Sea-Aktie: Segelt sie endlich in ruhigem Fahrwasser?

16. Mai 2024

Sea-Aktie Sea Limited Quartalsupdate Q1 2024

Sea Limited hat für das erste Quartal solide Zahlen präsentiert und die Analystenerwartungen geschlagen. Wir analysieren die Zahlen und diskutieren die Perspektiven des Gaming- und Ecommerce-Players – und ob die Sea-Aktie noch attraktiv für Anleger ist.

Sea-Aktie: Ordentliche Zahlen zum ersten Quartal

Der Umsatz lag bei 3,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 22,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und laut Bloomberg 4 Prozent über den Analystenerwartungen. Der Rohertrag stieg um 9,7 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar.

Die freudige Überraschung beim EBITDA: 401 Millionen Dollar. Ein Jahr zuvor waren es zwar 507 Millionen Dollar gewesen, die Analysten hatten allerdings nur 222 Millionen erwartet. Der Nettofehlbetrag lag bei 23 Millionen. Angesicht des kompetitiven Umfeldes ist das kein schlechtes Resultat.

Ebenfalls erfreulich ist die stabile Kriegskasse von 8,6 Milliarden Dollar. Dabei hatte das Unternehmen eigene Schulden im Wert von 172 Millionen Dollar zurückgekauft.

Der Markt reagierte auf die Zahlen zugleich positiv und zugleich nervös. Kurz nach der Öffnung schoss die Sea-Aktie über 7 Prozent ins Plus, fiel dann nach wildem Hin und Her sogar kurz ins Minus und kletterte wieder 7 Prozent ins Plus. Am Ende blieben knapp 3 Prozent übrig. Der Schock des Absturzes der Sea-Aktie 2021-23 sitzt offenbar noch tief – zu Unrecht, den inzwischen wirtschaftet die Gaming- und Ecommerce-Plattform aus Singapur solide. Seit Mitte 2023 hat sich der Kurs der Sea-Aktie stabilisiert, und seit Anfang dieses Jahres hat sich die Sea-Aktie fast verdoppelt.

Sea-Aktie Kursverlauf
Sea-Aktie Kursverlauf; 16.Mai 2023 - 15. Mai 2024 in US Dollar

Rekordzahlen im E-Commerce

Die Zahl der Orders stieg um 57 Prozent auf 2,6 Milliarden. Der Bruttowarenwert (GMV) lag mit 23,6 Milliarden Dollar um 36 Prozent über dem Niveau des Vorjahres – ein Rekordergebnis. Der GAAP-Umsatz lag bei 2,7 Milliarden Dollar, ein Plus von 33 Prozent. Der transaktionsbasierte Umsatz stieg um 47 Prozent, Value-added Services (hauptsächlich Logistik) legten dagegen nur um 8 Prozent zu. Dennoch liegt hier ein wesentlicher Management-Fokus: Der Ausbau der eigenen Logistik soll die Lieferzeiten verkürzen, angesichts der vielen Inseln in Südostasien bleiben Lieferzeiten eine echte Herausforderung.

Es wurde erneut in die Steigerung des Umsatzes investiert: Die Ausgaben für Sales und Marketing verdoppelten sich im Jahresvergleich auf 676 Millionen Dollar. Im Vergleich zum Vorquartal waren es allerdings 23 Prozent weniger. Insgesamt präsentierte die Gesellschaft einen kleinen Segment-Verlust von 22 Millionen Dollar.

Regional gibt es wenig Neues zu berichten: Asien lag mit 12 Millionen Dollar EBITDA leicht im Plus. Der Umsatz aus Livestreaming macht rund 15 Prozent aus. Der Deckungsbeitrag in Brasilien erreichte mit minus 4 Cents pro Order fast den Break-even.

Solide Zahlen bei digitalen Finanzdienstleistungen

Der GAAP-Umsatz erreichte 499 Millionen Dollar, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Volumen der ausstehenden Kredite stieg um 29 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar. Davon liegen 2,7 Milliarden Dollar auf dem eigenen Buch, 600 Millionen Dollar werden von Dritten finanziert. Die NPL-Quote war mit 1,4 Prozent stabil. 40 Prozent des Neugeschäfts werden außerhalb von Shopee generiert.

Turnaround im Digital Entertainment

Die Zahl der aktiven Spieler im Quartal stieg um 21 Prozent auf 595 Millionen. Die Zahl der zahlenden Spieler stieg sogar um 30 Prozent auf 49 Millionen. Damit verbesserte sich die Zahlungsbereitschaft auf 8,2 Prozent, gleichzeitig schrumpfte das durchschnittliche Ticket von 94 auf 86 Cents. Der Netto-Effekt war dennoch positiv: Die Spieler gaben mit 512 Millionen Dollar im Jahresvergleich 11 Prozent mehr aus. Das Segment-EBITDA stieg um 27 Prozent auf 292 Millionen Dollar.

Zum verbesserten Ergebnis soll das im Januar eingeführte Spiel-Update „Chaos“ beigetragen haben, bei der die Spieler in den Einstellungen interaktiv über wesentliche Events abstimmen können.

