Als mir am Dienstagmorgen ein Broker zurief, die UBS habe das Kursziel für Micron von 535 auf 1.625 Dollar verdreifacht, wusste ich nicht, worüber ich mehr staunen sollte: über das absurde Kursziel oder den Absender. Tim Arcuri zählt zu den besten Halbleiter-Analysten der Wall Street, er braucht keine spektakulären Kursziele um gehört zu werden.
Der Markt reagierte sofort: Die Aktie sprang um 19 Prozent, den größten Tagesgewinn ihrer Geschichte und knackte erstmals eine Billion Dollar Börsenwert. In Sympathie mit Micron schossen Halbleiter- und KI-Hardwaretitel nach oben und verschafften unseren Fonds The Digital Leaders Fund und EM Digital Leaders neue All-Time-Highs.
Vom Schweinezyklus zum säkularen Wachstum?
Micron war immer ein Zykliker. Jahrelang konnten Tech-Investoren die Aktie bei 50 Dollar kaufen, bei 100 wieder verkaufen und auf den nächsten Abschwung warten. Mit dem KI-Rollout hat sich dieses Spiel zunächst erledigt. Der GPU-Boom zieht einen HBM-Boom nach sich. Die High-Bandwidth-Memory-Chips von Marktführer SK Hynix und Micron sind für 2026 ausverkauft. Nun verschiebt sich die Last vom Training zur Inferenz: Jede produktiv laufende KI braucht Server, Server brauchen CPUs, und CPUs brauchen DDR5. Aus den Nachfragewellen wird eine Knappheit über alle Speicherklassen hinweg.
Die Hyperscaler sichern ihre Supply Chain über langfristige Verträge ab. Long Term Agreements gab es schon immer, aber als reine Mengendeals. Die neue Generation läuft über drei bis fünf Jahre und kombiniert feste Mengen mit nun zunehmend fixierten Preisen. UBS schätzt, dass bis zu 30 Prozent der DDR-Volumina der Branche bald knapp unter dem aktuellen Niveau festgezurrt sind; bei Server-DDR5 haben die Hyperscaler bereits 60 bis 70 Prozent gesichert. Der Effekt: Die Preisausschläge halbieren sich. Und selbst in einem moderaten Abschwung 2029 soll Micron über 100 Dollar je Aktie verdienen. Ein Speicherhersteller, der so durch das Tal des Zyklus weiterhin profitabel bleibt. Das ist zumindest eine starke Antwort auf die größte Schwachstelle von Speicherchip-Herstellern.
1,9 Billionen Dollar Cash
Der KI-Boom hat den Halbleiterherstellern eine Cashflow-Schwemme historischen Ausmaßes beschert. UBS rechnet für acht KI-Profiteure, von Nvidia und Broadcom bis zu den führenden Speicher- und Festplattenherstellern, mit einem kumulierten Mittelzufluss von 2,5 Billionen Dollar bis 2028. Rund 1,9 Billionen davon stünden frei zur Verfügung, allein etwa 700 Milliarden bei Nvidia. Die Kapitalrenditen dieser Gruppe liegen auf 30-Jahres-Hochs.
Für Micron allein hebt UBS die Gewinnschätzung je Aktie auf 155 Dollar (2027), 167 Dollar (2028) und 117 Dollar (2029). Und obwohl die Aktie inzwischen bei 923 Dollar notiert und sich binnen zwölf Monaten vervielfacht hat, ergibt das ein einstelliges KGV: knapp 6 auf den für 2027 erwarteten Gewinn, gut 5 für 2028. Der Marktkonsens liegt mit rund 90 bis 100 Dollar je Aktie weit darunter.
Was fangen diese Konzerne mit dem Geldsegen an? Sie kaufen sich tiefer in die KI-Nahrungskette ein. Bestes Beispiel ist die soeben geschlossene Finanzierungsrunde von Anthropic, die das Unternehmen mit 965 Milliarden Dollar bewertet: Micron, SK Hynix und Samsung sind als neue Investoren und strategische Partner mit an Bord. Übrigens: Anthropic meldete gestern eine Umsatz-Run-Rate von 47 Milliarden Dollar. Im April waren es noch 30 Milliarden.
Highlights aus den Portfolios diese Woche
The Digital Leaders Fund
Leopold Aschenbrenner hat eine Beteiligung von 5,6 Prozent an Nebius gemeldet. Die Aktie zog daraufhin 9 Prozent an, ein neues All-Time-High. Unsere DLF-Leser sind seit Beginn der Rally informiert. Der Aktienkurs von Digital Turbine hat sich nach Vorlage der Zahlen in zwei Tagen nahezu verdoppelt. Zscaler hat uns mit einer dürftigen Guidance und einem desaströsen Analysten-Call ordentlich in die Suppe gespuckt. Nach den Snowflake-Zahlen gestern haben sich alle unsere Software- und Cybersecurity-Titel deutlich erholt. Nachbörslich gab es zudem gute Zahlen von Okta. Und die Dell-Zahlen beflügeln heute unseren Portfolio-Neuling Super Micro Computer.
EM Digital Leaders
Die UBS-Studie war auch ein Boost für unsere Schwergewichte SK Hynix und Samsung. Auch bei einigen chinesischen Halbleitern gab es deutliche Kurssprünge: Shanghai Biren zog heute Morgen knapp 15 Prozent an, nachdem Daiwa das Kursziel auf 100 Hongkong-Dollar angesetzt hat.
Patrizia LCCIF:
Die Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran hat zu einer Erholung bei unseren Flughafenwerten Flughafen Zürich, Aéroports de Paris und AENA geführt. RWE will seinen Anteil am Netzbetreiber Amprion von 25,1 auf über 40 Prozent aufstocken. Da der Fonds primär in regulierte Netzbetreiber und nicht in Stromerzeuger investiert, wird RWE durch diesen Schritt für uns interessanter.
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Baki war viele Jahre in leitender Funktion für den Deutsche Bank Konzern und DWS tätig. Zuletzt u.a. als Global Head of Digital Business für die Deutsche Asset & Wealth Management und Mitglied im Digital Executive Commitee der Deutschen Bank. Seine berufliche Laufbahn hat er als Fondsmanager für Technologie, Telekommunikation und Medien bei BHF Trust begonnen. Danach war er Fondsmanager bei der Commerzbank und ABN Amro.



