Waldhauser

Stefan Waldhauser

Stefan war in seinem gesamten Berufsleben in der High-Tech-Industrie tätig. Er hat sein eigenes Software-Unternehmen gegründet, internationalisiert und vor einigen Jahren ins Silicon Valley verkauft. Der Wirtschaftsmathematiker investiert seit über 30 Jahren in Aktien. Er verwaltet eines der erfolgreichsten investierbaren Musterportfolios auf der wikifolio Plattform.

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6 Antworten

  1. Lieber Stefan, grundsätzlich herzlichen Dank für den Einblick in eine Welt, für die man schon spezielle Kenntnisse benötigt. Auch die Langfristige Strategie ist grundsätzlich richtig. Trotz allem liegt die Kunst auch darin zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt bin ich zu 10 oder zu 100% meines verfügbaren Aktienvermögens investiert. Und wie verteile ich das Geld in die wunderbaren Investment Möglichkeiten. Nach nun fast 10 Jahren Börsenhausse ,vor allem im Techbereich mit nun sehr hohen Umsatz und Gewinnmultiples, stellt sich die Eingangsfrage umso mehr. Ganz anders stellt sich die Frage für jemanden, der monatlich einen festen Betrag anlegen möchte und womöglich noch sehr jung ist. Deshalb nutze ich persönlich auch gerne mal Gewinnmitnahmen nach kurzfristigen Kursbewegungen , speziell auch mit dem Verkauf von Calloptionen, die einen hohen Prozentsatz auf die Kurse haben. Ebenso bei starken Kursverlusten, bei denen die Storys der Unternehmen eigentlich intakt sind, kommt man entweder durch Callkäufe mit kleinem Kapitaleinsatz günstig an die Aktien oder durch Verkäufe von Putoptionen mit höherem Risiko und Casheinnahmen zu guten Gewinnen.
    Ich glaube , dass das Cashmanagement hat eine sehr große Bedeutung.

    1. Hallo Herr Raber, über das Cashmanagement gibt es natürlich sehr unterschiedliche Ansichten. In unserem Falle bei The Digital Leaders Fund ist das allerdings einfach. Wir sind ein reinrassiger Aktienfonds und unsere Anleger erwarten (im Gegensatz zu einem Mischfonds oder Hedgefonds), dass wir mit ihrem Geld in Aktien investieren. Daher halten wir idR nur eine geringe Cashquote von derzeit ca. 5%. Mit der daraus resultierenden Volatilität müssen und können wir leben.

  2. Touché, Stefan! Vielen Dank für das Feedback!
    Ich bin zu mindestens 90% auch ein Langfrist-Investor. Der kurze Chat zeigt mir, dass ich möglicherweise im Einzelfall noch zu früh „die Nerven verliere“. Dies mag mit fehlendem Knowhow der speziellen Geschäftsmodelle und Branchen zu tun haben. Ich habe in diesem Fall aus dem Bauch entschieden. Eine Anpassung des Portfolios bei gegebenen Volatilitäten kann im Ausnahmefall natürlich auch mal richtig sein.
    Viele Grüße
    Wolfgang Wagner

  3. Ich werde heute in Pure Storage einsteigen. Ich bin von den Analysen insgesamt begeistert und ein echter Fan. Aufgrund der letzten Analyse zu Nutanix bin ich dort am 6.11. zu 25,23 EUR eingestiegen und habe heute (nach 4 Wochen) zu 34,- EUR verkauft. 34% in vier Wochen sind super. Mir fehlt der Mut drin zu bleiben, weil ich bei Arista die gleiche Entwicklung erlebte (+40% in wenigen Wochen), aber nicht ausgestiegen bin. Heute bewegt sich der Kurs dort knapp unter Einstand.

    1. Hallo Wolfgang,
      Hmmm… ich weiß ehrlich gesagt nicht wie ich auf diesem Beitrag reagieren soll. Einerseits freue ich mich natürlich über jeden Leser, der sich als „Fan“ outet. Aber wer uns kennt, der weiss, dass es überhaupt nicht in unserem Sinne ist, wenn unsere Analysen als Basis für kurzfristige Trades genutzt werden. Du hattest im Falle Nutanix Glück und bei Arista Pech beim Timing. Was wir hier mit dem DLF tun, das sollte langfristig aber nichts mit Glück oder Pech zu tun haben. Uns liegt es sehr am Herzen zu zeigen, wie man mit einer ruhigen Hand und einer mittel- bis langfristig ausgerichteten Anlagestrategie systematisch überdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Wir denken grundsätzlich nicht in Wochen, sondern eher in Jahren…
      Viel Erfolg weiterhin! Stefan

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