Vergangene Woche hat mir ein Fondsberater, der uns schon lange begleitet, folgende E-Mail geschickt:
Moin Herr Irmak, als Erstes: Ich liebe Ihre Newsletter und Ihre Fonds! Ich muss gestehen, ich habe aktuell Probleme, Mandanten in meine beiden Lieblingsfonds zu bekommen bei Einmalzahlungen. Ratierliche Zahlungen laufen klasse. Als Begründung für die Zurückhaltung wird mir gesagt: SaaS ist aktuell im Abschwung, AI soll eine Blase sein, die Unternehmen sind eh zu hoch bewertet und wenn China in Taiwan einfällt, sind Tech-Werte nichts mehr wert… Sie haben sicher hierzu eine Meinung, an der ich sehr interessiert bin.
Das sind alles sehr gute Fragen, die wahrscheinlich viele unserer Leser und viele Kunden von Fondsberatern beschäftigen. Daher teile ich hier mit Einverständnis des geschätzten Beraters die E-Mail und schreibe meine Gedanken zu den Fragen auf.
Sparplan vs. Einmalanlage
Unsere Fonds sind volatil. Die Vola werden wir mit einem so konzentrierten Ansatz leider auch künftig nicht reduzieren können. Aber seitdem es den Fonds gibt, hatten wir eine Pandemie, einen Crash der Digitalwerte, und seit Jahren herrscht ein Krieg in Europa. Dennoch hat der Digital Leaders Fund im Schnitt 12,7 Prozent pro Jahr performt. Wer im März 2018 100.000 Euro investiert hat, kommt heute auf ca. 255.000 Euro. Aber Vola muss man abkönnen. Viele Anleger hatten dafür nicht die Nerven und haben leider vorher das Handtuch geworfen. Aber für alle, die die nötige Risikotoleranz hatten, hat sich die Treue ausgezahlt.
Eine Einmalanlage ist in den allermeisten Fällen dem Sparplan überlegen, siehe unseren Artikel „Sparplan oder Einmalanlage?“. Aber aus Wohlfühlgründen mag der Sparplan für manche die bessere Wahl sein.
SaaS-Crash
Wir hatten im Mai 2023 in unserem Editorial auf die mögliche Gefahr hingewiesen: „Software eats the World, and AI eats Software“. Drei Jahre später beherrscht das Thema die Märkte. Den aktuellen Abverkauf haben wir so auch nicht kommen sehen, aber wir sind schon sehr lange deutlich untergewichtet in Software. Auch daher haben wir 2025 22 Prozent Rendite erzielt. Der panische Abverkauf bietet auch eine Chance. Wir haben bereits angefangen, punktuell zuzugreifen, insbesondere bei Unternehmen mit einer steigenden Net Revenue Retention (NRR).
Bewertung & mögliche Blase
Ja, die Bewertungen sind ambitioniert. Und ja, heftige Korrekturen gehören dazu. Aber wie Jensen Huang sagt: Aktuell findet der größte Ausbau der Infrastruktur in der Wirtschaftsgeschichte der Menschheit statt. Der Hardware-Superzyklus kann noch Jahre gehen. Dennoch: wir sind zwar voll investiert, brettern aber nicht ohne Gurt und Airbag über die Piste. Unser Risikomanagement hat in den letzten zwei Jahren gut funktioniert. Am sogenannten Liberation Day und beim jüngsten Abverkauf von SaaS hat sich der Fonds deutlich besser gehalten als die Konkurrenz.
Wenn China in Taiwan einmarschiert, sind die Tech-Werte nichts mehr wert
Mag sein, dass Tech-Werte dann crashen. Aber vermutlich werden auch DAX-Werte crashen. Deutsche Automobilfirmen machen dort über 30 Prozent ihrer Umsätze, ebenso Infineon. BASF, Covestro und Adidas haben dort ein signifikantes Geschäft. Diversifikation mag in so einem Fall helfen. Wenn theoretisch TSMC als Auftragshersteller ausfällt, wird Samsung der große Gewinner sein. Und wenn wir die politische Bewertung hier kurz ausblenden: In einem Worst-Case-Szenario werden die Börsen crashen, aber langfristig ist TSMC dann kein taiwanesisches Unternehmen mehr, sondern ein chinesisches – so wie Alibaba und Tencent.
Anleger können die KI-Revolution auch defensiv spielen. Mein Kollege Stefan Hartmann managt seit Februar 2025 für Patrizia den Patrizia Low Carbon Core Infrastructure Fund (ISIN Insti: IE000X0ZG6X4, Class Retail: IE00BJSB2902). Er investiert unter anderem in Versorger und kritische Infrastruktur. Der Fonds hat in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt knapp 7,5 Prozent Performance erzielt – bei einem maximalen Drawdown von 12,5 Prozent. Im vergangenen Jahr lag die Performance bei 11,5 Prozent, seit Jahresbeginn steht der Fonds mit 7,7 Prozent im Plus.
Technologische Trends kommen und gehen. Manche Veränderungen sind jedoch so tiefgreifend, dass sie die gesamte Wirtschaftsordnung auf den Kopf stellen. Die KI-Revolution ist eine davon. In dieser Woche haben KI-native Apps, aufbauend auf Anthropics Claude, eine Branche nach der anderen in Angst und Schrecken versetzt. Anthropic selbst hat parallel 30 Milliarden Dollar zu einer Bewertung von 380 Milliarden Dollar aufgenommen. Das Unternehmen hat seine Umsatz-Run-Rate in den letzten drei Jahren jedes Jahr verzehnfacht.
Die Welt wird neu verteilt – in Echtzeit. Anleger sollten hier nicht Zuschauer bleiben und je nach Nervenstärke und finanziellem Spielraum investieren.
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Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.