Ausblick

Zunächst ein Blick in den Rückspiegel: Bereits mit den Jahreszahlen im März hatte Sea für 2024 angekündigt, profitabel bleiben zu wollen, ohne im E-Commerce Marktanteile zu verlieren. Ein GMV Wachstum zwischen 15 und 20 Prozent werde angepeilt. EBITDA im E-Commerce soll im zweiten Halbjahr wieder positiv werden. Für Garena, den Gaming Bereich, wurde ein zweistelliges Wachstum bei Nutzerzahlen und Umsatz in Aussicht gestellt.

Die Wettbewerbsposition ist und bleibt die zentrale Herausforderung im wachsenden Markt, wenngleich bisher keine Verschlechterung der Marktposition festzustellen ist.

Der von Anlegern und Analysten am meisten gefürchtete Wettbewerber ist angesichts prall gefüllter Taschen der Kurzfilm-Riese TikTok. Unklar bleibt, wie sich der angeordnete Verkauf des TikTok US-Geschäfts sowie die zahlreichen Verbote für Regierungsangestellte in anderen Ländern auswirken werden: Ist TikTok nachhaltig geschwächt? Wandert angesichts mangelnder Wachstums-Perspektiven anderswo der Fokus (auch) nach Südostasien?

Es ist noch viel zu früh für eine abschließende Entwarnung, wenngleich man ganz klar sagen muss: Die Zeit spielt für Sea: Das Geschäft wird weiter ausgebaut.

Sea fokussiere sich, so das Management im Earnings Call, auf die operativen Kosten pro Bestellung (cost to serve). Denn wer den Kunden am günstigsten bedienen kann, ist im Vorteil. Außerdem ist das Management bestrebt, die günstigsten Preise im Markt anbieten zu können. Daher sollen Plattform-Verkäufer bei der Kostenreduzierung über die Optimierung der Lieferkette hinweg unterstützt werden. Längerfristig behält das Management das Ziel von 2 bis 3 Prozent EBITDA Marge im E-Commerce Geschäft aufrecht. 

Der starke Trend des ersten Quartals im Gaming setzt sich laut Management auch im zweiten Quartal fort. Der Post-Covid Katzenjammer im Spielbereich sei jetzt beendet.

Positiv

Die Zahlen stellen wieder einmal unter Beweis, dass Sea nicht dabei ist, für den Marktanteil Haus und Hof zu riskieren. Wir glauben, dass das Unternehmen ideal aufgestellt ist, vom starken Wachstum in Indonesien zu profitieren. Dieses soll auch in den nächsten Jahren bei rund 5 Prozent liegen.

Negativ

Im Vergleich mit unseren Top-Positionen wie Kaspi und Nu kann die Gesellschaft hinsichtlich Transparenz und Granulat bei den KPIs nicht mithalten. Das wird leider auch weiter so bleiben, auch um der Konkurrenz jegliche Informationen zu versagen.

My Take zur Sea-Aktie

CEO Forest Li drückte es so aus: „Das schwierige Umfeld der letzten Jahre hat uns schlanker, süßer und klüger werden lassen“. Die Gesellschaft ist heute tatsächlich besser für den Konkurrenzkampf aufgestellt. 

Trotz der zunächst nervösen Reaktion des Marktes auf die Zahlen hat die Sea-Aktie insgesamt positiv reagiert. Anleger haben offenbar verstanden, dass der Wachstumskurs kein Ende der Frugalität und eine Rückkehr zur Verlustmacherei bedeutet. Dass das Kursplus dennoch eher bescheiden war, lässt sich mit der Kursentwicklung der letzten Monate erklären. Die Sea-Aktie hat sich seit unseren Beiträgen vom September und November vergangenen Jahres bereits verdoppelt. Damals hatten wir richtigerweise darauf hingewiesen, dass die Anlegerpanik ungerechtfertigt war. 

Die Sea-Aktie ist mit 2,4 Mal EV/Umsatz 2,4 und 27,8 Mal EV/EBITDA bewertet. Für nächstes Jahr liegen diese Werte bei 2,0 und 16,8. Das ist natürlich bei weitem nicht mehr so günstig wie letztes Jahr, aber durch die Wachstumsaussichten durchaus gerechtfertigt. Wir behalten, auch wenn das einfache Geld bereits verdient ist, unsere Position im EM Digital Leaders, weil die langfristigen Aussichten in Südostasien positiv sind, beobachten aber weiterhin die Wettbewerbssituation mit Argusaugen.

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Autor

  • Steffen Gruschka

    Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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Steffen Gruschka

Steffen war von 1998 bis 2006 im Fondsmanagement der DWS als Leiter Aktien Osteuropa tätig und dort für bis zu 5 Mrd. Euro AuM verantwortlich. Er wurde für seine Arbeit als Fondsmanager mehrfach prämiert u.a. wurde er von der Zeitschrift Finanzen 2003 mit dem DWS Russia als Fondsmanager das Jahres ausgezeichnet. Anschließend machte er sich in London selbständig und verwaltete über 10 Jahre lang Hedge Fonds. Anfang 2021 stieg er als Partner bei Pyfore Capital ein und ist seither für das Fondsmanagement des EM Digital Leaders verantwortlich.

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